
4 Mechanische Musikinstrumente
4 Artikel in dieser Rubrik
Mechanische Musikinstrumente spielen ohne Spieler. Ein Uhrwerk, eine Kurbel oder ein Elektromotor treibt sie an, und eine gespeicherte Vorlage bestimmt, welcher Ton wann erklingt. Der Spieler entfällt, das Instrument bleibt.
Die Vorlage nimmt drei Formen an. Eine Stiftwalze trägt die Töne als Metallstifte auf einem drehenden Zylinder, eine Notenrolle als Löcher in Papier, ein Kartonbuch als Schlitze in gefalteter Pappe. Alle drei arbeiten nach demselben Prinzip: An der Stelle, an der die Vorlage etwas trägt, löst die Mechanik einen Ton aus.
Diese Instrumente beantworten eine Frage, die es vor der Schallplatte gab: Wie kommt Musik in einen Raum, in dem niemand spielt? Wirtshäuser, Tanzsäle, Jahrmärkte und Stummfilmkinos beantworteten sie mit Orchestrion und Drehorgel, das Wohnzimmer mit Spieluhr und Selbstspielklavier. Rundfunk und Tonfilm machten diese Antwort binnen weniger Jahre überflüssig.

Drehorgel
Insbesondere im Bereich der Straßenmusik, z. bei Kirmesveranstaltungen und anderen Feiern, ist die Drehorgel weltbekannt. Sie wird auch Leierkasten genannt, ihr Spieler wird daher auch als Leierkastenmann bezeichnet. Diese Bezeichnung sagt bereits viel über die grundsätzliche Bauweise des Instruments aus.

Orchestrion
Ein Orchestrion ist ein selbstspielendes mechanisches Musikinstrument, das den Klang eines ganzen Ensembles nachbildet. Pfeifenreihen übernehmen die Bläserstimmen, ein Schlagwerk aus Trommel, Becken und Triangel den Rhythmus, späte Bauformen ergänzen ein Klavier oder gestrichene Saiten. Eine Stiftwalze, eine perforierte Papierrolle oder ein Kartonbuch steuert das Spiel, ein angetriebenes Gebläse liefert den Wind. Gastwirtschaften, Tanzsäle, Jahrmärkte und Kinos vor dem Tonfilm hielten das Instrument über Jahrzehnte in Betrieb.

Selbstspielklavier
Das Selbstspielklavier ist ein Klavier, das eine perforierte Papierrolle abspielt. Eine Abtastleiste tastet die Lochreihe ab, eine Pneumatik setzt jedes Loch in einen Balgzug um, und der Balg wirft den Hammer gegen die Saite. Der Rollenstandard sieht 88 Kanäle vor, einen je Taste. Das Reproduktionsklavier zeichnet zusätzlich Anschlagstärke und Pedal auf und hält so das Spiel von Pianisten des frühen 20. Jahrhunderts fest.

Spieluhr
Die Spieluhr ist ein mechanisches Musikinstrument mit eigenem Antrieb. Eine Stiftwalze dreht sich unter einem Tonkamm aus gehärtetem Stahl und zupft dessen gestimmte Zungen an, die beim Zurückschnellen klingen. Ein Federwerk liefert die Kraft, ein Windfang begrenzt die Drehzahl und hält das Tempo gleich. Neben der Walzenspieluhr steht seit dem späten 19. Jahrhundert die Plattenspieluhr, die ihre Melodie von einer auswechselbaren Lochplatte liest.
Häufige Fragen zu Mechanische Musikinstrumente
Was ist ein mechanisches Musikinstrument?
Ein mechanisches Musikinstrument erzeugt Musik ohne Spieler. Ein Antrieb liefert die Energie, eine gespeicherte Vorlage wie eine Stiftwalze oder eine perforierte Notenrolle steuert den Ablauf, und die Mechanik löst daraus die einzelnen Töne aus. Der Mensch startet das Instrument, gestaltet aber nichts am Klang.
Wie speichert ein mechanisches Musikinstrument ein Musikstück?
Ein mechanisches Musikinstrument speichert ein Musikstück als körperliche Marke: als Stift auf einer drehenden Walze, als Loch in einer Papierrolle oder als Schlitz in einem gefalteten Kartonbuch. Die Länge der Marke bestimmt die Tondauer, ihre Lage quer zur Laufrichtung die Tonhöhe.
Was unterscheidet die Spieluhr von der Drehorgel?
Die Spieluhr und die Drehorgel unterscheiden sich im Klangerzeuger. Die Spieluhr zupft mit den Stiften ihrer Walze die gestimmten Zungen eines Metallkamms, sie klingt deshalb hell und kurz. Die Drehorgel presst Luft durch Pfeifen und klingt entsprechend voll und getragen.
Warum verschwanden mechanische Musikinstrumente?
Rundfunk, Schallplatte und Tonfilm verdrängten die mechanischen Musikinstrumente in den 1920er und 1930er Jahren. Sie lieferten dasselbe Ergebnis, nämlich Musik ohne anwesende Musiker, brauchten dafür aber weder ein teures Möbelstück noch einen Satz Notenrollen und gaben zusätzlich die Aufnahme eines echten Orchesters wieder.