Die Suona ist ein chinesisches Blasinstrument mit Doppelrohrblatt und einem sehr lauten, durchdringenden Klang. Ihr konischer Korpus aus Hartholz trägt am unteren Ende einen abnehmbaren Schalltrichter aus Metall, ein Merkmal, das sie von vielen anderen Kegeloboen wie Zurna oder Shehnai unterscheidet. Suona ist der Mandarin-Name; je nach Region und Bauform sind auch die Bezeichnungen Laba, Haidi oder Dida gebräuchlich. Traditionell begleitet sie Hochzeits- und Begräbnisprozessionen sowie die chinesische Oper, seit dem 20. Jahrhundert spielt sie zusätzlich in modernen Orchestern mit.
Wie heißt die Suona in den verschiedenen Regionen?
Suona ist der hochchinesische, also der Mandarin-Name des Instruments. In vielen Regionen Chinas ist daneben die Bezeichnung Laba gebräuchlich, und die kleine, hoch klingende Bauform heißt oft Haidi. Im Kantonesischen trägt das Instrument den Namen Dida. Chinesische Einwanderer brachten die Suona nach Kuba, wo sie in traditionellen Ensembles als Corneta china oder Trompeta china weiterlebt. In Japan übernahmen Straßenmusiker den Namen als Charumera, abgeleitet vom portugiesischen Wort für die europäische Schalmei.
Wie ist die Suona aufgebaut?
Der Korpus der Suona besteht aus konisch gebohrtem Hartholz, meist Palisander oder Sandelholz. Am oberen, schmalen Ende steckt eine kleine Metallpfeife, auf die das Doppelrohrblatt aus Schilfrohr aufgesteckt ist; eine kleine Stützscheibe zwischen Lippen und Rohrblatt stützt den Ansatz beim Spielen. Sieben Grifflöcher liegen auf der Vorderseite, ein achtes für den Daumen auf der Rückseite. Am unteren, weiten Ende sitzt lose aufgesteckt ein Schalltrichter aus Metall, der sich vom Holzkorpus abnehmen lässt. Diese Trennung unterscheidet die Suona von vielen anderen Kegeloboen, deren Trichter aus einem Stück mit dem Holzkorpus gearbeitet ist.
| Merkmal | Suona |
|---|---|
| Familie | Kegeloboe, Doppelrohrblattinstrument |
| Tonerzeugung | Doppelrohrblatt aus Schilfrohr, ohne Windkapsel |
| Material Korpus | Hartholz, meist Palisander oder Sandelholz |
| Grifflöcher | 8 (7 vorne, 1 für den Daumen) |
| Korpuslänge | etwa 20 bis 80 cm, je nach Stimmlage |
| Schalltrichter | Metall, vom Holzkorpus abnehmbar |
| Verbreitung | China, seit dem 20. Jahrhundert auch in Diaspora-Gemeinden wie Kuba |
Wie erzeugt die Suona ihren lauten Klang?
Der Ton entsteht, wenn der Luftstrom das Doppelrohrblatt in Schwingung versetzt, ähnlich wie bei der Oboe. Anders als beim Oboisten liegen die Lippen der Suona-Spieler nicht direkt regelnd auf dem Rohrblatt, sondern stützen sich an der kleinen Scheibe ab, während das Blatt frei im Mund schwingt. Diese Bauweise erlaubt es geübten Spielern, mittels Zirkularatmung einen Ton nahezu ohne hörbare Unterbrechung zu halten: Sie atmen durch die Nase ein, während in den Wangen gespeicherte Luft weiter durch das Instrument strömt. Der weite Konus des Holzkorpus verstärkt die Obertöne, und der Metalltrichter am Ende bündelt den Schall nach vorn, wodurch die Suona auch im Freien über größere Entfernungen zu hören ist.
Woher stammt die Suona?
Die Grundform der Suona geht vermutlich auf zentralasiatische und persische Kegeloboen wie Sorna und Zurna zurück; von dort dürfte auch der chinesische Name abgeleitet sein, der über das arabische Wort für dieses Instrument ins Chinesische gelangte. Bildliche Belege aus dem 3. bis 5. Jahrhundert zeigen an einem Seidenstraßen-Denkmal im heutigen Xinjiang einen Musiker mit einem der Suona sehr ähnlichen Instrument, was auf eine frühe Einwanderung über die Seidenstraße nach Nordwestchina hindeutet. In chinesischen Schriften taucht die Suona jedoch erst in der Ming-Dynastie (1368 bis 1644) auf; General Qi Jiguang setzte sie dort in der Militärmusik ein, und spätestens im 16. Jahrhundert war sie in der Volksmusik weit verbreitet. Auch die europäische Schalmei, eine Vorläuferin der heutigen Oboe, zählt vermutlich zu den weiter verzweigten Nachkommen derselben zentralasiatischen Kegeloboen.
Welche Größen der Suona gibt es?
Je nach Stimmlage reicht die Suona von der kleinen, hoch klingenden Haidi mit einem Korpus von etwa 20 bis 30 Zentimetern bis zu tiefen Bassvarianten von rund 80 Zentimetern Länge. Moderne chinesische Orchester setzen eine ganze Familie gestimmter Suona ein, von der hohen Piccolo-Suona über Sopran- und Alt- bis zur Bass- und Kontrabass-Suona. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts bauen Hersteller zudem Suona mit einer Klappenmechanik nach dem Vorbild der europäischen Oboe, die chromatische Tonfolgen und gleichstufige Stimmung ermöglicht; die traditionelle Bauform ohne Klappen bleibt daneben in der Volksmusik in Gebrauch.
Wozu wird die Suona traditionell gespielt?
In der chinesischen Volkskultur begleitet die Suona vor allem Hochzeits- und Begräbnisprozessionen. Feste Wind-und-Schlag-Ensembles aus sechs bis zwölf Musikern, im Chinesischen Chuigushou genannt, ziehen dabei mit ein bis zwei Suona-Spielern voran, unterstützt von Gongs, Trommeln und Becken. In manchen Regionen begleiten solche Ensembles auch daoistische Ritualhandlungen, sowohl für Lebende als auch für Verstorbene. In der Pekingoper übernimmt die Suona zudem schrille Signalmotive, die Kampfszenen und starke Emotionen unterstreichen.
Häufige Fragen zur Suona
Woher kommt der Name Suona?
Der Name Suona geht wahrscheinlich auf das persische Sorna beziehungsweise das arabische Zurna zurück und gelangte über die Seidenstraße als Lehnwort ins Chinesische. Suona ist dabei die hochchinesische Bezeichnung; regional sind auch Laba, Haidi und im Kantonesischen Dida gebräuchlich.
Warum klingt die Suona so laut?
Die Suona klingt laut, weil ein kräftig angeblasenes Doppelrohrblatt die Luftsäule in einem weiten, konischen Holzkorpus zum Schwingen bringt und der aufgesteckte Metalltrichter den Schall am Ende bündelt und nach vorn projiziert. Diese Bauweise macht sie zu einem der lautesten Melodieinstrumente der traditionellen chinesischen Musik und deshalb besonders geeignet für den Einsatz im Freien.
Wo wird die Suona traditionell gespielt?
Traditionell spielt die Suona vor allem in Wind-und-Schlag-Ensembles bei chinesischen Hochzeits- und Begräbnisprozessionen sowie bei daoistischen Ritualen. Daneben gehört sie zu den festen Instrumenten der Pekingoper, wo sie dramatische Signalmotive markiert, und seit dem 20. Jahrhundert auch zum Klangkörper moderner chinesischer Orchester.
Was unterscheidet die Suona von der Zurna?
Die Suona unterscheidet sich von der Zurna vor allem durch ihren Schalltrichter aus Metall, der sich vom Holzkorpus abnehmen lässt. Bei der Zurna sowie bei der verwandten Shehnai bildet der Trichter dagegen ein Stück mit dem Holzkorpus. Beide Instrumente gehören zur selben weitverzweigten Familie der Kegeloboen mit Doppelrohrblatt, zu der auch die malaiische Serunai zählt.




