Das Kontrabass-Sarrusophon ist die tiefste gebräuchliche Baugröße der Sarrusophon-Familie, eines Doppelrohrblatt-Instruments mit Korpus aus Metall statt aus Holz. Hersteller bauten es wahlweise in Es, C oder B, alle drei tiefer gestimmt als das Bass-Sarrusophon. Wie die gesamte Familie geht es auf eine Idee des französischen Militärkapellmeisters Pierre-Auguste Sarrus zurück, die der Instrumentenbauer Pierre-Louis Gautrot 1856 als Sarrusophon patentieren ließ: eine lautere, robustere Alternative zu Holzblasinstrumenten für Militärmusik im Freien. In der tiefen Lage trat das Kontrabass-Sarrusophon damit gegen das Kontrafagott an, das für den Auftritt draußen als zu leise und zu empfindlich galt. Aus der Musikpraxis ist es heute fast vollständig verschwunden, neue Exemplare entstehen nur noch als Einzelanfertigung.
Wie ist das Kontrabass-Sarrusophon aufgebaut?
Der Korpus des Kontrabass-Sarrusophons besteht aus Messing, meist vernickelt oder versilbert, und ist wie bei den kleineren Baugrößen der Familie mehrfach U-förmig gefaltet, damit das Instrument trotz seiner Tiefe aufrecht gehalten werden kann. Aufgebaut misst es rund 1,2 Meter und wiegt dabei nur etwa so viel wie ein Bariton-Saxophon, deutlich weniger sperrig als ein gleich tief gestimmtes Kontrabass-Saxophon. Am oberen Ende sitzt, wie beim Bass-Sarrusophon, ein gebogenes Anblasrohr mit einem Doppelrohrblatt aus zwei gegeneinander schwingenden Blättchen, größer als ein Fagottrohrblatt. Ein dichtes System aus Klappen und Ringen verteilt sich über die gesamte Rohrlänge und öffnet die zahlreichen Tonlöcher, die die Finger allein nicht erreichen könnten.
| Merkmal | Kontrabass-Sarrusophon |
|---|---|
| Familie | Doppelrohrblatt-Holzblasinstrument mit Metallkorpus |
| Baugrößen | Es, C oder B, tiefste Stimmlage der Sarrusophon-Familie |
| Klangcharakter | Es-Ausführung wie ein rohriges Kontrabass-Saxophon, C-Ausführung dem Kontrafagott ähnlich |
| Bauhöhe | etwa 1,2 Meter, Gewicht vergleichbar mit einem Bariton-Saxophon |
| Erfindung | Idee 1856 von Pierre-Auguste Sarrus, gebaut und patentiert von Pierre-Louis Gautrot |
| Orchesterwerke | unter anderem Ravels Rapsodie espagnole, Dukas' Der Zauberlehrling, Massenets Esclarmonde, jeweils als Alternative zum Kontrafagott |
| Heutige Bauer | nur Einzelanfertigung, unter anderem Romeo Orsi (Mailand) und Benedikt Eppelsheim |
Warum entstand das Kontrabass-Sarrusophon als Alternative zum Kontrafagott?
Um 1856 suchten französische Militärkapellen eine tiefe Rohrblattstimme, die im Freien gegen Blechbläser und Trommeln bestehen konnte. Das Kontrafagott jener Zeit war aus Holz gebaut, empfindlich gegen Witterung und in der Herstellung aufwendig, weshalb es in Militärkapellen kaum eine Rolle spielte. Pierre-Auguste Sarrus schlug ein robusteres, aus Metall gefertigtes Instrument vor, Pierre-Louis Gautrot baute und patentierte es als tiefste Größe der neuen Sarrusophon-Familie. Gegenüber der naheliegenden Alternative, einem Kontrabass-Saxophon, hatte das Kontrabass-Sarrusophon einen klaren Vorteil: Es war deutlich leichter zu tragen und zu halten, bei ähnlicher Lautstärke im Freien.
Welche Baugrößen bildet das Kontrabass-Sarrusophon?
Hersteller bauten das Kontrabass-Sarrusophon in drei Stimmungen: Es, C und B. Am häufigsten gebaut wurde die Es-Stimmung, unter anderem vom amerikanischen Hersteller C. G. Conn eigens für US-Militärkapellen; sie gilt bis heute als bekannteste Größe der gesamten Sarrusophon-Familie und wird oft schlicht als Sarrusophon bezeichnet, ohne den Zusatz Kontrabass. Klanglich unterscheiden sich die Stimmungen deutlich: Die Es-Ausführung klingt wie ein rohriges Kontrabass-Saxophon, während die C-Ausführung dem Kontrafagott stark ähnelt, weil beide Instrumente in derselben Tonlage stehen. Genau diese Nähe zum Kontrafagott machte die C-Stimmung zur bevorzugten Wahl, wenn Komponisten das Kontrabass-Sarrusophon als Ersatz für ein Kontrafagott vorschrieben.
Welche Rolle spielte das Kontrabass-Sarrusophon in der französischen Orchestermusik?
Um die Wende zum 20. Jahrhundert schrieben mehrere französische Komponisten das Kontrabass-Sarrusophon ausdrücklich als Alternative zum Kontrafagott in ihre Partituren. Maurice Ravel verlangt in der Rapsodie espagnole (uraufgeführt 1908) wahlweise Kontrafagott oder Sarrusophon, Paul Dukas setzt in Der Zauberlehrling (1897) dieselbe Wahlmöglichkeit, und Jules Massenet schreibt in seiner Oper Esclarmonde (1889) für das Kontrabass-Sarrusophon. In allen drei Fällen übernimmt das Instrument die tiefste Rohrblattstimme des Orchesters, dort, wo die Partitur einen härteren, kantigeren Klang wollte als das weichere Kontrafagott bietet. Weil geeignete Spieler und spielbare Instrumente heute selten sind, übernimmt in Aufführungen praktisch immer das Kontrafagott diese Stimme, wie es die Komponisten selbst schon als gleichwertige Option vorsahen.
Wird das Kontrabass-Sarrusophon heute noch gespielt?
Feste Stellen für das Kontrabass-Sarrusophon gibt es in keinem Orchester mehr, und ein eigenständiges Repertoire dafür existiert praktisch nicht. Neue Instrumente entstehen nur noch als Einzelanfertigung, etwa bei der Mailänder Werkstatt Romeo Orsi oder beim deutschen Instrumentenbauer Benedikt Eppelsheim. Einige Sammler und auf historische Blasmusik spezialisierte Ensembles setzen erhaltene Originale ein, meist um die von Ravel, Dukas oder Massenet vorgesehene Originalbesetzung hörbar zu machen statt der heute üblichen Kontrafagott-Lösung. Für die höheren Stimmen der Sarrusophon-Familie, etwa das Bass-Sarrusophon, gilt in der heutigen Musikpraxis dieselbe Randlage.
Häufige Fragen zum Kontrabass-Sarrusophon
Ist das Kontrabass-Sarrusophon ein Holzblasinstrument?
Ja, das Kontrabass-Sarrusophon zählt zu den Holzblasinstrumenten, obwohl sein Korpus vollständig aus Metall besteht. Maßgeblich für die Einteilung ist die Tonerzeugung: Ein Doppelrohrblatt aus zwei gegeneinander schwingenden Blättchen regt die Luftsäule an, genau wie beim Fagott. Ein Blechblasinstrument erzeugt seinen Ton dagegen über die schwingenden Lippen an einem Kesselmundstück, ohne Rohrblatt.
Was unterscheidet das Kontrabass-Sarrusophon vom Kontrafagott?
Das Kontrabass-Sarrusophon besteht vollständig aus Metall und bedient seine Tonlöcher über ein dichtes Klappensystem, das Kontrafagott besteht aus Holz mit einer einfacheren Klappenmechanik. Klanglich fällt das Kontrabass-Sarrusophon härter und durchsetzungsfähiger aus, wofür Pierre-Louis Gautrot es 1856 ursprünglich für den Auftritt im Freien entwickelte. Die C-Stimmung des Kontrabass-Sarrusophons kommt dem Kontrafagott klanglich am nächsten, weshalb Komponisten wie Ravel oder Dukas sie in ihren Partituren als gleichwertige Alternative notierten.
Welche Werke verlangen ein Kontrabass-Sarrusophon?
Maurice Ravels Rapsodie espagnole, Paul Dukas' Der Zauberlehrling und Jules Massenets Oper Esclarmonde schreiben das Kontrabass-Sarrusophon ausdrücklich vor, jeweils als Alternative zum Kontrafagott. Alle drei Partituren stammen aus der Zeit zwischen 1889 und 1908, als das Instrument in französischen Orchestern noch verfügbar war. Da heute kaum noch Spieler und spielbare Instrumente existieren, übernimmt in der Praxis fast immer das Kontrafagott diese Stimme.
Wird das Kontrabass-Sarrusophon noch hergestellt?
Ja, aber nur noch als Einzelanfertigung auf Bestellung. Die großen Serienhersteller des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts wie Gautrot, Couesnon oder C. G. Conn existieren nicht mehr. Heute fertigen unter anderem die Mailänder Werkstatt Romeo Orsi und der deutsche Instrumentenbauer Benedikt Eppelsheim Kontrabass-Sarrusophone auf Anfrage.




