Insbesondere im Bereich der Straßenmusik, z. B. bei Kirmesveranstaltungen und anderen Feiern, ist die Drehorgel weltbekannt. Sie wird auch Leierkasten genannt, ihr Spieler wird daher auch als Leierkastenmann bezeichnet. Diese Bezeichnung sagt bereits viel über die grundsätzliche Bauweise des Instruments aus.
Die Drehorgel besteht aus einem recht großen, verschlossenen Gehäusekasten, der seitlich mit einer Kurbel versehen ist. Der Spieler dreht an dieser Kurbel, woraufhin sich im Inneren des Instrumentes eine Pleuelstange in Bewegung setzt. Diese Stange sorgt wiederum dafür, dass ein meist aus Leder bestehender Balg einen Luftstrom erzeugt, der daraufhin durch verschiedene Ventile geleitet wird, wodurch die Töne erzeugt werden. Diese Ventile sind als Pfeifen ausgearbeitet, die grundsätzlich denen einer Orgel gleichen. Ja nach Größe und Komplexität verfügt eine Drehorgel in der Regel über 12 bis 45 verschiedene Töne.
Damit die verschiedenen Töne zu einer Melodie zusammengefügt werden können, muss die Drehorgel über einen sogenannten Programmträger verfügen. Der Spieler sorgt bei diesem Instrument also nicht selbst dafür, dass eine bestimmte Tonfolge abgespielt wird, sondern eben dieser Programmträger. In der ursprünglichen Version der Orgel besteht dieser Programmträger aus einem Lochband, später wurde aufgrund der besseren Haltbarkeit meist eine Stiftwalze eingesetzt. Bei modernen Drehorgeln übernimmt eine Elektronik mit entsprechenden Mikrochips die Steuerung der einzelnen Tonfolgen.
Dem Spieler bleibt also nur, die Kurbel an der Seite des Instrumentengehäuses zu drehen. Alles Weitere übernimmt die Mechanik beziehungsweise Elektronik. Zu unterscheiden ist dabei jedoch zwischen Drehorgeln, die auf die Geschwindigkeit der Kurbeldrehung reagieren und somit in ihrem Tonumfang und der Tonhöhe variabel sind, und jenen, bei denen die Kurbeldrehung keinerlei Einfluss auf das Spiel hat. Zu den letztgenannten Modellen werden insbesondere die modernen, elektronischen Drehorgeln gezählt, bei denen die Kurbel nur noch eine symbolische Funktion hat. Ein einfacher Knopf, mit dem der in das Gerät integrierte Abspielmechanismus gestartet wird, würde es bei diesen Instrumenten genauso gut tun. Doch mit welcher Technik auch immer: Drehorgeln faszinieren immer noch Groß und Klein.
Woher kommt die Drehorgel?
Der Italiener Giovanni Barberi aus Modena führte die Drehorgel 1702 erstmals öffentlich vor. Nach ihm ist bis heute der französische Name Orgue de Barbarie benannt, unter dem das Instrument in Frankreich bekannt wurde. Vom Beginn des 18. Jahrhunderts an verbreitete sich die Drehorgel in ganz Europa, zunächst vor allem als Instrument reisender Straßenmusiker aus Italien und Savoyen, später auch als Kirchen- und Saloninstrument in England und Frankreich.
Ältere mechanische Orgeln gab es bereits davor: Der sogenannte Salzburger Stier, ein mechanisches Orgelwerk von 1580, zählt zu den ältesten erhaltenen Vorläufern. Die Drehorgel im heutigen Sinn, mit Kurbel und auswechselbarem Programmträger, geht jedoch auf Barberis Bauweise von 1702 zurück.
Was kostet eine Drehorgel?
Neue Drehorgeln werden meist als Einzelanfertigung gebaut, deshalb nennen die Werkstätten ihre Preise erst auf Anfrage. Auf dem Gebrauchtmarkt sind die Preise dagegen einsehbar: Auf Kleinanzeigen.de kosten spielbare Drehorgeln aktuell zwischen 400 Euro für kleine, einfache Modelle und mehr als 27.000 Euro für große Straßenorgeln, Stand 21. September 2026. Einsteigermodelle mit wenigen Tönen liegen meist zwischen 400 und 2.100 Euro.
Wie klingt eine Drehorgel?
Sie wollen wissen wie sich eine Drehorgel anhört? Dann schauen Sie sich das folgende Video an lassen sich sich überraschen, wie modern eine Drehorgel gespielt werden kann.



