Selbstspielklavier

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Redaktion
Eine perforierte Papierrolle läuft über die Abtastleiste eines geöffneten Klaviers, darunter liegen die Bälge des Spielwerks. Bild: KI generiert.
Eine perforierte Papierrolle läuft über die Abtastleiste eines geöffneten Klaviers, darunter liegen die Bälge des Spielwerks. Bild: KI generiert.

Zusammenfassung

Das Selbstspielklavier ist ein Klavier, das eine perforierte Papierrolle abspielt. Eine Abtastleiste tastet die Lochreihe ab, eine Pneumatik setzt jedes Loch in einen Balgzug um, und der Balg wirft den Hammer gegen die Saite. Der Rollenstandard sieht 88 Kanäle vor, einen je Taste. Das Reproduktionsklavier zeichnet zusätzlich Anschlagstärke und Pedal auf und hält so das Spiel von Pianisten des frühen 20. Jahrhunderts fest.

Ein Selbstspielklavier spielt von einer perforierten Papierrolle, ohne dass jemand die Tasten anschlägt. Eine Abtastleiste liest die Lochreihe, eine Pneumatik übersetzt jedes Loch in einen Balgzug, und der Balg wirft den Hammer gegen die Saite. Den Ton erzeugt das Klavier selbst, die Rolle bestimmt nur, wann welcher Hammer fällt. Das Instrument heißt auch Pianola, englisch Player Piano.

88Tonkanäle
PapierDatenträger
UnterdruckAntrieb
1920erNiedergang

Was ist ein Selbstspielklavier?

Ein Selbstspielklavier ist ein gewöhnliches Klavier mit einem Spielwerk, das eine Notenrolle abtastet und die Mechanik bedient. Saiten, Hämmer und Dämpfer bleiben die eines Klaviers. Neu ist allein die Steuerung: Sie liest ein Lochmuster von Papier, wo sonst Finger auf Tasten drücken.

MerkmalSelbstspielklavier
FamilieTasteninstrument mit mechanischem Spielwerk, Musikautomat
TonerzeugungFilzhammer schlägt Stahlsaiten, wie beim Klavier
Steuerungperforierte Papierrolle über einer Abtastleiste
AntriebUnterdruck aus Tretbälgen, später aus einem Elektromotor
Kanälemeist 88, einer je Taste; ältere Rollen 65
BauartenVorsetzgerät vor der Klaviatur oder eingebautes Spielwerk
SteigerungReproduktionsklavier mit Anschlagstärke und Pedal

Wie liest ein Selbstspielklavier die Notenrolle?

Die Rolle läuft über die Abtastleiste, eine Messingleiste mit einer Reihe feiner Bohrungen; jede Bohrung gehört zu einem Ton. Solange das Papier eine Bohrung verdeckt, hält der Unterdruck im Kanal dahinter das Ventil geschlossen. Läuft ein Loch über die Bohrung, strömt Außenluft in den Kanal, der Druck steigt, und eine Ledermembran hebt das Ventil an.

Das offene Ventil legt den Spielbalg dieses Tons an den Unterdruck. Der Balg zieht sich zusammen, sein Stößer greift in die Klaviermechanik und wirft den Hammer gegen die Saite. Die Länge des Lochs bestimmt die Dauer: Ein langes Loch hält den Balg zusammengezogen und den Dämpfer von der Saite, bis das Papier die Bohrung wieder verschließt.

Den Unterdruck erzeugen zwei Tretbälge unter den Füßen des Spielers, und wer schneller tritt, spielt lauter. Hebel über der Rolle regeln Tempo, rechtes Pedal und die Lautstärke von Bass- und Diskanthälfte getrennt.

1 2 3 4 5 Notenrolle Ein Loch gibt die Bohrung frei Abtastleiste Außenluft strömt in den Kanal Ventil Die Membran hebt das Ventil an Balg Der Unterdruck zieht ihn zusammen Hammer Der Stößer wirft ihn gegen die Saite Die Tretbälge halten das System unter Unterdruck.
Ein Loch im Papier lässt Außenluft in den Kanal der Abtastleiste, das Ventil schaltet, der Balg zieht sich zusammen und wirft den Hammer gegen die Saite.

Welche Bauarten des Selbstspielklaviers gibt es?

Zwei Bauarten unterscheiden sich darin, wo das Spielwerk sitzt und worauf es drückt.

  • Vorsetzgerät ist ein eigenes Möbel vor der Klaviatur. Aus seiner Rückseite ragen hölzerne Finger mit Filzkuppen, die auf die Tasten drücken und so jedes vorhandene Klavier zum Selbstspielklavier machen. Pianola war der Markenname eines solchen Vorsetzers der Aeolian Company und wurde in Europa zum Gattungsnamen.
  • Eingebautes Spielwerk sitzt im Gehäuse, meist unter der Klaviatur hinter der Vorderwand. Seine Stößer greifen unmittelbar in die Mechanik und umgehen die Tasten. Hersteller setzten solche Werke auch in Flügel ein.

Das Vorsetzgerät kam zuerst, das eingebaute Spielwerk verdrängte es binnen weniger Jahre.

Was unterscheidet das Reproduktionsklavier vom Selbstspielklavier?

Das Reproduktionsklavier speichert zusätzlich zu Tonhöhe und Tondauer die Anschlagstärke und das Pedal. Seine Rolle trägt dafür an den Rändern weitere Spuren, die den Unterdruck in Stufen regeln und die Pedale schalten. Das einfache Selbstspielklavier überlässt Lautstärke und Tempo dem Bediener, das Reproduktionsklavier liest beides von der Rolle.

Drei Systeme prägten diese Klasse: das Welte-Mignon der Freiburger Firma M. Welte und Söhne, das Ampico der American Piano Company und das Duo-Art der Aeolian Company. Jedes verschlüsselt die Dynamik anders, deshalb passen ihre Rollen nicht auf die Instrumente der anderen.

Ein Reproduktionsklavier speichert kein Geräusch, sondern eine Bewegung. Die Rolle hält fest, welche Taste wann, wie lange und wie stark niederging. Die Wiedergabe klingt deshalb nach dem Instrument, auf dem die Rolle läuft, und nicht nach dem Aufnahmeraum. So ist das Spiel von Pianisten des frühen 20. Jahrhunderts erhalten geblieben, darunter Edvard Grieg, Claude Debussy, Gustav Mahler und Sergei Rachmaninow.

Die Hersteller hielten ihre Aufnahmeverfahren allerdings geheim, und ihre Redakteure besserten die Dynamikspuren vor der Vervielfältigung von Hand nach. Der Notentext der Rollen gilt deshalb als verlässlich, der Lautstärkeverlauf nur mit Vorbehalt.

Wie unterscheidet sich das Selbstspielklavier von Spieluhr und Drehorgel?

Alle drei spielen ohne Musiker, erzeugen ihren Ton aber auf verschiedenen Wegen.

  • Spieluhr dreht eine Stiftwalze unter einem Stahlkamm und zupft dessen Zungen an. Jede Zunge klingt in einer Tonhöhe, ein Federwerk treibt die Walze, Saiten und Hämmer fehlen.
  • Drehorgel presst Luft in Pfeifen. Bei der Drehorgel entsteht der Ton in der schwingenden Luftsäule und hält an, solange der Spieler kurbelt.
  • Selbstspielklavier lässt den Hammer auf die Stahlsaite schlagen, danach verklingt der Ton von selbst. Die Luft leistet hier nur Arbeit an Ventilen und Bälgen, hörbar wird sie nicht.

Warum verschwand das Selbstspielklavier?

Rundfunk und Schallplatte nahmen dem Selbstspielklavier in den 1920er Jahren den Markt ab. Ein Empfänger kostete weniger als ein Klavier mit Spielwerk und holte ganze Orchester ins Wohnzimmer; die Schallplatte gab neben dem Klavier auch Stimmen und Bläser wieder. Die Weltwirtschaftskrise ab 1929 beendete die Serienfertigung in Europa und den Vereinigten Staaten fast vollständig.

Als Idee überlebte das Instrument: Conlon Nancarrow stanzte seine Studies for Player Piano von Hand und verlangte darin Tempi und Griffe, die keine zehn Finger bewältigen. Heute drücken Magnetspulen unter den Tasten die Mechanik, und die Steuerdaten kommen aus einem Speicher statt von Papier.

Häufige Fragen zum Selbstspielklavier

Wie funktioniert ein Selbstspielklavier?

Ein Selbstspielklavier arbeitet pneumatisch. Eine perforierte Papierrolle läuft über eine Abtastleiste mit einer Bohrung je Ton; gibt ein Loch die Bohrung frei, strömt Außenluft in den Kanal dahinter und hebt eine Ledermembran. Die Membran öffnet ein Ventil, das Ventil legt den Spielbalg an den Unterdruck, und der Balg zieht sich zusammen und wirft den Hammer gegen die Saite.

Was ist der Unterschied zwischen Pianola und Selbstspielklavier?

Pianola war ursprünglich der Markenname eines Vorsetzgeräts der Aeolian Company, dessen Filzfinger von außen auf die Tasten eines beliebigen Klaviers drücken. Umgangssprachlich meint Pianola heute jedes Selbstspielklavier, auch das mit eingebautem Spielwerk. Genau genommen bezeichnet Vorsetzer das Möbel und Selbstspielklavier das Instrument mit Werk im Gehäuse.

Was ist ein Reproduktionsklavier?

Ein Reproduktionsklavier ist ein Selbstspielklavier, dessen Rolle zusätzlich Anschlagstärke und Pedalgebrauch trägt. Es gibt eine Aufnahme deshalb ohne Bediener wieder, während das einfache Selbstspielklavier die Lautstärke dem Menschen an den Tretbälgen überlässt. Welte-Mignon, Ampico und Duo-Art sind die bekannten Systeme.

Kann man auf einem Selbstspielklavier von Hand spielen?

Ja, ein Selbstspielklavier mit eingebautem Spielwerk bleibt ein vollwertiges Klavier: Klaviatur, Mechanik und Saiten arbeiten unverändert. Ein Vorsetzgerät dagegen steht mit seinen Filzfingern über den Tasten und muss zur Seite, bevor jemand von Hand spielt.

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