Ein chromatisches Akkordeon ist ein Knopfakkordeon, dessen Melodieseite in jeder Balgrichtung denselben Ton liefert und alle zwölf Halbtöne der Oktave bereithält. Ein diatonisches Akkordeon wie die Steirische Harmonika deckt dagegen nur wenige feste Tonarten ab und wechselt den Ton je nach Zug oder Druck des Balgs. Die Knopfreihen der Melodieseite liegen schräg versetzt zueinander, sodass sich jeder Halbton griffbereit erreichen lässt, ohne die Hand zu verschieben. Je nach Land hat sich dabei das C-System oder das B-System durchgesetzt, zwei Anordnungen nach demselben Prinzip, aber mit gespiegelter Richtung.
Was unterscheidet ein chromatisches Akkordeon von einem diatonischen Akkordeon?
Ein chromatisches Akkordeon liefert auf jedem Knopf denselben Ton, ob der Spieler den Balg zieht oder drückt; Fachleute nennen das gleichtönig. Ein diatonisches Akkordeon dagegen ist wechseltönig: Derselbe Knopf gibt beim Ziehen einen anderen Ton als beim Drücken, wie es die Steirische Harmonika vormacht. Ein diatonisches Instrument stimmt seine Knopfreihen zudem nur auf wenige Tonarten, meist die Grundtonart und eine benachbarte, und spielt deshalb sauber nur in diesen festen Tonarten. Ein chromatisches Akkordeon legt dagegen alle zwölf Halbtöne der Oktave durchgehend auf die Melodieseite, unabhängig von der Balgrichtung, und deckt jede Tonart gleich vollständig ab.
Wie sind die Knopfreihen eines chromatischen Akkordeons angeordnet?
Die Knopfreihen eines chromatischen Akkordeons liegen schräg versetzt übereinander, meist in drei Hauptreihen; größere Instrumente tragen zwei weitere Reihen, die die ersten beiden wiederholen und zusätzliche Fingersätze erlauben. Innerhalb einer Reihe liegt der nächste Knopf eine kleine Terz höher, also drei Halbtöne entfernt. Erst der Griff in die schräg benachbarte Reihe schließt diese Lücke: Zur einen Seite liegt der Nachbarknopf einen Ganzton höher, zur anderen Seite nur einen Halbton. Damit erreicht die Hand jede Halbtonstufe der Oktave, ohne die Position zu wechseln.
| Merkmal | C-System | B-System |
|---|---|---|
| Grundton der ersten Reihe | C | H |
| Richtung der Halbtonschritte | von außen nach innen | von innen nach außen |
| Hauptverbreitung | Italien, Schweden | Russland, Norwegen, Serbien, Belgien |
| Verwandtes System | G-System in Finnland, gleiche Logik | Grundlage des russischen Bajan |
Warum ermöglicht das chromatische Knopfsystem denselben Fingersatz in jeder Tonart?
Das chromatische Knopfsystem ermöglicht denselben Fingersatz in jeder Tonart, weil das Muster aus kleiner Terz innerhalb der Reihe und Halbton oder Ganzton schräg dazu an jeder Stelle des Griffbretts identisch ist. Ein Dur-Akkord greift die Hand deshalb überall auf der Melodieseite mit derselben Fingerform, ob das Stück in C-Dur oder in Fis-Dur steht, nur die Ausgangsposition der Hand verschiebt sich. Auf einer Klaviatur oder beim diatonischen Akkordeon gilt das nicht: Dort ändert sich mit jeder Tonart, welche Töne unter welchen Fingern liegen oder welche Töne überhaupt zur Verfügung stehen.
Auf dem chromatischen Knopfakkordeon liegt jede Tonart unter derselben Fingerform. Nur die Handposition auf dem Griffbrett verschiebt sich, das Bewegungsmuster bleibt gleich. Das erleichtert Transpositionen, die auf der Klaviatur oder beim diatonischen Akkordeon eine völlig neue Fingerfolge verlangen.
Wer patentierte das erste Akkordeon, und war es schon chromatisch?
Der Wiener Instrumentenbauer Cyrill Demian patentierte am 23. Mai 1829 das erste Akkordeon, doch dieses Instrument war noch nicht chromatisch. Demians Patent beschrieb eine kleine Balgkonstruktion mit fünf Tasten, von denen jede Taste bei Zug und Druck zwei verschiedene, jeweils fertige Akkorde auslöste. Das Instrument spielte damit nur wenige feste Akkorde in diatonischer Stimmung und keine einzelnen chromatischen Töne. Das durchgehend chromatische Knopfsystem mit schräg versetzten Reihen entwickelte sich erst im späteren 19. Jahrhundert, unabhängig von Demians ursprünglicher Konstruktion.
Wie wurde aus dem chromatischen Knopfakkordeon der russische Bajan?
Der russische Musiker Nikolai Beloborodow baute 1870 in Tula ein frühes chromatisches Knopfakkordeon mit drei Reihen, dessen Tonvorrat aber noch lückenhaft war. Der Petersburger Instrumentenbauer Pjotr Sterligow entwickelte daraus 1907 ein Instrument mit einer vollständig durchgehenden chromatischen Tonleiter und benannte es nach Bojan, einem Sänger aus der altrussischen Dichtung. Aus dieser Linie ging der Bajan hervor, die russische Bauform des chromatischen Knopfakkordeons im B-System, die sich vom westlichen Knopfakkordeon vor allem im Zungenbau unterscheidet.
Wo sind C-System und B-System heute jeweils verbreitet?
Das C-System ist vor allem in Italien und Schweden verbreitet; eine verwandte Anordnung nach demselben Prinzip, das G-System, ist in Finnland gebräuchlich. Das B-System hat sich dagegen in Russland, Norwegen, Serbien und Belgien durchgesetzt und bildet dort die Grundlage des Bajan sowie zahlreicher Volksmusiktraditionen. Wer ein Knopfakkordeon kauft, klärt deshalb vorab, welches System am Wohnort verbreitet ist, denn Lehrwerke, Lehrkräfte und Notensätze richten sich meist nach dem dort üblichen System.
Häufige Fragen zum chromatischen Akkordeon
Ist ein chromatisches Akkordeon dasselbe wie ein Bajan?
Nein, ein Bajan ist eine bestimmte Bauform des chromatischen Akkordeons, nämlich die russische Ausführung im B-System. Der Begriff chromatisches Akkordeon umfasst dagegen alle Knopfakkordeons mit durchgehender Halbtonreihe, also auch die C-System-Instrumente aus Italien und Schweden. Mehr zur russischen Bauform steht im Artikel zum Bajan.
Kann man auf einem chromatischen Akkordeon jede Tonart gleich leicht spielen?
Ja, auf einem chromatischen Akkordeon liegt jede Tonart unter derselben Fingerform, weil das Muster aus kleiner Terz innerhalb der Reihe und Halbton oder Ganzton schräg dazu an jeder Stelle des Griffbretts gleich bleibt. Nur die Ausgangsposition der Hand verschiebt sich, die Bewegungsabfolge selbst bleibt in jeder Tonart identisch.
Was ist der Unterschied zwischen C-System und B-System?
C-System und B-System unterscheiden sich in der Richtung, in der die Halbtonschritte über die Knopfreihen ansteigen. Beim C-System liegt der Grundton C in der ersten Reihe, und die Halbtonschritte steigen von außen nach innen an. Beim B-System liegt der Grundton H in der ersten Reihe, und die Halbtonschritte steigen von innen nach außen an. Das C-System ist vor allem in Italien und Schweden verbreitet, das B-System in Russland, Norwegen, Serbien und Belgien.
War das erste Akkordeon von Cyrill Demian schon ein chromatisches Akkordeon?
Nein, Cyrill Demians 1829 in Wien patentiertes Akkordeon war ein diatonisches Instrument mit nur fünf Tasten, von denen jede einen fertigen Akkord auslöste, beim Ziehen einen anderen als beim Drücken. Das durchgehend chromatische Knopfsystem mit schräg versetzten Reihen entstand erst später im 19. Jahrhundert und entwickelte sich unabhängig von Demians ursprünglicher Bauform weiter.




