
Musiktheorie
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Musiktheorie beschreibt, wie Musik funktioniert. Sie erfindet keine Regeln, sondern hält fest, welche Zusammenhänge sich in gespielter Musik wiederholen: welche Töne zusammenklingen, wie Rhythmen gegliedert sind und warum bestimmte Akkordfolgen einen Schluss ergeben.
Für die Praxis heißt das zweierlei. Wer Theorie versteht, muss Stücke nicht auswendig lernen, sondern erkennt ihren Aufbau. Und wer mit anderen spielt, braucht die gemeinsamen Begriffe: Ohne sie lässt sich weder eine Tonart absprechen noch eine Stelle in den Noten benennen.
Diese Rubrik geht vom Notenbild aus und arbeitet sich zu Tonleitern, Intervallen, Akkorden und Formen vor. Jeder Artikel erklärt einen Baustein, ohne die anderen vorauszusetzen.

Absolutes Gehör
Wer ein absolutes Gehör hat, erkennt oder singt eine Tonhöhe ohne Bezugston. Das relative Gehör erkennt dagegen den Abstand zwischen zwei Tönen und braucht dafür einen Bezug. Ein absolutes Gehör ist selten, es ist aber keine Voraussetzung für Musikalität und kein Qualitätsmerkmal. Für das Zusammenspiel im Ensemble wiegt das relative Gehör schwerer, und nur dieses lässt sich in der Gehörbildung zuverlässig trainieren.

Akkordsymbole verstehen
Ein Akkordsymbol nennt den Grundton als Buchstaben und hängt daran, was über dem Grundton liegt. C steht für C-Dur, Cm für C-Moll, C7 für den Dominantseptakkord, Cmaj7 für den großen Septakkord. Ziffern wie 9 oder 13 ergänzen weitere Töne, ein Schrägstrich wie in C/G nennt einen abweichenden Basston. Im deutschen Sprachraum steht H für das englische B und B für das englische Bb, und genau das ist die häufigste Verwechslung.

Artikulation
Artikulation bestimmt, wie ein einzelner Ton beginnt, wie lange er klingt und wie er endet. Sie regelt die Bindung zwischen den Tönen, nicht ihre Lautstärke: dafür steht die Dynamik. Die Zeichen stehen als Punkt, Strich, Keil oder Bogen direkt am Notenkopf, von Legato für gebundenes Spiel bis Staccatissimo für den sehr kurzen Ton. Was ein Zeichen praktisch verlangt, hängt vom Instrument ab: Auf der Geige ist Legato eine Bogenrichtung, auf der Trompete eine Frage der Zungenstöße, am Klavier eine des Fingerwechsels.

Blues-Skala
Die Blues-Skala ist die Moll-Pentatonik mit einem sechsten Ton, der verminderten Quinte. In c-Moll besteht sie aus c, es, f, ges, g und b. Der Zusatzton heißt Blue Note, liegt einen Halbton unter der Quinte und dient als Durchgangston. Neben dieser Moll-Form gibt es eine Dur-Blues-Skala aus der Dur-Pentatonik und einer zusätzlichen kleinen Terz.

BPM und Tempo
BPM steht für beats per minute und zählt, wie viele Schläge in eine Minute passen. Bei 120 BPM folgen zwei Schläge je Sekunde aufeinander, bei 60 BPM genau einer. Welcher Notenwert als Schlag zählt, steht in der Metronomangabe davor, meist als Viertel = 120. Die italienischen Bezeichnungen von Largo bis Prestissimo decken jeweils eine Spanne ab, und diese Spannen sind Richtwerte, die sich je nach Quelle und Epoche unterscheiden.

Chromatische Tonleiter
Die chromatische Tonleiter besteht aus zwölf Tönen im Abstand von je einem Halbton und umfasst damit alle Töne des temperierten Systems innerhalb einer Oktave. Aufwärts ab c lauten sie c, cis, d, dis, e, f, fis, g, gis, a, ais, h. Weil alle Abstände gleich groß sind, hat sie keinen Grundton und keine Stufenhierarchie. Sie ist deshalb keine Tonart, sondern ein Tonvorrat.

Dreiklänge
Ein Dreiklang besteht aus drei Tönen im Terzabstand: Grundton, Terz und Quinte. Die Reihenfolge der beiden Terzen entscheidet über die Art, also über Dur, Moll, vermindert oder übermäßig. Dieselben drei Töne lassen sich in Grundstellung, als Sextakkord und als Quartsextakkord anordnen. Auf den Stufen einer Durtonleiter stehen drei Dur-, drei Molldreiklänge und ein verminderter Dreiklang.

Dur-Tonleiter
Die Dur-Tonleiter ist eine siebenstufige Tonleiter mit einem festen Schrittmuster aus fünf Ganztonschritten und zwei Halbtonschritten. Die Halbtonschritte liegen zwischen der dritten und vierten sowie zwischen der siebten und achten Stufe. C-Dur bildet dieses Muster auf den weißen Tasten ab, jede andere Dur-Tonart braucht Vorzeichen, um es zu erhalten. Die große Terz zwischen Grundton und dritter Stufe trennt Dur von Moll.

Dynamik
Dynamik bezeichnet die Lautstärke in der Musik und ihre Veränderung im Verlauf eines Stücks. Die Stufen tragen italienische Namen von pianissimo bis fortissimo und stehen als Abkürzungen unter dem Notensystem. Crescendo und decrescendo schreiben den allmählichen Übergang zwischen zwei Stufen vor, Akzentzeichen heben einzelne Töne heraus. Alle Angaben sind relativ: forte heißt lauter als das Umgebende, nicht eine bestimmte Dezibelzahl.

Intervalle
Ein Intervall ist der Abstand zwischen zwei Tönen. Seinen Namen bekommt es von der Anzahl der Tonleiterstufen, seine Größe von der Anzahl der Halbtöne. Prime, Quarte, Quinte und Oktave heißen rein, Sekunde, Terz, Sexte und Septime treten in großer und kleiner Form auf. Innerhalb einer Oktave liegen zwölf Halbtonschritte, vom Einklang bis zur reinen Oktave.

Kadenz
Eine Kadenz ist eine Akkordfolge, die eine Tonart bestätigt und einen Abschnitt abschließt. Sie besteht aus den Hauptstufen Tonika, Subdominante und Dominante, in der Grundform als Folge I, IV, V, I. Aus den letzten beiden Akkorden ergeben sich vier Schlussformeln: authentischer Schluss, Plagalschluss, Halbschluss und Trugschluss. Im Instrumentalkonzert bezeichnet Kadenz zusätzlich den Solopart kurz vor dem Ende eines Satzes.

Kammerton 440 Hz
Der Kammerton ist der Bezugston, auf den ein Ensemble alle Instrumente stimmt. Er liegt beim eingestrichenen a, und die verbreitete Festlegung nennt dafür 440 Hertz, also 440 Schwingungen je Sekunde. Die Norm ISO 16 hält diesen Wert fest, seit sich Musiker und Instrumentenbauer im 20. Jahrhundert international darauf geeinigt haben. In der Praxis stimmen viele Orchester etwas höher, gebräuchlich sind 442 oder 443 Hertz, während die barocke Aufführungspraxis meist 415 Hertz nutzt.

Kirchentonarten
Die Kirchentonarten sind sieben Tonleitern, die denselben Tonvorrat auf sieben verschiedenen Grundtönen ordnen. Auf den weißen Tasten heißen sie Ionisch, Dorisch, Phrygisch, Lydisch, Mixolydisch, Aeolisch und Lokrisch. Jeder Modus hat einen charakteristischen Ton, an dem er sich von Dur oder Moll unterscheidet. Ionisch entspricht der Dur-Tonleiter, Aeolisch dem natürlichen Moll.

Konsonanz und Dissonanz
Konsonanz und Dissonanz beschreiben, wie stark zwei gleichzeitig klingende Töne miteinander verschmelzen. Je einfacher das Verhältnis ihrer Frequenzen ist, desto mehr Obertöne fallen zusammen und desto ruhiger klingt der Zusammenklang: Oktave 2 zu 1, Quinte 3 zu 2, große Terz 5 zu 4. Vollkommene Konsonanzen sind Prime, Oktave und Quinte, unvollkommene die Terzen und Sexten, dissonant sind Sekunden, Septimen und der Tritonus. Dissonanz ist kein Werturteil, sondern eine Spannung, die eine Auflösung erwarten lässt.

Moll-Tonleiter
Die Moll-Tonleiter ist eine siebenstufige Tonleiter mit einer kleinen Terz über dem Grundton. Das natürliche Moll folgt dem Muster Ganz, Halb, Ganz, Ganz, Halb, Ganz, Ganz, das harmonische Moll erhöht die siebte Stufe, das melodische Moll aufwärts zusätzlich die sechste. a-Moll kommt wie C-Dur ohne Vorzeichen aus und ist dessen Paralleltonart, eine kleine Terz tiefer.

Musikalische Formen
Die musikalische Form beschreibt, wie ein Stück in Abschnitte gegliedert ist und welche davon wiederkehren. Die Abschnitte tragen Großbuchstaben: A steht für das erste Material, B für einen neuen Teil. Aus diesen Folgen entstehen die Liedform, das Rondo, die Variation und die Sonatenhauptsatzform, in der Popmusik die Folge aus Strophe und Refrain. Kanon und Fuge ordnen dagegen die Stimmen zueinander statt die Abschnitte nacheinander.

Noten lesen
Noten lesen heißt, aus der Position eines Notenkopfes eine Tonhöhe und aus seiner Form eine Dauer abzulesen. Das Notensystem besteht aus fünf waagerechten Linien und vier Zwischenräumen, gelesen wird von links nach rechts. Je höher ein Notenkopf steht, desto höher klingt der Ton. Welchen Ton eine bestimmte Linie trägt, legt der Notenschlüssel am Zeilenanfang fest.

Notenschlüssel
Der Notenschlüssel steht am Anfang jeder Notenzeile und legt fest, welche Tonhöhe die Linien des Systems tragen. Ohne ihn zeigt das Liniensystem nur ein Auf und Ab, aber keine bestimmten Töne. Gebräuchlich sind drei Familien: der G-Schlüssel als Violinschlüssel, der F-Schlüssel als Bassschlüssel und der C-Schlüssel als Alt- oder Tenorschlüssel. Jede legt das System in den Bereich, in dem eine Stimme überwiegend liegt, und spart damit Hilfslinien.

Notenwerte
Notenwerte geben an, wie lange ein Ton klingt. Sie nennen keine Sekunden, sondern Verhältnisse: Jeder Wert dauert halb so lang wie der nächstgrößere. Aus einer Ganzen werden zwei Halbe, vier Viertel, acht Achtel und sechzehn Sechzehntel. Wie lang eine Viertel tatsächlich klingt, entscheidet erst das Tempo des Stücks.

Obertöne
Ein klingender Ton besteht nicht aus einer einzigen Frequenz, sondern aus dem Grundton und den Obertönen darüber, deren Frequenzen ganzzahlige Vielfache des Grundtons sind. Welcher dieser Teiltöne wie stark mitklingt, ergibt die Klangfarbe: Geige und Flöte spielen denselben Ton und klingen trotzdem verschieden. Dieselbe Reihe erklärt die Naturtöne der Blechblasinstrumente und die Flageoletttöne der Saiteninstrumente.

Pentatonik
Die Pentatonik ist eine fünfstufige Tonleiter ohne Halbtonschritte. Weil zwischen keinen zwei ihrer Töne eine kleine Sekunde oder ein Tritonus liegt, klingt jede Kombination ihrer Töne zusammen. Es gibt eine Dur- und eine Moll-Form, die denselben Tonvorrat mit unterschiedlichem Grundton nutzen. Auf dem Klavier bilden die fünf schwarzen Tasten eine Pentatonik.

Polyrhythmik
Polyrhythmik bedeutet, dass zwei Stimmen gleichzeitig verschiedene Unterteilungen desselben Zeitraums spielen. Der Grundfall ist Drei gegen Zwei: Eine Stimme teilt den Takt in drei Teile, die andere in zwei, beide beginnen zusammen und treffen sich erst nach sechs Zähleinheiten wieder. Bei Vier gegen Drei dauert es zwölf Einheiten bis zum nächsten Treffpunkt. Von der Polymetrik unterscheidet sich Polyrhythmik durch die gleiche Taktart in beiden Stimmen, von der Synkope durch die zweite Unterteilung.

Powerchords
Ein Powerchord besteht aus Grundton und reiner Quinte, meist ergänzt um die Oktave des Grundtons. Weil ihm die Terz fehlt, ist er weder Dur noch Moll und heißt im Notensatz C5 statt C oder Cm. Auf der verzerrten Gitarre bleibt er klar, weil Grundton und Quinte im Verhältnis 2 zu 3 stehen und alle Kombinationstöne in dieselbe Obertonreihe fallen. Derselbe Griff aus zwei oder drei Saiten lässt sich über das ganze Griffbrett verschieben.

Quintenzirkel
Der Quintenzirkel ordnet die zwölf Tonarten im Abstand einer reinen Quinte an. Jede Quinte aufwärts fügt ein Kreuz hinzu, jede Quinte abwärts ein b. Die Kreuze treten in der Reihenfolge fis, cis, gis, dis, ais, eis, his auf, die b in der Reihenfolge b, es, as, des, ges, ces, fes. Im Innenkreis steht zu jeder Dur-Tonart die Paralleltonart in Moll.
Häufige Fragen zu Musiktheorie
Braucht man Musiktheorie, um ein Instrument zu spielen?
Ein Instrument lässt sich ohne Musiktheorie erlernen, viele Musiker spielen nach Gehör. Theorie beschleunigt das Lernen aber deutlich, weil sie erklärt, warum ein Stück so aufgebaut ist. Wer die Struktur erkennt, muss weniger auswendig lernen und findet sich in unbekannten Stücken schneller zurecht.
Womit fängt man in der Musiktheorie an?
Der Einstieg beginnt beim Notenbild: Notenschlüssel, Notenwerte und Taktarten. Darauf bauen Tonleitern und Intervalle auf, aus denen sich Akkorde ergeben. Der Quintenzirkel ordnet die Tonarten und ist sinnvoll, sobald Dur- und Molltonleitern sitzen.
Was ist ein Intervall?
Ein Intervall ist der Abstand zwischen zwei Tönen. Es wird nach der Anzahl der Tonleiterstufen benannt, die es umfasst, und zusätzlich als rein, groß, klein, vermindert oder übermäßig bestimmt. Aus Intervallen setzen sich Akkorde und Melodien zusammen.