Das Englischhorn ist die Altvariante der Oboe und gehört wie diese zu den Holzblasinstrumenten mit Doppelrohrblatt. Es steht in F und klingt eine reine Quinte tiefer, als die Noten es angeben. Seinen dunklen, weichen Ton verdankt es dem birnenförmigen Schallbecher, dem sogenannten Liebesfuß, und dem gebogenen Metallröhrchen, auf dem das Rohrblatt sitzt. Der Name führt in die Irre: Das Instrument stammt nicht aus England und ist kein Horn.
Wie klingt ein Englischhorn?
Das Englischhorn klingt dunkel, weich und leicht verschleiert: eine Quinte unter der Oboe, runder als diese und schlanker als das Fagott. Der bauchige Schallbecher dämpft die scharfen Obertöne, die dem Oboenton seine Schärfe geben. Komponisten schreiben dem Instrument deshalb vor allem lange, ruhige Melodielinien.
Wie ein Englischhorn klingt, zeigt dieses Klangbeispiel:
Wie ist ein Englischhorn aufgebaut?
Ein Englischhorn besteht aus Holz, meist Grenadill, und hat eine konische Bohrung, die sich nach unten weitet. Der Rohrkörper ist deutlich länger als der einer Oboe. Klappen und Ringe aus versilbertem Metall decken die Tonlöcher ab.
Zwei Bauteile unterscheiden das Englischhorn von der Oboe. Am unteren Ende sitzt statt des offenen Trichters der birnenförmige Liebesfuß. Am oberen Ende steckt ein gebogenes Metallröhrchen, das Bocal oder S-Bogen heißt und das Doppelrohrblatt aus Schilfrohr trägt. Ohne diese Biegung läge das Rohrblatt wegen der Länge des Instruments zu weit vom Mund entfernt.
Wie spielt man Englischhorn?
Wer Englischhorn spielt, nimmt das Doppelrohrblatt zwischen die leicht gespannten Lippen und bläst mit hohem Druck, aber wenig Luft hinein. Die beiden Rohrblatthälften schlagen gegeneinander und versetzen die Luftsäule im Instrument in Schwingung. Die Finger öffnen und schließen dabei Grifflöcher und Klappen.
Das Englischhorn wiegt mehr als eine Oboe, deshalb entlasten viele Spieler den rechten Daumen mit einem Nackengurt. Die zweite Daueraufgabe ist das Rohrblatt, das Profis aus Schilfrohr selbst zuschneiden und schaben, weil Ansprache und Klangfarbe unmittelbar daran hängen.
Woher kommt der Name Englischhorn?
Der Name passt sachlich nicht: Das Englischhorn kommt nicht aus England, und ein Horn ist es auch nicht. Hörner zählen zu den Blechblasinstrumenten und klingen über die schwingenden Lippen im Mundstück, das Englischhorn dagegen über ein Doppelrohrblatt. Woher die Bezeichnung stammt, ist ungeklärt. Am häufigsten führen Fachleute sie auf das französische cor anglé zurück, das gewinkelte Horn, denn frühe Formen des Instruments hatten einen Knick im Korpus. Eine zweite Erklärung leitet sie von engellisch ab, also engelsgleich. Belegt ist keine der beiden. Ähnlich irreführend heißt das Bassetthorn, das zur Klarinettenfamilie gehört.
Das Instrument selbst geht auf die Jagdoboe zurück, die Oboe da caccia, die Johann Sebastian Bach in seinen Kantaten und Passionen einsetzte. Aus ihrer gebogenen Bauform entwickelte sich das heutige, gerade gebaute Englischhorn; vom Knick blieb allein der Bocal am oberen Ende.
Welche Werke prägen das Englischhorn?
Das bekannteste Solo der Orchesterliteratur steht im Largo der 9. Sinfonie Aus der Neuen Welt von Antonín Dvořák. Ähnlich bekannt sind Der Schwan von Tuonela von Jean Sibelius, die Hirtenweise aus Richard Wagners Tristan und Isolde sowie der pastorale Mittelteil der Ouvertüre zu Wilhelm Tell von Gioachino Rossini, in dem Englischhorn und Flöte einander antworten.
Außerhalb des Orchesters hört man das Englischhorn am ehesten in der Filmmusik, wo seine dunkle Farbe ruhige Szenen trägt. In Jazz und Popmusik kommt es kaum vor.
Häufige Fragen zum Englischhorn
Ist das Englischhorn ein Horn?
Nein, das Englischhorn ist ein Holzblasinstrument aus der Oboenfamilie. Seinen Ton erzeugt ein Doppelrohrblatt aus Schilfrohr, während Hörner als Blechblasinstrumente über die schwingenden Lippen im Mundstück klingen.
Kommt das Englischhorn aus England?
Nein, das Englischhorn hat keine englische Herkunft. Es entstand aus der mitteleuropäischen Jagdoboe, der Oboe da caccia. Der verbreitetste Erklärungsversuch führt den Namen auf das französische cor anglé zurück und damit auf die gewinkelte Bauform der frühen Instrumente.
Was ist der Unterschied zwischen Oboe und Englischhorn?
Das Englischhorn ist die Altvariante der Oboe und klingt eine reine Quinte tiefer. Es ist länger gebaut, trägt statt des offenen Trichters den birnenförmigen Liebesfuß und nimmt das Rohrblatt über einen gebogenen Metallbocal auf. Das Griffsystem stimmt weitgehend überein, deshalb spielen fast alle Englischhornisten auch Oboe.
In welcher Stimmung steht das Englischhorn?
Das Englischhorn steht in F und ist ein transponierendes Instrument. Ein notiertes c erklingt als f, also eine reine Quinte tiefer als geschrieben. Wer vom Blatt spielt, rechnet diesen Abstand mit.




