Das Klavier ist ein Tasteninstrument mit Hammermechanik: Wer eine Taste drückt, wirft einen filzbezogenen Hammer gegen gespannte Stahlsaiten. Der Hammer fällt sofort zurück, die Saite schwingt frei weiter, und ein hölzerner Resonanzboden verstärkt den Ton. Weil der Hammer die Geschwindigkeit des Anschlags an die Saite weitergibt, entscheidet der Finger über die Lautstärke jedes einzelnen Tons. Genau das steckt im älteren Namen Pianoforte, also leise und laut.
Wie erzeugt ein Klavier seinen Ton?
Ein Klavier erzeugt den Ton, indem ein Hammer die Saite anschlägt und im selben Moment zurückspringt. Bliebe er an der Saite liegen, würde er sie sofort abdämpfen. Lässt der Spieler die Taste los, legt sich ein Filzdämpfer auf die Saite und beendet den Ton.
Beim Cembalo zupft dagegen ein Kiel die Saite, weshalb der Anschlag die Lautstärke kaum beeinflusst. Beim Clavichord bleibt eine Metalltangente an der Saite stehen, was den Ton sehr leise macht, dem Finger dafür aber ein Vibrato erlaubt. Nur das Klavier verbindet einen tragfähigen Ton mit einer Lautstärke, die der Spieler von Anschlag zu Anschlag frei wählt.
Wie klingt ein Klavier?
Ein Klavier klingt vom leisen Einzelton bis zum vollgriffigen Akkord, und der Weg dazwischen liegt in der Anschlagsgeschwindigkeit. Ein härterer Anschlag macht den Ton nicht nur lauter, sondern auch obertonreicher und damit heller.
Wie weit eine einzelne Klavierstimme trägt, zeigt River Flows in You des Pianisten Yiruma:
Wie ist ein Klavier aufgebaut?
Ein Klavier besteht aus Holzgehäuse, Resonanzboden, Stimmstock und einer gusseisernen Platte, die den Zug der Saiten aufnimmt. Dieser Zug summiert sich auf mehrere Tonnen, wofür Holz allein nicht ausreicht. Die Saiten bestehen aus Stahldraht, die tiefen tragen eine Umspinnung aus Kupfer, damit sie bei kurzer Länge tief klingen.
Die meisten Töne haben zwei oder drei gleich gestimmte Saiten, den sogenannten Chor. Zwischen Taste und Hammer liegt eine Hebelmechanik, die den Hammer kurz vor der Saite freigibt; verstellt sie sich, ändert das den Anschlag spürbar.
Wozu dienen die Pedale am Klavier?
Das rechte Pedal hebt alle Dämpfer von den Saiten ab, sodass angeschlagene Töne weiterklingen und die übrigen Saiten mitschwingen. Es heißt Fortepedal und wird am häufigsten benutzt.
Das linke Pedal macht den Klang leiser, je nach Bauart auf verschiedene Weise: Beim Flügel verschiebt es die Mechanik seitlich, sodass die Hämmer eine Saite des Chores weniger treffen, beim aufrecht stehenden Klavier rückt es die Hämmer näher an die Saiten heran. Ein drittes Pedal in der Mitte schiebt an vielen Klavieren als Moderator einen Filzstreifen zwischen Hämmer und Saiten.
Woher stammt das Klavier?
Bartolomeo Cristofori baute das erste Klavier um 1700 in Florenz, wo er die Instrumentensammlung der Medici betreute. Er nannte es gravicembalo col piano e forte, also Cembalo mit leise und laut, und benannte damit die Eigenschaft, die es vom Cembalo unterschied. Drei seiner Instrumente sind erhalten.
Im Lauf des 18. Jahrhunderts löste das Hammerklavier das Cembalo als führendes Tasteninstrument ab, weil Komponisten die neue Abstufung von leise nach laut nutzten. Der Name führt über die Klaviatur auf das lateinische clavis für Taste zurück und meinte bis ins 19. Jahrhundert noch jedes besaitete Tasteninstrument.




