Kirchentonarten

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Redaktion
Eine alte Handschrift mit Neumen-Notation. Bild: KI generiert.
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Zusammenfassung

Die Kirchentonarten sind sieben Tonleitern, die denselben Tonvorrat auf sieben verschiedenen Grundtönen ordnen. Auf den weißen Tasten heißen sie Ionisch, Dorisch, Phrygisch, Lydisch, Mixolydisch, Aeolisch und Lokrisch. Jeder Modus hat einen charakteristischen Ton, an dem er sich von Dur oder Moll unterscheidet. Ionisch entspricht der Dur-Tonleiter, Aeolisch dem natürlichen Moll.

Die Kirchentonarten, auch Modi genannt, sind sieben Tonleitern, die aus demselben Tonvorrat entstehen und sich nur im Grundton unterscheiden. Spielt man die weißen Tasten des Klaviers nacheinander und beginnt einmal auf c, einmal auf d, einmal auf e und so fort, ergeben sich sieben verschiedene Anordnungen von Ganz- und Halbtonschritten. Jede davon trägt einen eigenen Namen und einen eigenen charakteristischen Ton.

7Modi
1Tonvorrat
2Halbtonschritte je Modus
3Modi mit großer Terz

Was sind die Kirchentonarten?

Die Kirchentonarten sind sieben siebenstufige Tonleitern, die sich durch die Lage ihrer beiden Halbtonschritte unterscheiden. Weil sie denselben Tonvorrat teilen, klingen sie nicht wegen anderer Töne verschieden, sondern weil ein anderer Ton als Grundton wirkt. Drei von ihnen tragen eine große Terz über dem Grundton und wirken nach Dur, vier eine kleine Terz und wirken nach Moll.

ModusGrundton auf weißen TastenCharakteristischer Ton
Ionischcidentisch mit der Dur-Tonleiter
Dorischdgroße Sexte, Moll mit heller sechster Stufe
Phrygischekleine Sekunde, Halbtonschritt direkt über dem Grundton
Lydischfübermäßige Quarte, Dur mit erhöhter vierter Stufe
Mixolydischgkleine Septime, Dur ohne Leitton
Aeolischaidentisch mit dem natürlichen Moll
Lokrischhverminderte Quinte, Grundakkord vermindert

Wie entstehen die sieben Kirchentonarten aus einer Tonleiter?

Sie entstehen durch Verschieben des Grundtons innerhalb derselben Tonleiter. Die Dur-Tonleiter hat ihre Halbtonschritte zwischen der dritten und vierten sowie der siebten und achten Stufe. Beginnt dieselbe Tonfolge einen Ton höher, rücken die Halbtonschritte um eine Stufe nach unten, und das ganze Gefüge kippt.

Stufe 1 2 3 4 5 6 7 8 Kennton Ionisch c d e f g a h c gleich Dur Dorisch d e f g a h c d große Sexte Phrygisch e f g a h c d e kleine Sekunde Lydisch f g a h c d e f übermäßige Quarte Mixolydisch g a h c d e f g kleine Septime Aeolisch a h c d e f g a gleich Moll Lokrisch h c d e f g a h verminderte Quinte Halbtonschritt Ganztonschritt Kennton des Modus
Alle sieben Modi auf den weißen Tasten. Die dicken Verbindungen markieren die Halbtonschritte, das hervorgehobene Feld den Ton, an dem sich der Modus von Dur oder Moll unterscheidet.

Am Klavier lässt sich das ohne ein einziges Vorzeichen nachvollziehen. Die Reihe d, e, f, g, a, h, c, d klingt nach Moll, obwohl sie dieselben Töne benutzt wie C-Dur, denn der Halbtonschritt von e nach f sitzt jetzt zwischen der zweiten und dritten Stufe. Die Reihe f, g, a, h, c, d, e, f klingt nach Dur, aber mit einer auffällig hohen vierten Stufe.

Alle sieben Kirchentonarten benutzen denselben Tonvorrat. Was einen Modus hörbar macht, ist nicht das Tonmaterial, sondern welcher Ton als Ruhepunkt gilt und wo dadurch die Halbtonschritte liegen. Eine Begleitung, die den Grundton festhält, entscheidet über den Modus.

Was kennzeichnet die einzelnen Kirchentonarten?

Jeder Modus lässt sich als Dur oder Moll mit genau einer Abweichung beschreiben. Dieser eine Ton trägt den Charakter.

  • Dorisch ist Moll mit großer Sexte. In d-Dorisch ist das der Ton h, wo natürliches Moll ein b hätte.
  • Phrygisch ist Moll mit kleiner Sekunde. Der Halbtonschritt liegt direkt über dem Grundton, in e-Phrygisch also von e nach f.
  • Lydisch ist Dur mit übermäßiger Quarte. In f-Lydisch ist das der Ton h statt b.
  • Mixolydisch ist Dur mit kleiner Septime. In g-Mixolydisch steht dort f statt fis, weshalb der Leitton zum Grundton fehlt.
  • Lokrisch hat kleine Sekunde und verminderte Quinte. Über dem Grundton lässt sich kein reiner Dreiklang bilden, weshalb dieser Modus kaum als Tonart auftritt.

Woher stammen die Namen der Kirchentonarten?

Die Namen stammen aus der antiken griechischen Musiktheorie, bezeichnen dort aber andere Tonfolgen als im mittelalterlichen System. Die Übertragung erfolgte in der mittelalterlichen Rezeption und blieb trotz der Verwechslung bestehen.

Das mittelalterliche System kannte acht Modi, nicht sieben: Zu jedem der vier authentischen Töne gehörte eine plagale Form mit demselben Tonvorrat, aber anderem Ambitus. Der Musiktheoretiker Heinrich Glarean ergänzte 1547 in seiner Schrift Dodecachordon die Modi Ionisch und Aeolisch, aus denen später Dur und Moll wurden. Lokrisch ist eine spätere theoretische Ergänzung und war im Kirchengesang nicht gebräuchlich.

Wo kommen die Kirchentonarten in heutiger Musik vor?

Im modalen Jazz dienen die Modi als Tonmaterial über lange, wenig wechselnde Akkordflächen. Das Stück So What von Miles Davis steht dorisch und wechselt in seinem Mittelteil nur den Grundton, nicht den Modus. Dorisch und Mixolydisch prägen außerdem viele Rock- und Folkmelodien, weil ihnen der drängende Leitton fehlt und Akkordfolgen dadurch offener wirken.

Auch die Filmmusik greift auf Modi zurück, besonders auf Lydisch mit seiner übermäßigen Quarte. Phrygisch prägt den Flamenco und ist dort in einer Form mit großer Terz auf der ersten Stufe gebräuchlich.

Was unterscheidet die Kirchentonarten von Dur und Moll?

Dur und Moll sind zwei der sieben Modi, nämlich Ionisch und Aeolisch. Was sie herausgehoben hat, ist die Harmonik: Beide besitzen über der fünften Stufe einen Dreiklang, der sich als Dominante eignet, und in Dur liegt zusätzlich ein Leitton unter dem Grundton. Die übrigen Modi liefern dieses Gerüst nicht in derselben Form.

Deshalb setzten sich Dur und die Moll-Tonleiter in der europäischen Kunstmusik ab dem 17. Jahrhundert gegen die anderen Modi durch. In der Volksmusik und im Jazz blieben Dorisch und Mixolydisch dagegen durchgehend in Gebrauch.

Häufige Fragen zu den Kirchentonarten

Welche Kirchentonarten gibt es?

Es gibt sieben Kirchentonarten: Ionisch, Dorisch, Phrygisch, Lydisch, Mixolydisch, Aeolisch und Lokrisch. Auf den weißen Tasten des Klaviers beginnen sie der Reihe nach auf c, d, e, f, g, a und h. Ionisch entspricht der Dur-Tonleiter, Aeolisch dem natürlichen Moll.

Was ist der dorische Modus?

Dorisch ist eine Kirchentonart, die auf den weißen Tasten auf d beginnt und d, e, f, g, a, h, c, d lautet. Sie klingt nach Moll, trägt aber eine große Sexte statt der kleinen des natürlichen Moll. In d-Dorisch ist das der Ton h. Die Halbtonschritte liegen zwischen der zweiten und dritten sowie der sechsten und siebten Stufe.

Was ist der Unterschied zwischen Kirchentonarten und Dur oder Moll?

Dur und natürliches Moll sind selbst Kirchentonarten, nämlich Ionisch und Aeolisch. Die übrigen fünf Modi unterscheiden sich von ihnen in jeweils einem Ton, der die Lage der Halbtonschritte verschiebt. Alle sieben Modi benutzen denselben Tonvorrat und unterscheiden sich nur darin, welcher Ton als Grundton wirkt.

Warum heißen die Kirchentonarten so?

Der Name stammt aus dem mittelalterlichen Kirchengesang, dessen Melodien nach diesen Modi geordnet wurden. Die einzelnen Bezeichnungen wie Dorisch oder Phrygisch stammen dagegen aus der antiken griechischen Musiktheorie, wo sie andere Tonfolgen benannten. Das mittelalterliche System zählte acht Modi, weil zu jedem authentischen Ton eine plagale Form mit anderem Ambitus gehörte.

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