Blockflöte lernen

6 Min. Lesezeit
Redaktion
Eine Sopranblockflöte neben einem Anfängernotenheft. Bild: KI generiert.
Eine Sopranblockflöte neben einem Anfängernotenheft. Bild: KI generiert.

Zusammenfassung

Die Blockflöte ist das klassische Einstiegsinstrument für Kinder, weil der Ton sofort kommt: Der Block im Kopfstück lenkt die Luft an die Schneidekante, ein eigener Ansatz ist nicht nötig. Üblich ist die Sopranblockflöte in C. Vor dem Kauf steht die Entscheidung zwischen deutscher und barocker Griffweise, die sich später nur mit Umlernen korrigieren lässt. Ihr schlechter Ruf stammt aus dem Gruppenunterricht, nicht aus dem Instrument.

Die Blockflöte ist das verbreitetste Einstiegsinstrument für Kinder, weil der Ton sofort kommt. Der Block im Kopfstück lenkt die Luft an die Schneidekante, und dort entsteht die Schwingung ohne Zutun des Spielers. Damit entfällt die Ansatzarbeit, die bei Trompete oder Saxophon die ersten Monate bestimmt. Die übliche Wahl ist die Sopranblockflöte in C, und vor dem Kauf steht eine Entscheidung, die sich später nur mit Umlernen korrigieren lässt: deutsche oder barocke Griffweise.

CStimmung der Sopran
8Grifflöcher
2Griffweisen
ab 5Jahre Einstieg

Was spricht dafür, Blockflöte zu lernen?

Die Blockflöte nimmt dem Anfang alle Hürden ab, die nicht mit Musik zu tun haben. Der Ton kommt beim ersten Pusten, das Instrument wiegt wenige hundert Gramm, es passt in eine Schultasche, und die Grifflöcher liegen auch für Kinderhände erreichbar. Wer damit anfängt, arbeitet vom ersten Tag an an Griffen, Rhythmus und Noten statt an der Tonerzeugung.

MerkmalBlockflöte lernen
Sinnvolles Einstiegsalterab etwa 5 Jahren, sobald die Finger alle sieben Löcher abdecken
Benötigte AusstattungSopranblockflöte in C, Wischer, Fettstift für die Zapfen, Notenheft
Zeit bis zum ersten Stückerste Kinderlieder aus den Griffen h, a und g meist in den ersten Wochen
Typische Übezeit pro WocheKinder etwa 5 mal 10 bis 15 Minuten, also rund 1 Stunde
Häufigste Anfängerhürdezu viel Luftdruck und undicht abgedeckte Löcher
Lautstärkelaut für ihre Größe, aber hochfrequent, deshalb durch Wände schwächer hörbar
Üben in der Wohnungunproblematisch, kein Trittschall und keine Verstärkung nötig

Dazu kommt der Übertragungswert. Notenlesen, Zählen, Atemeinteilung und das Zusammenspiel in der Gruppe lernt ein Kind auf der Blockflöte genauso wie auf jedem anderen Instrument, nur ohne die technische Anfangshürde. Wer später wechselt, nimmt diese Grundlagen mit.

Deutsche oder barocke Griffweise: was wählt man beim Blockflöte lernen?

Der Unterschied betrifft vor allem den Griff für den Ton f. Die deutsche Griffweise schließt dafür die Löcher 1 bis 4 in Folge, was für Anfänger logisch wirkt. Die barocke verlangt einen Gabelgriff: Loch 4 bleibt offen, 5 und 6 schließen.

deutsche Griffweise barocke Griffweise Daumen (hinten) Loch 1 Loch 2 Loch 3 Loch 4 Loch 5 Loch 6 Loch 7 Gefüllt heißt geschlossen. Beide Griffe ergeben den Ton f.
Für f schließt die deutsche Griffweise die Löcher 1 bis 4 in Folge. Die barocke lässt Loch 4 offen und schließt dafür 5 und 6, ein sogenannter Gabelgriff.

Der Preis für den einfachen f-Griff sind die übrigen Töne. Bei der deutschen Griffweise geraten fis und mehrere andere Halbtöne unrein und brauchen Behelfsgriffe, weil die Bohrung auf den einfachen Griff hin verändert wurde. Die barocke Griffweise bleibt über den gesamten Umfang stimmig und ist international der Standard, auch bei Alt-, Tenor- und Bassblockflöten.

Am Instrument selbst erkennt man die Bauart an den Löchern 4 und 5: Bei der deutschen Griffweise ist Loch 4 kleiner als Loch 5, bei der barocken größer. Wer im Gruppenunterricht spielt, richtet sich nach der Vorgabe der Lehrkraft, weil sonst dieselben Griffe verschiedene Töne ergeben.

Die Griffweise entscheidet man einmal, und zwar vor dem Kauf. Ein Wechsel nach zwei Jahren bedeutet, den f-Griff und mehrere Halbtongriffe neu zu lernen, während die Finger die alten längst automatisch greifen. Wer damit rechnet, später auf Alt- oder Tenorblockflöte umzusteigen, beginnt deshalb gleich barock.

Warum hat die Blockflöte einen schlechten Ruf?

Der schlechte Ruf der Blockflöte stammt aus dem Gruppenunterricht, nicht aus dem Instrument. In großen Klassen spielen viele Kinder gleichzeitig, und weil der Ton auch bei zu hohem Luftdruck kommt, klingen schrille und überblasene Töne genauso zuverlässig wie saubere. Wer die Blockflöte nur so gehört hat, kennt ihre Möglichkeiten nicht.

Sachlich betrachtet ist sie ein vollwertiges Soloinstrument mit einem umfangreichen Repertoire aus Renaissance und Barock, das bis heute gespielt wird. Ihr Klang ist obertonreich und lässt sich über Luftführung und Artikulation stark formen. Die Altblockflöte in F ist dabei die klassische Solostimme, die Sopran in C das Instrument des Anfangs. Was das Instrument technisch ausmacht, steht im Artikel zur Blockflöte.

Wie übt man Blockflöte richtig?

Richtig üben heißt bei der Blockflöte vor allem: weniger Luft. Der häufigste Anfängerfehler ist zu hoher Blasdruck, der den Ton in die nächste Oktave kippen lässt oder ihn schrill macht. Ein gleichmäßiger, ruhiger Luftstrom trägt den Ton, ein Stoß zerstört ihn.

  • Zungenanstoß beginnt jeden Ton mit einem leisen du oder tu. Wer den Ton nur mit der Luft beginnt, bekommt einen unsauberen Ansatz und keine klare Trennung zwischen Tönen.
  • Löcher abdecken gelingt mit der Mitte der Fingerkuppe, nicht mit der Spitze. Ein Spalt am Rand erzeugt ein Pfeifen statt des gegriffenen Tons.
  • Daumenspalt öffnet das Daumenloch mit dem Nagel nur einen Millimeter weit. Diese Öffnung schaltet in die zweite Oktave.
  • Anwärmen heißt, das Kopfstück vor dem Spielen in der Hand zu halten. In einem kalten Windkanal schlägt sich Kondenswasser nieder, der Ton kratzt und bricht ab.
  • Wischen nach jedem Spielen entfernt die Feuchtigkeit aus der Bohrung. Bei Holzinstrumenten verhindert das Risse und Verzug.

Wer parallel Noten lesen lernt, kann sich neue Stücke selbst erschließen. Die Blockflöte eignet sich dafür besonders, weil ihre Notation nicht transponiert und der Umfang übersichtlich bleibt.

Wie lange dauert es, auf der Blockflöte ein Stück zu spielen?

Der erste Ton auf der Blockflöte gelingt in Sekunden. Mit den ersten drei Griffen h, a und g lassen sich einfache Kinderlieder spielen, meist innerhalb der ersten Wochen. Die zweite Oktave mit dem Daumenspalt kommt nach einigen Monaten dazu, weil sie einen kontrollierten Luftstrom voraussetzt.

Anspruchsvoll wird die Blockflöte dort, wo Artikulation, Verzierungen und Intonation zusammenkommen, also im Barockrepertoire. Wer später auf die Querflöte wechselt, nimmt Notenlesen, Rhythmusgefühl und Atemeinteilung mit. Der Ansatz muss dagegen neu entstehen, denn dort erzeugt der Spieler die Luftkante an der Lippe selbst, statt sie im Instrument vorzufinden.

Häufige Fragen zum Blockflöte lernen

Ab welchem Alter kann ein Kind Blockflöte lernen?

Blockflöte lernen ist ab etwa fünf Jahren möglich. Die Bedingung ist nicht das Alter, sondern ob die Finger alle sieben Löcher gleichzeitig vollständig abdecken. Für kleinere Hände gibt es Sopraninstrumente mit enger stehenden Löchern und Ausführungen mit Klappe für das unterste Loch.

Ist die deutsche oder die barocke Griffweise für Anfänger besser?

Die deutsche Griffweise macht nur den Ton f einfacher, weil sie dafür die Löcher 1 bis 4 in Folge schließt. Dafür klingen fis und weitere Halbtöne unrein und verlangen Behelfsgriffe. Die barocke Griffweise ist international Standard, bleibt über den ganzen Umfang stimmig und ist die richtige Wahl für alle, die länger dabeibleiben oder später auf größere Blockflöten wechseln wollen.

Ist die Blockflöte ein leichtes Instrument?

Die Blockflöte ist leicht anzufangen und schwer auszureizen. Der Ton kommt ohne Ansatzarbeit, deshalb spielen Kinder nach wenigen Wochen erste Lieder. Sauber intonieren, artikulieren und die zweite Oktave kontrollieren verlangt dagegen dieselbe Übung wie jedes andere Blasinstrument.

Welche Blockflöte kaufen Anfänger?

Anfänger kaufen eine Sopranblockflöte in C. Kunststoffinstrumente sind für Kinder praktisch, weil sie Feuchtigkeit und Stürze vertragen und sich spülen lassen. Wichtiger als das Material ist die Griffweise, denn sie legt fest, welche Griffe das Kind über Jahre verwendet.

Weitere Artikel in Lernen

Das richtige Instrument für Kinder finden: So gelingt es

Das richtige Instrument für Kinder finden: So gelingt es

Musik ist ein wichtiger Bestandteil im Leben vieler Menschen. Bereits Kinder möchten ofrnal gerne Musik machen und ein Instrument erlernen. Da es aber sehr viele verschiedene Musikinstrumente gibt, stellt sich für Eltern häufig die Frage, welches für den Nachwuchs infrage kommt. Hierbei spielen vor allem die persönlichen Vorlieben des Kindes, aber natürlich auch die finanziellen Mittel der Familie eine wichtige Rolle.

E-Gitarre lernen

E-Gitarre lernen

Die E-Gitarre ist nicht schwerer zu lernen als die Akustikgitarre, sondern leichter zu greifen: Die Saitenlage ist niedriger, die Saiten sind dünner, die Greifhand braucht weniger Kraft. Verstärker und Kabel gehören dabei von Anfang an zur Grundausstattung, in der Wohnung übernimmt ein Kopfhörerverstärker. Als schnellster Einstieg dienen Powerchords, weil eine einzige Griffform über das ganze Griffbrett wandert. Die größte Umstellung ist das Abdämpfen der ungespielten Saiten.

Ein Instrument lernen im Alter

Ein Instrument lernen im Alter

"Mit 17 ist die Chance vorbei", so die Antwort eines Geigenlehrers auf die Frage, bis zu welchem Alter es möglich sei, eine professionelle Geigenkarriere zu beginnen. Das liegt daran, dass bestimmte Bewegungen, die für das Geigenspiel, aber auch für das Spielen manch anderer Instrumente notwendig sind, dem erwachsenen Körper nicht mehr so einfach entlockt werden können. Heißt das nun, dass Erwachsene gar keine Möglichkeit zum Instrument lernen im Alter mehr haben, um sich damit zum Beispiel einen Traum zu erfüllen, der ihnen als Kind verwehrt blieb oder etwa eine neue Beschäftigung im Ruhestand zu beginnen. "Das ist keineswegs der Fall", sagen die Musikpädagogen.

Geige lernen

Geige lernen

Geige lernen verlangt zwei Fähigkeiten gleichzeitig: Die linke Hand sucht jede Tonhöhe auf einem Griffbrett ohne Bünde, die rechte führt den Bogen, der den Ton erzeugt. Deshalb gilt die Geige als das schwerste der gängigen Einsteigerinstrumente. Anfänger arbeiten mit Klebemarkierungen auf dem Griffbrett und üben Bogen und Griffhand zuerst getrennt. Kinder spielen kleinere Bauformen von 1/16 bis 4/4, wobei die Armlänge über die Größe entscheidet.