Schalmei

3 Min. Lesezeit
Schalmei
Schalmei

Zusammenfassung

Die Schalmei ist ein historisches Holzblasinstrument mit Doppelrohrblatt und konisch gebohrtem Korpus. Sie klingt laut, nasal und durchdringend und gilt als Vorläuferin der Oboe. Im Mittelalter und in der Renaissance war sie das wichtigste Melodieinstrument für Musik im Freien. Vom gleichnamigen Metallinstrument der Schalmeienkapellen, der Martinstrompete, ist sie streng zu unterscheiden.

Die Schalmei ist ein historisches Holzblasinstrument mit Doppelrohrblatt und konisch gebohrtem Korpus. Sie klingt laut, nasal und durchdringend und gilt als Vorläuferin der Oboe. Im Mittelalter und in der Renaissance spielten Musiker sie überall dort, wo es im Freien laut werden musste. Der Name meint im Deutschen allerdings zwei verschiedene Instrumente; dieser Artikel beschreibt das historische Holzblasinstrument.

Wie klingt eine Schalmei?

Die Schalmei klingt laut, hell und deutlich nasal. Der konische Korpus und das große Doppelrohrblatt erzeugen einen Ton, der andere Instrumente mühelos übertönt, weshalb die Schalmei im Orchestersatz kaum brauchbar ist. Gute Spieler decken rund zwei Oktaven ab. Genau diese Durchschlagskraft machte sie zum Instrument für Umzüge, Tänze und Feste unter freiem Himmel.

Wie eine Schalmei klingt, zeigt dieses Klangbeispiel:

Wie ist eine Schalmei aufgebaut?

Eine Schalmei besteht aus einem einteiligen Holzkorpus, dessen Bohrung sich nach unten konisch weitet und in einen Schalltrichter mündet. Auf der Vorderseite liegen sieben Grifflöcher, dazu kommt ein Daumenloch auf der Rückseite. Große Bauformen tragen zusätzlich Klappen für die weit auseinanderliegenden unteren Löcher.

Das Doppelrohrblatt steckt auf einem dünnen Metallröhrchen am oberen Ende. Davor sitzt bei vielen historischen Instrumenten und ihren Nachbauten eine kleine Stützscheibe, die Pirouette, gegen die der Spieler die Lippen legt. Die Schalmei gibt es in mehreren Größen von der Sopran- bis zur Basslage; die größeren Bauformen heißen Pommer.

Wie spielt man Schalmei?

Schalmei spielen kostet Kraft. Das große Rohrblatt braucht viel Blasdruck, damit es überhaupt anspricht, und die Lippen stützen sich dabei auf der Pirouette ab. Wer die Töne der zweiten Oktave erreichen will, überbläst und stellt gleichzeitig den Ansatz nach.

Die Finger decken die Grifflöcher direkt ab, ohne Klappenmechanik in der Oberhand. Eine Dynamik im heutigen Sinn lässt das Instrument kaum zu: Die Schalmei spielt laut oder gar nicht. Kondition und Atemführung entscheiden deshalb über längere Stücke mehr als die Grifftechnik.

Woher stammt die Schalmei?

Die Schalmei stammt aus dem Vorderen Orient, wo verwandte Kegeloboen wie die Zurna bis heute gespielt werden. Im Hochmittelalter kam sie nach Europa und wurde dort zum wichtigsten lauten Melodieinstrument. Stadtpfeifer spielten sie bei Umzügen, Turnieren und Tanzveranstaltungen, meist zusammen mit Posaune oder Trommel. Auch die Spielpfeife vieler Dudelsäcke ist im Kern eine Schalmei mit Doppelrohrblatt.

Im 17. Jahrhundert entwickelten französische Instrumentenbauer aus ihr die Oboe: leiser, mit feinerem Rohrblatt und mehrteiligem Korpus, dafür im Orchester brauchbar. Danach verschwand die Schalmei fast vollständig. Erst die Alte-Musik-Bewegung des 20. Jahrhunderts holte sie zurück, heute spielen Ensembles für Mittelalter- und Renaissancemusik wieder auf Nachbauten. In der Volksmusik lebt die Bauform ohnehin weiter, etwa in der bretonischen Bombarde und der spanischen Dulzaina.

Was ist der Unterschied zwischen Schalmei und Martinstrompete?

Schalmei bezeichnet im Deutschen zwei verschiedene Instrumente. Das erste ist das hier beschriebene historische Holzblasinstrument mit Doppelrohrblatt. Das zweite ist die Signalschalmei, auch Martinstrompete genannt: ein Instrument aus Metall mit mehreren Schallbechern, das im frühen 20. Jahrhundert aus Signalinstrumenten hervorging. Ein Doppelrohrblatt aus Schilfrohr hat sie nicht.

Dieses zweite Instrument spielen die Schalmeienkapellen, die vor allem im Ruhrgebiet und im Rheinland bei Vereinsumzügen, Volksfesten und im Karneval auftreten. Mit der mittelalterlichen Schalmei teilt es nur den Namen.

Unsere Schalmei Empfehlungen

Anzeige: Produktlinks sind Affiliate-Links. Kaufst du darüber, erhalten wir eine Provision. Am Preis ändert das nichts.

Häufige Fragen zur Schalmei

Ist die Schalmei die Vorläuferin der Oboe?

Ja, die Schalmei ist die Vorläuferin der Oboe. Beide Instrumente arbeiten mit einem Doppelrohrblatt und einer konischen Bohrung. Im 17. Jahrhundert bauten französische Instrumentenmacher die Schalmei um: kleineres Rohrblatt, mehrteiliger Korpus, engere Bohrung. Daraus entstand die Oboe, die sich leiser und feiner spielen lässt.

Welches Instrument spielen Schalmeienkapellen?

Schalmeienkapellen spielen die Signalschalmei oder Martinstrompete, ein Metallinstrument mit mehreren Schallbechern, nicht die historische Schalmei aus Holz. Die Kapellen entstanden im 20. Jahrhundert und treten bis heute bei Umzügen und Volksfesten auf, begleitet von Trommeln und Becken.

Wie viele Grifflöcher hat eine Schalmei?

Eine Schalmei hat in der Grundform sieben Grifflöcher auf der Vorderseite und ein Daumenloch auf der Rückseite. Bei größeren Bauformen kommen Klappen dazu, weil die Finger die unteren Löcher sonst nicht erreichen. Die genaue Zahl schwankt je nach Größe und Nachbau.

Warum klingt die Schalmei so laut?

Die Schalmei klingt laut, weil ihr großes, frei schwingendes Doppelrohrblatt viel Blasdruck aufnimmt und die konische Bohrung die Obertöne verstärkt. Instrumentenbauer haben sie genau dafür gebaut: für Musik im Freien.

Weitere Artikel in Blasinstrumente

Schlange

Schlange

Die Schlange (französisch Serpent) ist ein historisches Blechblasinstrument, benannt nach seiner charakteristisch gewundenen S-Form, kein Zupf- oder Seilinstrument, wie in älteren Fehlbeschreibungen behauptet. Sie wurde um 1590 von Edme Guillaume, einem Kanoniker aus Auxerre in Frankreich, erfunden und diente ursprünglich dazu, die Bassstimme im Kirchengesang zu verstärken.

Schofar

Schofar

Der Schofar ist ein rituelles Blasinstrument des Judentums, das aus dem gebogenen Horn eines Widders (oder eines anderen koscheren Tieres, niemals jedoch eines Rindes) gefertigt wird. Als Aerophon zählt er zur Gruppe der Natur- oder Lippentonhörner: Er besitzt weder Mundstück noch Grifflöcher noch Ventile, der Ton entsteht ausschließlich durch die Vibration der Lippen des Spielers am schmalen natürlichen Ende des Horns, ganz ähnlich wie beim Blasen auf einem Alphorn oder Naturhorn.

Schweizer Sackpfeife

Schweizer Sackpfeife

Die Schweizer Sackpfeife ist, wie der Name schon sagt, ein echter Dudelsack: ein Aerophon mit einem luftgefüllten Balg (traditionell aus Ziegen- oder Schafsleder) als Luftreservoir, aus dem eine mit einfachem Rohrblatt versehene Melodiepfeife (Chanter) sowie meist ein oder mehrere Bordunpfeifen gespeist werden.

Serunai

Serunai

Der Serunai ist ein traditionelles Holzblasinstrument aus der malaiischen Welt, das vor allem in Malaysia und auf Sumatra gespielt wird. Wie der eng verwandte Sarunay gehört er zur Familie der Kegeloboen mit doppeltem Rohrblatt, zu der auch die Zurna, die Suona und die Shehnai zählen, tatsächlich sind Serunai und Sarunai nur unterschiedliche regionale Bezeichnungen für nahezu dasselbe Instrument.