Noten oder Tabs

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Redaktion
Ein Notenblatt und ein Tabulaturblatt nebeneinander. Bild: KI generiert.
Ein Notenblatt und ein Tabulaturblatt nebeneinander. Bild: KI generiert.

Zusammenfassung

Noten geben Tonhöhe und Tondauer an und funktionieren auf jedem Instrument gleich. Eine Tabulatur gibt stattdessen die Griffposition an, also Saite und Bund, und gilt nur für das Instrument, für das sie geschrieben wurde. Über die Dauer der Töne sagt sie nichts. Beide Schriften haben deshalb ihren Platz, und viele Gitarrenausgaben drucken sie übereinander.

Noten und Tabulatur beantworten zwei verschiedene Fragen. Die Note sagt, welcher Ton wie lange klingen soll. Die Tabulatur sagt, wo der Finger hingehört, also auf welche Saite und in welchen Bund. Daraus folgt alles Weitere: Noten funktionieren auf jedem Instrument, eine Tabulatur nur auf dem, für das sie geschrieben wurde. Dafür ist sie in Minuten gelesen.

5Linien im Notensystem
6Linien einer Gitarrentabulatur
Tonhöhewas Noten festlegen
Griffwas Tabs festlegen

Was unterscheidet Noten und Tabulatur?

Der Unterschied liegt im Gegenstand der Aufzeichnung: Noten halten das klingende Ergebnis fest, Tabulaturen den Weg dorthin. Eine Note beschreibt einen Ton, der auf jedem Instrument gleich klingt. Eine Tabulaturziffer beschreibt einen Handgriff, der nur an einem bestimmten Instrument diesen Ton ergibt.

MerkmalNotenTabulatur
AngabeTonhöhe und TondauerSaite und Bund
Trägerfünf Linien mit Notenschlüsseleine Linie je Saite
Instrumentenbezuginstrumentenübergreifendnur für das gemeinte Instrument und dessen Stimmung
Rhythmusdurch Notenwerte festgelegtnicht enthalten, außer in Mischformen
Eindeutigkeitein Ton, auf der Gitarre mehrere mögliche Griffeein Griff, genau festgelegt
EinstiegWochen bis zum flüssigen LesenMinuten
VerbreitungOrchester, Chor, Musikschule, alle InstrumenteGitarre, E-Bass, Ukulele, Laute
Herkunftaus der europäischen Kirchenmusik entwickeltfür Lauteninstrumente seit dem 15. und 16. Jahrhundert gebräuchlich

Was geben Noten an?

Noten geben die Tonhöhe über die Lage im Liniensystem an und die Dauer über die Form des Notenkopfs, des Halses und der Fähnchen. Der Notenschlüssel legt fest, welche Linie welchen Ton trägt. Dazu kommen Vorzeichen, Pausen, Taktstriche und Vortragszeichen. Wie dieses System im Einzelnen funktioniert, steht im Artikel über das Notenlesen.

Der praktische Vorteil ist die Übertragbarkeit. Wer Noten liest, kann eine Melodie auf der Gitarre, am Klavier oder auf der Blockflöte spielen und mit anderen Instrumenten dieselbe Stimme teilen. Diese Unabhängigkeit vom Instrument ist der Grund, warum in Orchester, Blasorchester und Chor nach Noten gearbeitet wird.

Was gibt eine Tabulatur an?

Eine Tabulatur gibt für jede Saite eine eigene Linie und schreibt darauf die Bundzahl, in der gegriffen wird. Die 0 steht für die leere Saite. Bei der Gitarre sind es sechs Linien, beim E-Bass vier, bei der Ukulele vier. Die oberste Linie ist die höchste Saite, nicht die dem Boden nächste.

Der Vorteil zeigt sich dort, wo ein Ton auf mehreren Wegen erreichbar ist. Auf der Gitarre lässt sich derselbe Ton in bis zu vier Positionen greifen, die unterschiedlich klingen und unterschiedlich gut in die Umgebung passen. Die Note lässt diese Wahl offen, die Tabulatur trifft sie.

Notensystem sagt: welcher Ton e Violinschlüssel, oberster Zwischenraum Tabulatur sagt: welcher Griff e h g d A E 0 5 9 drei Griffe, ein Klang
Der Ton der leeren hohen e-Saite steht im obersten Zwischenraum des Notensystems. Auf der Gitarre lässt er sich außerdem im fünften Bund der h-Saite und im neunten Bund der g-Saite greifen. Die Note nennt nur den Ton, die Tabulatur legt den Griff fest.

Eine Tabulatur sagt, wo der Finger hingehört, nicht wie lange der Ton klingt. Wer ein Stück nur nach Tabulatur spielt, muss den Rhythmus aus einer Aufnahme heraushören. Deshalb drucken Verlagsausgaben Notenzeile und Tabulatur übereinander: Die Note liefert die Dauer, die Ziffer den Griff.

Wann sind Tabs die bessere Wahl?

Tabs sind die bessere Wahl, wenn der Griff das eigentliche Problem ist. Bei einem Riff auf dem Griffbrett des E-Basses, einem Gitarrensolo in hoher Lage oder einer Begleitfigur mit ungewöhnlichem Fingersatz spart die Ziffer den ganzen Suchweg. Ebenso bei abweichenden Stimmungen: Wer in Drop D spielt, findet in der Tabulatur sofort die richtigen Bünde, während die Noten dieselben bleiben und die Umrechnung dem Spieler überlassen.

Auch als Einstieg haben Tabs ihren Wert. Ein Anfänger spielt damit am ersten Tag ein erkennbares Stück, statt zwei Wochen auf den ersten Erfolg zu warten. Zu bedenken ist die Herkunft: Frei im Netz verfügbare Tabs stammen oft von Hörern und sind nicht geprüft, Verlagsausgaben dagegen schon.

Wann führt an Noten kein Weg vorbei?

An Noten führt kein Weg vorbei, sobald mehrere Instrumente zusammenkommen. Orchester, Blasorchester, Chor und Big Band arbeiten mit Stimmen in Notenschrift, weil eine Tabulatur für Flöte, Violine oder Gesang gar nicht existiert. Dasselbe gilt für Prüfungen an Musikschulen und Hochschulen.

Notenschrift ist außerdem die Voraussetzung dafür, Musik zu verstehen statt nur nachzuspielen. Wer sieht, dass eine Melodie in Terzen steigt oder dass zwei Stimmen im selben Rhythmus laufen, erkennt die Struktur eines Stücks. Die Tabulatur zeigt an derselben Stelle nur Zahlenreihen.

Häufige Fragen zu Noten und Tabs

Sind Tabs schlechter als Noten?

Tabs sind nicht schlechter, sondern für eine andere Aufgabe gemacht. Sie geben die Griffposition auf einem bestimmten Instrument an und lösen damit ein Problem, das die Notenschrift offen lässt. Was ihnen fehlt, ist die Tondauer und die Übertragbarkeit auf andere Instrumente. Wer beides braucht, kommt an Noten nicht vorbei.

Kann man den Rhythmus aus Tabs lesen?

Aus einer reinen Tabulatur lässt sich der Rhythmus nicht ablesen, weil sie nur Saite und Bund angibt. Manche Ausgaben ergänzen deshalb Notenhälse und Fähnchen unter der Tabulaturzeile oder drucken eine vollständige Notenzeile darüber. Ohne solche Zusätze muss der Spieler die Längen aus einer Aufnahme heraushören.

Braucht ein Gitarrist Noten?

Ein Gitarrist kommt in Rock, Pop und Folk lange mit Tabs und Akkordsymbolen aus. Sobald er in einem Ensemble mit anderen Instrumenten spielt, klassisches Repertoire übernimmt oder eine Prüfung ablegt, braucht er Noten. In der klassischen Gitarre ist die Notenschrift von Anfang an der Normalfall.

Für welche Instrumente gibt es Tabulaturen?

Tabulaturen gibt es für Instrumente mit Griffbrett und festen Saiten: Gitarre, E-Bass, Ukulele, Laute, Banjo und Mandoline. Die Zeilenzahl entspricht der Saitenzahl. Für Blas-, Streich- und Tasteninstrumente ist die Schrift nicht gebräuchlich, weil dort entweder Griffe und Töne fest zusammenhängen oder die Tonhöhe frei getroffen wird.

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