Der Sarunay, auch Saronay, Sarunai oder Saronai genannt, ist ein traditionelles Holzblasinstrument aus Sumatra, Indonesien, das vor allem bei den Minangkabau und den Toba-Batak gespielt wird. Er gehört zur Familie der Kegeloboen mit doppeltem Rohrblatt, zu der auch die Zurna, die Suona und die Shehnai zählen. Der Name wird gelegentlich mit dem javanischen Gamelan-Instrument Saron verwechselt, dabei handelt es sich jedoch um ein völlig anderes Instrument: Der Saron ist ein Metallophon mit angeschlagenen Metallplatten, während der Sarunay ein geblasenes Rohrblattinstrument ist. Der Sarunay besteht aus einem konischen Rohr aus Holz oder Bambus mit einem doppelten Rohrblatt aus Palmblatt am oberen Ende und einem sich nach unten öffnenden Schalltrichter aus Holz oder Büffelhorn. Er wird meist gemeinsam mit Trommeln, dem sogenannten Gandang Sarunai, bei Hochzeiten, Zeremonien und traditionellen Tänzen gespielt.
Wie klingt der Sarunay?
Der Klang des Sarunay ist durchdringend, nasal und sehr laut, typisch für Kegeloboen mit doppeltem Rohrblatt. Er entsteht, wenn die Atemluft des Spielers das doppelte Rohrblatt aus Palmblatt in Schwingung versetzt, die sich durch das konische Rohr und den Schalltrichter verstärkt. Der Klang trägt weit und kann sich auch gegen laute Trommeln und eine große Menschenmenge im Freien durchsetzen.
Er reicht von tiefen, drängenden Tönen bis zu hohen, schneidenden Klängen und wird häufig mit ausgeprägten Verzierungen und gleitenden Tonübergängen gespielt, die dem Klang eine klagende, feierliche Note geben. Anders als bei Metallophonen oder Saiteninstrumenten klingt kein einzelner Ton nach, sobald der Luftstrom des Spielers unterbrochen wird, der Klang des Sarunay lebt allein vom kontinuierlichen Atem des Musikers.
Diese Klangfülle und Durchdringungskraft ist kein Zufall, sondern folgt derselben akustischen Bauweise wie bei anderen Kegeloboen der Welt, etwa der türkischen Zurna oder der indischen Shehnai: Ein enges, doppeltes Rohrblatt in Kombination mit einem konischen Rohr und einem weiten Schalltrichter erzeugt einen obertonreichen, weithin hörbaren Klang, der ursprünglich dafür entwickelt wurde, sich im Freien gegen Umgebungslärm durchzusetzen.
Woraus besteht der Sarunay?
Der Sarunay besteht aus einem konisch geformten Rohr aus Hartholz oder Bambus, das sich zum unteren Ende hin erweitert und dort in einen Schalltrichter aus Holz oder poliertem Büffelhorn übergeht. Am oberen, schmaleren Ende sitzt ein doppeltes Rohrblatt, das traditionell aus einem getrockneten und zurechtgeschnittenen Palmblatt gefertigt wird. Die Länge des Rohrs und der Öffnungswinkel des Schalltrichters bestimmen maßgeblich die Tonlage und Lautstärke des jeweiligen Instruments.
Entlang des Rohrs befinden sich mehrere Grifflöcher, mit denen der Spieler die Tonhöhe verändert; ihre Anzahl und Anordnung kann sich je nach Region und Bauweise leicht unterscheiden. Häufig wird zwischen Rohrblatt und Lippen eine kleine Scheibe aus Holz oder Metall angebracht, die dem Spieler eine Auflagefläche für die Lippen bietet und die Zirkularatmung erleichtert. Das Palmblatt-Rohrblatt selbst muss regelmäßig angefeuchtet werden, damit es elastisch bleibt und sauber schwingt; erfahrene Musiker fertigen und stimmen ihre Rohrblätter meist selbst an. Der Sarunay hat weder Saiten noch Metallplatten noch ein Fell, er ist ausschließlich ein Blasinstrument mit doppeltem Rohrblatt.
Wie spielt man den Sarunay?
Der Sarunay wird senkrecht gehalten, das Rohrblatt liegt dabei locker zwischen den Lippen. Der Spieler presst das doppelte Rohrblatt mit den Lippen leicht zusammen und bläst kontinuierlich Luft hindurch, wodurch die beiden Rohrblätter gegeneinander schwingen und den charakteristischen, durchdringenden Ton erzeugen.
Mit den Fingern beider Hände werden die Grifflöcher entlang des Rohrs geöffnet und geschlossen, um unterschiedliche Tonhöhen zu spielen. Viele Sarunay-Spieler beherrschen die Zirkularatmung: Während sie durch die Nase einatmen, blasen sie gleichzeitig gespeicherte Luft aus den Wangen weiter durch das Instrument, sodass die Melodie ohne hörbare Unterbrechung fließt.
Typisch für das Sarunay-Spiel sind gleitende Tonübergänge und feine Verzierungen zwischen den Haupttönen, die der Melodie einen klagenden, gesangsähnlichen Charakter geben. Der Sarunay wird selten allein, sondern meist im Zusammenspiel mit den Trommeln des Gandang Sarunai gespielt, die den Grundrhythmus vorgeben, während der Sarunay die Melodie führt.
Der Sarunay ist ein anspruchsvolles Instrument, das viel Atemkontrolle erfordert. Traditionell wird das Spiel innerhalb der Familie oder von erfahrenen Musikern an jüngere Spieler weitergegeben, oft über Jahre des Zuhörens und Nachahmens, bevor ein Schüler selbst bei einer Zeremonie auftritt. Er ist bis heute ein fester Bestandteil der Musik der Minangkabau und Toba-Batak auf Sumatra.
Typische Musikstile mit dem Sarunay
Auf Sumatra wird der Sarunay vor allem bei traditionellen Zeremonien der Minangkabau und Toba-Batak gespielt, etwa bei Hochzeiten (Baralek), Empfangszeremonien für Ehrengäste und anderen Adat-Ritualen, die auf traditionellem Gewohnheitsrecht beruhen. Bei den Minangkabau ist der Sarunay dabei eng mit dem matrilinearen Adat-System verbunden, in dem Zeremonien wie Hochzeiten eine besonders wichtige gesellschaftliche Rolle spielen.
Er wird meist im Ensemble mit den Trommeln Gandang Sarunai gespielt, manchmal ergänzt durch kleine Gongs oder weitere Perkussionsinstrumente. Der durchdringende Klang des Sarunay ist so angelegt, dass er auch bei großen Freiluftfeiern über weite Strecken zu hören ist und häufig den Auftakt oder Höhepunkt einer Zeremonie markiert. Damit unterscheidet sich der Sarunay von rein dekorativer Begleitmusik: Er hat innerhalb der Zeremonie eine erkennbare, strukturierende Funktion und signalisiert den Anwesenden oft, wann ein bestimmter Abschnitt des Rituals beginnt.
Bei den Toba-Batak wird der Sarunay zudem in eigenen Ensembleformen mit unterschiedlichen Trommelgrößen kombiniert, deren genaue Zusammensetzung und Reihenfolge des Spiels traditionell festgelegt ist. Solche Ensembles treten bis heute bei Hochzeiten, Begräbnissen und anderen wichtigen Lebensereignissen auf.
Bekannte Lieder mit dem Sarunay
Die Musik des Sarunay ist Teil der mündlich überlieferten Zeremonialmusik Sumatras und wird meist innerhalb der jeweiligen Adat-Zeremonie gespielt, nicht als eigenständiges, betiteltes Musikstück. Feste Kompositionen mit bekannten Titeln oder Komponistinnen und Komponisten, wie sie für populäre Musik typisch sind, gibt es in dieser Tradition kaum, da die Melodien traditionell von Generation zu Generation mündlich weitergegeben und dabei oft leicht abgewandelt werden.
Aufnahmen und Dokumentationen der Musik der Minangkabau und Toba-Batak haben den charakteristischen Klang des Sarunay im Zusammenspiel mit dem Gandang Sarunai in den letzten Jahrzehnten zunehmend auch außerhalb Sumatras bekannt gemacht und tragen dazu bei, die Tradition zu dokumentieren und für kommende Generationen zu bewahren.




