Jazz

6 Min. Lesezeit
Redaktion
Nahaufnahme eines Saxophons mit graviertem Schallbecher. Foto: EdgarSax / Pixabay.
Nahaufnahme eines Saxophons mit graviertem Schallbecher. Foto: EdgarSax / Pixabay.

Zusammenfassung

Jazz ist eine Musikrichtung, in der die Musiker über eine festgelegte Harmoniefolge improvisieren. Das Rhythmusgefühl heißt Swing: Die Achtel dauern unterschiedlich lang, die erste länger als die zweite. Die Harmonik nutzt Akkorde mit Septime und weiteren Optionstönen, die Melodie greift auf Bluesnoten zurück. Als Form dienen vor allem 32 Takte in vier Achttaktgruppen und das Zwölftaktschema des Blues. Der Jazz entstand um 1900 in New Orleans.

Jazz ist eine Musikrichtung, in der die Musiker über eine festgelegte Harmoniefolge improvisieren. Ein Thema gibt Form und Akkorde vor, danach erfindet ein Solist über genau diese Akkorde neue Melodien. Das Rhythmusgefühl heißt Swing: Die Achtel dauern unterschiedlich lang, die erste länger als die zweite. Dazu kommen Bluesnoten und Akkorde, die neben dem Dreiklang die Septime und weitere Optionstöne tragen.

um 1900Entstehung
New OrleansUrsprungsort
4/4übliche Taktart
32 TakteStandardform

Was macht Jazz aus?

Jazz macht die Improvisation zum Hauptteil des Stücks, bindet sie aber an eine feste Harmoniefolge. Die Band einigt sich auf ein Thema, auf dessen Akkorde und auf dessen Taktzahl. Danach spielt ein Solist nach dem anderen über dieselbe Folge, während die Rhythmusgruppe sie weiter begleitet. Drei Merkmale trennen den Jazz von anderer improvisierter Musik: das Swing-Gefühl, die Bluesnoten und die erweiterte Harmonik.

Die Harmonik reicht über den Dreiklang hinaus. Ein Jazzakkord enthält fast immer die Septime, häufig zusätzlich None, Undezime oder Tredezime. Diese Optionstöne färben den Akkord, ohne seine Funktion in der Kadenz zu ändern. Die Melodie greift daneben auf Bluesnoten zurück, also auf die abgesenkte dritte, fünfte und siebte Stufe der Durtonleiter. Sie reiben sich mit der Durharmonik der Begleitung.

MerkmalJazz
Entstehungszeitum 1900
EntstehungsortNew Orleans und der Süden der USA
Typische BesetzungBläser als Melodiestimmen, dazu Klavier oder Gitarre, Kontrabass und Schlagzeug
Taktartmeist 4/4, im Jazzwalzer 3/4
Tempobereichrund 60 bis über 300 Schläge je Minute
Prägende MerkmaleImprovisation über eine feste Harmoniefolge, ungleich lange Achtel, Bluesnoten, Akkorde mit Septime und Optionstönen
Wichtige SubgenresSwing, Bebop, Cool Jazz, Free Jazz, Fusion

Wie ist ein Jazzstück aufgebaut?

Ein Jazzstück folgt fast immer dem Ablauf Thema, Soli, Thema. Die Band spielt zuerst die Melodie, den Head. Danach improvisieren die Solisten nacheinander über die Akkordfolge dieses Themas, am Ende kehrt die Melodie zurück. Einen vollständigen Durchlauf der Form nennen Musiker Chorus.

Zwei Formen decken den größten Teil des Repertoires ab. Die Liedform umfasst 32 Takte in vier Achttaktgruppen, meist nach dem Muster AABA: zwei gleiche Teile, ein abweichender Mittelteil, dann noch einmal der erste Teil. Daneben steht das Zwölftaktschema des Blues mit den Stufen I, IV und V. Weil beide Formen fest verabredet sind, spielt eine Band ohne Probe zusammen: Titel und Tonart genügen als Ansage.

Woran erkennt man Jazz?

Am deutlichsten erkennt man Jazz an den ungleich langen Achteln, dem Swing. Bei geraden Achteln liegt die zweite Note genau in der Mitte der Zählzeit. Im Swing rückt sie nach hinten, so dass die erste Achtel etwa doppelt so lang dauert wie die zweite. Wie stark die Verschiebung ausfällt, hängt vom Tempo ab: Je schneller ein Stück läuft, desto gerader spielen die Musiker.

1 2 3 4 gerade Achtel Swing-Achtel lang kurz
Die blauen Punkte liegen auf den Zählzeiten, die grauen dazwischen. Im Swing rückt der Zwischenschlag nach hinten, damit dauert die erste Achtel etwa doppelt so lang wie die zweite.

Zwei weitere Merkmale hört man in der Rhythmusgruppe. Der Kontrabass spielt einen Walking Bass, also auf jeder Viertel einen Ton, und verbindet die Akkorde schrittweise miteinander. Das Schlagzeug legt das Grundmuster auf das Ride-Becken statt auf die Basstrommel und schließt die Hi-Hat auf den Zählzeiten zwei und vier.

Improvisation im Jazz folgt einem festen Bauplan. Der Solist erfindet die Melodie neu, die Akkordfolge und die Taktzahl bleiben in jedem Chorus gleich. Erst diese Verabredung erlaubt es Musikern, die sich nie zuvor getroffen haben, ohne Noten miteinander zu spielen.

Welche Instrumente prägen den Jazz?

Den Jazz prägen zwei Gruppen mit klar getrennten Aufgaben. Die Melodiestimmen tragen Thema und Soli, die Rhythmusgruppe liefert Harmonie und Puls.

  • Trompete führt die Hauptstimme seit den Anfängen in New Orleans. Ihr durchdringender Klang setzt sich in einer Bigband gegen alle anderen Instrumente durch.
  • Saxophon kam in den 1920er Jahren dazu. Das Tenorsaxophon deckt die mittlere Lage ab und gilt seit dem Bebop als das Soloinstrument des Jazz.
  • Kontrabass spielt gezupft und legt mit dem Walking Bass die Harmonie offen. Er bestimmt damit zugleich Tonhöhe und Zeitgefühl der Band.
  • Schlagzeug hält den Puls auf dem Ride-Becken und setzt mit der kleinen Trommel Akzente gegen den Grundschlag.
  • Klavier begleitet mit Akkorden in unregelmäßigen Abständen, dem Comping, und übernimmt zwischendurch selbst Soli.

Woher stammt der Jazz?

Der Jazz stammt aus New Orleans und entstand dort um 1900. In der Stadt trafen mehrere Traditionen aufeinander: der Blues mit seinen Tonleitern und seinem Zwölftaktschema, der Ragtime mit seinen synkopierten Klaviersätzen und die Blaskapellen, die bei Umzügen und Begräbnissen spielten. Aus deren Besetzung mit Trompete, Klarinette und Posaune wurde die erste Jazzbesetzung.

Die ersten Jazzaufnahmen erschienen 1917 und verbreiteten den Stil im ganzen Land. In den 1920er Jahren zogen die Musiker nach Chicago und New York, in den 1930er Jahren spielten Bigbands mit bis zu siebzehn Musikern Swing als Tanzmusik. In den 1940er Jahren kehrte der Bebop zur kleinen Besetzung zurück und verlegte den Jazz von der Tanzfläche in den Club.

Welche Subgenres hat der Jazz?

  • Swing beherrschte die 1930er Jahre. Bigbands spielten arrangierte Sätze für Saxophone, Trompeten und Posaunen, die Soli blieben kurz.
  • Bebop entstand in den 1940er Jahren in kleiner Besetzung. Er steigerte Tempo und Harmonik so weit, dass die Musik zum Zuhören gedacht war und nicht mehr zum Tanzen.
  • Cool Jazz nahm um 1950 Lautstärke und Tempo zurück und arbeitete mit ausgeschriebenen Sätzen und weicheren Klangfarben.
  • Free Jazz gab um 1960 die feste Harmoniefolge auf. Tonart, Form und teilweise auch der Grundschlag entstehen dabei erst im Spiel.
  • Fusion verband ab Ende der 1960er Jahre die Jazzimprovisation mit elektrischen Instrumenten und geraden Achteln aus Rock und Funk.

Häufige Fragen zum Jazz

Was ist Swing im Jazz?

Swing bezeichnet im Jazz die ungleiche Aufteilung der Achtel: Die erste Achtel einer Zählzeit dauert etwa doppelt so lang wie die zweite. Ein festes Verhältnis gibt es nicht, es hängt vom Tempo ab und wird bei schnellen Stücken flacher. Swing ist außerdem der Name des Stils der 1930er Jahre, in dem Bigbands Tanzmusik spielten.

Welche Form hat ein Jazzstück?

Ein Jazzstück nutzt meist eine von zwei Formen. Die Liedform umfasst 32 Takte in vier Achttaktgruppen nach dem Muster AABA, das Bluesschema umfasst zwölf Takte mit den Stufen I, IV und V. Über beide Formen improvisieren die Solisten in Durchläufen, die Chorus heißen.

Was ist ein Jazzstandard?

Ein Jazzstandard ist ein Stück, dessen Melodie und Akkordfolge so viele Musiker kennen, dass eine Band es ohne Probe spielen kann. Viele Standards stammen aus Musicals und Filmen der 1920er bis 1940er Jahre, andere schrieben Jazzmusiker selbst.

Was unterscheidet Jazz vom Blues?

Jazz und Blues teilen die Bluesnoten und das Zwölftaktschema, unterscheiden sich aber in Harmonik und Rolle der Improvisation. Der Blues kommt mit drei Stufen aus und stellt den gesungenen Text in den Mittelpunkt. Der Jazz erweitert die Akkorde um Septime und Optionstöne, wechselt sie häufiger und macht das instrumentale Solo zum Hauptteil des Stücks.

Weitere Artikel in Genres

K-Pop

K-Pop

K-Pop ist Popmusik aus Südkorea. Der Begriff kürzt Korean pop ab und bezeichnet seit den 1990er Jahren auch ein Herstellungsverfahren: Plattenfirmen bilden Mitglieder mehrere Jahre in Gesang, Tanz und Sprachen aus und stellen daraus Gruppen zusammen. Musikalisch fällt K-Pop vor allem durch den Aufbau der Stücke auf, denn ein K-Pop-Stück reiht mehr und deutlich verschiedenere Abschnitte aneinander als ein westliches Popstück und wechselt dabei Tonart, Tempoempfinden oder Stilebene mitten im Verlauf.

Klassik

Klassik

Klassik meint im Alltag die gesamte europäische Kunstmusik, fachlich dagegen nur eine Epoche: die Wiener Klassik von etwa 1770 bis 1820 mit Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven. Ihr Satz stellt eine führende Melodie über eine Begleitung und gliedert die Musik in achttaktige Perioden. Sinfonie, Streichquartett, Klaviersonate und Solokonzert werden zu den Leitgattungen. Wer klassische Musik hört, hört meistens Barock, Romantik oder Moderne, nicht Klassik.

Latin

Latin

Latin ist ein Sammelbegriff für Musik aus Lateinamerika und der Karibik und kein einheitliches Genre. Er umfasst Formen, die sich in Besetzung, Tempo und Herkunft deutlich unterscheiden, vom kubanischen Son über die brasilianische Bossa Nova bis zum argentinischen Tango. Den größten Teil dieser Musik ordnet ein gemeinsames Prinzip: die Clave, ein zweitaktiges Rhythmusmuster aus fünf Schlägen, an dem sich Perkussion, Bass, Klavier und Bläser ausrichten.

Metal

Metal

Metal ist eine Musikrichtung, die auf stark verzerrten E-Gitarren, tiefen Gitarrenstimmungen und riffgetragenen Sätzen aufbaut. Sie entstand um 1970 in Großbritannien aus Hard Rock und Blues Rock. Die Gitarristen dämpfen die Saiten mit dem Handballen am Steg und erzeugen so kurze, perkussive Töne, der Schlagzeuger spielt mit zwei Bassdrum-Pedalen durchgehende Muster. Harmonisch nutzt Metal Moll, Kirchentonarten wie Phrygisch und den Tritonus.