Klavier kaufen

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Ein aufrechtes Klavier mit geöffnetem Deckel in einem hellen Wohnzimmer. Foto: Pexels / Pixabay.
Ein aufrechtes Klavier mit geöffnetem Deckel in einem hellen Wohnzimmer. Foto: Pexels / Pixabay.

Zusammenfassung

Wer ein Klavier kauft, entscheidet zuerst zwischen einem akustischen Instrument mit schwingenden Saiten und einem digitalen E-Piano mit Sample- oder Modeling-Klängen. Die Tastatur ist dabei das wichtigste Prüfkriterium: Ein akustisches Klavier bewegt den Hammer über eine echte mechanische Hebelkette, ein E-Piano bildet dieses Gewicht über eine gewichtete Mechanik nach und misst die Anschlaggeschwindigkeit elektronisch. Pedale, die Polyphonie-Anzahl beim E-Piano und die grobe Preisspanne der jeweiligen Klasse entscheiden mit über die Wahl. Dieser Ratgeber ordnet die wichtigsten Kaufkriterien und nennt die Prüfpunkte für ein gebrauchtes akustisches Klavier.

Wer ein Klavier kauft, entscheidet zuerst zwischen einem akustischen Instrument mit schwingenden Saiten und einem digitalen E-Piano mit Sample- oder Modeling-Klängen. Die Tastatur ist dabei das wichtigste Prüfkriterium, denn sie bestimmt das Spielgefühl unter den Fingern. Pedale, die Polyphonie-Anzahl bei digitalen Instrumenten und die grobe Preisspanne kommen als weitere Kriterien hinzu. Dieser Ratgeber ordnet die wichtigsten Kaufkriterien und nennt die Prüfpunkte für ein gebrauchtes Klavier. Den Aufbau des Instruments erklärt der Artikel zum Klavier.

88Tasten im Vollformat
3Pedale meist
2Bauarten: akustisch oder digital
3Preisklassen je Bauart

Worauf kommt es bei der Tastatur eines Klaviers an?

Bei einem akustischen Klavier verbindet eine mechanische Hebelkette die Taste unmittelbar mit dem Hammer: Der Finger bestimmt direkt, wie schnell der Hammer auf die Saite trifft, und diese Anschlaggeschwindigkeit legt Lautstärke und Klangfarbe jedes Tons fest.

Ein E-Piano besitzt weder Saiten noch einen Hammer, der selbst einen Ton erzeugt. Damit sich die Tasten trotzdem wie bei einem Klavier anfühlen, bauen die Hersteller eine gewichtete Mechanik ein, die das Gewicht und den Widerstand einer echten Hammermechanik nachbildet: Gewichte oder abgestufte Hebel unter den Tasten sorgen für einen schwereren Anschlag in der tiefen und einen leichteren in der hohen Lage. Ein Sensor misst dabei die Anschlaggeschwindigkeit und steuert darüber Lautstärke und Klangfarbe des Tons. Einfache Keyboards verzichten auf diese Gewichtung oder wiegen nur leicht an; für ein klavierähnliches Spielgefühl braucht es eine vollständig gewichtete Nachbildung mit möglichst 88 Tasten.

KriteriumWorauf es ankommt
TastaturAkustisch: echte Hammermechanik. Digital: gewichtete Nachbildung mit Anschlagsdynamik-Sensor
Tastenanzahl88 Tasten für das volle Repertoire, weniger bei kompakten Keyboards
PedaleRechts Sustain/Forte, links Una Corda, Mitte je nach Bauart Sostenuto oder Moderator
KlangerzeugungAkustisch: schwingende Saite mit Resonanzboden. Digital: Sample- oder Modeling-basiert über Lautsprecher oder Kopfhörer
Polyphonie (nur E-Piano)Maximale Anzahl gleichzeitig klingender Stimmen, wichtig bei Pedalspiel und mehrstimmigen Stücken
PreisklasseEinsteiger, Mittelklasse, Profi, jeweils getrennt für akustisch und digital

Welche Pedale hat ein Klavier und wozu dienen sie?

Das rechte Pedal, das Sustain- oder Fortepedal, kommt am häufigsten zum Einsatz: Es hebt alle Dämpfer von den Saiten ab, sodass ein angeschlagener Ton auch nach dem Loslassen der Taste weiterklingt und die übrigen Saiten frei mitschwingen. Das linke Pedal heißt Una Corda oder Piano-Pedal und macht den Klang leiser. Bei einem Flügel verschiebt es die Mechanik seitlich, sodass der Hammer eine Saite weniger trifft, bei einem aufrecht stehenden Klavier rückt es die Hämmer näher an die Saiten heran.

Das mittlere Pedal ist je nach Bauart unterschiedlich belegt. Bei vielen Flügeln arbeitet es als Sostenuto-Pedal und hält nur die Töne aus, deren Tasten im Moment des Pedaltritts bereits gedrückt sind. Bei vielen Klavieren übernimmt stattdessen ein Moderator diese Stelle und schiebt einen Filzstreifen zwischen Hämmer und Saiten für sehr leises Üben. Ein E-Piano bildet diese Funktionen elektronisch nach: Ein einfaches Sustain-Pedal deckt nur die rechte Funktion ab, eine vollständige Pedaleinheit bildet alle drei Funktionen einzeln nach.

Linkes Pedal Una Corda Flügel: Mechanik rutscht seitlich Klavier: Hämmer näher an Saiten Ergebnis: leiserer, weicherer Ton Mittleres Pedal Sostenuto oder Moderator Flügel: hält nur bereits gehaltene Töne Klavier: Filzstreifen zwischen Hammer und Saite Ergebnis: gezielt oder sehr leise Rechtes Pedal Sustain / Fortepedal hebt alle Dämpfer von den Saiten ab angeschlagene Töne klingen weiter Ergebnis: am häufigsten benutzt
Rechtes Pedal hebt alle Dämpfer ab, das mittlere Pedal wirkt je nach Bauart als Sostenuto oder Moderator, das linke Pedal macht den Ton leiser.

Akustisch oder digital: Was unterscheidet die Klangerzeugung?

Ein akustisches Klavier erzeugt seinen Ton rein mechanisch: Der Hammer schlägt die Saite an, die Saite schwingt frei aus, und ein hölzerner Resonanzboden verstärkt diese Schwingung zu einem hörbaren Klang. Ein E-Piano besitzt keine schwingende Saite. Stattdessen ruft der Tastendruck aufgenommene Klänge eines echten Klaviers ab (Sample-basiert) oder berechnet den Ton laufend aus einem physikalischen Modell (Modeling-basiert), hörbar über einen eingebauten Lautsprecher oder Kopfhörer. Welche Bauart für welche Anforderung besser passt, ordnet der Vergleich E-Piano oder Klavier ausführlich ein.

Welche Rolle spielt die Polyphonie-Anzahl bei einem E-Piano?

Die Polyphonie gibt an, wie viele Töne ein E-Piano gleichzeitig berechnen oder abspielen kann. Jeder Tastendruck, jede nachklingende Note und jede zusätzliche Klangebene bei geschichteten Sounds beansprucht eine eigene Stimme aus diesem Vorrat. Beim Pedalspiel stößt die Polyphonie schnell an ihre Grenze, weil das Sustain-Pedal bereits angeschlagene Töne aktiv hält, während neue hinzukommen, und in mehrstimmigen Stücken summiert sich die Anzahl zusätzlich. Ist die Polyphonie aufgebraucht, schneidet die Elektronik einen klingenden Ton ab, hörbar als abruptes Verstummen. Aktuelle E-Pianos bieten der Größenordnung nach zwischen rund 64 und über 200 Stimmen, Einsteigermodelle eher am unteren, Mittel- und Oberklasse eher am oberen Ende.

Ohne ausreichende Polyphonie brechen Töne beim Pedalspiel ab. Reicht die Anzahl gleichzeitig berechenbarer Stimmen nicht aus, schneidet die Elektronik den am längsten gehaltenen Ton ab, sobald ein neuer hinzukommt, hörbar vor allem bei getretenem Sustain-Pedal und in dicht gesetzten Passagen.

Welche Preisklassen gibt es beim Klavierkauf?

Akustische Klaviere und E-Pianos teilen sich jeweils in drei Preisklassen, die sich an Verarbeitung, Mechanik und verbauter Technik unterscheiden lassen, nicht an einem festen Betrag. Die folgenden Spannen sind eine grobe Orientierung, keine tagesaktuellen Preise.

Bei akustischen Klavieren gilt:

  • Einsteigerklasse: niedriger bis mittlerer vierstelliger Eurobereich, kompaktes Klavier mit einfacherer Mechanik.
  • Mittelklasse: oberer vierstelliger bis niedriger fünfstelliger Bereich, hochwertigere Mechanik und Verarbeitung.
  • Profiklasse: ab mittlerem fünfstelligem Bereich aufwärts, bei Flügeln renommierter Manufakturen auch deutlich darüber.

Bei E-Pianos gilt:

  • Einsteigerklasse: mittlerer bis oberer dreistelliger Eurobereich, 88 gewichtete Tasten und solide Grundausstattung.
  • Mittelklasse: oberer dreistelliger bis niedriger vierstelliger Bereich, bessere Tastenmechanik und höhere Polyphonie.
  • Profiklasse: mittlerer vierstelliger Bereich und darüber, Bühnenpianos und Möbelpianos mit Holztasten-Mechanik.

Neu oder gebraucht: Worauf achten beim Kauf eines gebrauchten Klaviers?

Ein neues Klavier kommt ungespielt und meist mit Garantie, ein gebrauchtes kostet häufig deutlich weniger, verlangt aber eine genaue Prüfung vor dem Kauf. Drei Stellen geben Auskunft über den Zustand.

  • Stimmhaltung: Ein Klavier, das kurz nach einer fachgerechten Stimmung schon wieder deutlich verstimmt klingt, zeigt damit ein Problem am Stimmstock, in dem die Wirbel sitzen. Das lässt sich nur durch eine Fachwerkstatt zuverlässig beurteilen.
  • Zustand der Mechanik: Alle Tasten sollten gleichmäßig ansprechen, ohne zu klemmen oder ungewöhnlich schwer zu gehen. Tiefe Kerben im Hammerfilz zeigen starke Nutzung und eine baldig fällige Überarbeitung an.
  • Alter der Saiten: Ältere Saiten, besonders die umsponnenen Bassaiten, verlieren an Klangfarbe und können korrodieren. Ein Saitenwechsel ist eine Werkstattarbeit und ein Kostenfaktor, den ein Kaufpreis einpreisen sollte.

Ein E-Piano altert anders: Statt Mechanik und Saiten zählen Alter und Zustand der Elektronik, eine Stimmung entfällt grundsätzlich.

Häufige Fragen zum Klavierkauf

Was ist beim Klavierkauf wichtiger, Tastatur oder Klang?

Beim Klavierkauf sind Tastatur und Klangerzeugung gleich wichtig, denn beide hängen zusammen: Nur eine Tastatur mit echter oder gut nachgebildeter Anschlagsdynamik gibt die Lautstärkeabstufung des Fingers an die Klangerzeugung weiter. Wer eine unzureichend gewichtete Tastatur in Kauf nimmt, verliert genau diese Feinsteuerung, unabhängig vom Klang.

Wie viele Tasten braucht ein Klavier zum Lernen?

Zum Lernen braucht ein Klavier idealerweise 88 Tasten, denn nur das volle Format deckt klassisches und modernes Repertoire ohne Lücke ab. Kompakte Keyboards mit 61 oder 76 Tasten reichen für erste Übungen, stoßen bei anspruchsvolleren Stücken aber an ihre Grenze. Einen strukturierten Einstieg zeigt der Artikel Klavier lernen.

Braucht ein E-Piano alle drei Pedale?

Ein E-Piano braucht nicht zwingend alle drei Pedale. Ein einzelnes Sustain-Pedal deckt die häufigste Funktion ab, die Anhebung aller Dämpfer. Wer Sostenuto-Passagen oder feine Una-Corda-Dynamik einüben will, profitiert von einer vollständigen Pedaleinheit mit drei einzeln nachgebildeten Funktionen.

Was kostet ein Klavier?

Ein Klavier kostet je nach Bauart und Preisklasse unterschiedlich viel: Ein neues akustisches Einsteigermodell liegt als grobe Orientierung im niedrigen bis mittleren vierstelligen Eurobereich, ein E-Piano der Einsteigerklasse im mittleren bis oberen dreistelligen Bereich. Nach oben reichen beide Bauarten deutlich höher, der genaue Preis hängt von Modell und Ausstattung ab.

Weitere Artikel in Tasteninstrumente

Klavier- und E-Piano-Marken

Klavier- und E-Piano-Marken

Der Markt für Klaviere und E-Pianos teilt sich grob in zwei Gruppen: traditionsreiche europäische Klavierbauer, die überwiegend akustische Flügel und Klaviere im hochpreisigen Segment fertigen, und japanische Hersteller mit einem breiten Sortiment aus akustischen und digitalen Instrumenten für Einsteiger bis Profis. Steinway & Sons, Bechstein, Blüthner und Bösendorfer entstanden alle im 19. Jahrhundert oder früher in Europa, Bösendorfer bereits 1828 in Wien. Yamaha, Kawai, Roland und Casio bauen seit dem späten 19. beziehungsweise dem 20. Jahrhundert in Japan, wobei Roland und Casio ausschließlich digitale Instrumente fertigen. Dieser Überblick nennt zu jeder Marke Gründungsjahr, Herkunftsland und Sortimentsschwerpunkt als Fakten, ohne eine Rangfolge aufzustellen.

Klavier Pflege

Klavier Pflege

Ein akustisches Klavier braucht regelmäßige Pflege, damit Stimmung, Mechanik und Optik über Jahrzehnte erhalten bleiben: Ein Klavierstimmer stimmt es ein- bis zweimal im Jahr, ein fester Standort hält Luftfeuchtigkeit und Temperatur stabil, und Gehäuse sowie Tasten bekommen eine schonende Reinigung. Diese drei Aufgaben unterscheiden das akustische Klavier deutlich von einem E-Piano, das ohne Stimmung auskommt und im Alltag kaum Pflege braucht. Die tägliche Pflege durch den Besitzer und die fachliche Arbeit des Klavierbauers ergänzen sich dabei und lassen sich klar trennen.

Klavier- und E-Piano-Zubehör

Klavier- und E-Piano-Zubehör

Klavier-Zubehör umfasst alle Gegenstände, die das Spielen und Üben an Klavier oder E-Piano ergänzen: Klavierbank, Kopfhörer, Sustain-Pedal, Metronom, Abdeckhaube und Hygrometer. Eine Klavierbank stellt die Sitzhöhe passend zur Tastatur ein, geschlossene Kopfhörer halten den Klang des E-Pianos beim Üben im Ohr, und ein Sustain-Pedal mit kontinuierlichem Sensor kommt dem Pedalgefühl des akustischen Klaviers näher als ein einfacher Taster. Ein Metronom hält das Übe-Tempo, eine Abdeckhaube schützt Tasten und Gehäuse vor Staub, und ein Hygrometer zeigt die Luftfeuchtigkeit, von der die Stimmhaltung des akustischen Klaviers abhängt. Dieser Ratgeber erklärt zu jeder Kategorie, was sie leistet und worauf beim Kauf zu achten ist.

Pfeifenorgel

Pfeifenorgel

Die Pfeifenorgel ist ein Aerophon: Der Ton entsteht nicht durch die Atemluft der spielenden Person, sondern durch mechanisch erzeugten Wind, der durch eine Reihe abgestimmter Pfeifen geleitet wird. Sie zählt zu den Tasteninstrumenten, da sie über ein oder mehrere Manuale sowie meist ein Pedal bedient wird. Ihre Wurzeln reichen bis zur antiken griechischen Wasserorgel (Hydraulis) zurück, die der griechische Ingenieur Ktesibios im 3. Jahrhundert v. Chr.