Latin

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Redaktion
Congas, Bongos und eine Cowbell nebeneinander. Bild: KI generiert.
Congas, Bongos und eine Cowbell nebeneinander. Bild: KI generiert.

Zusammenfassung

Latin ist ein Sammelbegriff für Musik aus Lateinamerika und der Karibik und kein einheitliches Genre. Er umfasst Formen, die sich in Besetzung, Tempo und Herkunft deutlich unterscheiden, vom kubanischen Son über die brasilianische Bossa Nova bis zum argentinischen Tango. Den größten Teil dieser Musik ordnet ein gemeinsames Prinzip: die Clave, ein zweitaktiges Rhythmusmuster aus fünf Schlägen, an dem sich Perkussion, Bass, Klavier und Bläser ausrichten.

Latin ist ein Sammelbegriff für Musik aus Lateinamerika und der Karibik und kein einheitliches Genre. Unter dem Wort stehen Formen, die sich in Besetzung, Tempo und Herkunft deutlich unterscheiden. Der größte Teil dieser Musik folgt dennoch einem gemeinsamen Ordnungsprinzip: der Clave, einem zweitaktigen Rhythmusmuster aus fünf Schlägen. Sie legt fest, wo eine Phrase beginnt und wo sie schließt, und alle anderen Stimmen richten ihre Betonungen an ihr aus.

2 TakteLänge der Clave
5Schläge je Clave
4/4Grundtakt
KubaHerkunft der Clave

Was ist Latin?

Latin bezeichnet eine Herkunft und keine Spielweise. Der Begriff kommt aus dem nordamerikanischen Musikmarkt, der die Musik der spanisch- und portugiesischsprachigen Länder unter einem Namen führte, um sie in Verkaufslisten und Radioformate einordnen zu können. Ein Merengue aus der Dominikanischen Republik und ein Tango aus Buenos Aires unterscheiden sich in Takt, Tempo, Besetzung und Tanzform.

Was viele dieser Formen teilt, ist ihre Entstehung. Sie verbinden afrikanische Rhythmik, die mit den Verschleppten in die Karibik und nach Brasilien kam, mit europäischer Harmonik und Liedform, regional ergänzt um indigene Bestandteile. Daraus stammt das Merkmal, das Hörer zuerst bemerken: Die Betonungen liegen häufig zwischen den Zählzeiten.

MerkmalLatin
Entstehungszeit und -ortprägende Formen ab dem späten 19. Jahrhundert in Kuba, Brasilien, Kolumbien, der Dominikanischen Republik und am Río de la Plata
Typische BesetzungPerkussionsgruppe aus Congas, Bongos, Timbales, Claves, Güiro und Maracas, dazu Klavier, Bass, Gesang und Bläsersatz
Prägende MerkmaleClave als zweitaktiges Ordnungsmuster, vorgezogene Basslinie, wiederholte Klavierfigur, Wechsel von Liedteil und Improvisationsteil
Wichtige SpielartenSon, Mambo, Cha-Cha-Cha, Salsa, Rumba, Bossa Nova, Samba, Merengue, Cumbia, Tango
SprachenSpanisch und Portugiesisch
Herkunft der Bestandteileafrikanische Rhythmik, europäische Harmonik und Liedform, regional indigene Anteile

Wie ordnet die Clave die Latin-Musik?

Die Clave ist ein Rhythmusmuster über zwei Takte mit fünf Schlägen. Ein Takt trägt drei Schläge, der andere zwei. Steht der Dreierteil vorn, spricht man von 3-2, steht der Zweierteil vorn, von 2-3. Diese Richtung gilt für das ganze Stück. Spielt eine Stimme gegen sie, klingt der Satz gegen die Clave, und geübte Hörer bemerken das sofort.

Takt 1 Takt 2 1 2 3 4 1 2 3 4 3-2 2-3 Große Kreise sind die fünf Schläge der Clave, kleine Punkte die unbesetzten Achtel.
Die Son-Clave im 3-2- und im 2-3-Muster. Beide enthalten dieselben fünf Schläge, nur die Reihenfolge der beiden Takte ist vertauscht.

Neben der Son-Clave gibt es die Rumba-Clave. Sie unterscheidet sich nur im dritten Schlag, der eine Achtel später fällt. Diese eine Verschiebung genügt, um ein Stück deutlich anders wirken zu lassen, weil sich der Bezug zur vierten Zählzeit ändert.

Die Clave ordnet die afrokubanische Familie, aber nicht alles, was Latin heißt. Son, Mambo, Cha-Cha-Cha, Rumba und Salsa richten sich nach ihr. Samba und Bossa Nova folgen einem verwandten, aber eigenen Muster. Der Tango steht außerhalb dieser Familie: Er zählt vier gleich schwere Schläge, und sein Ausdruck entsteht durch das Verzögern einzelner Töne gegen diesen Puls.

Welche Latin-Formen folgen der Clave?

Der Clave folgen die afrokubanischen Formen und alles, was aus ihnen hervorgegangen ist.

  • Son entstand im Osten Kubas im späten 19. Jahrhundert und kam in den 1920er Jahren nach Havanna. Er verbindet spanische Liedform mit afrokubanischer Perkussion und ist die Grundlage fast aller späteren kubanischen Formen.
  • Mambo und Cha-Cha-Cha entwickelten sich in den 1940er und 1950er Jahren in Havanna aus dem Son. Der Cha-Cha-Cha nahm das Tempo zurück; seinen Namen gaben ihm drei rasch aufeinanderfolgende Tanzschritte.
  • Salsa entstand in den 1960er und 1970er Jahren in New York, wo kubanische und puerto-ricanische Musiker das Repertoire mit größeren Bläsersätzen und härterer Perkussion weiterführten. Salsa ist keine neue Form, sondern eine Spielweise auf bekannten Formen.

Welche Latin-Formen folgen anderen Mustern?

Außerhalb der afrokubanischen Familie ordnen andere Muster den Rhythmus, obwohl der Sammelbegriff Latin auch diese Formen erfasst.

  • Bossa Nova kam Ende der 1950er Jahre in Rio de Janeiro auf. Der Gesang bleibt beinahe gesprochen, die Gitarre setzt die Akkorde synkopiert gegen den Bass. Antônio Carlos Jobim prägte das Repertoire.
  • Samba stammt aus Rio de Janeiro, steht im Zweivierteltakt und wird in der Straßenform von einer Perkussionsgruppe getragen, in der Surdo, Tamborim und Cuíca verschiedene Ebenen abdecken.
  • Merengue kommt aus der Dominikanischen Republik, steht im Zweivierteltakt und läuft schnell. Die Kernbesetzung besteht aus Akkordeon, der Metallschabe Güira und der zweifelligen Trommel Tambora.
  • Cumbia entstand an der kolumbianischen Karibikküste und hält ein mittleres Tempo. Sie ist heute in ganz Lateinamerika verbreitet.
  • Tango entstand um 1900 am Río de la Plata, in Buenos Aires und Montevideo. Seine Führungsstimme liegt beim Bandoneon, dazu treten Violine, Klavier und Kontrabass.

Welche Instrumente prägen die Latin-Rhythmusgruppe?

Die Rhythmusgruppe teilt den Takt in Schichten auf. Jedes Instrument spielt eine kurze, wiederkehrende Figur, und erst das Übereinander dieser Figuren ergibt den Gesamtrhythmus.

  • Congas liefern die Grundfigur, den Tumbao. Die Conga wird mit bloßen Händen geschlagen, wobei offener Schlag, gedämpfter Schlag und Handballen drei klar unterscheidbare Klänge ergeben.
  • Bongos spielen im Gesangsteil eine dichte Figur, den Martillo. Der Spieler der Bongos wechselt im Improvisationsteil zur Handglocke und markiert damit den Formteil.
  • Timbales übernehmen die Übergänge. Die Timbales sind flache Metallkessel auf einem Ständer, die mit dünnen Stöcken gespielt werden; Cowbell und Becken gehören zum Aufbau.
  • Claves sind zwei Rundhölzer, die das Grundmuster selbst spielen und ihm den Namen geben.
  • Bass spielt den Tumbao vorgezogen: Er lässt die Zählzeit eins frei und setzt stattdessen auf die zweite Achtel der zweiten Zählzeit und auf die vier.
  • Klavier wiederholt eine Akkordfigur in Achteln, den Montuno, und verbindet damit Harmonie und Rhythmus in einer Stimme.

Häufige Fragen zur Latin-Musik

Was ist die Clave in der Latin-Musik?

Die Clave ist ein Rhythmusmuster über zwei Takte mit fünf Schlägen, das in der Latin-Musik alle anderen Stimmen ordnet. Ein Takt trägt drei Schläge, der andere zwei, woraus sich die Richtungen 3-2 und 2-3 ergeben. Perkussion, Bass, Klavier und Bläser richten ihre Betonungen an diesem Muster aus, auch wenn niemand es hörbar mitspielt.

Ist Latin ein eigenes Genre?

Latin ist kein eigenes Genre, sondern ein Sammelbegriff für Musik aus Lateinamerika und der Karibik. Er fasst Formen zusammen, die sich in Takt, Tempo, Besetzung und Tanz unterscheiden, etwa Son, Samba, Merengue, Cumbia und Tango. Der Begriff beschreibt also eine Herkunft und keine musikalischen Merkmale.

Was unterscheidet Salsa und Son?

Son ist die ältere Form, Salsa die spätere Spielweise darauf. Der Son entstand im späten 19. Jahrhundert im Osten Kubas mit kleiner Besetzung aus Tres, Bass, Bongos und Gesang. Salsa entwickelte sich ab den 1960er Jahren in New York, arbeitet mit größeren Bläsersätzen, Timbales und dichterer Perkussion und greift dabei auf die Formen des Son zurück.

In welchem Takt steht Latin-Musik?

Die afrokubanischen Formen stehen im Vierviertel-Takt, über den sich die zweitaktige Clave legt. Samba und Merengue notiert man dagegen im Zweivierteltakt, der Tango steht im Viervierteltakt mit vier gleich schweren Schlägen. Ein einheitlicher Takt für alles, was Latin heißt, existiert nicht.

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