Das Kontrabass-Saxophon steht in Es, eine Oktave unter dem Baritonsaxophon, und zählt zu den seltensten Blasinstrumenten überhaupt. Adolphe Sax nahm es schon 1846 in sein Patent für die gesamte Saxophonfamilie auf, gebaut wurden davon zu jeder Zeit aber nur wenige Dutzend Exemplare. Mit knapp fünf Metern Rohrlänge, rund zwei Metern Standhöhe und etwa 20 Kilogramm Gewicht braucht es die doppelte Rohrlänge und Bohrungsweite des Baritonsaxophons. In der Familie liegt es zwischen dem B-gestimmten Bass-Saxophon und dem noch selteneren Subkontrabass-Saxophon. Gespielt wird es heute fast nur von einzelnen Spezialisten im zeitgenössischen Jazz.
Was ist ein Kontrabass-Saxophon?
Das Kontrabass-Saxophon ist ein Holzblasinstrument mit einfachem Rohrblatt und das zweitgrößte gebräuchliche Mitglied der Saxophonfamilie. Wie bei jedem Saxophon erzeugt ein schwingendes Rohrblatt am Mundstück den Ton, nicht die Lippen des Spielers wie bei einem Blechblasinstrument. Innerhalb der Familie steht es in derselben Stimmung wie das Baritonsaxophon, nämlich Es, allerdings eine volle Oktave tiefer. Nach oben grenzt es damit an das B-gestimmte Bass-Saxophon, nach unten an das ebenfalls B-gestimmte Subkontrabass-Saxophon, das noch einmal eine Oktave unter dem Bass-Saxophon liegt. Adolphe Sax plante das Kontrabass-Saxophon von Anfang an mit: Sein Patent Nr. 3226 vom 21. März 1846 führte für jede Lage zwei parallele Reihen, eine Orchesterreihe in C und F sowie eine Militärreihe in Es und B, darunter auch einen Es-Kontrabass und einen F-Kontrabass. Durchgesetzt hat sich bis heute nur die Es/B-Reihe.
| Merkmal | Kontrabass-Saxophon |
|---|---|
| Familie | Holzblasinstrument mit einfachem Rohrblatt |
| Tonerzeugung | Rohrblatt auf der Mundstückbahn |
| Stimmung | Es |
| Transposition | klingt zwei Oktaven und eine große Sexte tiefer als notiert |
| Notation | Violinschlüssel, wie bei allen Saxophonen |
| Bohrung | konisch, doppelte Rohrlänge und Bohrungsweite des Baritonsaxophons |
| Rohrlänge | Größenordnung fünf Meter |
| Standhöhe | Größenordnung zwei Meter |
| Gewicht | Größenordnung 20 Kilogramm |
| Platz in der Familie | eine Oktave unter dem Baritonsaxophon, zwischen Bass- und Subkontrabass-Saxophon |
| Verbreitung heute | extrem selten, nur wenige Spezialisten und Sammler |
Wie ist das Kontrabass-Saxophon aufgebaut?
Ein konisch gebohrtes Messingrohr bildet den Korpus, wie bei jedem Saxophon, nur in deutlich größeren Maßen. Weil jede tiefere Oktave die nötige Rohrlänge verdoppelt, misst die Luftsäule des Kontrabass-Saxophons knapp fünf Meter, fast doppelt so viel wie beim Baritonsaxophon. Damit aus dieser Länge noch ein stehend spielbares Instrument wird, faltet sich das Rohr mehrfach übereinander, bevor es über einen langen, gebogenen Es-Bogen zum Mundstück hinaufführt. Am unteren Ende sitzt ein weit ausladender Schalltrichter. Weil kein Spieler ein Rohr dieser Länge und dieses Gewichts freihändig halten kann, steht das Kontrabass-Saxophon meist auf einem Bodenstachel oder einem eigens gebauten Ständer.
Das Kontrabass-Saxophon braucht die doppelte Rohrlänge und Bohrungsweite des Baritonsaxophons. Weil jede tiefere Oktave die Rohrlänge verdoppelt, kommt die Luftsäule auf knapp fünf Meter, gefaltet in einen gut zwei Meter hohen, rund 20 Kilogramm schweren Korpus.
Wer baut heute Kontrabass-Saxophone?
Kontrabass-Saxophone in klassischer Bauform baut heute vor allem der deutsche Instrumentenmacher Benedikt Eppelsheim, dessen Münchner Werkstatt auch nach seinem Tod 2023 nach seinen Entwürfen weiterarbeitet. In Brasilien fertigt das Unternehmen J'Élle Stainer seit den 2000er Jahren Kontrabass-Saxophone für die großen Bläserorchester der Pfingstkirche Congregação Cristã no Brasil, die damit die Tuba ersetzen und einen weicheren, rohrblattgestützten Bassklang bekommen. 1999 stellte Eppelsheim zusätzlich den Tubax vor, ein neu proportioniertes Kontrabass-Saxophon mit engerer Bohrung und kleinerem Mundstück: Der Es-Tubax deckt denselben Tonumfang wie das klassische Kontrabass-Saxophon ab, steht aber nur 114 Zentimeter hoch, ungefähr so groß wie ein Baritonsaxophon. Verglichen mit dem Subkontrabass-Saxophon, das Sax 1846 im Patent nur als saxophone bourdon skizzierte und nie baute, wurde das Kontrabass-Saxophon damit durchgehend gebaut: Ein erstes tatsächlich spielbares Subkontrabass-Exemplar entstand erst 2010. Ein Neuinstrument bleibt in jeder Bauform eine Einzelanfertigung, feste Listenpreise wie bei gängigen Saxophonen gibt es nicht.
Woher stammt das Kontrabass-Saxophon?
Das Kontrabass-Saxophon gehörte von Anfang an zur Saxophonfamilie: Adolphe Sax nahm es 1846 in sein Patent auf und zeigte schon 1849 auf Ausstellungen eine komplette Reihe vom Kontrabass- bis zum Sopraninosaxophon. Ein größeres amerikanisches Publikum erreichte es erst 1892, als es in der berühmten Band von Patrick Gilmore auftauchte. Anfang des 20. Jahrhunderts baute die Werkstatt Evette-Schaeffer mindestens zwei Dutzend Kontrabass-Saxophone für US-Militärkapellen, deren Musiker die Instrumente dank Trageriemen sogar im Marschieren spielen konnten. In den 1920er Jahren tauchte es als Blickfang in Varieté- und Tanzorchestern auf, unter anderem in der New Yorker Meyer-Davis-Band und danach im Charles Houston Novelty Jazz Orchestra aus Philadelphia. Mit der Weltwirtschaftskrise ab 1929 endete diese kurze Blüte: Das ohnehin seltene Instrument verschwand fast vollständig aus der Öffentlichkeit, bis das Interesse an tiefen Saxophonen ab den 2000er Jahren wieder zunahm, vor allem in großen Saxophonensembles.
Welche Musiker spielen Kontrabass-Saxophon?
Nur eine Handvoll Musiker setzt das Kontrabass-Saxophon regelmäßig ein, fast ausschließlich im zeitgenössischen Jazz. Der Free-Jazz-Musiker Anthony Braxton nahm mehrfach damit auf, ebenso der amerikanische Multiinstrumentalist Scott Robinson. Der Saxophonist Vinny Golia veröffentlichte 2004 bei Nine Winds Records das Album A Gift for the Unusual: Music for Contrabass Saxophone, spielte darauf aber nicht auf einem klassischen Kontrabass-Saxophon, sondern auf dem enger mensurierten Tubax von Eppelsheim. Für die meisten Hörer bleibt das Kontrabass-Saxophon deshalb ein Instrument, das sie eher auf Aufnahmen einzelner Spezialisten hören als live.
Häufige Fragen zum Kontrabass-Saxophon
In welcher Stimmung steht das Kontrabass-Saxophon?
Das Kontrabass-Saxophon steht in Es, eine Oktave unter dem Baritonsaxophon und in derselben Es-Reihe wie Alt- und Baritonsaxophon. Ein notiertes c klingt damit zwei Oktaven und eine große Sexte tiefer als geschrieben. Nur das noch seltenere, in B gestimmte Subkontrabass-Saxophon reicht in der Familie tiefer.
Was unterscheidet Kontrabass-Saxophon und Bass-Saxophon?
Das Kontrabass-Saxophon ist größer, schwerer und tiefer gestimmt als das Bass-Saxophon: Es steht in Es statt in B und braucht die doppelte Rohrlänge und Bohrungsweite des eine Stufe höher liegenden Baritonsaxophons. Mit rund zwei Metern Standhöhe und etwa 20 Kilogramm Gewicht übertrifft es das Bass-Saxophon deutlich. In der absoluten Tonhöhe liegt das Kontrabass-Saxophon zwischen Bass-Saxophon und Subkontrabass-Saxophon.
Wer baut heute noch Kontrabass-Saxophone?
Heute baut vor allem der deutsche Instrumentenmacher Benedikt Eppelsheim Kontrabass-Saxophone in klassischer Bauform, daneben die kompaktere Variante Tubax mit engerer Bohrung. In Brasilien fertigt das Unternehmen J'Élle Stainer seit den 2000er Jahren Kontrabass-Saxophone für große kirchliche Bläserorchester. Beides bleibt Einzel- und Kleinserienfertigung ohne feste Listenpreise.
Wer spielt Kontrabass-Saxophon?
Kontrabass-Saxophon spielen fast ausschließlich einzelne Spezialisten im zeitgenössischen Jazz, darunter Anthony Braxton und Scott Robinson. Vinny Golia veröffentlichte 2004 ein ganzes Album mit dem Titel Music for Contrabass Saxophone, spielte darauf aber auf dem engeren Tubax und nicht auf dem klassischen Kontrabass-Saxophon. Eine breite Spielpraxis außerhalb dieses engen Kreises gibt es nicht.




