Kammerton 440 Hz

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Redaktion
Die Feinstimmer am Saitenhalter einer Bratsche, mit denen ein Streicher die Tonhöhe zuletzt angleicht. Foto: Ri_Ya / Pixabay.
Die Feinstimmer am Saitenhalter einer Bratsche, mit denen ein Streicher die Tonhöhe zuletzt angleicht. Foto: Ri_Ya / Pixabay.

Zusammenfassung

Der Kammerton ist der Bezugston, auf den ein Ensemble alle Instrumente stimmt. Er liegt beim eingestrichenen a, und die verbreitete Festlegung nennt dafür 440 Hertz, also 440 Schwingungen je Sekunde. Die Norm ISO 16 hält diesen Wert fest, seit sich Musiker und Instrumentenbauer im 20. Jahrhundert international darauf geeinigt haben. In der Praxis stimmen viele Orchester etwas höher, gebräuchlich sind 442 oder 443 Hertz, während die barocke Aufführungspraxis meist 415 Hertz nutzt.

Der Kammerton ist der Bezugston, auf den ein Ensemble alle Instrumente stimmt. Er liegt beim eingestrichenen a, und die verbreitete Festlegung nennt dafür 440 Hertz, also 440 Schwingungen je Sekunde. Von diesem einen Wert leiten sich alle übrigen Tonhöhen eines Stücks ab.

440 HzFrequenz des a'
a'Bezugston
ISO 16Norm
415 Hzbarocke Praxis

Was ist der Kammerton?

Der Kammerton ist eine Vereinbarung über eine einzige Frequenz. Er legt fest, wie hoch das eingestrichene a klingt, und alle anderen Töne richten sich danach. Ohne ihn klingen zwei sauber gestimmte Instrumente gegeneinander verstimmt.

Das a' trägt diese Rolle, weil Streicher, Bläser und Sänger diese Lage gleich gut treffen und weil es die leere A-Saite von Geige, Bratsche und Cello ist.

MerkmalKammerton
Bezugstoneingestrichenes a, geschrieben a'
Frequenz440 Hertz, also 440 Schwingungen je Sekunde
432 gegen 440 Hertzrund 32 Cent tiefer, knapp ein Drittel Halbton
NormISO 16, festgelegt im 20. Jahrhundert
Orchesterpraxis heutehäufig 442 oder 443 Hertz
Barocke Aufführungspraxismeist 415 Hertz, rund ein Halbton tiefer
Tonangabe im Orchesterdie Oboe
Oktave darübera'' mit 880 Hertz

Wie hoch lag der Kammerton in der Geschichte?

Der Kammerton lag über Jahrhunderte nicht fest und schwankte regional erheblich. Jede Orgel brachte ihre eigene Stimmung mit, und die übrigen Instrumente passten sich ihr an. Im deutschen Sprachraum unterschieden Musiker deshalb den Chorton der Orgel vom Kammerton der übrigen Instrumente.

Für Barockmusik nutzt die historisch informierte Aufführungspraxis der klassischen Musik heute meist 415 Hertz, rund einen Halbton unter 440 Hertz. Der Wert ist kein historischer Fund, sondern eine moderne Arbeitsgrundlage im Bereich vieler überlieferter Stimmungen.

Im 19. Jahrhundert stieg der Stimmton in vielen Opernhäusern immer weiter an, weil ein höherer Ton als brillanter galt. Die internationale Festlegung auf 440 Hertz fiel ins 20. Jahrhundert, und die Norm ISO 16 hält sie bis heute fest.

Warum stimmen Orchester den Kammerton höher als 440 Hertz?

Viele Orchester stimmen höher, weil sie den Klang dann als brillanter empfinden. Gebräuchlich sind 442 oder 443 Hertz. Der Abstand zu 440 Hertz beträgt wenige Cent, und ein Cent ist der hundertste Teil eines Halbtons. Im Zusammenklang eines ganzen Orchesters wirkt der höhere Stimmton strahlender.

Ein höherer Bezugston hebt jede Frequenz des Stücks um denselben Faktor an. Bei Streichinstrumenten steigt dabei die Saitenspannung, und die Saite spricht direkter an.

Die Grenze setzen die Blasinstrumente: Ein Hersteller baut sie für einen bestimmten Stimmton, und der Spieler korrigiert nur wenige Cent.

Stimmton Abstand in Cent barocke Praxis kein Standard 415 Hz 432 Hz 440 Hz 442 Hz 443 Hz -101 -32 0 Bezugswert +8 +12
Die Achse ist linear in Cent geteilt und folgt damit dem gehörten Abstand. 415 Hertz liegt rund einen Halbton unter 440 Hertz, 442 und 443 Hertz wenige Cent darüber.

Was ist dran an 432 Hertz statt 440 Hertz?

Zu 432 Hertz kursieren drei Behauptungen: Der Wert sei eine Naturschwingung, er wirke heilsam, und 440 Hertz sei durch eine Verschwörung durchgesetzt worden. Keine der drei hält einer Prüfung stand.

Ein Stimmton ist eine Vereinbarung, keine Naturkonstante. Die Physik zeichnet keine Frequenz für das eingestrichene a aus, jeder Wert taugt als Bezugspunkt, sobald sich alle darauf einigen. Auch für 432 Hertz gibt es keine Herleitung aus einer Naturgröße, die ohne willkürliche Zwischenschritte auskommt.

Für eine Heilwirkung fehlt jeder wissenschaftliche Beleg. Keine belastbare Untersuchung zeigt, dass dieselbe Musik bei 432 Hertz anders auf Körper oder Psyche wirkt als bei 440 Hertz. Wer kein absolutes Gehör hat, hört einer Aufnahme ohnehin nicht an, auf welchen Stimmton sie sich bezieht.

Die Verschwörungserzählung ist historisch nachweislich falsch. Der Weg zu 440 Hertz lief über Jahrzehnte und über Fachverbände in mehreren Ländern, und der Wert war längst verbreitet, bevor die angebliche Absprache stattgefunden haben soll. Einen historischen Kern hat 432 Hertz trotzdem: Im 19. Jahrhundert warb Giuseppe Verdi in Italien für einen tieferen Stimmton, weil der steigende Kammerton die Sänger überforderte. Sein Argument galt den Stimmbändern, nicht der Heilkunde.

Ein Stimmton ist eine Vereinbarung, keine Naturkonstante. 440 Hertz gilt, weil Musiker und Instrumentenbauer sich darauf geeinigt haben, nicht weil die Physik diesen Wert auszeichnet. Deshalb funktionieren 415 Hertz im Barockensemble und 443 Hertz im Sinfonieorchester ebenso gut: Solange alle denselben Bezugston nutzen, stimmen die Abstände untereinander.

Wie stimmt ein Orchester auf den Kammerton?

Im Orchester gibt die Oboe den Ton. Der Konzertmeister fordert ihn an, die Oboe spielt das a', die übrigen Instrumente ziehen nach. Der Grund liegt in der Bauart: Die Stimmung der Oboe lässt sich am wenigsten korrigieren, weil ihr ein Stimmzug fehlt und ihre Tonhöhe fast nur am Rohrblatt hängt.

Dazu kommt ein praktischer Vorteil: Der obertonreiche, durchdringende Ton der Oboe bleibt hörbar, während achtzig Musiker stimmen. Steht ein Flügel oder eine Orgel auf der Bühne, gibt dieses Instrument den Ton vor, denn ein Klavier lässt sich in der Pause nicht umstimmen.

Wie hängen Frequenz und Oktave beim Kammerton zusammen?

Eine Verdopplung der Frequenz ergibt genau eine Oktave. Das a' schwingt mit 440 Hertz, das a'' eine Oktave darüber mit 880 Hertz, das kleine a eine Oktave darunter mit 220 Hertz. Dieses Verhältnis 2:1 gilt unabhängig vom gewählten Kammerton: Bei 442 Hertz liegt die Oktave bei 884 Hertz.

Aus derselben Regel entstehen die Obertöne, denn über jedem Grundton klingen ganzzahlige Vielfache seiner Frequenz mit. Auch die übrigen Intervalle lassen sich als Verhältnis schreiben, die reine Quinte als 3:2, über dem a' also 660 Hertz.

Ein anderer Kammerton multipliziert alle Frequenzen mit demselben Faktor und ergibt deshalb kein anderes Stück, sondern dasselbe etwas tiefer.

Häufige Fragen zum Kammerton

Warum ist der Kammerton 440 Hertz?

Der Kammerton liegt bei 440 Hertz, weil Musiker und Instrumentenbauer sich im 20. Jahrhundert international auf diesen Wert geeinigt haben. Die Norm ISO 16 hält ihn fest. Einen physikalischen Grund für gerade 440 Hertz gibt es nicht.

Warum stimmen Orchester auf 442 Hertz?

Orchester stimmen auf 442 oder 443 Hertz, weil sie den Klang bei einem höheren Kammerton als brillanter empfinden. Der Abstand zu 440 Hertz beträgt acht beziehungsweise zwölf Cent, also einen Bruchteil eines Halbtons. Nach oben begrenzen die Blasinstrumente den Spielraum.

Ist 432 Hertz gesünder als 440 Hertz?

Für eine gesundheitliche Wirkung von 432 Hertz gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg. Ein Stimmton ist eine Vereinbarung und keine Naturkonstante, und die historischen Behauptungen über eine Verschwörung hinter 440 Hertz sind nachweislich falsch. Musik bei 432 Hertz klingt nur rund 32 Cent tiefer.

Welches Instrument gibt im Orchester den Kammerton?

Im Orchester gibt die Oboe den Kammerton an. Ihre Stimmung lässt sich am wenigsten nachträglich korrigieren, weil ihr ein Stimmzug fehlt, und ihr obertonreicher Ton bleibt im allgemeinen Stimmen hörbar.

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