Die Oboe ist ein Holzblasinstrument mit Doppelrohrblatt. Zwei Schilfblätter sitzen auf einer Metallhülse, der Spieler nimmt sie zwischen die Lippen und bringt sie gegeneinander zum Schwingen. Diese Schwingung öffnet und schließt den Luftweg mehrere hundert Mal je Sekunde und versetzt die Luftsäule im konischen Rohr in Bewegung. Die Oboe steht in C und klingt so, wie sie notiert ist.
Was ist eine Oboe?
Die Oboe gehört zu den Holzblasinstrumenten mit Doppelrohrblatt, so wie das Fagott und das Englischhorn. Ihr Rohr verläuft eng konisch und weitet sich erst im Schallbecher. Diese Bohrung gibt der Oboe ihren obertonreichen, leicht nasalen Ton, der sich aus jedem Orchestersatz heraushören lässt, und sie sorgt dafür, dass die Oboe in die Oktave überbläst. Die Klarinette mit ihrer zylindrischen Bohrung und ihrem einzelnen Rohrblatt überbläst dagegen erst in die Duodezime.
| Merkmal | Oboe |
|---|---|
| Familie | Holzblasinstrument mit Doppelrohrblatt |
| Tonerzeugung | zwei gegeneinander schwingende Schilfblätter |
| Stimmung | C, klingt wie notiert |
| Tonumfang | ab dem kleinen b, knapp drei Oktaven aufwärts |
| Bohrung | eng konisch, Becher leicht erweitert |
| Werkstoff | Grenadill, seltener Buchsbaum, für Einsteiger Kunststoff |
| Länge | rund 65 Zentimeter |
| Aufgabe im Orchester | gibt den Stimmton a |
Wie erzeugt die Oboe ihren Ton?
Den Ton der Oboe erzeugen zwei Schilfblätter, nicht das Instrument. Der Oboist bindet zwei dünn geschabte Blättchen aus Pfahlrohr auf eine Metallhülse und schneidet sie an der Spitze auf. Zwischen den Spitzen bleibt ein Spalt von etwa einem Millimeter. Bläst der Spieler hinein, schlagen die Blätter aufeinander zu, der Luftstrom bricht ab, die Blätter federn zurück, der Strom setzt wieder ein. Aus diesem Takt entsteht die Schwingung, die das Rohr verstärkt und die Tonhöhe festlegt.
Die Lippen liegen dabei über den Zähnen auf den Blättern und geben vor, wie weit diese schwingen dürfen. Über diesen Druck steuert der Oboist Klangfarbe und Stimmung.
Warum ist bei der Oboe zu viel Luft das Problem?
Der schmale Spalt zwischen den Blättern lässt kaum Luft durch, verlangt aber hohen Druck. Von allen Blasinstrumenten braucht die Oboe den höchsten Blasdruck und zugleich die geringste Luftmenge. Anfänger erwarten das Gegenteil: Am Ende einer langen Phrase fehlt ihnen nicht die Luft, sie haben zu viel davon.
Daraus folgt eine eigene Atemtechnik. Der Oboist stößt die verbrauchte Luft an der Phrasengrenze zuerst aus und atmet erst dann neu ein. Wer das versäumt, staut Kohlendioxid in der Lunge und muss abbrechen.
Die Oboe verbraucht wenig Luft und fordert trotzdem viel Kraft. Der Widerstand entsteht am Rohr, nicht im Instrument. Deshalb ermüdet beim Oboespielen zuerst die Muskulatur um den Mund und nicht die Lunge.
Wie ist eine Oboe aufgebaut?
Die Oboe zerfällt in drei Teile: Oberstück, Unterstück und Schallbecher. Das Rohr steckt oben im Oberstück und dichtet dort mit einem Korkring ab. Alle drei Teile bestehen meist aus Grenadill, einem sehr dichten und harten Holz. Einsteigerinstrumente aus Kunststoff vertragen Feuchtigkeit besser und reißen nicht.
Über dem Holz liegt ein dichtes Klappenwerk aus Neusilber. Es folgt dem Konservatoriumssystem, das die akustisch richtig gesetzten Tonlöcher auch dort erreichbar macht, wo kein Finger hinkommt. Zwei Oktavklappen schalten in die höhere Lage um. Bei der halbautomatischen Bauart wählt der Spieler sie selbst, bei der vollautomatischen übernimmt das die Mechanik.
Warum bauen Oboisten die Rohre für ihre Oboe selbst?
Ein Rohr passt immer nur zu einem Ansatz, einem Instrument und einem Raum. Fertig gekaufte Rohre treffen das selten, und ein Rohr, das nicht passt, drückt die Stimmung, kostet Ausdauer oder spricht in der Höhe nicht an. Deshalb schaben die meisten Oboisten selbst.
Der Weg dahin ist lang. Der Spieler spaltet ein Stück Pfahlrohr, hobelt es von innen auf gleichmäßige Stärke, schneidet die Form aus, faltet es und bindet es mit Faden auf die Hülse. Dann trennt er die Spitze auf und schabt die letzten Zehntelmillimeter von Hand nach, bis das Rohr anspricht. Ein fertiges Rohr hält bei regelmäßigem Spiel meist nur wenige Wochen, danach wird das Schilf weich und der Ton stumpf.
Was unterscheidet die Oboe vom Englischhorn?
Das Englischhorn ist die Altstimme derselben Familie und klingt eine reine Quinte tiefer als die Oboe. Es steht in F, sein Rohr sitzt auf einem gebogenen Metallröhrchen statt direkt im Oberstück, und statt des trichterförmigen Bechers trägt es einen birnenförmigen Liebesfuß. Dieser Becher dämpft die hohen Teiltöne und macht den Ton dunkler und weicher.
Für den Spieler ändert sich wenig. Die Griffe bleiben dieselben, ein Oboist wechselt ohne Umlernen. Nach oben schließt die Piccolo-Oboe die Familie ab; sie steht je nach Bauform in F oder Es und klingt entsprechend höher als die Oboe.
Welche Musik prägt die Oboe?
Im Konzertrepertoire steht das Oboenkonzert C-Dur KV 314 von Wolfgang Amadeus Mozart an erster Stelle; dasselbe Werk gibt es in einer Fassung für Flöte in D-Dur. Richard Strauss schrieb 1945 sein Oboenkonzert D-Dur, das bis heute als Prüfstein für Atemführung und lange Bögen gilt.
Im Orchester bekommt die Oboe die getragenen Solostellen. Das Hauptthema aus Pjotr Iljitsch Tschaikowskys Ballett Schwanensee liegt in der Oboe, begleitet von Harfe und Streichern.
Häufige Fragen zur Oboe
Warum gibt die Oboe den Stimmton im Orchester?
Die Oboe gibt den Stimmton a, weil ihr Ton durchdringt und ihre Stimmung kaum nachgibt. Ihr obertonreicher Klang ist auch im vollbesetzten Orchester von jedem Pult aus zu hören. Vor allem aber hat die Oboe keinen Stimmzug: Sie lässt sich nur über die Stellung des Rohrs und den Ansatz in engen Grenzen korrigieren, während Streicher, Blechbläser und Klarinettisten ihre Stimmung frei anpassen. Deshalb richtet sich das Orchester nach der Oboe und nicht umgekehrt. Spielt ein Klavier mit, gibt dieses den Ton, weil es sich während eines Konzerts nicht nachstimmen lässt. Der Kammerton a liegt nach der internationalen Festlegung bei 440 Hertz, viele europäische Orchester spielen ihn bei 442 oder 443 Hertz.
Ist die Oboe schwer zu lernen?
Die Oboe gilt als schwieriges Instrument, und dafür gibt es zwei Gründe: den hohen Blasdruck bei sehr geringem Luftdurchsatz und den Rohrbau, den jeder Oboist früher oder später lernt. Ein erster Ton gelingt oft schnell, ein tragfähiger Ansatz über den ganzen Umfang braucht Jahre. Der Einstieg gelingt meist ab etwa zehn Jahren, weil die Muskulatur um den Mund den Druck aushalten muss. Für jüngere Kinder gibt es kleinere Instrumente mit leichterer Mechanik.
Woraus besteht das Rohr einer Oboe?
Das Rohr einer Oboe besteht aus zwei Blättchen Pfahlrohr, botanisch Arundo donax, die mit Faden auf eine korkbelegte Metallhülse gebunden sind. Beide Blättchen schwingen gegeneinander, deshalb der Name Doppelrohrblatt. Die Stärke des geschabten Schilfs entscheidet über Ansprache, Stimmung und Klangfarbe, und weil Schilf ein Naturprodukt ist, gleicht kein Rohr dem anderen.
In welcher Stimmung steht die Oboe?
Die Oboe steht in C und transponiert nicht: Ein notiertes c erklingt als c. Ihr Umfang beginnt beim kleinen b und reicht knapp drei Oktaven aufwärts. Das Englischhorn derselben Familie steht dagegen in F und klingt eine reine Quinte tiefer, als es notiert ist.



