Die Schalmei ist ein historisches Holzblasinstrument mit Doppelrohrblatt und konisch gebohrtem Korpus. Sie klingt laut, nasal und durchdringend und gilt als Vorläuferin der Oboe. Im Mittelalter und in der Renaissance spielten Musiker sie überall dort, wo es im Freien laut werden musste. Der Name meint im Deutschen allerdings zwei verschiedene Instrumente; dieser Artikel beschreibt das historische Holzblasinstrument.
Wie klingt eine Schalmei?
Die Schalmei klingt laut, hell und deutlich nasal. Der konische Korpus und das große Doppelrohrblatt erzeugen einen Ton, der andere Instrumente mühelos übertönt, weshalb die Schalmei im Orchestersatz kaum brauchbar ist. Gute Spieler decken rund zwei Oktaven ab. Genau diese Durchschlagskraft machte sie zum Instrument für Umzüge, Tänze und Feste unter freiem Himmel.
Wie eine Schalmei klingt, zeigt dieses Klangbeispiel:
Wie ist eine Schalmei aufgebaut?
Eine Schalmei besteht aus einem einteiligen Holzkorpus, dessen Bohrung sich nach unten konisch weitet und in einen Schalltrichter mündet. Auf der Vorderseite liegen sieben Grifflöcher, dazu kommt ein Daumenloch auf der Rückseite. Große Bauformen tragen zusätzlich Klappen für die weit auseinanderliegenden unteren Löcher.
Das Doppelrohrblatt steckt auf einem dünnen Metallröhrchen am oberen Ende. Davor sitzt bei vielen historischen Instrumenten und ihren Nachbauten eine kleine Stützscheibe, die Pirouette, gegen die der Spieler die Lippen legt. Die Schalmei gibt es in mehreren Größen von der Sopran- bis zur Basslage; die größeren Bauformen heißen Pommer.
Wie spielt man Schalmei?
Schalmei spielen kostet Kraft. Das große Rohrblatt braucht viel Blasdruck, damit es überhaupt anspricht, und die Lippen stützen sich dabei auf der Pirouette ab. Wer die Töne der zweiten Oktave erreichen will, überbläst und stellt gleichzeitig den Ansatz nach.
Die Finger decken die Grifflöcher direkt ab, ohne Klappenmechanik in der Oberhand. Eine Dynamik im heutigen Sinn lässt das Instrument kaum zu: Die Schalmei spielt laut oder gar nicht. Kondition und Atemführung entscheiden deshalb über längere Stücke mehr als die Grifftechnik.
Woher stammt die Schalmei?
Die Schalmei stammt aus dem Vorderen Orient, wo verwandte Kegeloboen wie die Zurna bis heute gespielt werden. Im Hochmittelalter kam sie nach Europa und wurde dort zum wichtigsten lauten Melodieinstrument. Stadtpfeifer spielten sie bei Umzügen, Turnieren und Tanzveranstaltungen, meist zusammen mit Posaune oder Trommel. Auch die Spielpfeife vieler Dudelsäcke ist im Kern eine Schalmei mit Doppelrohrblatt.
Im 17. Jahrhundert entwickelten französische Instrumentenbauer aus ihr die Oboe: leiser, mit feinerem Rohrblatt und mehrteiligem Korpus, dafür im Orchester brauchbar. Danach verschwand die Schalmei fast vollständig. Erst die Alte-Musik-Bewegung des 20. Jahrhunderts holte sie zurück, heute spielen Ensembles für Mittelalter- und Renaissancemusik wieder auf Nachbauten. In der Volksmusik lebt die Bauform ohnehin weiter, etwa in der bretonischen Bombarde und der spanischen Dulzaina.
Was ist der Unterschied zwischen Schalmei und Martinstrompete?
Schalmei bezeichnet im Deutschen zwei verschiedene Instrumente. Das erste ist das hier beschriebene historische Holzblasinstrument mit Doppelrohrblatt. Das zweite ist die Signalschalmei, auch Martinstrompete genannt: ein Instrument aus Metall mit mehreren Schallbechern, das im frühen 20. Jahrhundert aus Signalinstrumenten hervorging. Ein Doppelrohrblatt aus Schilfrohr hat sie nicht.
Dieses zweite Instrument spielen die Schalmeienkapellen, die vor allem im Ruhrgebiet und im Rheinland bei Vereinsumzügen, Volksfesten und im Karneval auftreten. Mit der mittelalterlichen Schalmei teilt es nur den Namen.




