Die Steirische Harmonika ist ein diatonisches Knopfakkordeon des Alpenraums. Ihr entscheidendes Merkmal ist die Wechseltönigkeit: Derselbe Knopf gibt beim Ziehen einen anderen Ton als beim Drücken. Auf der linken Seite sitzen die Helikonbässe, besonders große Stimmzungen mit eigenen Resonanzkammern, die den kräftigen tiefen Bass erzeugen. Gespielt wird sie in Österreich, Bayern, Südtirol und Slowenien, vor allem in der Volksmusik.
Was ist eine Steirische Harmonika?
Die Steirische Harmonika gehört zu den Handzuginstrumenten: Ein Balg presst Luft durch durchschlagende Metallzungen, die Knöpfe öffnen dabei nur die Ventile davor. Auf der rechten Seite liegen drei oder vier schräge Knopfreihen für die Melodie, auf der linken die Bass- und Akkordknöpfe. Vom klassischen Akkordeon unterscheidet sie sich nicht im Klangerzeuger, sondern in der Zuordnung von Knopf und Ton.
| Merkmal | Steirische Harmonika |
|---|---|
| Familie | Handzuginstrument, diatonisches Knopfakkordeon |
| Tonerzeugung | durchschlagende Metallzungen, Luft aus dem Balg |
| Tonverhalten | wechseltönig, Zug und Druck ergeben verschiedene Töne |
| Melodieseite | drei oder vier Knopfreihen, je Reihe eine Durtonart |
| Reihenabstand | eine Quarte, etwa G, C und F |
| Bassseite | Helikonbässe, ebenfalls wechseltönig |
| Notation | Griffschrift statt Notenschrift |
| Verbreitung | Österreich, Bayern, Südtirol, Slowenien |
Was bedeutet Wechseltönigkeit bei der Steirischen Harmonika?
Wechseltönig heißt: Hinter jedem Knopf sitzen zwei Stimmzungen, und die Luftrichtung entscheidet, welche von beiden anspricht. Drückt der Spieler den Balg zusammen, klingt die eine, zieht er ihn auseinander, die andere. Ein Knopf trägt also zwei verschiedene Töne. Dasselbe Prinzip nutzt die diatonische Mundharmonika, dort über Blasen und Ziehen.
Innerhalb einer Reihe liegen im Druck die Töne des Grunddreiklangs, im Zug die des Dominantseptakkords. Zusammen ergeben sie die Durtonleiter dieser Reihe. Weil jeder Ton damit an eine Balgrichtung gebunden ist, gehört die Balgführung fest zur Melodie: Der Spieler kann nicht frei entscheiden, wann er die Richtung wechselt.
Wie sind die Reihen der Steirischen Harmonika angeordnet?
Jede Melodiereihe deckt eine Durtonart ab, und die Reihen stehen im Abstand einer Quarte zueinander. Verbreitet sind die Stimmungen G, C und F sowie B, Es und As, bei vierreihigen Instrumenten kommt eine weitere Quarte dazu. Der Spieler bleibt für ein Stück meist in einer Reihe und greift nur für einzelne Töne in die Nachbarreihe.
Halbtöne, die einer Reihe fehlen, holt sich der Spieler aus der Reihe daneben. Dieser Wechsel über die Reihen heißt Kreuzgriff. Viele Instrumente tragen zusätzlich einige Gleichtonknöpfe, die in beide Balgrichtungen denselben Ton geben und Melodien erleichtern, deren Tonfolge sonst einen unpassenden Balgwechsel erzwingen würde.
Was sind Helikonbässe an der Steirischen Harmonika?
Helikonbässe sind besonders große, mehrchörig gestimmte Bassstimmzungen mit eigenen Resonanzkammern im Gehäuse. Sie geben der Steirischen Harmonika ihren tiefen, tragenden Bass, der deutlich kräftiger klingt als die Bässe eines gleich großen Standardakkordeons. Der Name stammt vom Helikon, dem runden Basshorn der Blasmusik, dessen weiten Klang die Bauform nachbildet.
Die Wechseltönigkeit macht den Balg zum Teil der Melodie. Weil jeder Ton an eine Balgrichtung gebunden ist, ergeben sich Phrasierung und Rhythmus zwangsläufig aus der Tonfolge. Genau das erzeugt den typischen Antrieb der Alpenvolksmusik, engt das Repertoire aber auf Melodien ein, die zur Reihe passen.
Wie unterscheidet sich die Steirische Harmonika vom Akkordeon?
Der Unterschied liegt in der Tonzuordnung, nicht im Klangerzeuger. Am chromatischen Akkordeon gibt ein Knopf in beide Balgrichtungen denselben Ton, dafür stehen alle zwölf Halbtöne zur Verfügung, und der Spieler wechselt die Balgrichtung, wann er will. Die Steirische Harmonika bietet je Reihe nur eine Tonart, liefert aber mit halb so vielen Knöpfen doppelt so viele Töne.
Wechseltönig gebaut sind auch das Bandoneon und ein Teil der Konzertinas. Die Steirische Harmonika unterscheidet sich von ihnen durch die schrägen Melodiereihen im Quartabstand und durch die Helikonbässe.
Wie lernt man Steirische Harmonika?
Gelernt wird meist nach Griffschrift, einer Tabulatur, die Knopfnummer und Balgrichtung angibt statt Tonhöhen. Das ist kein Behelf, sondern die sachlich passende Schreibweise: Eine Note allein sagt am wechseltönigen Instrument nicht, welchen Knopf sie meint, weil dieselbe Tonhöhe je nach Balgrichtung an anderer Stelle liegt.
Der Einstieg gelingt schnell, weil eine Reihe von der ersten Stunde an eine ganze Tonleiter und passende Bässe liefert. Schwierig wird es beim Kreuzgriff und bei der Balgeinteilung, denn die Luft muss für die nächste Phrase reichen.
Welche Musik prägt die Steirische Harmonika?
Die Steirische Harmonika trägt die Tanzmusik des Alpenraums: Landler, Boarischer, Polka, Walzer und Marsch. Sie spielt die Melodie und liefert mit der Bassseite gleichzeitig Grundton und Nachschlag, weshalb sie allein tanzfähig ist und in kleinen Besetzungen die Rolle einer ganzen Kapelle übernimmt. In der neuen Volksmusik hat Hubert von Goisern das Instrument mit Rock verbunden und ihm damit Publikum außerhalb der Tradition verschafft.
Häufige Fragen zur Steirischen Harmonika
Was heißt wechseltönig bei der Steirischen Harmonika?
Wechseltönig heißt, dass ein Knopf der Steirischen Harmonika beim Ziehen einen anderen Ton gibt als beim Drücken. Hinter jedem Knopf sitzen zwei Stimmzungen, und die Luftrichtung im Balg entscheidet, welche anspricht. Dadurch liefert das Instrument doppelt so viele Töne, wie es Knöpfe hat.
Was ist der Unterschied zwischen Steirischer Harmonika und Akkordeon?
Die Steirische Harmonika ist wechseltönig und diatonisch, das Akkordeon in seiner chromatischen Bauform gleichtönig und vollständig chromatisch. Ein Knopf der Steirischen gibt zwei Töne, eine Taste des Akkordeons nur einen. Dafür spielt das Akkordeon jede Tonart, die Steirische im Kern nur die Tonarten ihrer Reihen.
Wie viele Reihen hat eine Steirische Harmonika?
Eine Steirische Harmonika hat drei oder vier Melodiereihen. Jede Reihe steht in einer eigenen Durtonart, und die Reihen liegen jeweils eine Quarte auseinander, etwa G, C und F. Vierreihige Instrumente decken eine Tonart mehr ab und wiegen entsprechend mehr.
Warum klingt der Bass der Steirischen Harmonika so tief?
Der tiefe Bass stammt von den Helikonbässen. Das sind besonders große Stimmzungen mit eigenen Resonanzkammern, die mehrchörig gestimmt sind und deshalb voller klingen als die Bässe eines Standardakkordeons. Sie machen das Instrument schwerer, aber auch ohne Begleitung tragfähig.




