Klarinette

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Bild: Nikandphoto / Shutterstock.com
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Zusammenfassung

Die Klarinette ist ein Holzblasinstrument, dessen Ton ein einzelnes Rohrblatt am Mundstück erzeugt. Ihr Rohr verläuft zylindrisch und ist am Mundstück geschlossen, deshalb überbläst sie nicht in die Oktave, sondern in die Duodezime. Daraus folgt der Rest des Instruments: ein Grundregister über 19 Halbtöne, ein dichtes Klappenwerk und ein Tonumfang von gut dreieinhalb Oktaven. Im Sinfonieorchester stehen B- und A-Klarinette nebeneinander, in Blasorchester, Jazz und Klezmer spielt fast immer die B-Klarinette.

Die Klarinette ist ein Holzblasinstrument, bei dem ein einzelnes Rohrblatt gegen die Bahn des Mundstücks schlägt und die Luftsäule im Rohr anregt. Dieses Einfachrohrblatt trennt sie von Oboe und Fagott, die zwei gegeneinander schwingende Blätter tragen. Ihr Rohr verläuft zylindrisch und ist am Mundstück geschlossen. Daraus folgt die auffälligste Eigenschaft des Instruments: Es überbläst nicht in die Oktave, sondern in die Duodezime.

1Rohrblatt
Bgängigste Stimmung
17Klappen im Böhm-System
19Halbtöne bis zum Überblasen

Wie erzeugt die Klarinette ihren Ton?

Den Ton der Klarinette erzeugt ein Rohrblatt aus Pfahlrohr, das eine Blattschraube auf die flache Bahn des Mundstücks spannt. Der Luftstrom zieht das Blatt gegen die Bahn, der Spalt schließt sich für einen Augenblick, das Blatt federt zurück. Dieser Wechsel zerhackt die Luft in schnelle Stöße, die Stöße bringen die Luftsäule im Rohr zum Schwingen, und deren Länge legt die Tonhöhe fest. Wer ein Tonloch öffnet, verkürzt die Luftsäule, und der Ton steigt.

Warum überbläst die Klarinette in die Duodezime?

Die Klarinette überbläst in die Duodezime, weil ihr zylindrisches Rohr am Mundstück geschlossen ist. Eine solche Luftsäule bildet nur die ungeradzahligen Teiltöne aus, also den Grundton, den dritten und den fünften; der zweite Teilton, der die Oktave brächte, fehlt. Öffnet der linke Daumen die Überblasklappe, springt der Ton deshalb auf den dritten Teilton, eine Oktave plus eine Quinte höher. Die Flöte mit ihrer offenen und das Saxophon mit seiner konischen Luftsäule überblasen dagegen in die Oktave, obwohl das Saxophon dasselbe Einfachrohrblatt trägt.

Das prägt Griffe und Klang. Bis sich die Griffreihe wiederholt, muss die Klarinette 19 Halbtöne mit eigenen Griffen bilden, die Flöte nur zwölf; daher das dichte Klappenwerk. Die Töne unmittelbar unter der Überblasstelle, das Kehlregister, sprechen schwer an und bleiben die schwächste Zone des Instruments. Die tiefe Lage, das Chalumeau-Register, klingt durch die fehlenden geraden Teiltöne dunkel und hohl.

Klarinette: zylindrisches Rohr, am Mundstück geschlossen h (überblasen) e (tiefster Ton) b Duodezime: 19 Halbtöne mit eigenen Griffen Flöte und Oboe: offene oder konische Luftsäule Oktave Grundton zwölfter Halbton Oktave: zwölf Halbtöne mit eigenen Griffen
Die Klarinette greift 19 Halbtöne, bevor die Überblasklappe die Griffreihe eine Duodezime höher wiederholt. Flöte und Oboe erreichen diese Wiederholung nach zwölf Halbtönen.

Die zylindrische, am Mundstück geschlossene Röhre erklärt fast alles an der Klarinette. Sie streicht den zweiten Teilton, verschiebt das Überblasen auf die Duodezime, erzwingt ein großes Grundregister mit entsprechend vielen Klappen und gibt der tiefen Lage ihren dunklen Klang.

Woraus besteht eine Klarinette?

Eine Klarinette besteht aus fünf Teilen, die der Spieler ineinandersteckt: Mundstück, Birne, Oberstück, Unterstück und Schallbecher. Das Mundstück trägt das Rohrblatt, die kurze Birne gleicht über ihre Steckweite die Stimmung aus, Ober- und Unterstück tragen Tonlöcher und Klappenwerk, der Schallbecher strahlt die tiefsten Töne ab. Profiinstrumente entstehen aus Grenadillholz, Schülerinstrumente aus ABS-Kunststoff, Mundstücke meist aus Ebonit.

MerkmalKlarinette
FamilieHolzblasinstrument mit Einfachrohrblatt
Bohrungzylindrisch, am Mundstück geschlossen
Überblasenin die Duodezime, also Oktave plus Quinte
Tonumfanggut dreieinhalb Oktaven, tiefster notierter Ton kleines e
StimmungB im Regelfall, A im Sinfonieorchester, Es für die hohe Lage
TranspositionB-Klarinette klingt einen Ganzton tiefer als notiert
KlappensystemeBöhm-System mit 17 Klappen und 6 Ringen, deutsches System nach Oehler
BauteileMundstück, Birne, Oberstück, Unterstück, Schallbecher
WerkstoffeGrenadillholz oder ABS-Kunststoff, Rohrblatt aus Pfahlrohr

Welches Klappensystem trägt die Klarinette?

Zwei Systeme teilen sich den Markt. Das Böhm-System entwickelten der Klarinettist Hyacinthe Klosé und der Instrumentenbauer Louis Auguste Buffet um 1840 in Paris, indem sie die Ringklappenmechanik Theobald Böhms auf die Klarinette übertrugen; es trägt 17 Klappen und 6 Ringe und ist weltweit verbreitet. Das deutsche System brachte Oskar Oehler in seine heutige Form, sein Modell von 1905 hatte 22 Klappen. Es bleibt in Deutschland und Österreich der Standard und verlangt eigene Griffe, Blätter und Mundstücke.

Welche Größen der Klarinette gibt es?

Die Klarinettenfamilie reicht von der kleinen Es-Klarinette bis zur Kontrabassklarinette. Alle Größen transponieren, das Griffbild bleibt überall dasselbe.

  • B-Klarinette: das Standardinstrument in Blasorchester, Jazz, Klezmer und Musikschule. Sie klingt einen Ganzton tiefer als notiert.
  • A-Klarinette: klingt eine kleine Terz tiefer als notiert. Orchestermusiker führen beide im Kasten und wechseln nach Tonart, weil Stücke mit vielen Kreuzen auf ihr leichter zu greifen sind.
  • Es-Klarinette: die kleinste gebräuchliche Größe, eine kleine Terz höher als notiert klingend. Sie trägt die scharfen Spitzen über dem Satz.
  • Bassklarinette: klingt eine Oktave unter der B-Klarinette. Die Bassklarinette trägt einen gebogenen Metallhals und einen aufwärts gerichteten Becher; gerade gebaut wäre sie zu lang für die Arme.

Woher stammt die Klarinette?

Die Klarinette entstand um 1700 in Nürnberg. Als ihr Erfinder gilt der Instrumentenbauer Johann Christoph Denner, der das ältere Chalumeau umbaute, ein kurzes Rohrblattinstrument mit wenigen Grifflöchern. Denner setzte ihm eine Überblasklappe auf und machte damit das obere Register spielbar. Über das 18. und 19. Jahrhundert wuchs das Klappenwerk, bis Klosé und Buffet in Paris und später Oehler die beiden heutigen Systeme festlegten.

Wie schwer ist die Klarinette zu lernen?

Die ersten Töne gelingen auf der Klarinette schnell, die Beherrschung dauert. Anfänger greifen zu weichen Blättern der Stärke 2 bis 2,5, weil harte Blätter mehr Luftdruck verlangen und sonst nicht ansprechen. Schwierig wird der Sprung über die Überblasklappe, denn Griffbild und Luftführung wechseln dort auf einen Schlag, und die Töne des Kehlregisters darunter klingen matt, bis der Ansatz sitzt. Dazu kommt die Deckung: Auf offenen Tonlöchern muss die Fingerkuppe dicht schließen, sonst sackt der Ton ab.

Welche Musik prägt die Klarinette?

Die Klarinette trägt Hauptstimmen in vier Bereichen. Im Sinfonieorchester sitzt sie seit der Wiener Klassik fest im Holzbläsersatz; Mozarts Konzert in A-Dur (KV 622) von 1791, sein Quintett (KV 581) und Brahms' Klarinettenquintett bilden den Kern des Repertoires. Im Blasorchester übernimmt sie die Rolle, die im Sinfonieorchester die Geigen ausfüllen. Im Jazz führte sie die Bläsersätze der Swing-Ära, Benny Goodman und Artie Shaw machten sie zum Soloinstrument der 1930er-Jahre. In der Klezmermusik prägt sie den Klang mit Glissandi und Verzierungen. George Gershwin eröffnete 1924 seine Rhapsody in Blue mit einem aufsteigenden Klarinettenglissando.

Häufige Fragen zur Klarinette

Wer hat die Klarinette erfunden?

Als Erfinder der Klarinette gilt der Nürnberger Instrumentenbauer Johann Christoph Denner. Er baute um 1700 das ältere Chalumeau um und versah es mit einer Überblasklappe, die erst das obere Register erschloss. Das Klappenwerk der heutigen Instrumente entstand später: Klosé und Buffet legten um 1840 das Böhm-System fest, Oskar Oehler Anfang des 20. Jahrhunderts das deutsche System.

In welcher Stimmung steht eine Klarinette?

Die gebräuchlichste Klarinette steht in B und klingt einen Ganzton tiefer als notiert. Im Sinfonieorchester kommt die A-Klarinette dazu, die eine kleine Terz tiefer klingt als notiert und Stücke mit vielen Kreuzen greifbar macht. Daneben stehen die hohe Es-Klarinette und die Bassklarinette in B, die eine Oktave unter der B-Klarinette klingt.

Wie viele Klappen hat eine Klarinette?

Eine Klarinette im Böhm-System trägt 17 Klappen und 6 Ringe. Das deutsche System nach Oskar Oehler kommt auf mehr, sein Modell von 1905 hatte 22 Klappen. Die hohe Zahl folgt aus dem Überblasen in die Duodezime: Die Klarinette muss 19 Halbtöne mit eigenen Griffen bilden, bevor sich die Griffreihe wiederholt.

Ist die Klarinette ein Holzblasinstrument?

Ja, die Klarinette ist ein Holzblasinstrument, auch wenn ihr Körper aus Kunststoff bestehen kann. Die Einteilung richtet sich nach der Tonerzeugung: Holzblasinstrumente regen die Luftsäule über ein Rohrblatt oder eine Kante an, Blechblasinstrumente über die schwingenden Lippen im Mundstück. Bei der Klarinette schwingt ein einzelnes Rohrblatt gegen die Bahn des Mundstücks.

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