Bandoneon

3 Min. Lesezeit
Bandoneon
Bandoneon

Zusammenfassung

Das Bandoneon ist ein Balginstrument mit durchschlagenden Zungen aus der Familie der Konzertinas, nicht des Akkordeons. Es trägt auf beiden Seiten Reihen runder Knöpfe statt einer Klaviatur, das Gehäuse ist annähernd quadratisch. Bei der gebräuchlichen Bauart gibt derselbe Knopf beim Ziehen und beim Drücken zwei verschiedene Töne, und genau das macht das Instrument schwer zu lernen. Das Bandoneon entstand Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland und wurde in Argentinien und Uruguay zum tragenden Instrument des Tango.

Das Bandoneon ist ein Balginstrument mit durchschlagenden Zungen und gehört zur Familie der Konzertinas, nicht zur Familie der Akkordeons. Zwei annähernd quadratische Holzkästen tragen auf beiden Seiten Reihen runder Knöpfe, dazwischen sitzt ein Faltenbalg. Die spanische Schreibweise lautet Bandoneón mit Akzent, im Deutschen ist Bandoneon ohne Akzent gebräuchlich. Bekannt wurde das Instrument als Stimme des argentinischen Tango.

Wie klingt ein Bandoneon?

Das Bandoneon klingt herb und obertonreich, mit tragenden Bässen und scharf ansprechender Höhe. Den Ton erzeugen Metallzungen, die der Luftstrom aus dem Balg zum Schwingen bringt; die Knöpfe öffnen nur die Ventile davor. Die Lautstärke steuert allein der Druck auf den Balg.

Wie ein Bandoneon klingt, zeigt dieses Klangbeispiel:

Wie ist ein Bandoneon aufgebaut?

Ein Bandoneon besteht aus zwei annähernd quadratischen Holzkästen und einem Faltenbalg aus Lederstücken, die Holzleisten in Falten halten. Jeder Knopf öffnet über eine Mechanik ein Ventil, das die Luft zu bestimmten Stimmzungen leitet. Zieht oder drückt der Spieler den Balg, entsteht im Inneren Unter- oder Überdruck, und die angeströmte Zunge klingt. Die im Tango verbreitete Bauart trägt 71 Knöpfe und deckt fast fünf Oktaven ab.

Was unterscheidet das Bandoneon vom Akkordeon?

Das Bandoneon trägt auf beiden Seiten Knopfreihen, ein Akkordeon dagegen rechts eine Klaviatur oder ein eigenes Knopfsystem und links Bassknöpfe mit fertigen Akkorden. Das Gehäuse des Bandoneons ist annähernd quadratisch, das eines Akkordeons hochkant rechteckig.

Der wichtigste Unterschied liegt in der Tonerzeugung: Bei der gebräuchlichen Bauart gibt derselbe Knopf beim Ziehen einen anderen Ton als beim Drücken, das Bandoneon ist also wechseltönig. Ein Akkordeon und das chromatische Akkordeon sind gleichtönig gebaut, wechseltönig arbeiten dagegen die steirische Harmonika und ein Teil der Konzertinas, aus deren deutscher Bauform das Bandoneon hervorging.

Wie spielt man Bandoneon?

Der Spieler legt das Bandoneon auf die Oberschenkel und führt die Hände in Riemen an den beiden Gehäusehälften. Die rechte Hand übernimmt die Melodie, die linke Bass und Begleitung, der Balg gibt Lautstärke und Phrasierung.

Die Knopfanordnung folgt keiner Tonleiterlogik: Benachbarte Knöpfe ergeben keine benachbarten Töne, die Belegung ist historisch gewachsen. Der Spieler lernt sie als Muster, für jede Hand ein eigenes.

Wie schwer ist das Bandoneon zu lernen?

Das Bandoneon gilt als schwer zu lernen, weil vier Knopfbelegungen sitzen müssen: je eine für die linke und die rechte Hand, diese jeweils getrennt für Zug und Druck. Ein Griff, der beim Ziehen den gewünschten Akkord ergibt, liefert beim Drücken einen anderen. Wer bereits Akkordeon spielt, bringt Balgführung und Notenlesen mit, muss die Griffe aber neu lernen.

Woher stammt das Bandoneon?

Das Bandoneon entstand Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland aus der deutschen Konzertina, die einen deutlich kleineren Tonumfang hatte. Seinen Namen gab ihm der Krefelder Musikhändler und Musiklehrer Heinrich Band. Wer welchen Bauschritt beisteuerte, ist umstritten; neben Band nennen die Quellen Carl Friedrich Uhlig und Carl Friedrich Zimmermann.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam das Bandoneon nach Argentinien und Uruguay und wurde in Buenos Aires und Montevideo zum tragenden Instrument des Tango. In der Orquesta típica bilden mehrere Bandoneons zusammen mit Geigen, Klavier und Kontrabass den Kern des Klangs. Astor Piazzolla spielte selbst Bandoneon und verband den Tango ab den 1950er Jahren mit Elementen aus Jazz und klassischer Musik.

Häufige Fragen zum Bandoneon

Ist ein Bandoneon ein Akkordeon?

Nein, das Bandoneon gehört zur Familie der Konzertinas. Mit dem Akkordeon teilt es den Balg und die durchschlagenden Zungen, unterscheidet sich aber in drei Punkten: Knopfreihen auf beiden Seiten statt einer Klaviatur, ein annähernd quadratisches Gehäuse und bei der gebräuchlichen Bauart zwei verschiedene Töne pro Knopf.

Wie viele Knöpfe hat ein Bandoneon?

Die im Tango verbreitete Bauart des Bandoneons hat 71 Knöpfe, verteilt auf beide Gehäusehälften. Weil jeder Knopf beim Ziehen und beim Drücken einen anderen Ton gibt, stehen 142 Töne zur Verfügung. Daneben gibt es kleinere Modelle und gleichtönige Bauarten.

In welcher Musik spielt man Bandoneon?

Bandoneon spielt man vor allem im argentinischen und uruguayischen Tango und in verwandten Formen wie Milonga und Vals criollo. Im Tango Nuevo, den Astor Piazzolla ab den 1950er Jahren prägte, steht das Instrument im Mittelpunkt. In Deutschland pflegen Bandonionvereine und Harmonikaorchester sein Repertoire bis heute.

Weitere Artikel in Handzuginstrumente

Chromatisches Akkordeon

Chromatisches Akkordeon

Ein chromatisches Akkordeon ist ein Knopfakkordeon, dessen Melodieseite beim Ziehen und beim Drücken des Balgs denselben Ton liefert und alle zwölf Halbtöne der Oktave bereithält. Die Knopfreihen liegen schräg versetzt zueinander: Innerhalb einer Reihe liegt der Nachbarknopf eine kleine Terz höher, in der schräg benachbarten Reihe nur einen Halbton oder einen Ganzton entfernt. Dadurch liegt ein Dur-Akkord oder eine Tonleiter in jeder Tonart unter derselben Fingerform, anders als beim diatonischen Akkordeon, das nur wenige feste Tonarten abdeckt. Je nach Land ist das C-System oder das B-System gebräuchlich, und in Russland verfeinerte sich das chromatische Knopfakkordeon Anfang des 20. Jahrhunderts zum Bajan.

Konzertina

Konzertina

Die Konzertina ist ein kleines Handzuginstrument mit meist sechseckigem Gehäuse und Knöpfen auf beiden Stirnflächen. Ein Balg presst Luft durch frei schwingende Metallzungen, die Knöpfe öffnen dabei nur die Ventile davor. Je nach System klingt ein Knopf beim Ziehen und beim Drücken gleich oder gibt zwei verschiedene Töne. Die Konzertina stammt aus England und trägt bis heute die irische und englische Tanzmusik mit.

Pianoakkordeon oder Knopfakkordeon

Pianoakkordeon oder Knopfakkordeon

Pianoakkordeon und Knopfakkordeon klingen gleich und unterscheiden sich nur in der Griffweise der rechten Hand. Ein Knopfakkordeon bringt auf ähnlicher Gehäusebreite mehr Töne unter und reicht weiter in Höhe und Tiefe. Im deutschsprachigen Raum ist das Pianoakkordeon verbreiteter, in Russland und Osteuropa das Knopfakkordeon, dort meist als Bajan. Ein Umstieg zwischen beiden Systemen ist möglich, verlangt aber eine komplett neue Grifflogik. Wer bereits Klavier spielt, findet auf dem Pianoakkordeon die vertraute Tastenanordnung wieder.

Steirische Harmonika

Steirische Harmonika

Die Steirische Harmonika ist ein diatonisches Knopfakkordeon des Alpenraums. Ihr entscheidendes Merkmal ist die Wechseltönigkeit: Derselbe Knopf gibt beim Ziehen einen anderen Ton als beim Drücken. Drei oder vier Melodiereihen stehen im Quartabstand, auf der linken Seite erzeugen Helikonbässe den kräftigen tiefen Bass. Vom chromatischen Akkordeon unterscheidet sie sich darin, dass dort ein Knopf in beide Balgrichtungen denselben Ton gibt.