Nu Metal ist eine Spielart des Metal mit vier überprüfbaren Merkmalen: tief gestimmte Gitarren, häufig mit sieben Saiten, Riffs aus wenigen Tönen mit hohem Rhythmusanteil statt schneller Läufe, ein Gesang, der zwischen Sprechgesang, gesungenen Linien und Schreien wechselt, und Anleihen beim Hip-Hop in Rhythmus und Produktion. Der Stil entstand Mitte bis Ende der 1990er Jahre in den USA aus Alternative Metal, Funk Metal und Hip-Hop. Viele Bands führen zusätzlich einen DJ oder einen Sampler-Spieler als festes Mitglied.
Was macht Nu Metal aus?
Nu Metal baut das Riff auf Rhythmus statt auf Tonfolge. Ein typisches Riff kommt mit zwei oder drei Tönen aus, manchmal mit einem einzigen; es trägt über die Verteilung der Anschläge im Takt. Gitarre, Bass und Bassdrum treffen dieselben Punkte, oft zwischen den Zählzeiten, sodass das Riff gegen den geraden Puls kippt.
Der Gesang wechselt die Vortragsart innerhalb eines Stücks. Die Strophe läuft häufig als Sprechgesang im Rhythmus des Riffs, der Refrain öffnet sich in gesungene Linien, an den Höhepunkten schreit der Sänger. Diese drei Ebenen stellen die Steigerung her, die andere Spielarten über Tempo und Tonartwechsel erzeugen.
| Merkmal | Nu Metal |
|---|---|
| Entstehungszeit | Mitte bis Ende der 1990er Jahre |
| Entstehungsort | USA, ohne eine einzelne Stadt als Mittelpunkt |
| Herkunft | Alternative Metal, Funk Metal und Hip-Hop |
| Typische Besetzung | eine oder zwei E-Gitarren, E-Bass, Schlagzeug, Gesang, dazu häufig ein DJ oder ein Sampler-Spieler |
| Gitarrenstimmung | Drop-Stimmungen, oft auf siebensaitigen Gitarren |
| Taktart | überwiegend 4/4 |
| Gesang | Wechsel zwischen Sprechgesang, gesungenen Linien und Schreien |
| Prägende Merkmale | Riffs aus wenigen Tönen, Betonungen zwischen den Zählzeiten, Gewicht auf Groove und Klangfarbe |
| Fehlende Merkmale | Gitarrensoli, schnelle Doublebass, Moll- und Phrygisch-Harmonik des älteren Metal |
| Hochphase | um die Jahrtausendwende |
Was lässt Nu Metal bewusst weg?
Nu Metal streicht drei Bestandteile, die den Metal davor bestimmten: das Gitarrensolo, die schnelle Doublebass und die Harmonik aus Moll, Phrygisch und Tritonus. Sie fallen nicht aus Unvermögen weg, sondern weil sie dem Ziel des Stils im Weg stehen. Ein Solo unterbricht den Groove, eine durchlaufende Doublebass füllt die Lücken, aus denen ein rhythmisch gebautes Riff seine Wirkung zieht, und eine ausgearbeitete Harmonik lenkt vom Rhythmus auf die Tonfolge.
An ihre Stelle treten Groove und Klangfarbe. Groove meint die Lage der Anschläge zum Puls: ob ein Ton auf dem Schlag sitzt, knapp davor oder knapp danach. Klangfarbe meint alles, was den Klang eines Tons ausmacht, ohne die Tonhöhe zu ändern: Stimmung, Saitenstärke, Verzerrungsgrad, Effekte und Studiomischung. Ein Riff aus einem einzigen Ton trägt allein über diese beiden Größen, und genau daran scheiden sich bis heute die Geister.
Nu Metal misst sich an der Wirkung des Riffs, nicht an seiner Schwierigkeit. Der Stil gibt Tempo, Solistik und Harmonik auf und behält Rhythmus und Klang. Wer ihn nach den Maßstäben des Thrash oder Death Metal prüft, findet zwangsläufig zu wenig. Wer nach der Lage der Anschläge und nach der Klangbearbeitung fragt, findet den eigentlichen Gegenstand.
Wie sind die Gitarren im Nu Metal gestimmt?
Nu-Metal-Gitarristen spielen in Drop-Stimmungen, oft auf siebensaitigen Instrumenten. Eine Drop-Stimmung senkt die tiefste Saite zusätzlich ab, meist um einen Ganzton. Damit liegt zwischen den beiden tiefsten Saiten keine Quarte mehr, sondern eine Quinte, und Grundton, Quinte und Oktave stehen im selben Bund nebeneinander statt über zwei Bünde verteilt.
Ein Powerchord braucht deshalb nur einen Finger, der quer über drei Saiten liegt; in der Standardstimmung verlangt derselbe Akkord drei Finger. Der Gewinn ist nicht nur Bequemlichkeit: Die Greifhand verschiebt den Akkord in einer Bewegung, und die freien Finger bleiben zum Abdämpfen der übrigen Saiten verfügbar. Auf einer siebensaitigen Gitarre kommt unter die tiefe E-Saite eine weitere Saite, meist auf H gestimmt; sie erweitert den Tonvorrat nach unten, ohne die Abstände der sechs oberen Saiten zu verändern.
Was macht der DJ in einer Nu-Metal-Band?
Der DJ liefert live die Klangfarben, die vier Rockinstrumente nicht erzeugen. Er legt Flächen unter das Riff, setzt gescratchte Einwürfe zwischen die Gesangszeilen und startet Samples auf den Schlag genau. In den Zwischenteilen übernimmt er die Aufgabe des Leadgitarristen: Er füllt die Strecke, in der niemand singt.
Sein Werkzeug sind zwei Plattenspieler, ein Mischpult und ein Sampler. Manche Bands besetzen die Aufgabe als Sampler-Spieler ohne Plattenspieler; die Rolle im Bandgefüge bleibt dieselbe. Beide Formen holen eine Arbeitsweise aus dem Hip-Hop in die Besetzung: Der Klang entsteht nicht mehr allein auf der Bühne, sondern auch aus dem, was jemand vorher aufgenommen und zurechtgeschnitten hat.
Woher stammt der Nu Metal?
Nu Metal entstand Mitte bis Ende der 1990er Jahre in den USA. Drei Quellen liefen zusammen: Alternative Metal brachte die Bereitschaft mit, das Formschema des Metal zu verlassen, Funk Metal den Groove und ein geführtes Bassspiel, Hip-Hop den Sprechgesang und das Arbeiten mit Samples und Schleifen. Korn machte die siebensaitige Gitarre zum Standardinstrument des Stils, Limp Bizkit trug die Besetzung mit festem DJ vor ein breites Publikum.
Um die Jahrtausendwende erreichte der Stil seinen Höhepunkt und bestimmte für einige Jahre die Programme der Rockradios. Danach ging seine Verbreitung schnell zurück: Ab Mitte der 2000er Jahre verschwand Nu Metal aus den Charts, Bands lösten sich auf oder änderten ihre Schreibweise, und der Name galt als Abwertung. Seit den 2010er Jahren greifen jüngere Bands den Stil wieder auf, und die Aufnahmen der Hochphase finden über Streamingdienste ein neues Publikum.
Warum ist Nu Metal umstritten?
Der Vorwurf lautet, Nu Metal sei technisch anspruchslos und verwässere den Metal. Er ist gut dokumentiert und stützt sich auf nachprüfbare Beobachtungen: Die Riffs kommen mit wenigen Tönen aus, Soli fehlen weitgehend, die Tempi bleiben moderat, und viele Stücke bewegen sich harmonisch kaum vom Grundton weg.
Die Beobachtung trifft zu, das Urteil folgt daraus nicht. Technische Einfachheit sagt nichts über den Wert eines Stücks, sonst wäre jede Musik mit wenigen Griffen schlecht. Denselben Vorwurf hörte zwanzig Jahre zuvor der Punk, der mit drei Akkorden auskam und heute als eigenständige Form gilt. Wer Nu Metal beurteilen will, misst ihn an der Lage der Anschläge und an der Klangbearbeitung.
Häufige Fragen zum Nu Metal
Was ist Nu Metal?
Nu Metal ist eine Spielart des Metal, die Mitte bis Ende der 1990er Jahre in den USA aus Alternative Metal, Funk Metal und Hip-Hop entstand. Kennzeichen sind tief gestimmte, oft siebensaitige Gitarren, Riffs aus wenigen Tönen mit hohem Rhythmusanteil, ein Gesang zwischen Sprechgesang, Singen und Schreien sowie ein DJ oder Sampler-Spieler in der Besetzung. Gitarrensoli und schnelle Doublebass fehlen weitgehend.
Warum spielen Nu-Metal-Bands siebensaitige Gitarren?
Siebensaitige Gitarren erweitern den Tonvorrat nach unten, ohne die gewohnten Griffe zu verändern. Unter die tiefe E-Saite kommt eine zusätzliche Saite, meist auf H gestimmt, während die sechs oberen Saiten ihre Abstände behalten. Im Nu Metal senken die Spieler diese siebte Saite häufig weiter ab und greifen die Powerchords darauf mit einem Finger.
Warum hat Nu Metal kaum Gitarrensoli?
Nu Metal verzichtet auf Gitarrensoli, weil ein Solo den durchlaufenden Groove unterbricht, auf dem der Stil aufbaut. Die Strecken, in die andere Spielarten ein Solo setzen, füllen im Nu Metal der DJ mit Scratches und Samples, ein Bruch im Rhythmus oder eine Steigerung im Gesang. Der Verzicht ist eine Entscheidung über die Form.
Wann und wo ist Nu Metal entstanden?
Nu Metal entstand Mitte bis Ende der 1990er Jahre in den USA. Er verband Alternative Metal, Funk Metal und Hip-Hop zu einer Spielart, die den Groove über das Tempo stellte. Um die Jahrtausendwende erreichte er seinen Höhepunkt, ab Mitte der 2000er Jahre ging seine Verbreitung stark zurück, und seit den 2010er Jahren wird er wiederentdeckt.




