Die Kontrabass-Oboe bezeichnet ein Doppelrohrblattinstrument, das eine Oktave und eine Quinte tiefer klingt als die Oboe, wenn es in F steht, oder zwei volle Oktaven tiefer, wenn es in C steht. Erste Bauformen entstanden im französischen Barock des 17. und 18. Jahrhunderts und blieben Einzelstücke, weil sie in dieselbe Tonlage wie das viel verbreitetere Fagott fielen. Ein durchgehend gebautes, praxistaugliches Instrument in dieser Tiefe gibt es heute nicht mehr. Wer heute von Kontrabass-Oboe spricht, meint fast immer das Lupophon des Instrumentenbauers Guntram Wolf, das aber tatsächlich nur eine Oktave unter der Oboe klingt und damit in derselben Lage wie die Bass-Bariton-Oboe liegt, nur mit weiter nach unten erweitertem Tonumfang.
Was ist die Kontrabass-Oboe?
Die Kontrabass-Oboe ist die tiefste denkbare Bauform der Oboenfamilie: ein Doppelrohrblattinstrument, das eine Oktave und eine Quinte tiefer klingt als die Oboe, wenn es in F gestimmt ist, oder zwei volle Oktaven tiefer, wenn es in C gestimmt ist. Der Oboenhistoriker Bruce Haynes führt den Ursprung auf Frankreich zurück: Als die Oboe im 17. Jahrhundert aus der Schalmei hervorging, versuchten Instrumentenbauer, die komplette Familie der Doppelrohrblattinstrumente bis in die tiefste Lage nachzubilden. Der französische Autor de Garsault beschrieb 1761 ein solches Instrument unter den Namen basse de cromorne oder basse de hautbois; Komponisten wie Jean-Baptiste Lully und Marc-Antoine Charpentier setzten es ein. Richard Strauss urteilte später in seiner Bearbeitung von Berlioz' Instrumentationslehre, der Klang habe keinerlei Ähnlichkeit mit den tiefen Tönen des Fagotts gehabt. Durchgesetzt hat sich die Kontrabass-Oboe trotzdem nie, weil sie in dasselbe Register wie das schon damals etablierte Fagott fiel.
Wie tief klingt die Kontrabass-Oboe wirklich?
Eine echte, in diesem Sinn gestimmte Kontrabass-Oboe baut heute niemand mehr in nennenswerter Stückzahl. Das Instrument, das im Sprachgebrauch an ihre Stelle getreten ist, das Lupophon, klingt nicht eine Oktave und eine Quinte oder zwei Oktaven tiefer als die Oboe, sondern nur eine Oktave tiefer, exakt wie die Bass-Bariton-Oboe und das mit ihr verwandte Heckelphon. Sein Erbauer Guntram Wolf selbst nannte es "die neue Bassoboe", nicht Kontrabass-Oboe. Der Unterschied zur Bass-Bariton-Oboe liegt allein im Tonumfang nach unten: Das Lupophon reicht vier Halbtöne tiefer als das Heckelphon, bis zu einem tiefen F, und deckt damit Passagen ab, die für das Heckelphon geschrieben, aber zu tief für dessen eigenen Tonumfang sind, etwa in Richard Strauss' Alpensinfonie. Wer also unter der Bezeichnung Kontrabass-Oboe ein Instrument zwei Oktaven unter der Oboe erwartet, hört beim Lupophon tatsächlich dieselbe Tonlage wie bei der Bass-Bariton-Oboe, nur mit vier zusätzlichen tiefen Tönen.
| Merkmal | Kontrabass-Oboe / Lupophon |
|---|---|
| Historische Stimmung | F oder C, eine Oktave und eine Quinte oder zwei Oktaven tiefer als die Oboe |
| Stimmung des Lupophons | eine Oktave tiefer als die Oboe, wie die Bass-Bariton-Oboe |
| Tiefster Ton des Lupophons | tiefes F, vier Halbtöne unter dem tiefsten Ton des Heckelphons |
| Entwickler des Lupophons | Guntram Wolf, Kronach, mit Benedikt Eppelsheim, München |
| Entwickelt | 2008, angeboten von Wolfs Werkstatt seit 2010 |
| Material | Korpus aus Bergahorn, Bohrung innen ausgegossen |
| Erste Komposition | PLP von Samuel Andreyev, uraufgeführt 2011 in Amsterdam |
| Verbreitung | extrem selten, fast ausschließlich Auftragswerke |
Wie ist das Lupophon aufgebaut?
Der Korpus des Lupophons besteht aus Bergahorn, dessen Bohrung samt Ansatzbogen innen ausgegossen ist, um das Holz vor Feuchtigkeit zu schützen. Anders als bei der Bass-Bariton-Oboe, deren Ansatzbogen fragezeichenförmig gebogen ist, führt beim Lupophon ein S-förmiger Bogen mit eigener Flageolettklappe das Doppelrohrblatt zum Spieler. Bei einer Rohrlänge von etwa 173 Zentimetern wäre ein durchgehend gerades Rohr nicht mehr zu handhaben; deshalb biegt sich der untere Teil des Instruments wie bei einem Saxophon nach oben, statt wie beim Fagott oder Kontrafagott mehrfach flach gefaltet zu sein. Dadurch ähnelt das Lupophon im Erscheinungsbild eher einem Saxophon als einer Oboe. Die Grifflöcher sind mit einer Mechanik nach französischem Oboenvorbild versehen, ergänzt um zusätzliche Klappen für beide Daumen, die die vier tiefsten Halbtöne unterhalb des Heckelphon-Tonumfangs erschließen. Die Mechanik ist hochglanzversilbert.
Wer entwickelte das Lupophon?
Guntram Wolf aus Kronach entwickelte das Lupophon 2008 gemeinsam mit dem Münchner Instrumentenbauer Benedikt Eppelsheim; seine Werkstatt bietet es seit 2010 an. Dasselbe Team hatte 2001 bereits das Kontraforte vorgestellt, eine Weiterentwicklung des Kontrafagotts mit weiterer Bohrung. Der Name Lupophon setzt sich aus dem lateinischen Wort lupus für Wolf und der Endung -phon zusammen, ein Verweis auf Wolfs eigenen Nachnamen nach demselben Muster wie beim Saxophon oder beim Heckelphon. Als reine Auftragsarbeit einzelner Spieler und Ensembles wird jedes Exemplar einzeln in Kronach gefertigt.
Das Lupophon klingt eine Oktave, nicht zwei Oktaven tiefer als die Oboe. Es teilt die Stimmung mit der Bass-Bariton-Oboe und dem Heckelphon und unterscheidet sich von ihnen nur durch vier zusätzliche tiefe Halbtöne und seine saxophonartige Form. Eine echte, historische Kontrabass-Oboe mit zwei Oktaven Abstand zur Oboe baut heute niemand mehr in Serie.
Wo wird die Kontrabass-Oboe heute gespielt?
Das Lupophon bleibt ein Spezialinstrument für die zeitgenössische Musik. Die erste Kammermusikkomposition dafür, PLP für Lupophon und zwei Klaviere von Samuel Andreyev, wurde am 15. März 2011 in Amsterdam durch den Oboisten Martin Bliggenstorfer uraufgeführt. Seither entstehen weitere Werke fast ausschließlich als Auftragskompositionen für einzelne Spieler oder Rohrblattensembles, die die gesamte Bandbreite der Oboenfamilie von der Piccolo-Oboe bis zum Lupophon vorführen. In Jazz, Pop oder Rock kommt das Instrument nicht vor, und auch im klassischen Orchesterrepertoire hat es sich außerhalb einzelner moderner Werke nicht etabliert. Wer eines der wenigen gebauten Exemplare spielen will, bestellt es einzeln in Guntram Wolfs Werkstatt in Kronach.
Häufige Fragen zur Kontrabass-Oboe
Wie viele Oktaven tiefer klingt die Kontrabass-Oboe als die Oboe?
Eine historische, in F oder C gestimmte Kontrabass-Oboe klingt eine Oktave und eine Quinte oder zwei volle Oktaven tiefer als die Oboe. Das moderne Lupophon, das heute meist unter diesem Namen gemeint ist, klingt dagegen nur eine Oktave tiefer, mit einem bis vier Halbtöne weiter unten reichenden Tonumfang. Ein Instrument mit dem vollen historischen Abstand von zwei Oktaven wird heute nicht mehr gebaut.
Was ist das Lupophon?
Das Lupophon ist ein modernes Doppelrohrblattinstrument, das Guntram Wolf aus Kronach 2008 gemeinsam mit Benedikt Eppelsheim entwickelte und seit 2010 anbietet. Es klingt eine Oktave tiefer als die Oboe und reicht mit seinem Tonumfang bis zu einem tiefen F, vier Halbtöne unter dem tiefsten Ton des Heckelphons. Sein Erbauer bezeichnete es selbst als die neue Bassoboe.
Was unterscheidet das Lupophon von der Bass-Bariton-Oboe?
Das Lupophon und die Bass-Bariton-Oboe klingen beide eine Oktave tiefer als die Oboe, unterscheiden sich aber im Tonumfang und im Aussehen. Das Lupophon reicht vier Halbtöne tiefer als die Bass-Bariton-Oboe und das mit ihr verwandte Heckelphon. Sein Korpus biegt sich am unteren Ende wie bei einem Saxophon nach oben, während die Bass-Bariton-Oboe einen fragezeichenförmigen Ansatzbogen am oberen Ende trägt.
Wo wird die Kontrabass-Oboe oder das Lupophon gespielt?
Die Kontrabass-Oboe in Form des Lupophons wird fast ausschließlich in der zeitgenössischen Musik gespielt, meist in eigens dafür komponierten Auftragswerken oder in spezialisierten Rohrblattensembles. Die erste Kammermusikkomposition dafür, PLP von Samuel Andreyev, erklang 2011 in Amsterdam. Im klassischen Orchesterrepertoire, in Jazz, Pop oder Rock spielt das Instrument keine Rolle.




