Klavier lernen

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Redaktion
Ein aufgeschlagenes Notenheft über der Klaviatur eines Klaviers. Foto: Ralf1403 / Pixabay.
Ein aufgeschlagenes Notenheft über der Klaviatur eines Klaviers. Foto: Ralf1403 / Pixabay.

Zusammenfassung

Klavier lernen beginnt mit getrennten Händen: Jede Hand übt ihren Part allein, erst danach führt der Spieler beide zusammen. Feste Fingersätze gehören von der ersten Zeile an dazu, weil eine Stelle sonst nie automatisch läuft. Ein einfaches zweihändiges Stück gelingt vielen nach einigen Wochen, die Spanne hängt an der Übezeit. Der häufigste Anfängerfehler ist zu schnelles Üben.

Klavier lernen beginnt mit zwei getrennten Händen. Die rechte Hand übt ihren Part allein, die linke ihren, und erst wenn beide Bewegungen ohne Nachdenken laufen, führt der Spieler sie zusammen. Feste Fingersätze gehören dabei von der ersten Zeile an dazu, sonst greift die Hand jedes Mal anders und die Stelle sitzt nie. Ein einfaches zweihändiges Stück gelingt vielen nach einigen Wochen, wie lange es wirklich dauert, hängt vor allem an der Übezeit.

88Tasten
1 bis 5Fingernummern je Hand
2Notenschlüssel
gewichtetTastatur beim Kauf

Wie fängt man mit dem Klavier an?

Der Anfang am Klavier besteht aus drei Dingen: Sitzhöhe, Handform und fünf Tönen.

Die Bank steht so hoch, dass die Unterarme etwa waagerecht auf die Tasten zeigen und die Ellenbogen nicht unter die Tastenhöhe rutschen. Die Finger stehen rund, das Handgelenk bleibt locker, der Handrücken ruhig. Beide Hände legen sich zuerst in die Fünftonlage: Der Daumen der rechten Hand liegt auf dem c, die übrigen vier Finger auf d, e, f und g.

Die Fingernummern gelten in beiden Händen gleich. 1 ist der Daumen, 5 der kleine Finger. Noten drucken diese Zahlen über oder unter den Notenkopf.

Was braucht man zum Klavierlernen?

Zum Klavierlernen braucht es ein Instrument mit gewichteter Tastatur, eine höhenverstellbare Bank und eine Klavierschule oder Noten.

Die Tastengewichtung ist der Punkt, an dem beim Kauf am häufigsten das Falsche im Wohnzimmer landet. Ein Klavier setzt dem Finger den Widerstand einer Hammermechanik entgegen, und diesen Widerstand trainiert die Hand mit. Ein Keyboard mit leichtgängigen Tasten spielt sich anfangs bequemer, bereitet aber weder auf den Anschlag noch auf die Dynamik eines akustischen Instruments vor. Wer digital anfängt, achtet deshalb auf drei Angaben: 88 Tasten, Hammermechanik, Anschlagdynamik. Anschlagdynamik heißt, dass ein härterer Anschlag lauter klingt.

Dazu kommen ein Sustainpedal, ein Metronom und ein Notenständer in Augenhöhe. Kopfhörer machen ein Digitalpiano wohnungstauglich.

MerkmalKlavier lernen
Sinnvolles Einstiegsaltermeist ab dem Vorschulalter, sobald eine Hand fünf benachbarte Tasten erreicht
AusstattungInstrument mit 88 gewichteten Tasten, verstellbare Bank, Sustainpedal, Metronom, Klavierschule
Zeit bis zum ersten Stückeinige Wochen bis mehrere Monate, je nach Übezeit
Typische Übezeit pro Wochefünf bis sieben kurze Einheiten, zusammen etwa ein bis drei Stunden
Häufigste Anfängerhürdezu schnelles Üben, dazu das gleichzeitige Lesen von Violin- und Bassschlüssel
KostenGrößenordnung: mittlerer bis oberer dreistelliger Bereich für ein Digitalpiano mit Hammermechanik, akustische Instrumente liegen deutlich darüber

Wie lange dauert es bis zum ersten Stück am Klavier?

Ein einfaches Stück mit beiden Händen gelingt bei täglichem Üben meist nach einigen Wochen. Die Spanne hängt an der Übezeit, am gewählten Stück und daran, wie diszipliniert der Anfänger langsam übt.

Kurze tägliche Einheiten schlagen dabei die eine lange Einheit am Wochenende. Bewegungsabläufe festigen sich über Wiederholung in kurzen Abständen, und eine Stelle, die gestern zwanzig Mal langsam lief, sitzt heute bereits besser.

Wie übt man Klavier richtig?

Richtiges Üben am Klavier heißt: langsam, in kurzen Abschnitten, mit festem Fingersatz und zuerst jede Hand für sich.

Der häufigste Anfängerfehler ist zu schnelles Üben. Wer eine Stelle im Zieltempo probiert, bevor sie sicher sitzt, spielt sie mit Fehlern, und die Hand merkt sich einen falschen Ablauf genauso zuverlässig wie den richtigen. Das Tempo steigt erst, wenn die Stelle dreimal hintereinander fehlerfrei läuft. Ein Abschnitt umfasst dabei selten mehr als zwei Takte.

30 Minuten Übezeit Aufwärmen 5 Min. lockere Hand Technik 8 Min. Tonleiter, Fingersatz Neue Stelle 12 Min. Hände getrennt, langsam Spielen 5 Min. was schon sitzt
So lässt sich eine halbe Stunde am Klavier aufteilen. Der größte Anteil gehört der neuen Stelle, die jede Hand zuerst für sich übt.

Fingersätze gehören von der ersten Übung an ins Stück. Ein Fingersatz legt fest, welcher Finger welche Taste nimmt. Wechselt er von Durchgang zu Durchgang, lernt die Hand keinen festen Ablauf und die Stelle bleibt unsicher, egal wie oft der Spieler sie wiederholt.

Braucht man Klavierunterricht?

Nein, aber Unterricht korrigiert genau das, was ein Selbstlerner an sich selbst nicht bemerkt: Sitzhaltung, Handform und Fingersatz. Zwischen wöchentlichem Einzelunterricht und reinem Selbststudium liegen mehrere Formen, die sich kombinieren lassen.

  • Einzelunterricht vor Ort liefert die genaueste Rückmeldung, weil der Lehrer Hand und Haltung sieht und sofort eingreift.
  • Live-Videounterricht überträgt diese Rückmeldung nach Hause. Die Kamera muss dafür Hände und Tastatur zeigen, nicht das Gesicht.
  • Vorproduzierte Onlinekurse kosten weniger als wöchentlicher Einzelunterricht und laufen im eigenen Tempo. Sie geben allerdings keine Rückmeldung zur Haltung.
  • Gruppenunterricht an Musikschulen verbindet Anleitung mit gemeinsamem Spielen und kostet je Teilnehmer weniger als Einzelstunden.
  • Apps mit Rückmeldung hören über Mikrofon oder MIDI mit und melden falsche Töne und ungenaues Timing. Über die Hand sagen sie nichts.
  • Klavierschulen als Buch ordnen den Stoff vom ersten Ton an und liefern zu jedem Schritt Übungen.

Kurse ohne Noten vermitteln zuerst Akkorde und Begleitmuster, das trägt Pop und Liedbegleitung. Für klassische Literatur führt kein Weg am Notenlesen vorbei, weil dort jede Stimme ausgeschrieben steht.

Welche Hürden treten beim Klavierlernen auf?

Fünf Hürden treten beim Klavierlernen regelmäßig auf, die erste kostet am meisten Zeit.

  • Zu schnelles Üben bremst den Fortschritt am stärksten. Fehler, die im Tempo entstehen, bleiben hängen.
  • Zu früh beide Hände zusammen: Wer zusammenführt, bevor jede Hand ihren Part allein kann, übt die Unsicherheit doppelt ein.
  • Wechselnder Fingersatz verhindert, dass eine Stelle automatisch läuft.
  • Der Bassschlüssel kostet Anfänger Zeit, weil dieselbe Linie eine andere Tonhöhe bedeutet als im Violinschlüssel.
  • Dauerhaft gedrücktes Pedal verwischt die Töne, weil das rechte Pedal die Dämpfer anhebt und alles weiterklingen lässt.

Häufige Fragen zum Klavierlernen

Ab welchem Alter kann man Klavier lernen?

Klavier lernen ist ab dem Vorschulalter möglich, sobald die Hand fünf benachbarte Tasten erreicht und das Kind eine kurze Übezeit durchhält. Nach oben gibt es keine Grenze. Erwachsene lernen dabei anders: schneller im Verständnis, langsamer in der Motorik.

Wie lange sollte man täglich Klavier üben?

Beim Klavier bringt tägliches kurzes Üben mehr als eine lange Einheit pro Woche. Für Anfänger reichen 15 bis 30 Minuten am Tag, Kinder starten mit kürzeren Einheiten. Entscheidend ist die Regelmäßigkeit, weil sich Bewegungsabläufe über Wiederholung in kurzen Abständen festigen.

Braucht ein Digitalpiano zum Klavierlernen gewichtete Tasten?

Ja, ein Digitalpiano zum Klavierlernen braucht gewichtete Tasten mit Hammermechanik. Die Mechanik bildet den Widerstand eines akustischen Klaviers nach, und die Hand trainiert damit Kraft und Anschlagkontrolle. Auf einer leichtgängigen Keyboardtastatur gelingen Stücke scheinbar mühelos, am akustischen Instrument fehlt dann die Kraft für Dynamik.

Kann man Klavier ohne Noten lernen?

Klavier lässt sich ohne Noten lernen, wenn das Ziel Begleitung und Popstücke nach Akkordsymbolen sind. Viele Onlinekurse und Apps arbeiten genau so. Für klassische Literatur reicht das nicht, weil dort beide Hände Ton für Ton ausgeschrieben sind und keine Akkordsymbole existieren.

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