Tin Whistle

5 Min. Lesezeit
Redaktion
Blechpfeife mit Messingrohr und grünem Kunststoffkopf auf einer Holzfläche, die Grifflöcher liegen in einer Reihe. Bild: KI generiert.
Blechpfeife mit Messingrohr und grünem Kunststoffkopf auf einer Holzfläche, die Grifflöcher liegen in einer Reihe. Bild: KI generiert.

Zusammenfassung

Die Tin Whistle ist eine Kernspaltflöte aus Blech mit sechs Grifflöchern und ohne Klappen. Sie ist diatonisch gebaut, die sechs Löcher geben die Durtonleiter ihrer Grundtonart, meist D. In die zweite Oktave wechselt der Spieler bei gleichem Griff allein durch stärkeres Anblasen. In der irischen Musik ist sie das verbreitetste Einstiegsinstrument, den Stil prägen dabei die Verzierungen mehr als die Melodie selbst.

Die Tin Whistle ist eine Kernspaltflöte aus Blech mit sechs Grifflöchern und ohne Klappen. Sie ist diatonisch gebaut: Die sechs Löcher geben die Durtonleiter ihrer Grundtonart, bei der verbreitetsten Bauart D. Den Sprung in die zweite Oktave macht der Spieler allein mit dem Atem, indem er bei gleichem Griff stärker anbläst. In der irischen Musik ist sie das übliche erste Instrument, weil sie wenig kostet, sofort anspricht und dieselben Melodien trägt wie Fiddle und Flöte.

6Grifflöcher
Dübliche Grundtonart
2Oktaven Umfang
BlechWerkstoff

Was ist eine Tin Whistle?

Die Tin Whistle ist ein zylindrisches Blechrohr mit sechs Grifflöchern und einem aufgesetzten Kopf aus Kunststoff oder Blech, der den Windkanal und die Anblaskante trägt. Auf Irisch heißt sie Feadóg stáin, im Englischen ist auch Penny Whistle gebräuchlich. Sie hat weder Klappen noch Daumenloch, deshalb spielt sie ohne Zusatzgriffe nur die Töne einer Tonart.

MerkmalTin Whistle
FamilieKernspaltflöte, offene Röhre
TonerzeugungLuftblatt bricht sich am Labium
Grifflöchersechs, kein Daumenloch, keine Klappen
Tonvorratdiatonisch, eine Durtonleiter je Instrument
Übliche StimmungenD, daneben C, B und Es
Umfangrund zwei Oktaven
Oktavwechselgleicher Griff, stärkerer Atemdruck
WerkstoffMessing- oder Weißblechrohr, Kopf aus Kunststoff

Wie erzeugt die Tin Whistle ihren Ton?

Der Kopf presst die Atemluft durch einen schmalen Kanal zu einem flachen Blatt zusammen und richtet es auf eine scharfe Kante, das Labium. Dort kippt der Luftstrom abwechselnd über und unter die Kante und regt die Luftsäule im Rohr zum Schwingen an. Dasselbe Bauprinzip trägt die Blockflöte, weshalb bei beiden der erste Ton ohne Übung gelingt.

Das Rohr ist am unteren Ende offen. Eine offene Röhre schwingt in ganzzahligen Teilen, ihr erster Oberton liegt eine Oktave über dem Grundton. Genau diesen Oberton holt sich der Spieler beim Überblasen.

Wie greift man die Tonleiter auf der Tin Whistle?

Drei Finger jeder Hand decken je drei Löcher ab. Sind alle sechs geschlossen, klingt der Grundton, auf der D-Whistle das zweigestrichene d. Von unten nach oben hebt der Spieler dann einen Finger nach dem anderen, und mit jedem freien Loch steigt der Ton um eine Stufe der Durtonleiter. Sind alle Löcher offen, ist die siebte Stufe erreicht.

Loch 1 2 3 4 5 6 d e fis g a h cis d stärker angeblasen alle Löcher zu gefüllt: Finger liegt auf dem Loch
Von links nach rechts öffnet sich ein Loch nach dem anderen und ergibt die D-Dur-Tonleiter. Die letzte Spalte trägt denselben Griff wie die erste und klingt eine Oktave höher, weil der Spieler stärker anbläst.

Die Tin Whistle wechselt die Oktave allein über den Atemdruck. Ein stärkerer Luftstrom bringt die Luftsäule dazu, in zwei Hälften zu schwingen, und der Ton springt bei unverändertem Griff eine Oktave nach oben. Die Blockflöte braucht dafür zusätzlich ein angeritztes Daumenloch, die Einhandflöte mit ihren drei Löchern gewinnt fast ihren gesamten Tonvorrat auf diesem Weg.

Welche Tonarten spielt eine Tin Whistle in D?

Eine D-Whistle deckt ohne Zusatzgriffe D-Dur und G-Dur ab, dazu die Kirchentonarten auf denselben Tönen, vor allem E-Dorisch, A-Mixolydisch und H-Moll. Genau diese Tonarten trägt der Kern des irischen Repertoires, weshalb die D-Whistle das Standardinstrument ist.

Das c ohne Vorzeichen, das G-Dur verlangt, liegt nicht auf einem eigenen Loch. Der Spieler holt es über einen Gabelgriff oder ein halb abgedecktes oberstes Loch. Für andere Tonarten wechseln Spieler das Instrument statt den Griff: Whistles in C, B und Es sind gebräuchlich, die Low Whistle in D klingt eine Oktave tiefer und verlangt wegen der weiten Lochabstände eine flache Fingerhaltung.

Welche Verzierungen prägen das Spiel auf der Tin Whistle?

In der irischen Musik trennen die Finger die Töne, nicht die Zunge. Zungenstöße setzen Spieler sparsam ein, den Rhythmus gliedern kurze Fingerbewegungen, die den Ton für einen Sekundenbruchteil unterbrechen.

  • Cut hebt einen höher liegenden Finger blitzschnell an und setzt ihn sofort zurück. Der Ton bricht kurz nach oben aus und beginnt hörbar neu, ohne neuen Atemstoß.
  • Tap schlägt einen tiefer liegenden Finger kurz auf sein Loch und knickt den Ton für einen Moment nach unten.
  • Roll setzt beides auf einen langen Ton: erst der Ton, dann ein Cut, dann ein Tap, dann wieder der Ton. Aus einem Notenwert werden so drei hörbare Anschläge auf derselben Tonhöhe.
  • Cran ersetzt den Roll auf dem tiefsten Ton, wo kein Finger für einen Tap übrig ist, und arbeitet stattdessen mit mehreren schnellen Cuts. Die Figur stammt von den irischen Uilleann Pipes.
  • Slide zieht den Finger langsam vom Loch, sodass der Ton von unten in die Zieltonhöhe hineingleitet.

Diese Verzierungen sind kein Beiwerk. Die Melodien einer Session sind gemeinsames Gut und werden unisono gespielt, unterscheiden lassen sich die Spieler an ihrer Verzierung und ihrem Rhythmus.

Wie schwer ist die Tin Whistle zu lernen?

Der erste Ton gelingt sofort, weil der Windkanal das Luftblatt von allein führt und kein Ansatz nötig ist. Eine einfache Tonleiter sitzt meist innerhalb einer Stunde, die ersten Melodien nach wenigen Wochen.

Schwierig wird es an zwei Stellen. Die zweite Oktave verlangt einen deutlich höheren Atemdruck, der genau getroffen werden muss, sonst kippt der Ton zurück oder wird schrill. Und die Verzierungen brauchen Jahre, weil sie schnell, gleichmäßig und im richtigen Moment sitzen müssen. Wer sie weglässt, spielt die richtigen Töne, aber keine irische Musik.

Häufige Fragen zur Tin Whistle

Wie viele Löcher hat eine Tin Whistle?

Eine Tin Whistle hat sechs Grifflöcher, drei für jede Hand. Sie hat kein Daumenloch und keine Klappen. Aus den sechs Löchern ergeben sich sieben Töne einer Durtonleiter, die zweite Oktave kommt über den Atemdruck dazu.

In welcher Tonart steht eine Tin Whistle?

Die verbreitetste Tin Whistle steht in D und spielt D-Dur und G-Dur sowie die Kirchentonarten auf diesen Tönen. Daneben sind Whistles in C, B und Es gebräuchlich. Die Low Whistle in D ist länger gebaut und klingt eine Oktave tiefer.

Was ist der Unterschied zwischen Tin Whistle und Blockflöte?

Beide sind Kernspaltflöten, unterscheiden sich aber im Tonvorrat. Die Tin Whistle hat sechs Löcher, ist diatonisch auf eine Tonart gebaut und wechselt die Oktave über den Atemdruck. Die Blockflöte hat sieben Grifflöcher und ein Daumenloch, spielt mit Gabelgriffen alle Halbtöne und nutzt das angeritzte Daumenloch für die zweite Oktave. Dazu kommt der Werkstoff: Blechrohr gegen Holz oder Kunststoff.

Kann man auf der Tin Whistle Halbtöne spielen?

Ja, über Gabelgriffe und halb abgedeckte Löcher lassen sich die fehlenden Halbtöne erreichen. Sie sprechen aber schwerer an und klingen schwächer als die Töne der Grundtonart. In der irischen Musik ist das kaum ein Nachteil, weil das Repertoire in den Tonarten der Whistle liegt, und für andere Tonarten greifen Spieler zu einem Instrument in passender Stimmung.

Weitere Artikel in Blasinstrumente

Trompete

Trompete

Die Trompete ist das höchste Blechblasinstrument des Orchesters. Der Spieler erzeugt den Ton mit den eigenen Lippen im Kesselmundstück, drei Ventile verlängern das Rohr und füllen die Lücken zwischen den Naturtönen. Die gebräuchliche B-Trompete klingt einen Ganzton tiefer als notiert und trägt rund 134 Zentimeter Rohr in ihrer kompakten Form.

Tuba

Tuba

Die Tuba ist das tiefste Blechblasinstrument des Orchesters. Ihr weites, überwiegend konisches Rohr misst je nach Bauform zwischen rund 3,6 und 5,4 Metern und gibt ihr einen runden, grundtönigen Klang. Gebräuchlich sind vier Stimmungen: F und Es für die Basstuba, C und B für die Kontrabasstuba. Vier bis sechs Ventile korrigieren die Intonation in der Tiefe und erweitern den Umfang bis an den Grundton heran.

Vuvuzela

Vuvuzela

Die Vuvuzela, auch bekannt als Lepatata, ist ein etwa 65 Zentimeter langes Kunststoffhorn , das eine laute monotone Note erzeugt. Einige Modelle werden in zwei Teilen hergestellt, um die Lagerung zu erleichtern - dieses Design erlaubt dann auch Tonhöhenvariationen. Verschiedene Arten von Vuvuzelas, die von unterschiedlichen Produzenten hergestellt werden, können mitunter stark abweichende Intensitäts- und Frequenzausgänge erzeugen. Die Intensität dieser Ausgänge hängt von der Blastechnik und dem ausgeübten Druck ab.

Aeoline

Aeoline

Der bekannte Musiker Johann Caspar Schlimbach ist der Namensgeber. Im Jahre 1810 hatte er dem neuartigen Instrument seinen Namen gegeben. Außerdem baute er einen Querhammerflügel mit einer Aoeline und konnte die Idee somit weiterreichen. Im Jahre 1820 hatten die Musiker dann mehrere Möglichkeiten, um ihre Lieder zu präsentieren.