Neue Deutsche Welle

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Redaktion
Eine Kompaktkassette mit herausgezogenem Band auf orangefarbenem Grund. Foto: Music_Makers / Pixabay.
Eine Kompaktkassette mit herausgezogenem Band auf orangefarbenem Grund. Foto: Music_Makers / Pixabay.

Zusammenfassung

Die Neue Deutsche Welle ist deutschsprachige Musik zwischen Punk, New Wave und Pop, die Ende der 1970er Jahre in Westdeutschland entstand. Sie hat zwei Phasen, die musikalisch wenig teilen: eine frühe Untergrundbewegung mit kleinen Labels, rauem Klang und experimentellen Texten und einen kommerziellen Boom zwischen 1981 und 1983, in dem die Musikindustrie das Etikett auf sehr verschiedene Musik klebte. Die eigentliche Neuerung lag nicht im Klang, sondern in der Sprache, denn deutsche Rock- und Popmusik sang bis dahin überwiegend englisch. Nach der Übersättigung des Marktes ebbte die Welle ab, die Selbstverständlichkeit deutschsprachiger Popmusik blieb.

Die Neue Deutsche Welle ist deutschsprachige Musik zwischen Punk, New Wave und Pop. Sie entstand Ende der 1970er Jahre in Westdeutschland und prägte Anfang der 1980er Jahre den deutschsprachigen Markt. Der Name deckt dabei zwei sehr verschiedene Dinge ab: eine Untergrundbewegung mit kleinen Labels und rauem Klang und einen kommerziellen Boom, in dem die Musikindustrie dasselbe Etikett auf sehr unterschiedliche Musik klebte. Die eigentliche Neuerung lag nicht im Klang, sondern in der Sprache, denn deutsche Rock- und Popmusik sang bis dahin überwiegend englisch.

Ende 1970erEntstehung
2Phasen
1981 bis 1983Kommerzielle Blütezeit
deutschSprache der Texte

Was macht die Neue Deutsche Welle aus?

Die Neue Deutsche Welle verbindet drei Dinge: deutsche Texte, eine Herkunft aus dem Punk und dem New Wave und den frühen Griff zu Synthesizer und Drumcomputer. Vom Punk übernahmen die Gruppen die kurze Form, die kleine Besetzung und die Praxis, ohne Plattenfirma zu veröffentlichen. Vom New Wave übernahmen sie die elektronischen Klangfarben und einen gleichmäßigen, kühlen Rhythmus. Den Begriff prägte der Musikjournalist Alfred Hilsberg 1979 in der Zeitschrift Sounds.

MerkmalNeue Deutsche Welle
EntstehungszeitEnde der 1970er Jahre
EntstehungsortWestdeutschland, vor allem Düsseldorf, Hamburg und Berlin
Kommerzielle Blütezeitetwa 1981 bis 1983
Sprachedeutsch, das entscheidende Merkmal gegenüber dem New Wave
Typische BesetzungGesang, Synthesizer, E-Gitarre, E-Bass, dazu Schlagzeug oder Drumcomputer, meist zu dritt oder zu viert
HerkunftPunk und New Wave, dazu die elektronische Musik aus Düsseldorf
Prägende Merkmalekurze Stücke, kleine Besetzungen, günstige elektronische Instrumente, Wortspiel im Text
Zwei Phasenfrühe Untergrundphase mit kleinen Labels, späte Marktphase mit großen Labels
BegriffsherkunftArtikel in der Musikzeitschrift Sounds, 1979

Welche zwei Phasen hat die Neue Deutsche Welle?

Die Neue Deutsche Welle zerfällt in zwei Phasen, die musikalisch wenig teilen und trotzdem denselben Namen tragen. Die frühe Phase war eine Untergrundbewegung: Gruppen nahmen in kleinen Studios auf, veröffentlichten auf eigenen oder winzigen Labels und spielten in Clubs. Die späte Phase war ein kommerzieller Boom: Zwischen 1981 und 1983 nahmen große Firmen fast alles unter Vertrag, was deutsch sang, und klebten das Etikett auch auf Musik, die aus dem Schlager oder aus dem geglätteten Pop kam.

Die meisten Darstellungen unterschlagen diese Zweiteilung. Wer heute von der Neuen Deutschen Welle spricht, meint fast immer die zweite Phase, weil deren Stücke im Radio liefen. Die frühe Phase steht mit anderen Instrumenten, anderen Aufnahmebedingungen und anderen Texten unter demselben Namen im Regal. Deutsch Amerikanische Freundschaft aus Düsseldorf und Nena aus Berlin tragen beide dieses Etikett, und zwischen ihren Aufnahmen liegen wenige Jahre und ein ganzer Produktionsapparat.

Übergang um 1981 Frühe Phase Untergrund, kleine Label, rauer Klang Kommerzielle Phase Massenmarkt, große Label, geglättete Produktion 1977 1979 1981 1983 1985
Beide Bänder tragen denselben Namen und unterscheiden sich in Labelgröße, Klang und Publikum.

Wie klang die frühe Neue Deutsche Welle?

Die frühe Neue Deutsche Welle klang rau, kurz und dünn besetzt. Die Gruppen nahmen mit wenigen Spuren in wenigen Stunden auf, und was dabei schief ging, blieb auf der Platte stehen.

  • Besetzung aus drei oder vier Leuten, oft ohne ausgebildete Stimme. Ein Duo aus Gesang und Synthesizer trug ein ganzes Stück.
  • Elektronische Instrumente wurden Ende der 1970er Jahre erschwinglich. Ein Drumcomputer ersetzte Schlagzeug und Schlagzeuger und lieferte einen Takt, der nicht schwankt.
  • Kurze Stücke von zwei bis drei Minuten, ohne Solo und ohne Zwischenspiel.
  • Texte spielen mit der deutschen Sprache, statt sie zu umgehen, und stehen häufig im Sprechgesang statt in einer Gesangsmelodie.
  • Veröffentlichung über kleine Labels wie ZickZack aus Hamburg, verkauft auf Konzerten und über den Versand.

Warum war die deutsche Sprache der Kern der Neuen Deutschen Welle?

Die deutsche Sprache war der Kern, weil deutsche Rock- und Popmusik bis dahin überwiegend englisch sang. Englisch galt als die Sprache des Rock, und wer über Deutschland hinaus gehört werden wollte, benutzte sie. Deutsch blieb dem Schlager und der Volksmusik vorbehalten, also genau den Sparten, von denen sich junge Gruppen absetzen wollten.

Die Neue Deutsche Welle drehte das um und behandelte Deutsch als Material: Dialekt, Amtsdeutsch, Werbesprache, kurze Alltagssätze. Damit verstand das Publikum jede Zeile sofort, und der Text bekam ein Gewicht, das er vorher nicht hatte.

Der Klang war dagegen nicht neu. Synthesizer, Drumcomputer und kurze Stücke gab es in England und in den Vereinigten Staaten ebenso. Neu war die Entscheidung für die eigene Sprache.

Die Neuerung der Neuen Deutschen Welle lag in der Sprache, nicht im Klang. Elektronische Instrumente und kurze Stücke waren um 1980 international verbreitet. Der Bruch bestand darin, dass eine ganze Generation deutscher Gruppen ihre eigene Sprache benutzte und sie nicht länger als Nachteil behandelte.

Warum endete die Neue Deutsche Welle?

Die Neue Deutsche Welle endete, weil der Markt übersättigt war und das Etikett seine Bedeutung verlor. Innerhalb von rund zwei Jahren brachten die Plattenfirmen sehr viele deutschsprachige Veröffentlichungen heraus, und der Begriff umfasste am Ende alles von der Untergrundaufnahme bis zum Schlager. Ein Etikett, das alles umfasst, unterscheidet nichts mehr.

Das ist keine Schuldfrage. Die Firmen reagierten auf eine Nachfrage, und die Käufer wandten sich ab, sobald sie am Etikett nicht mehr erkannten, was sie bekommen. Um 1984 verschwand der Begriff aus den Ankündigungen. Die Gruppen der frühen Phase arbeiteten weiter, nur nannte niemand ihre Musik mehr so.

Was hat Kraftwerk mit der Neuen Deutschen Welle zu tun?

Kraftwerk steht vor der Neuen Deutschen Welle und neben ihr, nicht in ihr. Die Düsseldorfer Gruppe arbeitete seit 1970 elektronisch und veröffentlichte deutschsprachige Aufnahmen, bevor es den Begriff überhaupt gab. Sie kam nicht aus dem Punk und baute ihre Stücke aus langen, wiederholten Figuren statt aus kurzen Liedern.

Der Zusammenhang bleibt trotzdem eng. Kraftwerk zeigte, dass deutschsprachige Musik mit Synthesizern trägt und über Deutschland hinaus ankommt, und für die Düsseldorfer Gruppen der frühen Phase lag dieses Vorbild in der eigenen Stadt. Wer Kraftwerk zur Neuen Deutschen Welle zählt, verwechselt das Vorbild mit der Bewegung.

Was blieb von der Neuen Deutschen Welle?

Geblieben ist die Selbstverständlichkeit, auf Deutsch zu singen. Vor 1980 musste eine deutsche Gruppe diese Entscheidung begründen, danach nicht mehr. Alles, was seither auf Deutsch gesungen oder gesprochen wird, vom deutschsprachigen Pop bis zum Deutschrap, steht auf dieser Grundlage.

Geblieben ist außerdem die Arbeitsweise der frühen Phase: kleine Labels, eigene Aufnahmen, Verkauf über Konzerte. Ohne die Neue Deutsche Welle wäre deutschsprachige Popmusik als Normalfall schwerer denkbar.

Häufige Fragen zur Neuen Deutschen Welle

Was ist die Neue Deutsche Welle?

Die Neue Deutsche Welle ist deutschsprachige Musik zwischen Punk, New Wave und Pop, die Ende der 1970er Jahre in Westdeutschland entstand. Sie umfasst zwei Phasen: eine frühe Untergrundbewegung mit kleinen Labels, rauem Klang und experimentellen Texten und einen kommerziellen Boom zwischen 1981 und 1983, in dem große Firmen dasselbe Etikett auf sehr verschiedene Musik klebten. Beide Phasen eint die deutsche Sprache.

Wann war die Neue Deutsche Welle?

Die Neue Deutsche Welle entstand Ende der 1970er Jahre und hatte ihre kommerzielle Blütezeit zwischen 1981 und 1983. Um 1984 verwendeten die Plattenfirmen den Begriff nicht mehr, weil er nach der Übersättigung des Marktes nichts mehr über die Musik aussagte.

Warum hat die Neue Deutsche Welle zwei Phasen?

Die Neue Deutsche Welle hat zwei Phasen, weil der Markt eine Untergrundbewegung übernahm. Die frühe Phase arbeitete mit kleinen Labels, günstigen elektronischen Instrumenten und rauem Klang. Die späte Phase entstand, als große Firmen deutschsprachige Musik als Verkaufsargument entdeckten und den Begriff auf geglättete Produktionen übertrugen. Beide stehen heute unter demselben Namen, obwohl sie musikalisch wenig teilen.

Woher kommt der Name Neue Deutsche Welle?

Der Name geht auf einen Artikel des Musikjournalisten Alfred Hilsberg zurück, der 1979 in der Musikzeitschrift Sounds erschien. Hilsberg bezeichnete damit deutschsprachige Gruppen im Umfeld von Punk und New Wave. Der Ausdruck überträgt das englische New Wave ins Deutsche und ergänzt die Sprache als unterscheidendes Merkmal.

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