Harmonium

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Redaktion
Klaviatur eines Harmoniums mit der Reihe seiner Registerzüge. Foto: falco / Pixabay.
Klaviatur eines Harmoniums mit der Reihe seiner Registerzüge. Foto: falco / Pixabay.

Zusammenfassung

Das Harmonium ist ein Tasteninstrument, dessen Ton von durchschlagenden Metallzungen stammt. Den Wind erzeugt der Spieler selbst: Zwei Fußtritte füllen einen Balg, dessen Luftstrom die Zungen in Schwingung versetzt. Registerzüge schalten ganze Zungensätze zu und ändern damit Lautstärke und Klangfarbe. Neben dem europäischen Möbelharmonium mit Fußantrieb steht das kleine indische Harmonium, dessen Balg die linke Hand bedient.

Das Harmonium ist ein Tasteninstrument mit durchschlagenden Zungen. Zu jeder Taste gehört eine schmale Metallzunge, die in einem passgenauen Rahmen sitzt. Streicht Luft an ihr vorbei, schwingt sie durch den Rahmen hindurch und zerhackt den Luftstrom in regelmäßige Stöße. Den Wind dafür liefert kein Motor, sondern der Spieler selbst über zwei Fußtritte. Registerzüge schalten weitere Zungensätze zu, die denselben Ton in anderer Oktavlage und Klangfarbe verdoppeln.

ZungeTonerzeuger
2Fußtritte für den Wind
5Oktaven, europäische Bauart
MessingWerkstoff der Zungen

Was ist ein Harmonium?

Das Harmonium ist ein Aerophon mit Klaviatur, das ohne Pfeifen auskommt. Sein Gehäuse aus Holz sieht aus wie ein kleines Klavier oder eine Kommode, enthält aber Bälge, Windkanäle und Zungenreihen. Weil eine Zunge nur wenige Zentimeter misst, während eine offene Orgelpfeife für denselben tiefen Ton rund zweieinhalb Meter braucht, passt ein vollständiges Instrument mit fünf Oktaven in ein Möbelstück.

MerkmalHarmonium
FamilieTasteninstrument, Aerophon mit durchschlagenden Zungen
TonerzeugungMetallzunge schwingt im Rahmen, angeregt vom Luftstrom
Windversorgungzwei Fußtritte füllen Schöpfbälge, ein Magazinbalg speichert
BauartenDruckwind (europäisch), Saugwind (amerikanisch), Handbalg (indisch)
Umfangeuropäisch meist fünf Oktaven, indisch zweieinhalb bis dreieinhalb
RegisterRegisterzüge schalten Zungensätze in 16 Fuß, 8 Fuß und 4 Fuß
TeilungBass und Diskant lassen sich getrennt registrieren

Wie erzeugt das Harmonium seinen Ton?

Eine durchschlagende Zunge erzeugt den Ton. Sie ist an einem Ende festgenietet und schwingt frei durch einen Schlitz, der genau ihre Form hat. Länge, Breite und Dicke der Zunge legen die Tonhöhe fest. Der Luftdruck ändert daran fast nichts, sondern vor allem die Lautstärke, und deshalb bleibt ein Harmonium in der Stimmung, auch wenn der Spieler kräftiger tritt.

Die Taste öffnet nur ein Ventil und gibt der Luft den Weg frei. Darum kennt das Harmonium keine Anschlagdynamik. Lautstärke entsteht über die Fußarbeit, über den Kniehebel und über die Zahl der gezogenen Register.

Dasselbe Prinzip arbeitet im Akkordeon und in der ostasiatischen Mundorgel: eine frei schwingende Metallzunge, angeblasen von einem Balg. Das Harmonium unterscheidet sich davon durch die feste Aufstellung und durch den Wind, den die Füße liefern statt der Arme.

Wie kommt der Wind ins Harmonium?

Zwei Fußtritte treiben je einen Schöpfbalg an. Jeder Tritt drückt Luft in einen größeren Magazinbalg, der als Vorrat dient und den ungleichmäßigen Takt der Füße glättet. Von dort strömt die Luft in die Windlade, wo das Tastenventil sie zur Zunge durchlässt. Wer aufhört zu treten, hat noch für wenige Sekunden Wind, dann bricht der Ton ab.

Fußtritt zwei Pedale Schöpfbalg schiebt Luft Magazinbalg gleicht aus Windlade Tastenventil Zunge schwingt Druckwind Der Balg drückt die Luft von innen durch die Zunge. Saugwind Der Balg saugt die Luft von außen durch die Zunge.
Der schwarze Balken steht für die Zunge, der Pfeil zeigt die Strömungsrichtung der beiden Bauarten.

Die Fußarbeit gehört damit zur Spieltechnik: Ein gleichmäßiger Tritt hält den Ton ruhig, ein kräftigerer macht ihn lauter.

Welche Bauarten des Harmoniums gibt es?

  • Druckwindharmonium presst die Luft von innen durch die Zungen. Es spricht direkt an und klingt kräftig. Die französische Bauart, das Kunstharmonium, kennt zusätzlich einen Registerzug, der den Magazinbalg abschaltet: Dann wirkt der Fußdruck unmittelbar auf die Zunge, und der Spieler formt jeden Ton in der Lautstärke.
  • Saugwindharmonium zieht die Luft von außen durch die Zungen. Diese amerikanische Bauart klingt milder und stand im 19. Jahrhundert in vielen Wohnzimmern.
  • Indisches Harmonium ist ein tragbarer Kasten ohne Fußantrieb. Die linke Hand bewegt einen Balg an der Rückseite, die rechte spielt.

Das Harmonium hat keine einzige Pfeife. Jeder Ton entsteht an einer Metallzunge, die durch ihren Rahmen schwingt. Das hält das Instrument klein und erklärt, warum es im 19. Jahrhundert in Kirchen ohne Orgel, in Schulen und in Privathäusern stand.

Was unterscheidet das indische Harmonium vom europäischen?

Das indische Harmonium ist kleiner, tragbar und wird im Sitzen auf dem Boden gespielt. Statt zweier Fußtritte hat es einen Balg an der Rückseite: Die linke Hand pumpt, die rechte spielt, und deshalb bleibt für die Klaviatur nur eine Hand. Der Umfang beträgt zweieinhalb bis dreieinhalb Oktaven. Bordunzüge halten einen Dauerton, der den Grundton des Raga stützt.

Europäische Missionare brachten das Instrument im 19. Jahrhundert nach Indien, indische Werkstätten bauten es auf den Handbalg um. Heute begleitet es Gesang in der klassischen nordindischen Musik, im Qawwali und im Kirtan. Umstritten bleibt es dort, weil seine festen Tonstufen die gleitenden Verbindungen zwischen zwei Tönen nicht abbilden können, die eine Singstimme oder eine Sarangi ausführt. Der indische Rundfunk verbannte es aus diesem Grund jahrzehntelang aus seinen Sendungen.

Was unterscheidet das Harmonium von der Pfeifenorgel?

Beim Harmonium schwingt eine Zunge, bei der Pfeifenorgel eine Luftsäule in einer Pfeife. Aus diesem einen Unterschied folgt alles Weitere.

  • Größe: Wenige Zentimeter Zunge ersetzen rund zweieinhalb Meter Orgelpfeife.
  • Wind: Das Harmonium bekommt ihn von den Füßen des Spielers, die Orgel von einem Gebläse, früher von Kalkanten am Blasebalg.
  • Register: Beide schalten Klangreihen zu, doch in ein Harmoniumgehäuse passen nur wenige Zungensätze, während eine Orgel viele Register führen kann.
  • Zungenregister: Auch Orgeln führen Zungen, doch dort schlägt die Zunge auf ihren Rahmen auf, und ein Schallbecher formt den Klang. Die Zunge des Harmoniums schwingt frei durch den Rahmen hindurch und hat keinen Resonator.

Häufige Fragen zum Harmonium

Wie funktioniert ein Harmonium?

Ein Harmonium erzeugt seinen Ton mit durchschlagenden Metallzungen. Der Spieler tritt zwei Pedale, die Luft in einen Magazinbalg fördern. Eine gedrückte Taste öffnet ein Ventil, die Luft strömt an der zugehörigen Zunge vorbei und bringt sie zum Schwingen. Registerzüge schalten weitere Zungensätze zu und verändern Klangfarbe und Lautstärke.

Was ist der Unterschied zwischen Harmonium und Orgel?

Das Harmonium hat keine Pfeifen. Seinen Ton macht eine Metallzunge, die durch ihren Rahmen schwingt, während bei der Orgel eine Luftsäule in einer Pfeife schwingt. Daraus folgt der Größenunterschied: Der tiefste Ton braucht am Harmonium eine wenige Zentimeter lange Zunge, an der Orgel eine mehrere Meter lange Pfeife. Den Wind liefern beim Harmonium die Füße des Spielers, bei der Orgel ein Gebläse.

Wozu dienen die Registerzüge am Harmonium?

Registerzüge schalten am Harmonium ganze Zungensätze zu oder ab. Jeder Satz enthält eine Zunge je Taste und klingt in einer festgelegten Oktavlage: 8 Fuß entspricht der notierten Lage, 4 Fuß klingt eine Oktave höher, 16 Fuß eine Oktave tiefer. Bass und Diskant lassen sich getrennt registrieren, sodass die linke Hand anders klingt als die rechte.

Wie schwer ist Harmonium lernen?

Harmonium lernt schneller, wer Klavier spielt, denn die Klaviatur ist dieselbe. Neu ist die Fußarbeit: Beide Füße treten abwechselnd und halten den Wind gleichmäßig, während die Hände spielen. Weil die Taste keine Anschlagdynamik kennt, entsteht Ausdruck über den Tritt, den Kniehebel und die Wahl der Register.

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