Richtig üben

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Redaktion
Ein Notenheft mit Bleistift, Metronom und einer Uhr. Bild: KI generiert.
Ein Notenheft mit Bleistift, Metronom und einer Uhr. Bild: KI generiert.

Zusammenfassung

Richtig üben heißt, gezielt zu wiederholen statt Stücke durchzuspielen. Regelmäßigkeit schlägt dabei die Dauer: Motorische Bewegungen festigen sich über viele kurze Einheiten mit Abstand besser als über eine lange. Wer langsam übt, Fehlerstellen isoliert und Pausen einplant, kommt mit weniger Zeit weiter als jemand, der dieselbe Stunde am Stück durchspielt.

Richtig üben heißt, gezielt an einer Schwierigkeit zu arbeiten, statt ein Stück von vorne bis hinten durchzuspielen. Das Durchspielen wiederholt vor allem die Takte, die schon sitzen, und bestätigt an den schweren Stellen jedes Mal denselben Fehler. Wirksames Üben dreht das um: Es sucht die Stelle, zerlegt sie und wiederholt sie so langsam, dass sie richtig gelingt. Wie oft jemand übt, zählt dabei mehr als wie lange.

kurzund oft statt selten und lang
langsamGrundtempo beim Neulernen
4Teile einer Übeeinheit
Pausefestigt das Gelernte mit

Was heißt richtig üben?

Richtig üben heißt, eine Bewegung so oft korrekt zu wiederholen, dass sie ohne bewusste Steuerung abläuft. Das Gehirn festigt dabei nicht die Absicht, sondern die tatsächlich ausgeführte Bewegung. Genau deshalb ist eine langsam und sauber gespielte Passage mehr wert als zehn schnelle Durchgänge mit demselben Patzer.

MerkmalÜben
ZielBewegungsabläufe so festigen, dass sie ohne bewusste Steuerung gelingen
Wirksamer ReizWiederholung in kurzen Abständen über viele Tage
Häufigkeit gegen Dauermehrere kurze Einheiten schlagen eine gleich lange am Stück
Grundtemposo langsam, dass kein Fehler passiert
Aufbau einer EinheitAufwärmen, Technik, Stellenarbeit, Zusammenhang
FehlerbehandlungStelle isolieren, verlangsamen, erst dann wieder einbauen
KontrolleMetronom, Tonaufnahme, Übetagebuch
Pausenkurze Pausen im Üben, Schlaf zwischen den Tagen

Warum schlägt Regelmäßigkeit die Übedauer?

Regelmäßigkeit schlägt die Dauer, weil motorisches Lernen zwischen den Wiederholungen stattfindet und nicht nur währenddessen. Der Körper braucht Zeit, um eine Bewegung zu festigen, und dafür sind Abstände nötig. Sechs Einheiten zu zwanzig Minuten an sechs Tagen bringen deshalb mehr als zwei Stunden am Sonntag, obwohl die zweite Rechnung dieselbe Zeit ergibt.

Dazu kommt ein zweiter Effekt: Am Anfang einer Einheit ist die Aufmerksamkeit am höchsten. Wer sechsmal anfängt, hat sechs solcher Phasen. Wer einmal zwei Stunden übt, hat eine und danach viel Zeit, in der die Konzentration sinkt und Fehler mitgeübt werden.

Wie teile ich eine Übeeinheit ein?

Eine Übeeinheit gliedert sich in vier Teile, die in dieser Reihenfolge aufeinander aufbauen. Das Aufwärmen bringt Muskulatur und Atmung in Gang, die Technikarbeit hält Tonleitern und Grundbewegungen instand, die Stellenarbeit nimmt den größten Anteil, und erst am Schluss steht der Zusammenhang.

Anteil an der Übezeit 10 20 45 25 Aufwärmen 10 Prozent: lockern, Atmung, lange Töne Technik 20 Prozent: Tonleitern, Bogen- oder Anschlagsübungen Stellenarbeit 45 Prozent: schwere Takte einzeln und langsam Zusammenhang 25 Prozent: größere Abschnitte am Stück
Eine bewährte Aufteilung der Übezeit in Prozent. Die Stellenarbeit bekommt den größten Anteil, weil dort der Fortschritt entsteht, das Durchspielen den kleinsten.

Die Anteile bleiben gleich, egal ob die Einheit zwanzig Minuten oder eine Stunde dauert. Bei zwanzig Minuten bedeutet das rund zwei Minuten Aufwärmen, vier Minuten Technik, neun Minuten Stellenarbeit und fünf Minuten im Zusammenhang.

Warum bringt langsames Üben schneller Ergebnisse?

Langsames Üben bringt schneller Ergebnisse, weil erst bei niedrigem Tempo jede Bewegung bewusst kontrollierbar bleibt. Das richtige Grundtempo ist das höchste, bei dem eine Stelle fehlerfrei gelingt. Liegt es darüber, übt man Fehlgriffe mit ein, und die halten sich hartnäckiger als die richtige Bewegung.

Das Tempo steigt danach in kleinen Schritten, und nach jedem Schritt muss die Stelle wieder sauber laufen. Ein Metronom macht dabei hörbar, wo das eigene Tempo einbricht, statt diese Stellen dem Gefühl zu überlassen. Erwachsene, die spät mit einem Instrument anfangen, profitieren davon besonders, weil sie Zusammenhänge schnell erfassen und die Feinmotorik dahinter zurückbleibt.

Wer eine Fehlerstelle im Zusammenhang durchspielt, übt den Fehler mit. Beim Durchspielen kommt die schwere Stelle einmal vor, umgeben von Takten, die längst sitzen. Das Verhältnis kehrt sich um, sobald man die Stelle isoliert: Dann fallen zwanzig Wiederholungen auf genau die vier Takte, an denen es hakt.

Wie arbeite ich an einer Fehlerstelle?

Die Arbeit an einer Fehlerstelle folgt vier Schritten, und keiner davon heißt durchspielen.

  • Eingrenzen heißt, den kleinsten Ausschnitt zu finden, in dem der Fehler passiert. Meist sind es zwei bis vier Takte, oft nur ein Übergang zwischen zwei Griffen.
  • Verlangsamen heißt, das Tempo so weit zu senken, dass die Stelle sicher gelingt. Erst dann beginnt die Wiederholung.
  • Wiederholen heißt, den Ausschnitt mehrfach hintereinander korrekt zu spielen. Ein Fehler setzt den Zähler zurück, sonst festigt sich die falsche Bewegung mit.
  • Einbauen heißt, den Ausschnitt mit je einem Takt davor und danach zu spielen. Viele Stellen brechen nicht in sich zusammen, sondern beim Übergang.

Welche Rolle spielen Pausen beim Üben?

Pausen sind Teil des Übens, nicht dessen Unterbrechung. Kurze Pausen innerhalb einer Einheit senken die Fehlerquote, weil die Muskulatur nicht ermüdet und die Aufmerksamkeit nicht abfällt. Bei Blasinstrumenten kommt ein körperlicher Grund dazu: Die Lippenmuskulatur ermüdet schnell, und Üben mit müdem Ansatz verdirbt mehr, als es bringt.

Zwischen den Tagen wirkt der Schlaf. Eine Passage, die abends noch stockt, läuft am nächsten Morgen häufig flüssiger, ohne dass ein einziger zusätzlicher Durchgang stattgefunden hat. Das ist der Grund, warum die letzte Übeeinheit vor einem Auftritt nicht dieselbe Wirkung hat wie fünf Einheiten in der Woche davor.

Wie kontrolliere ich den eigenen Übefortschritt?

Der Fortschritt lässt sich messen, statt ihn zu schätzen. Drei Werkzeuge reichen dafür aus.

  • Metronom zeigt, bei welchem Tempo eine Stelle noch fehlerfrei gelingt. Dieses Tempo notiert man und vergleicht es in der nächsten Woche.
  • Tonaufnahme ersetzt das eigene Ohr während des Spiels. Wer spielt, hört sich anders, als die Aufnahme später zeigt. Ungleichmäßiger Rhythmus fällt fast nur in der Aufnahme auf.
  • Übetagebuch hält fest, welche Stelle an welchem Tag bearbeitet wurde. Es verhindert, dass eine schwere Passage zwei Wochen lang unangetastet bleibt, weil sie unangenehm ist.

Häufige Fragen zum Üben

Wie lange sollte man täglich üben?

Üben wirkt schon ab einer Einheit, die kurz genug ist, um täglich stattzufinden. Für Anfänger reichen fünfzehn bis zwanzig Minuten, wenn sie wirklich jeden Tag stattfinden. Eine feste kurze Einheit bringt mehr als eine lange, die zweimal in der Woche ausfällt. Wer mehr Zeit hat, teilt sie besser auf zwei Einheiten am Tag auf, als sie am Stück zu spielen.

Ist es besser, täglich kurz oder einmal lang zu üben?

Täglich kurz zu üben ist wirksamer als einmal lang. Motorische Bewegungen festigen sich in den Abständen zwischen den Wiederholungen, deshalb nutzt jeder zusätzliche Übetag mehr als jede zusätzliche Minute in derselben Einheit. Dazu kommt, dass die Konzentration in einer langen Einheit absinkt und Fehler in dieser Phase mitgeübt werden.

Warum klappt eine Stelle beim Üben und nicht im Stück?

Eine Stelle klappt im Stück oft deshalb nicht, weil der Spieler nur sie geübt hat, nicht aber den Übergang zu ihr. Die Bewegung ist an ihren isolierten Anfang gebunden. Das Gegenmittel ist der letzte Schritt der Stellenarbeit: den Ausschnitt mit je einem Takt davor und danach spielen und dabei nicht anhalten, auch wenn der erste Versuch schief geht.

Hilft langsames Üben wirklich?

Langsames Üben hilft, solange das Tempo hoch genug bleibt, um die Bewegung als Ganzes zu erkennen. Der Sinn liegt in der Kontrolle: Bei niedrigem Tempo sieht und hört man, welcher Finger zu spät kommt. Wird es extrem langsam, zerfällt die Bewegung dagegen in Einzelteile, die im Endtempo nicht mehr zusammenpassen. Ein Tempo, bei dem die Stelle gerade eben sicher gelingt, trifft die richtige Mitte.

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