Beim Akkordeon kaufen entscheiden vier Merkmale über Größe, Gewicht, Preis und Klang: die Anzahl der Bässe, die Qualität der Stimmzungen, die Anzahl der Register und der Zustand bei einem gebrauchten Instrument. Die Grundlagen zu Aufbau und Spielweise des Akkordeons setzt dieser Ratgeber voraus und wiederholt sie nicht. Dieser Ratgeber ordnet die Bässe-Anzahl nach Größe und Einsatzzweck, erklärt den Unterschied zwischen einfachen und hochwertigen Stimmzungen und nennt, worauf beim Kauf eines gebrauchten Akkordeons zu achten ist.
| Kriterium | Worauf es beim Akkordeon-Kauf ankommt |
|---|---|
| Bässe-Anzahl | 8, 12, 48, 72 oder 120 Bässe, mit steigender Zahl wachsen Tonumfang, Gewicht und Preis |
| Stimmzungen | maschinell gefertigte Zungen in Einsteigerinstrumenten, handgefertigte Zungen mit engerer Passung in höherwertigen Instrumenten |
| Register | 2 bis 11 Registerkombinationen je nach Anzahl der Zungenchöre, mehr Register erlauben mehr Klangfarben |
| Gewicht | wächst mit der Bässe-Anzahl, ab 120 Bässen über 10 kg, wichtig für Kinder und für den Transport |
| Zustand bei Gebrauchtkauf | Stimmzungen auf schnelles, sauberes Ansprechen prüfen, Balg auf Dichtigkeit prüfen |
Wie viele Bässe sollte ein Akkordeon beim Kauf haben?
Ein Akkordeon zum Kaufen sollte so viele Bässe tragen, wie Körpergröße und Einsatzzweck erlauben, denn jede Bässezahl bringt ein eigenes Gewicht und einen eigenen Tonumfang mit. Modelle mit 8 oder 12 Bässen sind für kleine Kinder gebaut und beschränken die linke Hand auf wenige Grundbässe und Dur-Akkorde. Mit 48 oder 72 Bässen wächst das Bassfeld auf mehrere Grundtöne mit Dur-, Moll- und teils Septakkorden und eignet sich für fortgeschrittene Kinder und schmal gebaute Erwachsene. Erst 120 Bässe liefern das vollständige Stradella-System mit allen zwölf Grundtönen in Dur, Moll, Sept- und verminderten Akkorden und gelten deshalb als Standardgröße für erwachsene Spieler in Vereinen und Musikschulen. Wer von Anfang an weiß, dass er dauerhaft im vollen Bassfeld spielen will, kauft besser gleich 120 Bässe, denn ein Umstieg von einem kleineren auf ein größeres Bassfeld verlangt, die Griffmuster der linken Hand neu zu lernen.
Was unterscheidet gute von einfachen Stimmzungen bei einem Akkordeon?
Gute Stimmzungen sitzen enger im Zungenrahmen als einfache und lassen deshalb weniger Luft ungenutzt entweichen. Einfache, maschinell gestanzte Zungen werden in großer Stückzahl gefertigt und in den Rahmen eingesetzt, ohne dass jede einzelne von Hand nachgearbeitet wird; das genügt für den Einstieg, kostet aber Ansprache und Lautstärke, weil an den Rändern Luft vorbeiströmt, statt die Zunge zum Schwingen zu bringen. Hochwertige Instrumente setzen dagegen handgefertigte Zungen ein, bei denen ein Stimmzungenmacher jede Zunge einzeln in ihren Rahmen einpasst und die Spaltmaße von Hand nacharbeitet. Die engere Passung lässt die Zunge schneller und mit weniger Atemdruck ansprechen und liefert einen volleren, obertonreicheren Klang bei gleichem Balgdruck. Der Unterschied zeigt sich am deutlichsten bei leisem Spiel: Eine einfache Zunge braucht mehr Luft, um überhaupt anzusprechen, eine handgefertigte reagiert schon auf einen kleinen Balgimpuls.
Wie viele Register sollte ein Akkordeon beim Kauf haben?
Ein Akkordeon zum Einstieg kommt mit zwei bis vier Registern aus, ein Instrument der Mittelklasse bietet dagegen deutlich mehr Kombinationen. Register schalten Zungenchöre in unterschiedlichen Oktavlagen zu oder ab und verändern damit die Klangfarbe, nicht die Lautstärke. Einsteigerinstrumente besitzen oft nur zwei Zungenchöre auf der Diskantseite, deshalb bleibt die Auswahl an Registern klein. Modelle der Mittelklasse und aufwärts bauen meist drei oder vier Zungenchöre ein und erreichen dadurch sieben bis elf Registerkombinationen, vom einzelnen, klarinettenartigen Chor bis zum vollen, orgelartigen Klang aller Chöre zusammen. Wer nur in fester Besetzung mit anderen Instrumenten spielt, kommt mit wenigen Registern aus. Wer solistisch spielt oder zwischen Musikstilen wechselt, profitiert von mehr Registern, weil sich damit ein Stück ohne Wechsel des Instruments klanglich verändern lässt.
Wie hängt das Gewicht eines Akkordeons mit der Bässe-Anzahl zusammen?
Das Gewicht eines Akkordeons steigt mit der Anzahl der Bässe, weil mehr Bässe mehr Stimmzungen, ein größeres Bassgehäuse und meist auch eine breitere Diskantseite verlangen. Ein Modell mit 8 oder 12 Bässen bringt nur wenige Bassstimmzungen und ein schmales Bassgehäuse mit und bleibt dadurch leicht genug für kleine Kinder. Mit 48 oder 72 Bässen wachsen sowohl die Zahl der Stimmzungen als auch die Größe des Bassmechanismus, das Gewicht liegt spürbar höher. Ein volles Instrument mit 120 Bässen trägt alle zwölf Grundtöne mitsamt Akkordknöpfen und wiegt deshalb über zehn Kilogramm. Wer ein Akkordeon kauft, sollte das Gewicht deshalb nicht getrennt von der Bässe-Anzahl betrachten, sondern beides gemeinsam gegen die eigene Körpergröße und Tragkraft abwägen.
Bässe-Anzahl und Gewicht gehören beim Akkordeon-Kauf zusammen. Wer ein Instrument nur nach dem Bassumfang wählt, unterschätzt leicht das Gewicht, denn ab 120 Bässen liegen mehr als zehn Kilogramm auf den Schultern. Kleinere Bassfelder mit 8, 12, 48 oder 72 Bässen sind deshalb keine Notlösung, sondern die passende Wahl für Kinder und schmal gebaute Erwachsene.
Neu oder gebraucht: Akkordeon kaufen?
Ein gebrauchtes Akkordeon lohnt sich, wenn die Stimmzungen sauber ansprechen und der Balg dicht bleibt, denn beides beeinflusst Klang und Spielbarkeit unmittelbar. Bei den Stimmzungen zählt, ob jeder Ton beim Ziehen und beim Drücken des Balgs schnell und ohne Nebengeräusch anspricht; ein verzögertes, kratzendes oder ausbleibendes Ansprechen deutet auf verstimmte, korrodierte oder lose sitzende Zungen hin, deren Reparatur in eine Werkstatt für Stimmzungeninstrumente gehört. Bei der Balg-Dichtigkeit hilft eine einfache Probe: Ohne eine einzige Taste oder einen Knopf zu drücken, lässt sich der geschlossene Balg zusammendrücken; gibt er dabei spürbar nach, entweicht Luft an undichten Ventilen oder Nähten, und das Instrument verliert beim Spielen Druck. Ein neues Einsteigerinstrument liefert dagegen von Beginn an eine bekannte, unverbrauchte Ausgangslage ohne diese Prüfungen. Eine genaue Beurteilung von Stimmzungen und Balg gehört bei Unsicherheit in eine Fachwerkstatt, nicht in Eigenregie.
Häufige Fragen zum Akkordeon-Kauf
Wie viele Bässe sollte ein Akkordeon für Erwachsene haben?
Ein Akkordeon für Erwachsene sollte in der Regel 120 Bässe haben, denn erst diese Standardgröße deckt im Stradella-System alle zwölf Grundtöne mit Dur-, Moll-, Sept- und verminderten Akkorden ab. Kleinere Bassfelder mit 48 oder 72 Bässen genügen für den Einstieg oder für schmal gebaute Spieler, schränken das Bassrepertoire aber ein.
Was ist der Unterschied zwischen maschinellen und handgefertigten Stimmzungen?
Maschinelle Stimmzungen werden in großer Stückzahl gestanzt und ohne individuelle Nacharbeit in den Rahmen eingesetzt, handgefertigte Stimmzungen passt ein Stimmzungenmacher einzeln von Hand in ihren Rahmen ein. Die engere Passung der handgefertigten Zunge lässt weniger Luft entweichen und sorgt für schnelleres Ansprechen und volleren Klang, kostet aber mehr in der Fertigung.
Wie viele Register hat ein Akkordeon?
Ein Akkordeon hat je nach Ausstattung 2 bis 11 Register: Einsteigerinstrumente mit nur zwei Zungenchören kommen mit wenigen Registern aus, Instrumente der Mittelklasse mit drei oder vier Zungenchören erreichen deutlich mehr Kombinationen. Jedes Register schaltet Zungenchöre in unterschiedlichen Oktavlagen zu oder ab und verändert damit die Klangfarbe.
Worauf muss man bei einem gebrauchten Akkordeon achten?
Bei einem gebrauchten Akkordeon zählen vor allem Stimmzungen und Balg. Jeder Ton muss beim Ziehen und beim Drücken schnell und ohne Nebengeräusch ansprechen, und der geschlossene Balg darf sich ohne gedrückte Taste nicht zusammendrücken lassen, sonst entweicht Luft an undichten Stellen. Zweifelsfälle gehören zur Prüfung in eine Fachwerkstatt.




