Progressive Rock

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Redaktion
Eine zweimanualige elektronische Orgel mit Zugriegeln und Registerschaltern. Foto: AlexanderStein / Pixabay.
Eine zweimanualige elektronische Orgel mit Zugriegeln und Registerschaltern. Foto: AlexanderStein / Pixabay.

Zusammenfassung

Progressive Rock ist eine Spielart der Rockmusik, die lange, mehrteilige Stücke an die Stelle von Strophe und Refrain setzt. Die Stücke laufen häufig acht bis zwanzig Minuten und wechseln dabei die Taktart, oft in ungerade Maße wie den 5/4- oder den 7/8-Takt. Hammondorgel, Mellotron und Synthesizer stehen gleichberechtigt neben der Gitarre. Formen und Harmonik borgt der Stil bei Kunstmusik und Jazz. Progressive Rock entstand Ende der 1960er Jahre in Großbritannien.

Progressive Rock ist eine Spielart der Rockmusik, die lange, mehrteilige Stücke an die Stelle von Strophe und Refrain setzt. Die Stücke laufen häufig acht bis zwanzig Minuten und wechseln dabei die Taktart, oft in ungerade Maße wie den 5/4- oder den 7/8-Takt. Hammondorgel, Mellotron und Synthesizer stehen gleichberechtigt neben der Gitarre. Formen und Harmonik borgt der Stil bei Kunstmusik und Jazz. Progressive Rock entstand Ende der 1960er Jahre in Großbritannien.

1960erEntstehung
GroßbritannienHerkunft
5/4, 7/8, 9/8typische Taktarten
bis 20 minStücklänge

Was macht Progressive Rock aus?

Progressive Rock unterscheidet sich vom übrigen Rock vor allem in der Form. Ein Rockstück wiederholt Strophe und Refrain in drei bis vier Minuten. Ein Prog-Stück reiht ungleiche Teile aneinander, von denen manche nur einmal vorkommen.

MerkmalProgressive Rock
EntstehungszeitEnde der 1960er Jahre
EntstehungsortGroßbritannien
Typische BesetzungE-Gitarre, E-Bass, Schlagzeug, Gesang, dazu Orgel, Mellotron und Synthesizer, teils Flöte, Saxophon oder Violine
Taktarten4/4 sowie 5/4, 7/8, 9/8, oft mehrfacher Wechsel innerhalb eines Stücks
Stücklängehäufig acht bis zwanzig Minuten, im Einzelfall eine ganze Plattenseite
FormSuite aus mehreren Teilen, wiederkehrende Motive, Reprise, Konzeptalbum
VorbilderKunstmusik des 19. und 20. Jahrhunderts, Jazz, Psychedelic Rock
Abgrenzung zum Rockkeine feste Strophe-Refrain-Form, Tasteninstrumente gleichrangig, Taktwechsel als Gliederungsmittel

Warum wechseln im Progressive Rock die Taktarten?

Der Taktwechsel übernimmt im Progressive Rock die Aufgabe des Refrains: Er gliedert. Ein neuer Teil beginnt hörbar, sobald sich das Zählmuster ändert. Ungerade Taktarten sind hier deshalb kein Kunststück, sondern ein Bauteil.

Der Viervierteltakt teilt die Zeit in vier gleich lange Zählzeiten, das Muster kehrt alle vier wieder, und der Hörer geht nach zwei Takten mit dem Fuß mit. Im 5/4-Takt kehrt es erst nach fünf Zählzeiten wieder. Wer im Zweierschritt weiterklatscht, liegt schon nach dem ersten Takt neben der Eins. Bands teilen die fünf Zählzeiten fast immer in 3+2 oder 2+3.

Der 7/8-Takt besteht aus sieben Achteln und zerfällt in 2+2+3 oder 3+2+2. Eine Gruppe ist um ein Achtel länger als die anderen. Gegen einen geraden Puls gehört wirkt der Takt verkürzt: Die Eins kommt ein Achtel früher, als das Ohr sie erwartet. Was die Zahlen im Taktzeichen bedeuten, steht bei den Taktarten.

Hörbar macht eine Band den Wechsel mit drei Mitteln. Das Schlagzeug setzt auf jede Eins ein Becken oder die Bassdrum. Der Bass legt den Grundton auf dieselbe Eins. Und Gitarre, Bass und Tasten spielen die Figur eines ungeraden Takts meist unisono, also dieselben Töne im selben Rhythmus. Aus diesem Akzent hört der Zuhörer die Gruppierung, ohne mitzuzählen.

Ein ungerader Takt bleibt nur hörbar, wenn ihn jemand markiert. Ohne Akzent auf der Eins zerfällt ein 7/8-Takt für das Ohr in eine unregelmäßige Folge von Achteln. Deshalb arbeiten Prog-Bands in solchen Passagen mit Unisono-Figuren und deutlichen Beckenschlägen. Die Taktart ist keine Angabe auf dem Papier, sondern eine Leistung des Arrangements.

Welche Instrumente prägen den Progressive Rock?

Den Klang des Progressive Rock prägen vor allem drei Tasteninstrumente.

  • Hammondorgel erzeugt ihre Töne elektromechanisch: Rotierende Zahnräder laufen an Magnetabnehmern vorbei und liefern je einen Sinuston. Neun Zugriegel je Manual mischen daraus Grundton und Obertöne. Ein Leslie-Lautsprecher mit rotierendem Horn setzt das kreisende Schweben darüber.
  • Mellotron ist ein Bandabspielgerät mit Klaviatur. Unter jeder Taste liegt ein Tonband mit der Aufnahme eines echten Instruments: Streicher, Flöte oder Chor. Der Tastendruck zieht das Band über den Tonkopf, nach rund acht Sekunden ist es zu Ende. So kam die Streicherfläche ohne Orchester auf die Bühne.
  • Synthesizer erzeugen den Ton elektronisch: Ein Oszillator liefert die Schwingung, ein Filter nimmt Obertöne weg, eine Hüllkurve regelt Anschwellen und Abklingen. Frühe Geräte spielten nur einen Ton zugleich, deshalb übernahm der Synthesizer zuerst Solostimmen. Der Minimoog kam Anfang der 1970er Jahre als tragbares Bühnengerät heraus.
  • Doppelhalsige Gitarren tragen zwei Hälse auf einem Korpus, meist einen sechssaitigen und einen zwölfsaitigen. Der Spieler wechselt mitten im Stück die Klangfarbe, ohne das Instrument zu tauschen.
  • Erweiterte Schlagzeuge stellen zusätzliche Toms, ein zweites Bassdrumpedal, Gongs und Röhrenglocken um den Spieler. Sie liefern Klangfarben für Teile ohne Gesang und Akzente für die Taktwechsel.

Wie ist ein Stück im Progressive Rock aufgebaut?

Meist als Suite: Mehrere Teile mit eigenem Thema, Tempo und eigener Taktart folgen ohne Pause aufeinander und stehen unter einem gemeinsamen Titel. Ein Motiv aus dem ersten Teil kehrt gegen Ende wieder, verändert in Tempo oder Instrumentierung. Diese Reprise macht aus einer Reihe von Abschnitten ein Stück. Auch Rondo und Sonatenhauptsatzform unter den musikalischen Formen arbeiten mit Wiederkehr und Kontrast.

Über das einzelne Stück hinaus reicht das Konzeptalbum: Alle Titel gehören zu einem Thema oder erzählen eine Geschichte, Überleitungen verbinden sie ohne Pause. Eine Plattenseite fasst rund zwanzig Minuten, ein einziges Stück konnte sie füllen.

Teile Intro Thema A Instrumentalteil Thema B Reprise Taktart 4/4 4/4 7/8 5/4 6/8 4/4 Dauer 0 3 6 9 12 Minuten Der Instrumentalteil trägt die ungeraden Taktarten, die Reprise greift Thema A wieder auf.
Schematischer Ablauf eines langen Prog-Stücks. Die obere Leiste zeigt die Teile, die untere die Taktart je Abschnitt.

Woher stammt der Progressive Rock?

Progressive Rock entstand Ende der 1960er Jahre in Großbritannien aus dem Psychedelic Rock, dessen lange Instrumentalteile das Format der Single bereits gesprengt hatten. Die Langspielplatte löste die Single als Hauptformat ab, Mellotron und Synthesizer brachten Orchesterfarben auf die Bühne, und Musiker mit Konservatoriumsausbildung trugen Formen und Satztechnik in die Rockbands.

Zu den prägenden Gruppen zählen Pink Floyd, King Crimson, Yes, Genesis, Emerson, Lake and Palmer sowie Jethro Tull. King Crimson veröffentlichte 1969 sein Debütalbum In the Court of the Crimson King, das viele Darstellungen als Ausgangspunkt des Stils nennen. Pink Floyd legte ganze Albumseiten als durchlaufenden Ablauf an.

Was kritisierten Gegner am Progressive Rock?

Kritiker hielten dem Progressive Rock drei Dinge vor: die Überlänge der Stücke, Virtuosität als Selbstzweck und einen Aufwand an Technik und Bühnenbild, der die Band vom Publikum abrückte. Dazu kam der Einwand gegen Texte über Mythologie und ferne Welten. Verteidiger halten dagegen, der Stil habe Formprinzipien der Kunstmusik in die Rockmusik geholt.

Der Punk stellte ab Mitte der 1970er Jahre ein Gegenprogramm auf: Stücke von zwei bis drei Minuten, wenige Akkorde, kein Solo und keine Ausbildungsvoraussetzung. Diese Abgrenzung richtete sich gegen genau die Merkmale, die den Progressive Rock ausmachen. Beide Richtungen bestanden weiter, doch in der britischen Musikpresse verlor Prog an Gewicht.

Häufige Fragen zum Progressive Rock

Was ist Progressive Rock?

Progressive Rock ist eine Spielart der Rockmusik mit langen, mehrteiligen Stücken anstelle der Strophe-Refrain-Form. Kennzeichnend sind ungerade und wechselnde Taktarten, Tasteninstrumente als gleichberechtigte Stimme neben der Gitarre und Anleihen bei Kunstmusik und Jazz. Der Stil entstand Ende der 1960er Jahre in Großbritannien. Die Kurzform Prog ist gebräuchlich.

Welche Taktarten nutzt der Progressive Rock?

Progressive Rock nutzt neben dem Viervierteltakt regelmäßig ungerade Taktarten wie 5/4, 7/8 und 9/8, oft mehrfach wechselnd im selben Stück. Der 5/4-Takt gliedert sich meist in 3+2 oder 2+3, der 7/8-Takt in 2+2+3 oder 3+2+2. Weil eine Gruppe länger ist als die andere, kehrt die betonte Eins in ungleichen Abständen wieder.

Welche Instrumente gehören zum Progressive Rock?

Zum Progressive Rock gehören neben E-Gitarre, E-Bass, Schlagzeug und Gesang vor allem drei Tasteninstrumente: die Hammondorgel mit Zugriegeln und Leslie-Lautsprecher, das Mellotron mit einem Tonband unter jeder Taste und der Synthesizer für Solostimmen und Flächen. Dazu kommen doppelhalsige Gitarren und erweiterte Schlagzeuge mit zusätzlichen Toms, Gongs und Röhrenglocken.

Was unterscheidet Progressive Rock von Rock?

Der Unterschied liegt in Form, Länge und Rollenverteilung. Rock arbeitet überwiegend im Viervierteltakt mit Strophe und Refrain und Stücken von drei bis vier Minuten, angeführt von der verzerrten Gitarre. Progressive Rock reiht ungleiche Teile zu einer Suite, wechselt die Taktart als Mittel der Gliederung und stellt Orgel, Mellotron und Synthesizer gleichrangig neben die Gitarre. Progressive Rock ist damit eine Untergattung des Rock.

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