Das Akkordeon ist ein Handzuginstrument: Ein Balg zwischen den beiden Gehäusehälften presst Luft durch frei schwingende Metallzungen, die Durchschlagzungen. Die Tasten und Knöpfe erzeugen den Ton nicht selbst, sie öffnen nur die Ventile, hinter denen die Zungen sitzen. Auf der rechten Seite spielt die Melodiehand, auf der linken Seite liegen die Begleitbässe. Das Instrument entstand im frühen 19. Jahrhundert in Mitteleuropa.
Wie ist ein Akkordeon aufgebaut?
Ein Akkordeon besteht aus zwei Gehäusehälften, die ein Faltenbalg verbindet. In beiden Hälften sitzen Stimmstöcke, auf denen die Stimmzungen paarweise montiert sind: eine Zunge spricht auf Zugluft an, die andere auf Druckluft. Drückt der Spieler eine Taste, öffnet ein Ventil den Luftweg zu ihrer Zunge.
Die rechte Seite heißt Diskantseite. Sie trägt entweder eine Klaviatur, dann spricht man vom Pianoakkordeon, oder mehrere Knopfreihen, dann vom Knopfakkordeon. Beide klingen gleich und unterscheiden sich nur in der Griffweise. Ein Knopfakkordeon bringt auf derselben Fläche mehr Töne unter und reicht deshalb weiter in Höhe und Tiefe. Die russische Bauform des chromatischen Knopfakkordeons heißt Bajan.
Die linke Seite heißt Bassseite und trägt Knöpfe. Im weit verbreiteten Stradella-System löst ein Teil der Knöpfe einzelne Basstöne aus, der andere fertige Akkorde in Dur, Moll, als Septakkord oder vermindert. Damit spielt die linke Hand ganze Begleitmuster mit wenigen Fingerbewegungen.
Registerschalter schalten Zungensätze in verschiedenen Oktavlagen zu oder ab, sodass dasselbe Instrument mal schneidend, mal orgelartig klingt.
Wie klingt ein Akkordeon?
Das Akkordeon teilt sein Klangprinzip mit der Mundharmonika, klingt aber voller, weil mehrere Zungensätze gleichzeitig ansprechen. Den typischen schwebenden Ton erzeugen zwei leicht gegeneinander verstimmte Zungen; diese Stimmung heißt Tremolo und prägt den Klang der französischen Musette-Musik.
Die Lautstärke steuert allein der Balg, nicht der Anschlag der Taste.
Wie ein Akkordeon klingt, zeigt dieses Klangbeispiel:
Wie spielt man Akkordeon?
Der Spieler trägt das Akkordeon an zwei Schulterriemen vor dem Oberkörper und stützt es im Sitzen auf dem Oberschenkel ab. Die rechte Hand greift die Melodie, die linke bedient die Bassknöpfe und führt zugleich den Balg, den ein Riemen am Handrücken hält.
Beide Hände arbeiten unabhängig voneinander, und die linke Hand spielt blind, weil die Bassknöpfe außerhalb des Blickfelds liegen. Orientierung geben einzelne eingekerbte oder aufgeraute Knöpfe im Bassfeld.
Wer den Balgwechsel unsauber setzt, unterbricht die Melodie hörbar. Die Balgführung entscheidet damit über Phrasierung und Dynamik.
Wo spielt man Akkordeon?
Das Akkordeon trägt in mehreren Musikkulturen die Hauptstimme. In Frankreich prägt es den Musette-Stil der Pariser Tanzlokale, in Deutschland und Österreich die Volksmusik. In Louisiana bildet es das Zentrum des Zydeco, im Grenzgebiet zwischen Texas und Mexiko das des Conjunto. Auch die Klezmer-Musik und die irische Tanzmusik setzen es ein.
Im argentinischen Tango dominiert dagegen nicht das Akkordeon, sondern das Bandoneon, das auf beiden Seiten Knöpfe trägt. Kleiner und ebenfalls beidseitig mit Knöpfen besetzt ist die Konzertina. Den volkstümlichen Spitznamen Schifferklavier verdankt das Akkordeon dem Umstand, dass es Melodie und Begleitung zugleich liefert und sich dabei tragen lässt.
Wie schwer ist Akkordeon lernen?
Der Einstieg fällt auf einem Pianoakkordeon leicht, weil die rechte Hand dieselbe Klaviatur findet wie auf dem Klavier. Die Hürde liegt links: Das Bassfeld folgt einer eigenen Logik, die man auswendig lernen muss, und die Hand findet die Knöpfe nur über das Tastgefühl.
Das Gewicht begrenzt den Einstieg bei Kindern. Ein ausgewachsenes Instrument mit 120 Bässen wiegt über zehn Kilogramm, deshalb gibt es kleinere Modelle mit 8, 12, 48 oder 72 Bässen.




