Das elektrische Klavier (E-Piano) ist ein Tasteninstrument, das in der klassischen Bauform, wie beim berühmten Fender Rhodes oder dem Wurlitzer-Electric-Piano, mechanisch, aber elektrisch verstärkt funktioniert: Beim Tastendruck schlagen Hämmer auf kleine Metallzungen oder -stäbe (Tines oder Reeds), deren Schwingung von einem elektromagnetischen Tonabnehmer, ähnlich dem einer E-Gitarre, in ein elektrisches Signal umgewandelt und über einen Verstärker hörbar gemacht wird. Damit unterscheidet es sich sowohl vom akustischen Klavier, das keinen Verstärker benötigt, als auch vom Synthesizer oder digitalen Klavier, die den Klang rein elektronisch erzeugen oder aus Samples abspielen, ganz ohne mechanisch schwingende Bauteile. Das elektrische Klavier wurde ab den 1950er- und 1960er-Jahren in den USA populär und prägte den Sound von Jazz, Soul und Funk maßgeblich mit. Es ist bis heute ein sehr beliebtes Instrument, das sowohl von Anfängern als auch von Profis gespielt wird.
Wie klingt das elektrische Klavier?
Das klassische elektrische Klavier hat einen warmen, glockenartigen Klang mit einem charakteristischen perkussiven Attack im Anschlag, gefolgt von einem sanften, langsam abklingenden Ton. Je nach Modell variiert die Klangfarbe deutlich: Das Fender Rhodes klingt weich, rund und leicht schwebend, während das Wurlitzer-Modell bissiger und näher an einer verzerrten Orgel klingt, besonders bei starkem Anschlag.
Über den eingebauten Tonabnehmer und externe Effektgeräte lässt sich der Klang zusätzlich formen, etwa mit Tremolo, Chorus oder Verzerrung. Wegen dieser warmen, aber klar definierten Klangcharakteristik ist das elektrische Klavier vor allem in Jazz, Soul, Funk und Pop bis heute sehr beliebt.
Woraus besteht das elektrische Klavier?
Ein klassisches elektrisches Klavier besteht aus einer Klaviatur mit gewichteten Tasten, die über eine Hammermechanik ähnlich der eines akustischen Klaviers verbunden ist. Anders als beim akustischen Klavier schlagen die Hämmer jedoch nicht auf gespannte Saiten, sondern auf kleine Metallstäbe oder -zungen, die sogenannten Tines oder Reeds, die für jeden Ton unterschiedlich lang gestimmt sind.
Die Schwingung dieser Metallteile wird von elektromagnetischen Tonabnehmern (Pickups) abgenommen, die direkt neben den Tines sitzen, ein Prinzip, das dem einer E-Gitarre sehr ähnlich ist. Ein akustischer Resonanzkörper oder Klangboden, wie ihn ein akustisches Klavier besitzt, ist bei dieser Bauart nicht vorhanden; das Instrument erzeugt ohne Verstärker nur einen sehr leisen, kaum hörbaren Klang.
Das elektrische Signal der Tonabnehmer wird über ein Kabel an einen externen Verstärker und Lautsprecher weitergeleitet, wo der eigentliche, hörbare Klang entsteht. Manche Modelle verfügen zusätzlich über eingebaute Effekte wie Tremolo.
Wie spielt man das elektrische Klavier?
Das Spielen eines elektrischen Klaviers folgt weitgehend der Technik des akustischen Klavierspiels, da die gewichtete Hammermechanik ein ähnliches Anschlagsgefühl vermittelt. Wer bereits Klavier spielt, kann sich daher meist schnell auf das Instrument einstellen; Notenkenntnis, Akkordspiel und Grundlagen der Harmonielehre bilden die Basis.
Besonders wichtig ist beim elektrischen Klavier die Anschlagsdynamik: Weil der Ton über die Tonabnehmer direkt von der Stärke des Hammerschlags auf die Tine abhängt, lässt sich die Klangfarbe stark durch unterschiedlich starken Tastendruck variieren, von einem weichen, runden Ton bei leichtem Anschlag bis zu einem bissigeren, obertonreicheren Klang bei kräftigem Anschlag.
Viele Spieler nutzen zusätzlich die eingebauten oder externen Effekte wie Tremolo, Chorus oder einen Röhrenverstärker, um den charakteristischen Sound weiter zu formen. Auch der Einsatz des Sustain-Pedals, das die Dämpfung der Tines aufhebt und den Ton länger ausklingen lässt, gehört zur typischen Spieltechnik.
Das elektrische Klavier wird sowohl solistisch als auch, besonders häufig, als Begleitinstrument in Bandkontexten gespielt, wo es mit seinem warmen, durchsetzungsfähigen Klang eine tragende Rolle in Jazz-, Soul- und Funk-Ensembles übernimmt.
Typische Musikstile mit dem elektrischen Klavier
Das elektrische Klavier prägte ab den 1960er- und 1970er-Jahren maßgeblich den Sound des Jazz, Soul und Funk: Musiker wie Herbie Hancock, Ray Charles und Stevie Wonder setzten das Fender Rhodes beziehungsweise Wurlitzer-Klavier zu einem ihrer Markenzeichen.
Auch in der Popmusik der 1970er-Jahre, etwa bei Billy Joel oder in vielen Soul- und Motown-Produktionen, war der warme E-Piano-Klang allgegenwärtig.
Mit dem Aufkommen digitaler Synthesizer und Sample-basierter Klaviersounds in den 1980er-Jahren wurde das mechanische elektrische Klavier zeitweise verdrängt, erlebt seit den 2000er-Jahren in Neo-Soul, Hip-Hop-Produktionen und im modernen Jazz aber eine anhaltende Renaissance, oft in Form originalgetreu nachgebauter oder digital emulierter Instrumente.
Bekannte Lieder mit dem elektrischen Klavier
1. "What'd I Say" von Ray Charles, einer der ersten großen Hits, die maßgeblich vom Klang des Wurlitzer-E-Pianos geprägt wurden
2. "What's Going On" von Marvin Gaye, geprägt vom warmen, weichen Klang des Fender Rhodes
3. "Get Back" von The Beatles, mit einem markanten Fender-Rhodes-Solo von Billy Preston
4. "This Christmas" von Donny Hathaway, mit einem bis heute vielzitierten E-Piano-Intro
5. "Chameleon" von Herbie Hancock, ein Klassiker des Jazz-Funk, der den charakteristischen Rhodes- und Clavinet-Sound der 1970er-Jahre prägte




