Die elektronische Orgel erzeugt ihren Ton mit einer elektronischen Schaltung, ganz ohne Luftstrom und ohne rotierende Bauteile. Sie unterscheidet sich damit sowohl von der Pfeifenorgel, die Luft durch abgestimmte Pfeifen bläst, als auch von der Elektrischen Orgel, deren Tonräder den Ton elektromechanisch erzeugen. Die US-Firma Allen Organ Company brachte 1939 das erste seriengefertigte Modell dieser Bauart auf den Markt, in den 1970er Jahren eroberten Heimorgeln daraufhin die Wohnzimmer.
Was ist eine elektronische Orgel?
Eine elektronische Orgel erzeugt ihren Ton mit elektronischen Oszillatoren, zunächst mit Elektronenröhren, später mit Transistoren und integrierten Schaltkreisen. Sie braucht weder eine schwingende Luftsäule wie die Pfeifenorgel noch rotierende Tonräder wie die Hammond-Orgel, sondern erzeugt jeden Ton direkt aus einer Schaltung.
Der Begriff wird im Alltag oft mit der Elektrischen Orgel vermischt, obwohl beide Instrumente technisch unterschiedlich funktionieren. Die elektrische Orgel im engeren Sinn, allen voran die Hammond-Orgel, dreht Tonräder an einem Magnettonabnehmer vorbei, während die elektronische Orgel ganz ohne bewegliche Tonerzeuger auskommt. Aus ihr gingen später das Keyboard und der Synthesizer hervor.
Wer erfand die elektronische Orgel?
Der US-Amerikaner Jerome Markowitz meldete 1938 das Verfahren unter dem Namen Oscillatone zum Patent an, seine Firma Allen Organ Company brachte 1939 das erste Modell auf den Markt. Der Tongenerator arbeitete mit 244 Röhren, wog rund 136 Kilogramm und bestand aus etwa 5.000 Bauteilen.
Bis 1959 ersetzte Allen die Röhren durch Transistoren und machte die Orgel damit kleiner und zuverlässiger. In Deutschland baute der Physiker Rainer Böhm ab Anfang der 1960er Jahre in Minden transistorisierte Orgel-Bausätze, die auch Laien selbst zusammensetzen konnten. 1964 brachte der niederländische Elektronikkonzern Philips mit der Philicorda AG 7500 ein Modell auf den Markt, das sich international verbreitete.
Warum wurden Heimorgeln in den 1970er Jahren zum Verkaufsschlager?
Heimorgeln erlebten in den 1970er und frühen 1980er Jahren ihre Blütezeit, weil eingebaute Rhythmusgeräte einem einzelnen Spieler den Klang eines ganzen Orchesters erlaubten. Hersteller wie Farfisa, Yamaha, Wurlitzer, Hohner, Bontempi und die deutsche Firma Wersi, 1969 gegründet, verkauften laut Wikipedia Modelle zwischen 2.000 und 15.000 D-Mark.
Die Interpreten Franz Lambert und Klaus Wunderlich tourten international mit diesem Orgeltyp. Auch die spätere Jazz-Organistin Barbara Dennerlein kam so zum Instrument: Als Elfjährige fand sie eine Heimorgel unter dem Weihnachtsbaum.
Was unterscheidet die elektronische Orgel von Hammond-Orgel und Pfeifenorgel?
Die drei Orgeltypen unterscheiden sich vor allem in der Tonerzeugung: elektronisch per Schaltung, elektromechanisch per Tonrad oder rein akustisch per Pfeife. Die folgende Tabelle stellt die wichtigsten Merkmale gegenüber.
| Merkmal | Elektronische Orgel | Elektrische Orgel (Hammond) | Pfeifenorgel |
|---|---|---|---|
| Tonerzeugung | Elektronischer Oszillator (Röhre, Transistor, IC) | Rotierende Tonräder am Magnettonabnehmer | Schwingende Luftsäule in Pfeifen |
| Erstes bekanntes Modell | Allen Organ, 1939 | Hammond-Orgel, 1935 | Kein Einzelerfinder, Jahrhunderte alt |
| Bewegliche Bauteile | Keine | Tonräder und Antriebsmotor | Ventile, Windladen, Gebläse |
| Typischer Einsatzort heute | Zuhause, digitale Sakralorgel | Jazz, Rock, Soul | Kirche, Konzertsaal |
Wie klingt eine elektronische Orgel?
Das folgende Video zeigt den charakteristischen Klang einer elektronischen Orgel.




