Die Blockflöte ist ein Aerophon aus der Familie der Kernspaltflöten (Schnabelflöten), sie besitzt kein Rohrblatt, sondern erzeugt ihren Ton allein durch die Anblasluft, die an einer scharfen Kante gebrochen wird. Das Instrument entstand im europäischen Mittelalter und erlebte seine Blütezeit in Renaissance und Barock, bevor es im 20. Jahrhundert durch die Alte-Musik-Bewegung und den Schulmusikunterricht eine breite Wiederbelebung erfuhr. Blockflöten gibt es in einer ganzen Familie von Größen, von der kleinen Sopranino- bis zur großen Bassflöte, die gemeinsam als "Consort" gespielt werden können.
Wie klingt die Blockflöte?
Der Klang der Blockflöte ist unmittelbar und obertonarm: In der tiefen Lage klingt sie weich, rund und atmosphärisch, in der hohen Lage dagegen hell bis durchdringend. Weil der Ton allein über den Luftstrom im Schnabel erzeugt wird und nicht über ein Rohrblatt oder Lippenspannung, spricht das Instrument sehr direkt an, hat dafür aber im Vergleich zu Oboe oder Querflöte eine begrenzte dynamische Bandbreite. Jede Größe der Blockflötenfamilie, Sopranino, Sopran, Alt, Tenor, Bass, besitzt einen eigenen charakteristischen Klangcharakter.
Woraus besteht die Blockflöte?
Kleinere Blockflöten bestehen aus einem einzigen Rohrstück, größere Modelle sind zwei- oder dreiteilig gebaut. Namensgebend ist der "Block" (auch Kern genannt): ein exakt eingepasstes Holz- oder Kunststoffstück im Schnabel, das zusammen mit der Innenwand einen engen Luftkanal (Windkanal) bildet. Die eingeblasene Luft wird durch diesen Kanal auf eine scharfe Kante am oberen Rand des Griffstücks, das Labium, gelenkt, wo sie in Schwingung versetzt wird und den Ton erzeugt. Am Instrumentenkörper befinden sich sieben Grifflöcher auf der Vorderseite und ein Daumenloch auf der Rückseite. Klappen besitzen nur die großen Bass- und Kontrabassmodelle, deren Grifflöcher für die Finger sonst zu weit auseinander lägen; Sopranino-, Sopran-, Alt- und Tenorblockflöten kommen ohne Klappenmechanik aus. Gefertigt werden Blockflöten traditionell aus Ahorn, Buchsbaum oder Birnbaum, Schülerinstrumente heute meist aus Kunststoff.
Wie spielt man die Blockflöte?
Gespielt wird die Blockflöte, indem der Schnabel mit den Lippen leicht umschlossen und gleichmäßig hineingeblasen wird; die Tonerzeugung selbst übernimmt der Windkanal im Inneren. Töne werden meist mit einer weichen "du"- oder "tu"-Artikulation der Zunge angestoßen. Die Tonhöhe wird durch das Öffnen und Schließen der Grifflöcher mit beiden Händen bestimmt, wobei sich Grundtonumfang und Oktavlage zusätzlich durch den Blasdruck und leichtes Überblasen verändern lassen. Anfänger lernen zunächst die Grundgriffe der deutschen oder barocken Griffweise; mit zunehmender Übung kommen Verzierungstechniken wie Vorschläge, Triller und Doppelzunge hinzu.
Typische Musikstile mit der Blockflöte
In Renaissance und Barock war die Blockflöte fester Bestandteil von Consort- und Kammermusik und wurde von Komponisten wie Bach, Händel, Telemann und Vivaldi eigens bedacht. Nach einem Bedeutungsverlust im 19. Jahrhundert, als sie weitgehend von der lauteren Querflöte verdrängt wurde, erlebte sie im 20. Jahrhundert durch die historische Aufführungspraxis eine Renaissance und wurde zugleich zum Standardinstrument im schulischen Musikunterricht. Auch zeitgenössische Komponisten schreiben bis heute neue Werke für das Instrument.
Bekannte Lieder mit der Blockflöte
Zu den bekanntesten Solistinnen zählen die Dänin Michala Petri, die unter anderem Antonio Vivaldis Flautino-Konzert RV 443 eingespielt hat, sowie Dorothee Oberlinger, die mit ihrem eigenen Ensemble 1700 unter anderem Werke von Telemann und Bach aufführt. Johann Sebastian Bachs Brandenburgisches Konzert Nr. 4 mit seinen zwei solistischen "Flauti d'echo" gehört zum Kernrepertoire für Blockflöte im Orchesterkontext. Im Consort-Bereich ist das Flanders Recorder Quartet für seine Interpretationen von Renaissance-Tanzsätzen, etwa von Tielman Susato, bekannt. Auch die englische Volksweise "Greensleeves" gehört seit Generationen zum festen Bestandteil des Blockflöten-Repertoires für Ensembles und Anfänger.




