
13 Handzuginstrumente
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Handzuginstrumente erzeugen ihren Ton mit durchschlagenden Metallzungen, die ein Balg mit Luft anströmt. Die Taste oder der Knopf öffnet dabei nur ein Ventil. Der Ton entsteht also nicht durch den Anschlag, sondern durch die frei schwingende Zunge.
Der Balg übernimmt hier die Rolle, die bei einem Blasinstrument die Atemluft spielt. Er liefert den Luftstrom und steuert zugleich die Lautstärke: Zieht oder drückt der Spieler kräftiger, klingt das Instrument lauter.
Die Familie unterscheidet sich vor allem in zwei Punkten. Erstens in der Anordnung: Klaviatur beim Pianoakkordeon, Knöpfe beim Knopfakkordeon, Bajan und der Konzertina. Zweitens in der Wechseltönigkeit. Bei gleichtönigen Instrumenten gibt ein Knopf in beide Balgrichtungen denselben Ton, bei wechseltönigen zwei verschiedene.

Akkordeon
Das Akkordeon ist ein Handzuginstrument, bei dem ein Balg Luft durch frei schwingende Metallzungen presst. Die Tasten und Knöpfe öffnen dabei nur die Ventile, den Ton erzeugt die Zunge. Auf der rechten Seite liegt die Melodieseite, entweder als Klaviatur beim Pianoakkordeon oder als Knopfreihen beim Knopfakkordeon, auf der linken Seite die Bassknöpfe für Bässe und fertige Akkorde. Registerschalter kombinieren mehrere Zungensätze und verändern damit die Klangfarbe.

Akkordeon für Anfänger
Ein Akkordeon für Anfänger unterscheidet sich von einem Konzertinstrument vor allem im Bassfeld und im Gewicht, nicht im Klang. Ein kleineres Bassfeld mit 48 oder 72 statt 120 Bässen deckt die ersten Jahre ab und wiegt spürbar weniger. Genauso wichtig sind ein dichter Balg, leichtgängige Tasten oder Knöpfe und ein Tragegurt, der sich auf den Körper einstellen lässt. Die Wahl zwischen Piano- und Knopfakkordeon entscheidet dagegen nicht über Qualität oder Klang, sondern nur über die Griffweise.

Akkordeon für Kinder
Bei einem Akkordeon für Kinder entscheidet nicht das Alter, sondern die Bässe-Anzahl: Modelle mit 8, 12, 48 oder 72 Bässen wiegen deutlich weniger als das Vollformat mit 120 Bässen und über zehn Kilogramm. Eine belastbare Alters- oder Körpergrößentabelle gibt es nicht. Wichtig ist zusätzlich die individuelle Einstellung der Trageriemen, damit das Gewicht richtig verteilt wird und die linke Hand den Balg sicher führt.

Akkordeon kaufen
Beim Akkordeon kaufen entscheiden die Anzahl der Bässe, die Qualität der Stimmzungen und die Anzahl der Register über Größe, Gewicht und Klang. Dieser Ratgeber ordnet die Bässezahlen 8, 12, 48, 72 und 120 nach Einsatzzweck und Gewicht, erklärt den Unterschied zwischen maschinellen und handgefertigten Stimmzungen und nennt, worauf beim Kauf eines gebrauchten Akkordeons bei Stimmzungen und Balg zu achten ist.

Akkordeon Pflege
Die Pflege eines Akkordeons dreht sich vor allem um den Balg aus Karton und Leder und um die Stimmzungen aus Stahl, die beide empfindlich auf Feuchtigkeit reagieren. Der Balg bleibt im Ruhezustand leicht geschlossen und durch die Riemen gesichert, gelagert wird das Instrument liegend in einem beheizten Raum mit gleichmäßiger Temperatur, nie im Keller, auf dem Dachboden oder im Auto. Gehäuse und Klaviatur reinigt ein trockenes oder leicht feuchtes Tuch nach jedem Spielen. Eine verstimmte oder verrostete Stimmzunge, ein rissiger Balg und klemmende Ventile gehören dagegen in die Fachwerkstatt.

Akkordeon-Marken
Fünf Namen prägen den Markt für Akkordeons in Europa: Hohner und Weltmeister aus Deutschland sowie Pigini, Bugari und Scandalli aus Italien. Hohner entstand 1857 im württembergischen Trossingen, Weltmeister als Markenname der Akkordeon-Fertigung im sächsischen Klingenthal. Pigini, Bugari und Scandalli haben ihren Sitz in oder bei Castelfidardo, dem historischen Zentrum des italienischen Akkordeonbaus, und bauen anders als die beiden deutschen Marken ausschließlich Akkordeons. Dieser Überblick nennt zu jeder Marke Gründungsjahr, Herkunft und bekannte Baureihen als Fakten über das Sortiment, nicht als Kaufempfehlung. Eine Rangfolge der besten Marke bleibt aus, weil sich die fünf Hersteller in Herkunft und Sortimentsbreite unterscheiden, nicht in einer Bestenliste.

Akkordeon-Zubehör
Akkordeon-Zubehör umfasst die Ausrüstung rund um das Instrument selbst: Trageriemen, ein Koffer für den Transport, ein Ständer für die Aufbewahrung und Pflegemittel für das Leder an Riemen und Balg. Zwei Schultergurte tragen das Gewicht am Oberkörper, ein zusätzlicher Handriemen am Bassmanual führt den Balg, ohne dass die linke Hand die Bassknöpfe umklammern muss. Ein Hartschalenkoffer schützt das Instrument beim Transport vor Stößen, Staub und Feuchtigkeit, ein Ständer hält es aufrecht, solange es nicht gespielt wird. Weil Leder mit der Zeit brüchig wird, gehört ein Pflegemittel für Riemen und Balgecken zur regelmäßigen Wartung. Ein Stimmgerät gehört dagegen nicht zur üblichen Ausrüstung des Spielers, denn die Tonhöhe der Stimmzungen stellt eine Werkstatt ein, nicht der Spieler selbst.

Bajan
Der Bajan ist die russische Bauform des chromatischen Knopfakkordeons. Ein Balg presst Luft durch frei schwingende Metallzungen, die Knöpfe öffnen dabei nur die Ventile davor. Die rechte Hand greift die Melodie auf mehreren Knopfreihen, die linke bedient Bässe und Akkorde. Konzertinstrumente tragen zusätzlich einen Konverter, mit dem die linke Hand von fertigen Akkorden auf frei greifbare Einzeltöne umschaltet.

Bandoneon
Das Bandoneon ist ein Balginstrument mit durchschlagenden Zungen aus der Familie der Konzertinas, nicht des Akkordeons. Es trägt auf beiden Seiten Reihen runder Knöpfe statt einer Klaviatur, das Gehäuse ist annähernd quadratisch. Bei der gebräuchlichen Bauart gibt derselbe Knopf beim Ziehen und beim Drücken zwei verschiedene Töne, und genau das macht das Instrument schwer zu lernen. Das Bandoneon entstand Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland und wurde in Argentinien und Uruguay zum tragenden Instrument des Tango.

Chromatisches Akkordeon
Ein chromatisches Akkordeon ist ein Knopfakkordeon, dessen Melodieseite beim Ziehen und beim Drücken des Balgs denselben Ton liefert und alle zwölf Halbtöne der Oktave bereithält. Die Knopfreihen liegen schräg versetzt zueinander: Innerhalb einer Reihe liegt der Nachbarknopf eine kleine Terz höher, in der schräg benachbarten Reihe nur einen Halbton oder einen Ganzton entfernt. Dadurch liegt ein Dur-Akkord oder eine Tonleiter in jeder Tonart unter derselben Fingerform, anders als beim diatonischen Akkordeon, das nur wenige feste Tonarten abdeckt. Je nach Land ist das C-System oder das B-System gebräuchlich, und in Russland verfeinerte sich das chromatische Knopfakkordeon Anfang des 20. Jahrhunderts zum Bajan.

Konzertina
Die Konzertina ist ein kleines Handzuginstrument mit meist sechseckigem Gehäuse und Knöpfen auf beiden Stirnflächen. Ein Balg presst Luft durch frei schwingende Metallzungen, die Knöpfe öffnen dabei nur die Ventile davor. Je nach System klingt ein Knopf beim Ziehen und beim Drücken gleich oder gibt zwei verschiedene Töne. Die Konzertina stammt aus England und trägt bis heute die irische und englische Tanzmusik mit.

Pianoakkordeon oder Knopfakkordeon
Pianoakkordeon und Knopfakkordeon klingen gleich und unterscheiden sich nur in der Griffweise der rechten Hand. Ein Knopfakkordeon bringt auf ähnlicher Gehäusebreite mehr Töne unter und reicht weiter in Höhe und Tiefe. Im deutschsprachigen Raum ist das Pianoakkordeon verbreiteter, in Russland und Osteuropa das Knopfakkordeon, dort meist als Bajan. Ein Umstieg zwischen beiden Systemen ist möglich, verlangt aber eine komplett neue Grifflogik. Wer bereits Klavier spielt, findet auf dem Pianoakkordeon die vertraute Tastenanordnung wieder.

Steirische Harmonika
Die Steirische Harmonika ist ein diatonisches Knopfakkordeon des Alpenraums. Ihr entscheidendes Merkmal ist die Wechseltönigkeit: Derselbe Knopf gibt beim Ziehen einen anderen Ton als beim Drücken. Drei oder vier Melodiereihen stehen im Quartabstand, auf der linken Seite erzeugen Helikonbässe den kräftigen tiefen Bass. Vom chromatischen Akkordeon unterscheidet sie sich darin, dass dort ein Knopf in beide Balgrichtungen denselben Ton gibt.
Häufige Fragen zu Handzuginstrumente
Wie erzeugt ein Akkordeon seinen Ton?
Ein Akkordeon erzeugt seinen Ton über durchschlagende Metallzungen. Der Balg presst Luft an ihnen vorbei und versetzt sie in Schwingung. Die Tasten und Knöpfe öffnen dabei lediglich die Ventile, die den Luftweg zu den jeweiligen Zungen freigeben.
Was bedeutet wechseltönig bei einem Handzuginstrument?
Wechseltönig bedeutet, dass derselbe Knopf beim Ziehen einen anderen Ton gibt als beim Drücken. Die Steirische Harmonika arbeitet so, ebenso die anglo-Konzertina. Gleichtönige Instrumente wie das Pianoakkordeon geben in beide Balgrichtungen denselben Ton.
Was unterscheidet Bandoneon und Akkordeon?
Das Bandoneon hat auf beiden Seiten Knöpfe und keine Bassseite mit fertigen Begleitakkorden. Der Spieler baut jede Harmonie selbst. Es stammt aus der Familie der Konzertinas und wurde vor allem im argentinischen Tango zum prägenden Instrument.