Eine Blockflöte kaufen heißt vor allem, sich für eine Griffweise zu entscheiden, denn deutsche und barocke Blockflöten greifen denselben Ton unterschiedlich, und ein späterer Wechsel bedeutet Umlernen. Erst danach folgen Größe, Material und einzelne technische Details wie Doppellöcher. Blockflöten gibt es als Familie von der kleinen Sopranino- bis zur großen Bassflöte, aus Kunststoff oder aus Holz, mit einfachen oder doppelten Grifflöchern für schwierige Halbtöne. Dieser Ratgeber ordnet diese Kaufkriterien, nennt grobe Preisspannen für Schul-, Mittelklasse- und Meisterinstrumente und zeigt, worauf bei einer gebrauchten Blockflöte zu achten ist.
Deutsche oder barocke Griffweise: welche Blockflöte sollte man kaufen?
Beim Blockflötenkauf entscheidet die Griffweise darüber, welche Fingerkombination später zu welchem Ton gehört, und diese Entscheidung wiegt schwerer als die Wahl von Holz oder Marke. Deutsche und barocke Blockflöten unterscheiden sich äußerlich kaum, tragen aber eine andere Bohrung und ergeben bei denselben Griffen teils andere Töne.
Der Unterschied zeigt sich am deutlichsten am Ton f der Sopranblockflöte. Die deutsche Griffweise schließt dafür die Löcher eins bis vier der Reihe nach, was auf den ersten Blick einfacher wirkt. Die barocke Griffweise verlangt einen sogenannten Gabelgriff: Loch vier bleibt offen, während Loch fünf und sechs schließen. Der einfachere f-Griff der deutschen Bauart hat einen Preis, denn die dafür veränderte Bohrung macht fis und mehrere andere Halbtöne über die ganze Flöte hinweg unrein.
| Merkmal | Deutsche Griffweise | Barocke Griffweise |
|---|---|---|
| Herkunft | Deutschland, 20. Jahrhundert, für den Schulgebrauch entwickelt | Barockzeit, historisch gewachsen |
| Griff für den Ton f (Sopran) | Löcher eins bis vier der Reihe nach schließen | Gabelgriff: Loch vier offen, Loch fünf und sechs schließen |
| Loch vier im Vergleich zu Loch fünf | kleiner | größer |
| Intonation der Halbtöne wie fis | durch die veränderte Bohrung oft unrein | über den ganzen Umfang sauber |
| Verbreitung bei Lehrwerken und Repertoire | vor allem ältere, günstige Schulflöten | internationaler Standard, auch bei Alt, Tenor und Bass |
Barocke Blockflöten sind die Bauart, auf die sich internationale Lehrwerke und das gedruckte Repertoire für Blockflöte stützen, und die einzige Bauart, in der Alt-, Tenor- und Bassblockflöten in aller Regel gebaut werden. Deutsche Blockflöten kommen fast nur als günstige Schulflöten in Sopranstimmung vor. Wer nicht sicher weiß, welche Griffweise ein vorhandenes Instrument trägt, erkennt sie an Loch vier: kleiner als Loch fünf bedeutet deutsche, größer bedeutet barocke Griffweise. Welche Grundlagen dahinterstehen und warum ein Wechsel später mühsam ist, erklärt der Artikel Blockflöte lernen.
Barocke Griffweise ist beim Blockflötenkauf die sicherere Wahl. Sie deckt das gängige Repertoire und die meisten Lehrwerke ab, bleibt über den ganzen Tonumfang sauber und erspart den Umweg über ein Umlernen, falls später eine Alt-, Tenor- oder Bassblockflöte dazukommt, denn diese werden fast nur in barocker Griffweise gebaut.
Welche Größen gibt es in der Blockflötenfamilie?
Die Blockflötenfamilie reicht von der kleinen Sopranino- bis zur großen Bassflöte und deckt damit einen Tonraum über mehrere Oktaven ab. Die Stimmung wechselt von Größe zu Größe zwischen F und C.
- Sopranino: in F gestimmt, die kleinste gebräuchliche Größe, mit hellem, durchdringendem Klang in sehr hoher Lage.
- Sopran: in C gestimmt, der häufigste Einstieg in Schule und Anfängerunterricht, mit hellem Klang in hoher Lage.
- Alt: in F gestimmt, die klassische Solostimme des Barockrepertoires, mit rundem Klang in mittlerer Lage.
- Tenor: in C gestimmt, eine Oktave tiefer als die Sopranblockflöte, mit weichem Klang in mittlerer bis tiefer Lage.
- Bass: in F gestimmt, mit Klappen für die entfernteren Grifflöcher, mit dunklem, tragendem Klang in tiefer Lage. Näheres zu dieser Größe steht im Artikel zur Bassflöte.
Kunststoff oder Holz: was unterscheidet die Materialien bei der Blockflöte?
Kunststoff und Holz unterscheiden sich vor allem in Robustheit und Klangcharakter, nicht in einer klaren Rangfolge von besser zu schlechter. Eine Blockflöte aus Kunststoff verträgt Feuchtigkeit und gelegentliches Fallenlassen ohne Folgeschäden, lässt sich leicht reinigen und ist deshalb der Standard an Schulen und im Anfängerunterricht.
Eine Blockflöte aus Holz reagiert empfindlicher auf Feuchtigkeit: Ungleichmäßiges Spielen oder fehlendes Einspielen kann das Holz verziehen oder Risse verursachen, weshalb Hersteller ein schrittweises Einspielen empfehlen. Dafür gilt ihr Klang als differenzierter und wärmer, weil die Holzfaser den Ton anders formt als die glatte Innenwand aus Kunststoff.
Was bedeuten Doppellöcher bei der Blockflöte?
Ein Doppelloch ersetzt ein einzelnes großes Griffloch durch zwei kleinere, nebeneinanderliegende Löcher für denselben Finger. Für einen chromatischen Halbton deckt der Finger nur das vordere der beiden kleinen Löcher ab, statt bei einem einzelnen großen Loch nur einen Teil davon freizugeben. Das ergibt eine sauberere Intonation bei den Tönen, die sonst am ehesten unrein klingen.
Modelle mit Doppelloch kosten meist etwas mehr als einfach gebohrte Instrumente derselben Preisklasse, bieten dafür eine treffsicherere Intonation ohne Behelfsgriffe. Wie Windkanal und Labium den Ton überhaupt erst erzeugen, erklärt der Artikel zur Blockflöte.
Welche Preisklassen gibt es beim Blockflötenkauf?
Beim Blockflötenkauf gibt es drei grobe Preisklassen, jeweils als Spanne ohne feste Beträge.
- Schulinstrument: einfache Kunststoffflöte im unteren Preisbereich, für den Musikunterricht und den ersten Test ausreichend.
- Mittelklasse: bessere Kunststoff- oder einfache Holzmodelle mit sorgfältigerer Verarbeitung, oft schon mit Doppelloch, im mittleren Preisbereich.
- Meisterinstrument aus Holz: von Hand gefertigte oder handnachgearbeitete Blockflöten aus ausgesuchtem Holz, im oberen Preisbereich, für Ensemble- und Sololiteratur gedacht.
Neu oder gebraucht: worauf achten beim Blockflötenkauf?
Eine gebrauchte Blockflöte lohnt sich, wenn zwei Stellen intakt sind: der Windkanal mit dem Kernspalt im Kopfstück und die Korken an den Verbindungsstellen zwischen den Teilen. Der Kernspalt darf keine Risse, Ablagerungen oder Verformungen zeigen, denn er bestimmt die Ansprache des Tons. Ein beschädigter Kernspalt lässt sich nicht durch Spielen ausgleichen und gehört in die Fachwerkstatt.
Die Korken zwischen Kopfstück, Mittelstück und Fußstück dichten die Verbindungen ab. Ausgetrocknete oder eingerissene Korken lassen Luft entweichen und machen den Ton instabil, lassen sich aber in einer Werkstatt austauschen. Wer eine gebrauchte Blockflöte prüft, testet zusätzlich, ob sich die Teile leicht und ohne Wackeln zusammenstecken lassen.
Häufige Fragen zum Blockflöte kaufen
Welche Griffweise sollte man beim Blockflötenkauf wählen?
Beim Blockflötenkauf sollte in den meisten Fällen die barocke Griffweise gewählt werden, weil sie das gängige gedruckte Repertoire und die meisten Lehrwerke abdeckt und über den ganzen Tonumfang sauber intoniert. Die deutsche Griffweise vereinfacht nur den Ton f und kommt in aktuellen Instrumenten kaum noch vor.
Was ist der Unterschied zwischen deutscher und barocker Griffweise am Ton f?
Am Ton f zeigt sich der Unterschied zwischen deutscher und barocker Griffweise am deutlichsten: Die deutsche Griffweise schließt dafür die Löcher eins bis vier der Sopranblockflöte der Reihe nach, die barocke Griffweise verlangt den Gabelgriff mit offenem Loch vier und geschlossenen Löchern fünf und sechs. Äußerlich erkennbar ist die Bauart an der Größe von Loch vier im Vergleich zu Loch fünf.
Lohnt sich eine Blockflöte aus Holz gegenüber Kunststoff?
Eine Blockflöte aus Holz lohnt sich vor allem für Ensemblespiel und anspruchsvollere Literatur, weil ihr Klang als differenzierter gilt, verlangt dafür aber sorgfältiges Einspielen und Schutz vor Feuchtigkeit. Kunststoff bleibt für den Schulgebrauch und den unkomplizierten Alltag die robustere und günstigere Wahl.
Woran erkennt man eine gebrauchte Blockflöte in gutem Zustand?
Eine gebrauchte Blockflöte ist in gutem Zustand, wenn der Kernspalt im Windkanal keine Risse oder Ablagerungen zeigt und die Korken an den Verbindungsstellen fest und nicht ausgetrocknet sind. Lassen sich die Teile leicht und ohne Wackeln zusammenstecken und klingt jeder Grundton sauber an, spricht das für ein spielbares Instrument.




