Fünf Namen prägen den Markt für Akkordeons in Europa: Hohner und Weltmeister aus Deutschland sowie Pigini, Bugari und Scandalli aus Italien. Hohner entstand 1857 im württembergischen Trossingen, Weltmeister als Markenname der Akkordeon-Fertigung im sächsischen Klingenthal. Pigini, Bugari und Scandalli haben ihren Sitz in oder bei Castelfidardo, dem historischen Zentrum des italienischen Akkordeonbaus, und bauen anders als die beiden deutschen Marken ausschließlich Akkordeons. Dieser Überblick nennt zu jeder Marke Gründungsjahr, Herkunft und bekannte Baureihen als Fakten über das Sortiment, nicht als Kaufempfehlung. Eine Rangfolge der besten Marke bleibt aus, weil sich die fünf Hersteller in Herkunft und Sortimentsbreite unterscheiden, nicht in einer Bestenliste.
Wie unterscheiden sich die fünf Akkordeon-Marken in ihrer Herkunft?
Hohner und Weltmeister bauen Akkordeons in Deutschland, an zwei Standorten mit sehr unterschiedlicher Firmengeschichte: Hohner begann 1857 in Trossingen als Mundharmonika-Hersteller und nahm das Akkordeon erst später ins Sortiment auf, Weltmeister entstand als Markenname für die Akkordeon-Fertigung im sächsischen Klingenthal. Pigini, Bugari und Scandalli bauen dagegen ausschließlich Akkordeons und haben ihren Sitz in oder bei Castelfidardo in der italienischen Region Marken. Die geografische Nähe der drei italienischen Marken ist kein Zufall: Castelfidardo gilt seit dem 19. Jahrhundert als Zentrum des italienischen Akkordeonbaus, mit bis heute mehreren Dutzend ansässigen Betrieben.
Welche Eckdaten haben Hohner, Weltmeister, Pigini, Bugari und Scandalli?
Die folgende Tabelle fasst Gründungsland, Gründungsjahr und bekannte Baureihen jeder Marke zusammen, Einzelheiten dazu stehen in den Abschnitten weiter unten.
| Marke | Gründungsland | Gründungsjahr | Bekannte Baureihen |
|---|---|---|---|
| Hohner | Deutschland | 1857 | Bravo, Nova, Amica forte, historisch: Morino |
| Weltmeister | Deutschland | 1949 | Achat, Stella, Supra |
| Pigini | Italien | 1946 | Sirius, Nova, Caruso |
| Bugari | Italien | 1900 | Champion, Silver Plus |
| Scandalli | Italien | 1900 | Super VI, Tradizione |
Wie positioniert sich Hohner am Akkordeon-Markt?
Hohner entstand 1857 in Trossingen, gegründet von Matthias Hohner, zunächst als Hersteller von Mundharmonikas. Das Akkordeon gewann ab 1936 eigenes Profil, als der Konstrukteur Venanzio Morino begann, Instrumente nach eigenen Vorstellungen zu bauen; die nach ihm benannte Morino-Baureihe zählte jahrzehntelang zu den bekanntesten Konzertakkordeons der Marke, wird heute aber nicht mehr gefertigt und im Firmenarchiv geführt. Das aktuelle Sortiment reicht von einfachen Modellen für den Einstieg bis zu chromatischen Knopfakkordeons: Die Bravo-Serie deckt den Einstiegsbereich ab, die Amica forte die Mittelklasse, und die Nova-Serie umfasst die kleinsten chromatischen Akkordeons im Programm. Anders als die vier übrigen Marken dieses Überblicks baut Hohner Akkordeons nicht als einziges Standbein, sondern neben Mundharmonikas, Melodicas und weiteren Instrumenten.
Wie positioniert sich Weltmeister am Akkordeon-Markt?
Weltmeister ist der Markenname der Akkordeon-Fertigung im sächsischen Klingenthal, einem Ort mit Handzuginstrumentenbau seit dem frühen 19. Jahrhundert; die erste Akkordeon-Produktion dort geht auf das Jahr 1852 zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg gingen mehrere private Werkstätten im VEB Klingenthaler Harmonikawerke auf, der zum 1. Januar 1949 gegründet wurde und seine Instrumente unter dem Namen Weltmeister vertrieb; nach der deutschen Wiedervereinigung wurde daraus 1992 die privatisierte Harmona Akkordeon GmbH, später umbenannt in Weltmeister Akkordeon Manufaktur GmbH. Das Sortiment deckte die gesamte Spanne ab, von der Einsteigerserie Achat über die für Unterricht und Freizeit verbreitete Stella-Serie bis zur Supra als Instrument der Konzertklasse. Im Herbst 2023 meldete die Weltmeister Akkordeon Manufaktur GmbH Insolvenz an, unter anderem wegen weggebrochener Exportmärkte in Russland, Belarus und der Ukraine sowie gestiegener Energie- und Materialkosten; Ende 2024 stellte das Werk in Klingenthal die Fertigung ein. Über eine Fortführung der Produktion war zum Zeitpunkt dieses Artikels nichts Verlässliches bekannt, im Handel verbleiben aber weiterhin Instrumente aus vorhandenen Beständen.
Warum gilt Castelfidardo als Zentrum des italienischen Akkordeonbaus?
Castelfidardo in der italienischen Region Marken gilt seit dem 19. Jahrhundert als Zentrum des italienischen Akkordeonbaus: 1863 baute Paolo Soprani dort einen der ersten Prototypen und gründete anschließend eine der ersten italienischen Akkordeonfabriken. Aus dieser Keimzelle wuchs eine Konzentration von Zulieferern für Stimmzungen, Bälge und Gehäuse, die bis heute mehrere Dutzend Akkordeonbetriebe in der Kleinstadt und ihrem Umland versammelt. Pigini, Bugari und Scandalli zählen zu den bekanntesten dieser Betriebe und bauen im Unterschied zu Hohner und Weltmeister ausschließlich Akkordeons.
Alle drei italienischen Marken dieses Überblicks haben ihren Sitz in oder bei Castelfidardo. Der Ort baut seit 1863 Akkordeons und zählt bis heute mehrere Dutzend ansässige Hersteller, was ihn zum dichtesten Produktionszentrum der Branche macht.
Wodurch unterscheiden sich Pigini, Bugari und Scandalli voneinander?
Pigini entstand am 6. Juni 1946 in Ancona, als Filippo Pigini die Firma gemeinsam mit seinen vier Söhnen gründete; wenig später verlegte die Familie den Betrieb nach Castelfidardo. Die Marke hat sich auf professionelle Instrumente mit Konverter-Mechanik spezialisiert, die zwischen Stradella-Bass und Freibass umschalten lässt, und baut diese Mechanik im eigenen Haus statt sie zuzukaufen. Zum Sortiment zählen auch Freibass-Instrumente, die im deutschen Markt unter der russischen Bezeichnung Bajan geführt werden, neben den Baureihen Sirius, Nova und Caruso.
Bugari geht auf den 1900 in Castelfidardo von Enrico Bugari gegründeten Betrieb zurück; 1961 übernahm sein Sohn Armando die Firma, die seither als Bugari Armando firmiert. Die Marke baut in Handarbeit vom Einsteigermodell bis zum Konzertakkordeon und ist unter Spielerinnen und Spielern für den warmen Klang ihrer Cassotto-Instrumente bekannt, einer zusätzlichen Klangkammer vor den Stimmzungen. 2007 übernahm Bugari zusätzlich die Marken Zero Sette und Giulietti.
Scandalli geht auf den um 1900 von Silvio Scandalli gegründeten Betrieb im Raum Castelfidardo zurück, der bis 1941 auf über 700 Beschäftigte wuchs. 1946 ging Scandalli gemeinsam mit Settimio Soprani und Frontalini in der neu gegründeten Farfisa auf; 1984 trennte sich die Akkordeon-Sparte wieder von Farfisa, und Scandalli baut seither unter Führung der Familie Menghini erneut ausschließlich Akkordeons. Bekanntestes Modell ist bis heute die in den 1950er Jahren entwickelte Super VI, die als Symbol der Marke gilt und in aktualisierter Form noch immer Teil der Tradizione-Baureihe ist.
Wer sich für den Aufbau eines Akkordeons selbst interessiert, findet Balg, Stimmzungen und das Stradella-Bass-System im Hauptartikel zum Instrument erklärt.
Häufige Fragen zu Akkordeon-Marken
Welche Akkordeon-Marken kommen aus Deutschland?
Hohner und Weltmeister sind die bekanntesten deutschen Akkordeon-Marken. Hohner wurde 1857 in Trossingen gegründet und baut Akkordeons neben Mundharmonikas und weiteren Instrumenten. Weltmeister ist der 1949 eingeführte Markenname der Akkordeon-Fertigung im sächsischen Klingenthal, die Ende 2024 die Produktion einstellte.
Wo liegt das Zentrum des italienischen Akkordeonbaus?
Das Zentrum des italienischen Akkordeonbaus liegt in Castelfidardo in der Region Marken. Paolo Soprani baute dort 1863 einen der ersten Prototypen und gründete eine der ersten italienischen Akkordeonfabriken. Bis heute sind in der Kleinstadt und ihrem Umland mehrere Dutzend Akkordeonbetriebe ansässig, darunter Pigini, Bugari und Scandalli.
Baut Weltmeister noch neue Akkordeons?
Weltmeister stellte die Akkordeon-Fertigung im sächsischen Klingenthal Ende 2024 ein, nachdem die Weltmeister Akkordeon Manufaktur GmbH im Herbst 2023 Insolvenz angemeldet hatte. Über eine Fortführung der Produktion war zuletzt nichts Verlässliches bekannt, im Handel finden sich aber weiterhin Instrumente aus vorhandenen Beständen.
Was ist das Besondere an Pigini-Akkordeons?
Pigini-Akkordeons sind auf professionelle Spielerinnen und Spieler ausgerichtet und bauen ihre Konverter-Mechanik für den Wechsel zwischen Stradella-Bass und Freibass im eigenen Haus. Die 1946 in Ancona gegründete und heute in Castelfidardo ansässige Marke bietet außerdem Freibass-Instrumente an, die im deutschen Markt als Bajan bezeichnet werden.




