Röhrenglocken

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Redaktion
Achtzehn hängende Messingröhren in zwei Reihen in einem fahrbaren Metallrahmen, davor der Hammer mit Kopf aus Rohhaut. Bild: KI generiert.
Achtzehn hängende Messingröhren in zwei Reihen in einem fahrbaren Metallrahmen, davor der Hammer mit Kopf aus Rohhaut. Bild: KI generiert.

Zusammenfassung

Röhrenglocken sind lange Metallröhren, die in einem mannshohen Rahmen hängen. Der Spieler schlägt sie mit einem Hammer aus Rohhaut an der oberen Kappe an, ein Fußpedal hebt die Dämpfleiste ab und lässt den Ton stehen. Im Orchester stehen sie an der Stelle, an der eine Partitur Glocken verlangt, denn eine gegossene Kirchenglocke mit tiefem Schlagton wiegt mehrere Tonnen und ist auf ihr Turmgeläut gestimmt, nicht auf die Tonart des Werks. Der übliche Satz umfasst 18 Röhren und anderthalb Oktaven.

Röhrenglocken sind ein Schlaginstrument aus langen Metallröhren, die in einem mannshohen Rahmen nebeneinander hängen. Der Spieler schlägt sie mit einem Hammer aus Rohhaut am oberen Ende an; ein Fußpedal hebt die Dämpfleiste von den Röhren ab und lässt den Ton stehen. Sie stehen im Orchester an der Stelle, an der die Partitur Glocken verlangt, denn echte Kirchenglocken lassen sich weder in den Konzertsaal bringen noch auf eine Tonleiter stimmen. In Partituren heißen sie Glocken oder italienisch campane.

18Röhren
1,5Oktaven
RohhautHammerkopf
PedalDämpfung

Was sind Röhrenglocken?

Röhrenglocken sind ein Idiophon: Der Ton entsteht in der schwingenden Röhre selbst. Die Röhren bestehen meist aus Messing und tragen oben eine Kappe, an deren Kante der Hammer auftrifft. Sie hängen frei an Schnüren, damit die Aufhängung die Schwingung nicht bremst. Der übliche Satz umfasst anderthalb Oktaven chromatisch und liegt wie eine Klaviatur in zwei Reihen, die hintere Reihe trägt die Halbtöne.

MerkmalRöhrenglocken
FamilieIdiophon, angeschlagen
WerkstoffMessing, häufig vernickelt oder verchromt
Umfanganderthalb Oktaven chromatisch, meist 18 Röhren
NotationViolinschlüssel, klingt wie notiert
AnschlagHammer mit Kopf aus Rohhaut, an der Kappe
DämpfungFilzleiste, über ein Fußpedal gelöst
Rohrdurchmesserrund zweieinhalb bis vier Zentimeter

Warum ersetzen Röhrenglocken im Orchester echte Kirchenglocken?

Weil eine gegossene Glocke mit tiefem Schlagton mehrere Tonnen wiegt und keine Bühne sie trägt. Verlangt eine Partitur Glockengeläut, bräuchte das Orchester für jeden geforderten Ton eine eigene Bronzeglocke samt Aufhängung. Eine Röhre desselben Tons wiegt wenige Kilogramm, hängt in einem fahrbaren Rahmen und lässt sich zwischen zwei Werken von der Bühne rollen.

Der zweite Grund ist die Stimmung. Eine gegossene Glocke trägt neben ihrem Schlagton mehrere kräftige Teiltöne, darunter üblicherweise eine kleine Terz. Dieser Terzton macht das Läuten unverwechselbar, passt aber nicht zu jeder Harmonie, in die ihn eine Partitur stellt. Kirchenglocken sind zudem auf das Geläut ihres Turms abgestimmt und nicht auf die Tonart des Werks; zwei Kirchen liefern zwei verschiedene Tonhöhen.

Röhrenglocken sind kein Ersatzklang, sondern ein eigenes Instrument mit definierter Tonhöhe. Sie bilden das Geläut nicht nach, sondern liefern die Assoziation Glocke bei frei wählbarer Tonhöhe, gleichbleibender Stimmung und beherrschbarer Lautstärke. Genau deshalb hat sich das Instrument im Orchestergraben durchgesetzt und nicht die echte Glocke.

Warum klingt eine Metallröhre wie eine Glocke?

Eine angeschlagene Röhre schwingt nicht wie eine Saite, sondern biegt sich, und ihre Teiltöne liegen deshalb nicht in ganzzahligen Abständen zueinander. Drei der oberen Teiltöne treffen jedoch nahezu das Verhältnis 2 zu 3 zu 4. Dieses Muster kennt das Gehör aus harmonischen Klängen und ergänzt daraus eine Tonhöhe eine Oktave unter dem tiefsten der drei, obwohl die Röhre sie selbst kaum abstrahlt.

Teiltöne einer angeschlagenen Röhre Verhältnis 2 : 3 : 4 1 2 3 4 Tonhöhe hinzugehört klingt kaum mit Teilton Teilton Teilton
Die drei kräftigen oberen Teiltöne stehen fast im Verhältnis 2 zu 3 zu 4. Das Gehör deutet sie als Obertöne eines Grundtons, den die Röhre nicht liefert, und hört ihn hinzu.

Aus derselben Ursache stammt eine Eigenheit der Praxis: Weil die gehörte Tonhöhe erschlossen und nicht gemessen ist, ordnen Hörer denselben Anschlag mitunter verschiedenen Oktaven zu. Das Glockenspiel aus massiven Stahlplatten hat dieses Problem nicht, klingt dafür aber hell und ohne den langen Nachhall der Röhre.

Wie sind Röhrenglocken aufgebaut?

Der Rahmen aus Metall ist etwa mannshoch und steht auf Rollen. In ihm hängen die Röhren in zwei Reihen, wobei die längste Röhre den tiefsten Ton trägt. Die Länge bestimmt die Tonhöhe, der Durchmesser bleibt über den ganzen Satz gleich.

Unterhalb der Röhren liegt eine mit Filz belegte Leiste an. Solange der Spieler das Pedal nicht tritt, drückt sie gegen alle Röhren und hält den Nachklang kurz. Getretenes Pedal gibt die Röhren frei, sodass ein Anschlag zwanzig Sekunden und länger stehen bleibt. Anders als beim Klavier dämpft die Leiste immer alle Töne zugleich.

Wie spielt man Röhrenglocken?

Der Spieler steht vor dem Rahmen und schlägt die obere Kante der Kappe an, nicht die Seitenwand der Röhre. Der Kopf des Hammers besteht aus Rohhaut oder hartem Kunststoff; ein weicherer Kopf nimmt dem Anschlag das Geräusch, ein härterer verstärkt es. Das Geräusch des Auftreffens gehört zum Klangbild und macht die Röhre erst als Glocke erkennbar.

Schnelle Läufe sind nicht möglich, weil jeder Ton lange nachklingt und die Röhren weit auseinanderhängen. Typisch sind einzelne Schläge, Oktavwechsel und das Glissando, bei dem der Spieler den Hammer über alle Kappen zieht. Für sehr leise Stellen fassen Spieler die Röhre mit der freien Hand und dämpfen sie ab.

In welchen Werken kommen Röhrenglocken vor?

Hector Berlioz schrieb im Finale der Symphonie fantastique Glocken vor, die den Totengesang Dies irae begleiten; Orchester führen die Stelle heute meist mit Röhrenglocken aus. Die Ouvertüre 1812 von Peter Tschaikowsky verlangt im Schluss Glockengeläut. In Maurice Ravels Orchesterfassung von Modest Mussorgskis Bilder einer Ausstellung läuten sie im Großen Tor von Kiew.

Außerhalb des Konzertsaals gab Mike Oldfield seinem Album Tubular Bells 1973 den Namen des Instruments und stellte es an das Ende des ersten Teils. Im Ensemble mit anderen Glockeninstrumenten treten Röhrenglocken selten auf; Handglocken bilden dagegen eine eigene Besetzung, in der jeder Spieler nur seine eigenen Töne läutet.

Häufige Fragen zu Röhrenglocken

Wie viele Röhren haben Röhrenglocken?

Ein üblicher Satz Röhrenglocken hat 18 Röhren und deckt damit anderthalb Oktaven chromatisch ab. Größere Sätze reichen weiter nach unten, kleinere kommen mit einer Oktave aus. Die Röhren liegen wie eine Klaviatur in zwei Reihen.

Warum benutzt das Orchester keine echten Glocken?

Eine gegossene Glocke mit tiefem Schlagton wiegt mehrere Tonnen und passt weder auf die Bühne noch in den Orchestergraben. Dazu kommt die Stimmung: Kirchenglocken sind auf ihr Turmgeläut abgestimmt, nicht auf die Tonart eines Werks, und ihr kräftiger Terzton passt nicht zu jeder Harmonie. Röhrenglocken liefern die Assoziation Glocke bei frei wählbarer Tonhöhe.

Womit schlägt man Röhrenglocken an?

Röhrenglocken schlägt der Spieler mit einem Hammer an, dessen Kopf aus Rohhaut oder hartem Kunststoff besteht. Der Schlag trifft die obere Kante der Kappe, nicht die Seitenwand. Weichere Köpfe nehmen dem Anschlag das metallische Geräusch, härtere machen es deutlicher.

Wozu dient das Pedal an Röhrenglocken?

Das Pedal hebt eine filzbelegte Dämpfleiste von den Röhren ab und lässt den Ton stehen. Ohne getretenes Pedal drückt die Leiste gegen alle Röhren und hält den Nachklang kurz. Die Dämpfung wirkt immer auf den ganzen Satz, einzelne Töne dämpft der Spieler mit der Hand.

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