Das Clavichord, auch Klavichord geschrieben, ist das leiseste der historischen Tasteninstrumente. Drückt der Spieler eine Taste, schnellt an deren hinterem Ende eine schmale Messingklinge nach oben, die Tangente, und bleibt an der Saite stehen, solange der Finger die Taste hält. Daraus folgt beides: der sehr leise Ton und eine Ausdrucksmöglichkeit, die kein anderes Tasteninstrument bietet.
Wie erzeugt ein Clavichord seinen Ton?
Im Clavichord drückt die Tangente von unten gegen die Saite und bleibt dort stehen. Sie teilt die Saite in zwei Abschnitte: Der eine schwingt und klingt, der andere liegt in einem Streifen Filz und bleibt stumm. Lässt der Spieler die Taste los, fällt die Tangente ab, und der Ton endet sofort.
Die beiden anderen historischen Tasteninstrumente lösen sich dagegen sofort wieder von der Saite: Beim Klavier schlägt ein Hammer an und fällt zurück, beim Cembalo zupft ein Kiel im Vorbeigleiten. Weil der Finger im Clavichord über die Tangente mit der Saite verbunden bleibt, steuert er den ganzen Verlauf des Tons.
Was ist die Bebung am Clavichord?
Die Bebung ist ein Vibrato, das der Spieler mit dem Finger auf der bereits gedrückten Taste erzeugt. Ein leichtes Nachdrücken erhöht den Druck der Tangente gegen die Saite, spannt sie stärker und hebt die Tonhöhe minimal an; ein Nachlassen senkt sie wieder.
Kein anderes besaitetes Tasteninstrument kann das, weil dort der Kontakt zur Saite nach dem Anschlag abreißt. Dieselbe Mechanik hat einen Preis: Zu festes Drücken zieht den Ton dauerhaft zu hoch.
Wie ist ein Clavichord aufgebaut?
Ein Clavichord ist ein flacher, rechteckiger Holzkasten auf einem Tisch oder einem eigenen Untergestell. Die Saiten aus Messing und Eisen laufen quer zu den Tasten von links nach rechts, weshalb das Gehäuse niedrig bleibt und sich tragen lässt.
Bei den älteren gebundenen Clavichorden teilen sich zwei bis vier benachbarte Tasten dieselbe Saite; ihre Tangenten treffen diese an verschiedenen Stellen und erzeugen so verschiedene Tonhöhen. Das spart Platz, verbietet aber, die betroffenen Töne gleichzeitig zu spielen. Bundfreie Instrumente mit eigenen Saiten für jede Taste setzten sich im 18. Jahrhundert durch.
Wofür wurde das Clavichord benutzt?
Das Clavichord diente dem Üben und dem Musizieren zu Hause, nicht dem Konzert. Sein Ton reicht kaum über den Raum hinaus, in dem er entsteht, und geht neben jedem anderen Instrument unter. Genau das machte es zum Übeinstrument der Organisten, die daran ihre Stücke für die Pfeifenorgel vorbereiteten.
Verbreitet war es vom 15. bis ins 18. Jahrhundert vor allem im deutschsprachigen Raum, in Skandinavien und auf der Iberischen Halbinsel. Carl Philipp Emanuel Bach hob in seinem Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielen die Bebung als Vorzug hervor. Mit dem lauteren Hammerklavier verlor das Clavichord gegen Ende des 18. Jahrhunderts seine Rolle.
Welche Musik spielt man auf dem Clavichord?
Auf dem Clavichord spielt man das Tastenrepertoire des 16. bis 18. Jahrhunderts, das die Komponisten nicht nach Instrumenten getrennt notierten. Ein Stück, dessen Titel nur Clavier nennt, ließ die Wahl zwischen Clavichord, Cembalo und Orgel. Ausdrücklich zugeschnitten sind Werke Carl Philipp Emanuel Bachs, darunter ein Rondo, das er als Abschied von seinem eigenen Instrument schrieb.
Häufige Fragen zum Clavichord
Heißt es Clavichord oder Klavichord?
Beide Schreibweisen meinen dasselbe Instrument. Clavichord mit C ist die geläufigere Form und folgt dem lateinischen clavis für Taste und chorda für Saite. Klavichord mit K steht vor allem in älterer Literatur. Das Geschlecht ist in beiden Fällen sächlich: das Clavichord.
Wie laut ist ein Clavichord?
Ein Clavichord ist so leise, dass es im Nebenzimmer kaum noch zu hören ist. Der Grund liegt in der Mechanik: Die Tangente drückt die Saite an, statt sie anzuschlagen, und überträgt dabei wenig Energie. Für einen Konzertsaal reicht das nicht.
Was ist der Unterschied zwischen Clavichord und Cembalo?
Clavichord und Cembalo unterscheiden sich in der Tonerzeugung. Im Clavichord drückt eine Tangente gegen die Saite und bleibt dort, im Cembalo zupft ein Kiel sie an und gibt sie frei. Deshalb reagiert das Clavichord auf den Anschlag und erlaubt die Bebung, während das Cembalo lauter klingt. Auch die Form trennt beide: rechteckiger Kasten gegen flügelförmiges Gehäuse.
Wird das Clavichord heute noch gebaut?
Das Clavichord wird heute von spezialisierten Instrumentenbauern gefertigt, meist als Nachbau eines erhaltenen historischen Vorbilds. Gespielt wird es vor allem in der historischen Aufführungspraxis und beim Üben zu Hause.




