Rhythmus

6 Min. Lesezeit
Redaktion
Zwei Schlagzeugstöcke vor hellem Hintergrund. Foto: mmamontov / Pixabay.
Zwei Schlagzeugstöcke vor hellem Hintergrund. Foto: mmamontov / Pixabay.

Zusammenfassung

Rhythmus ist die zeitliche Gliederung der Töne: Er legt fest, wann ein Ton einsetzt und wie lange er klingt. Darunter liegen zwei Schichten, die man von ihm trennen muss. Der Puls ist der gleichmäßige Grundschlag, das Metrum ordnet diese Schläge zu einem festen Betonungsmuster. Das Tempo gibt an, wie schnell der Puls läuft, gemessen in Schlägen pro Minute.

Rhythmus ist die zeitliche Gliederung der Töne eines Stücks. Er beantwortet zwei Fragen: Wann setzt ein Ton ein, und wie lange klingt er? Die Tonhöhe spielt dabei keine Rolle, ein Rhythmus lässt sich klatschen, ohne dass eine Melodie entsteht. Unter dem Rhythmus liegen zwei Schichten, die er voraussetzt: der Puls als gleichmäßiger Grundschlag und das Metrum als Betonungsmuster dieser Schläge.

3Schichten: Puls, Metrum, Rhythmus
bpmEinheit des Tempos
4/4häufigste Taktart
MetronomMessgerät für den Puls

Was ist Rhythmus in der Musik?

Rhythmus ist die Folge der Ton- und Pausenlängen über einem gleichmäßigen Grundschlag. Er ordnet die Musik in der Zeit, so wie die Tonhöhe sie zwischen tief und hoch ordnet. Wie stark diese Ordnung wirkt, zeigt eine einfache Probe: Wer eine bekannte Melodie auf einer einzigen Tonhöhe im richtigen Rhythmus klopft, wird oft erkannt. Wer dieselbe Melodie mit den richtigen Tonhöhen, aber durchweg gleich langen Tönen spielt, meist nicht.

MerkmalRhythmus
GebietMusiktheorie, zeitliche Ordnung der Töne
GrundschlagPuls, gleichmäßig und gleich stark
Ordnung der SchlägeMetrum, Betonungsmuster einer Taktart
TempoSchläge pro Minute, abgekürzt bpm
MessgerätMetronom
NotationNotenwerte, Pausen, Taktstriche, Taktangabe
Unterteilunghalbieren zu Achteln und Sechzehnteln oder dritteln zu Triolen

Was unterscheidet Puls, Metrum und Rhythmus?

Die drei Begriffe bezeichnen drei Schichten übereinander. Der Puls ist der gleichmäßige Grundschlag, zu dem ein Hörer mitwippt: Alle Schläge dauern gleich lang und wiegen gleich schwer. Das Metrum verteilt Betonungen auf diese Schläge und fasst sie zu Takten zusammen. Der Rhythmus ist die konkrete Tonfolge darüber. Er darf Schläge überspringen, mehrere Töne auf einen Schlag legen oder einen Ton über mehrere Schläge halten.

  • Puls läuft gleichmäßig weiter, auch wenn gerade kein Ton klingt.
  • Metrum legt fest, welche Schläge schwer und welche leicht sind. Im Viervierteltakt trägt die Eins die schwere Betonung, die Drei eine halbschwere, Zwei und Vier bleiben leicht.
  • Rhythmus ist das, was tatsächlich erklingt, mit allen Längen und Pausen.
1 2 3 4 1 2 3 4 Puls Metrum Rhythmus Viertel Viertel zwei Achtel Viertel Halbe Viertel Viertel Betonung schwer halbschwer leicht
Alle drei Zeilen laufen über dieselben zwei Takte. Der Puls schlägt gleichmäßig durch, das Metrum verteilt schwere und leichte Zählzeiten, der Rhythmus legt die tatsächlichen Notenlängen darüber.

Wie deutlich ein Musiker die schweren Schläge heraushebt, entscheidet er über die Dynamik. Das Metrum schreibt vor, welcher Schlag eine Betonung bekommt, nicht um wie viel lauter er klingt.

Der Puls läuft weiter, wenn die Musik pausiert. Eine Pause ist ein Zeitraum mit festgelegter Länge, kein Anhalten. Wer sie zu kurz nimmt, verschiebt alles Folgende gegen die anderen Stimmen. Deshalb zählen Musiker Pausen mit, statt auf den nächsten Einsatz zu warten.

Wie hängen Rhythmus und Tempo zusammen?

Das Tempo bestimmt, wie schnell der Puls läuft, und damit, wie viele Sekunden ein Notenwert dauert. Gemessen wird es in Schlägen pro Minute, abgekürzt bpm: 60 bpm bedeuten einen Schlag pro Sekunde, 120 bpm zwei. Der Rhythmus selbst ändert sich dabei nicht. Dieselbe Notenfolge ergibt bei 80 und bei 160 bpm dasselbe Muster, nur doppelt so schnell.

In Partituren steht das Tempo als Zahl über dem ersten Takt oder als italienische Bezeichnung. Die Bezeichnungen decken Bereiche ab, deren Grenzen von Ausgabe zu Ausgabe abweichen, weshalb Zahlenangaben eindeutiger sind.

  • Largo und Adagio bezeichnen langsame Tempi.
  • Andante bezeichnet ein gehendes Tempo.
  • Moderato steht für ein mäßiges, Allegro für ein schnelles Tempo.
  • Presto und Prestissimo stehen für sehr schnelle Tempi.
  • Rubato erlaubt es, das Tempo innerhalb einer Phrase zu dehnen und wieder einzuholen.

Wie notiert man Rhythmus?

Der Rhythmus steht in Notenwerten, die sich jeweils halbieren: Eine ganze Note dauert so lang wie zwei halbe, vier Viertel oder acht Achtel. Ein Punkt hinter der Note verlängert sie um die Hälfte ihres Wertes, ein Haltebogen zählt zwei Werte zusammen. Für Pausen gilt dieselbe Staffelung mit eigenen Zeichen. Taktstriche gliedern die Folge, und die Taktangabe am Anfang nennt Zähleinheit und Anzahl: 3/4 bedeutet drei Viertel je Takt.

Dreiteilungen fallen aus diesem Schema heraus. Eine Triole teilt einen Notenwert in drei gleiche Teile statt in zwei und trägt deshalb eine kleine Drei über der Gruppe. Nach demselben Verfahren entstehen Quintolen und Septolen.

Welche Rhythmusbegriffe sollte man kennen?

  • Auftakt nennt die Töne vor der ersten vollen Zählzeit. Der Anfangstakt bleibt dafür unvollständig.
  • Synkope legt die Betonung auf eine unbetonte Zählzeit oder zwischen zwei Zählzeiten. Wie das funktioniert, steht im Artikel zur Synkope.
  • Punktierter Rhythmus verbindet eine verlängerte lange Note mit einer kurzen und ergibt ein ungleiches Paar statt zwei gleicher Werte.
  • Ostinato bezeichnet eine kurze Figur, die ein Stück hindurch unverändert wiederkehrt.
  • Polyrhythmik lässt zwei Unterteilungen gleichzeitig laufen, etwa drei Töne in einer Stimme gegen zwei in der anderen.
  • Groove beschreibt kleine, bewusst gesetzte Abweichungen vom exakten Raster, die eine Rhythmusgruppe gemeinsam spielt.

Wie übt man Rhythmus?

Rhythmus übt man durch Zählen, nicht durch Nachahmen. Wer eine Stelle nach Gehör kopiert, übernimmt auch ihre Fehler. Vier Schritte haben sich bewährt.

  • Laut mitzählen und dabei die Unterteilung mitsprechen, also nicht nur eins, zwei, drei, vier, sondern eins und zwei und drei und vier und.
  • Klatschen vor dem Spielen, damit die Finger nicht zwei Aufgaben gleichzeitig lösen müssen.
  • Langsam anfangen und das Tempo erst steigern, wenn die Stelle zweimal hintereinander sauber gelingt.
  • Metronom auf Zwei und Vier stellen statt auf jeden Schlag. Wer wegdriftet, merkt es sofort, weil der Klick dann neben den eigenen Tönen liegt.

Am Schlagzeug lässt sich das besonders gut trainieren, weil Hände und Füße dort verschiedene Schichten gleichzeitig spielen: Die Hi-Hat markiert die Unterteilung, Bassdrum und Snare setzen die Akzente.

Häufige Fragen zum Rhythmus

Was ist Rhythmus einfach erklärt?

Rhythmus ist die Abfolge der Tonlängen und Pausen in einem Stück, also wann ein Ton einsetzt und wie lange er klingt. Er liegt über dem Puls, dem gleichmäßigen Grundschlag, und lässt sich unabhängig von der Melodie klatschen. Die Tonhöhe gehört nicht zum Rhythmus.

Was ist der Unterschied zwischen Rhythmus und Takt?

Der Takt ist der Rahmen, der Rhythmus der Inhalt. Ein Takt fasst eine feste Zahl von Schlägen zusammen und legt deren Betonungsmuster fest, zum Beispiel vier Viertel mit schwerer Eins. Der Rhythmus ist die konkrete Tonfolge, die innerhalb dieses Rahmens erklingt, und kann von Takt zu Takt anders aussehen.

Was bedeutet bpm beim Tempo?

Die Abkürzung bpm steht für Schläge pro Minute und gibt die Geschwindigkeit des Pulses an. Bei 60 bpm fällt genau ein Schlag auf eine Sekunde, bei 120 bpm zwei. Welcher Notenwert dabei als Schlag zählt, steht in der Partitur über der Zahl, meist eine Viertelnote.

Kann man Rhythmusgefühl lernen?

Rhythmusgefühl lässt sich trainieren, weil es auf zählbaren Größen beruht und nicht auf Begabung allein. Wirksam sind lautes Mitzählen der Unterteilung, Klatschen vor dem Spielen und ein Metronom, das nur die Zählzeiten zwei und vier gibt. Fortschritte zeigen sich schneller als beim Gehörtraining, weil jede Abweichung sofort hörbar ist.

Weitere Artikel in Musiktheorie

Septakkorde

Septakkorde

Ein Septakkord besteht aus vier Tönen im Terzabstand: einem Dreiklang und einer darüber gesetzten Septime. Fünf Arten sind gebräuchlich, vom großen Durseptakkord bis zum verminderten Septakkord. Der Dominantseptakkord enthält zwischen Terz und Septime einen Tritonus und legt damit fest, in welche Tonart er sich auflöst. Im Jazz ist der Septakkord die Normalform der Begleitung.

Synkope

Synkope

Eine Synkope ist eine Betonung, die nicht auf eine betonte Zählzeit fällt, sondern auf eine unbetonte oder zwischen zwei Zählzeiten. Sie verschiebt den erwarteten Schwerpunkt des Takts, ohne den Puls zu verändern. In Noten steht sie meist als Haltebogen über eine Zählzeit oder über den Taktstrich hinweg. Jazz, Funk, Latin und Reggae bauen ihre Rhythmik weitgehend auf Synkopen auf.

Taktarten

Taktarten

Eine Taktart teilt den Notentext in gleich lange Abschnitte und legt fest, welche Zählzeit betont wird. Die Taktangabe am Zeilenanfang besteht aus zwei Zahlen: Die untere nennt den Notenwert einer Zählzeit, die obere ihre Anzahl je Takt. Im 3/4-Takt zählt man drei Viertel, im 6/8-Takt sechs Achtel. Taktstriche trennen die Takte, und nach jedem Taktstrich beginnt das Betonungsmuster von vorn.

Temperierte Stimmung

Temperierte Stimmung

Eine temperierte Stimmung weicht absichtlich von den reinen Frequenzverhältnissen ab, damit ein Instrument mit festen Tonhöhen in jeder Tonart brauchbar klingt. Die heute übliche gleichstufige Stimmung teilt die Oktave in zwölf exakt gleich große Halbtonschritte von je 100 Cent, wodurch jedes Intervall in jeder Tonart gleich klingt und außer der Oktave keines rein ist. Nötig wird der Eingriff, weil zwölf reine Quinten übereinander rund 24 Cent über sieben Oktaven landen. Diese Differenz heißt pythagoreisches Komma.