Die Kontrabass-Klarinette ist das tiefste Instrument der Klarinettenfamilie, das noch regelmäßig gebaut wird. Sie steht wie die meisten Klarinetten in B, klingt aber eine Oktave tiefer als die Bassklarinette und zwei Oktaven tiefer als die Standard-Klarinette. Ihr langes Rohr liegt mehrfach gefaltet im Korpus, meist aus Metall gefertigt, damit das Instrument trotz einer Rohrlänge von rund drei Metern noch zu halten bleibt. Praktikabel und in nennenswerter Stückzahl gebaut wird sie erst seit dem 20. Jahrhundert, nach mehreren gescheiterten Anläufen im 19. Jahrhundert. Ihr Haupteinsatzort ist der Klarinettenchor, im Sinfonieorchester bleibt sie bis heute ein seltener Gast.
Was ist eine Kontrabass-Klarinette?
Eine Kontrabass-Klarinette ist ein Holzblasinstrument aus der Klarinettenfamilie, das mit einem Einfachrohrblatt gespielt wird, das gegen die Bahn eines Mundstücks schwingt, genau wie bei der Klarinette. Sie transponiert wie die B-Klarinette in B, klingt aber zwei Oktaven tiefer als diese und eine Oktave tiefer als die Bassklarinette. Innerhalb der Familie bildet sie damit die unterste Stufe, die noch regelmäßig gebaut wird. Tiefere Bauversuche blieben in der Geschichte des Instruments Einzelstücke oder verschwanden nach kurzer Zeit wieder vom Markt.
Wie ist die Kontrabass-Klarinette aufgebaut?
Der Korpus der Kontrabass-Klarinette besteht meist aus Metall, seltener aus Palisanderholz, und misst ausgerollt an die drei Meter Rohrlänge. Damit das Instrument trotzdem eine Baugröße nahe einem Fagott behält, liegt das Rohr mehrfach U-förmig gefaltet, bei vielen Modellen in einer schlangenförmigen Bauweise, mit der der Hersteller Leblanc seine Instrumente prägte. Ein gebogener Hals führt vom oberen Ende zum Mundstück mit dem Einfachrohrblatt, am unteren Ende strahlt ein weit nach oben gerichteter Schallbecher den Klang zum Publikum hin ab. Die Tonlöcher fallen wegen der weiten Bohrung groß aus, deshalb bedienen verlängerte Hebel einen Teil der Klappen, damit auch kurze Finger sie erreichen. Weil das Gewicht die Arme allein überfordert, steht das Instrument meist auf einem Ständer oder wird über einen Sitzstachel abgestützt, ähnlich wie ein Fagott.
| Merkmal | Kontrabass-Klarinette |
|---|---|
| Familie | Holzblasinstrument mit Einfachrohrblatt |
| Stimmung | B |
| Transposition | klingt eine Oktave tiefer als die Bassklarinette, zwei Oktaven tiefer als die Standardklarinette |
| Tonumfang nach unten | je nach Bauform bis Es, D oder C |
| Bauform | mehrfach gefaltetes Rohr, gebogener Hals, aufwärts gerichteter Schallbecher |
| Werkstoffe | meist Metall, seltener Palisanderholz |
| Griffsystem | Böhm-System, Grifftabelle nahe der Bassklarinette |
| Haupteinsatzort | Klarinettenchor, selten Sinfonieorchester |
Wie tief klingt die Kontrabass-Klarinette im Vergleich zur Bassklarinette?
Die Kontrabass-Klarinette klingt eine Oktave tiefer als die Bassklarinette und zwei Oktaven tiefer als die Standardklarinette in B, obwohl alle drei Instrumente in derselben Tonart transponieren und dasselbe Griffbild tragen. Je nach Bauform reicht ihr Tonumfang nach unten bis zum notierten Es, D oder C. Günstigere und leichtere Modelle bleiben meist bei der kürzeren Ausführung bis Es, weil jede tiefere Variante mehr Klappen, mehr Rohrlänge und damit mehr Gewicht verlangt. Als tiefstes Holzblasinstrument im Sinfonieorchester gilt trotzdem nicht die Kontrabass-Klarinette, sondern das Kontrafagott, das mit einem Doppelrohrblatt statt einem Einfachrohrblatt einen noch tieferen Grundton erreicht.
Gleiches Griffbild, drei Oktavlagen. Standardklarinette, Bassklarinette und Kontrabass-Klarinette teilen Mundstück, Einfachrohrblatt und Grundgriffbild. Von einer Stufe zur nächsten kommt jeweils eine Oktave nach unten hinzu, während Rohrlänge und Gewicht sich vervielfachen.
Woher stammt die Kontrabass-Klarinette?
Erste Versuche, eine sehr tiefe Klarinette zu bauen, reichen ins frühe 19. Jahrhundert zurück. 1808 baute der französische Goldschmied Dumas aus Sommières ein Instrument, das er "Contre-Basse Guerrière" nannte. 1829 stellte der Göttinger Instrumentenbauer Johann Heinrich Gottlieb Streitwolf ein in F gestimmtes Instrument in Form und Grifftechnik eines Bassetthorns vor, das eine Oktave tiefer klang als dieses. 1839 folgte mit dem Batyphon von Wilhelm Wieprecht und E. Skorra ein weiterer Versuch, der sich als unpraktisch erwies, und 1851 ließ Adolphe Sax seine "Clarinette-Bourdon" in Es patentieren, die jedoch nie in Serie ging.
Eine praktikable, in nennenswerter Stückzahl gebaute Form etablierte sich erst deutlich später. 1889 begann die Pariser Firma Fontaine-Besson mit der Produktion einer sogenannten Pedal-Klarinette, die als erstes Modell breitere Anerkennung fand. Um 1920 entwickelte Buffet-Crampon ein kompakteres Metallmodell nach dem Böhm-System, das die Fontaine-Besson-Bauart ablöste, und ab 1950 baute die Firma Leblanc in Paris mehrere Serienmodelle, darunter das bis heute verbreitete, mehrfach gefaltete Modell 340. Erst mit diesen Instrumenten des 20. Jahrhunderts wurde die Kontrabass-Klarinette so verlässlich spielbar, dass Orchester und Klarinettenchöre dauerhaft mit ihr planen konnten.
Wo kommt die Kontrabass-Klarinette zum Einsatz?
Am häufigsten steht die Kontrabass-Klarinette in Klarinettenchören, Ensembles, die ausschließlich mit Instrumenten der Klarinettenfamilie besetzt sind. Dort bildet sie zusammen mit der Bassklarinette das klangliche Fundament unterhalb der Melodiestimmen. Im Sinfonieorchester bleibt sie die Ausnahme: Arnold Schönberg schrieb in der Originalfassung seiner Fünf Orchesterstücke op. 16 von 1909 eine Kontrabassklarinette in A vor, und Igor Strawinsky setzte das Instrument in seinem späten Werk Die Flut von 1962 ein. Bei den meisten Aufführungen dieser Werke übernimmt heute eine Bassklarinette die Stimme, weil nur wenige Orchestermusiker über ein eigenes Instrument verfügen.
Wie schwer ist die Kontrabass-Klarinette zu spielen?
Das Griffbild der Kontrabass-Klarinette ähnelt dem der Bassklarinette, wer diese beherrscht, findet sich schnell zurecht. Schwierig macht das Spiel vor allem die Größe: Das Instrument wiegt deutlich mehr als eine Bassklarinette, verlangt einen kräftigen, gut kontrollierten Ansatz für das große Mundstück und mehr Atemvolumen, um die lange Luftsäule zum vollen Klingen zu bringen. Wegen der weiten Bohrung sprechen einzelne Töne erst nach einiger Übung zuverlässig an, und die tiefsten Töne brauchen einen stabilen, gleichmäßigen Luftstrom, sonst brechen sie ab. Weil so wenige Spieler ein eigenes Instrument besitzen, lernt kaum jemand die Kontrabass-Klarinette als erstes Instrument. Meist wechseln erfahrene Klarinettisten oder Bassklarinettisten aus einem Klarinettenchor darauf um, sobald sich die Gelegenheit bietet.
Häufige Fragen zur Kontrabass-Klarinette
Wie tief klingt eine Kontrabass-Klarinette?
Eine Kontrabass-Klarinette klingt eine Oktave tiefer als die Bassklarinette und zwei Oktaven tiefer als die Standardklarinette in B. Je nach Bauform reicht ihr Tonumfang nach unten bis zum notierten Es, D oder C. Damit ist sie das tiefste Instrument der Klarinettenfamilie, das noch regelmäßig gebaut wird.
Ist die Kontrabass-Klarinette ein Holzblasinstrument?
Ja, die Kontrabass-Klarinette zählt zu den Holzblasinstrumenten, obwohl ihr Korpus meist aus Metall besteht. Die Einteilung richtet sich nach der Tonerzeugung, nicht nach dem Werkstoff: Ein Einfachrohrblatt schwingt gegen die Bahn des Mundstücks und regt die Luftsäule an, genau wie bei jeder anderen Klarinette.
Wo wird die Kontrabass-Klarinette hauptsächlich eingesetzt?
Die Kontrabass-Klarinette kommt hauptsächlich in Klarinettenchören zum Einsatz, wo sie zusammen mit der Bassklarinette das klangliche Fundament bildet. Im Sinfonieorchester bleibt sie selten, kommt aber in wenigen Werken des 20. Jahrhunderts vor, etwa in Arnold Schönbergs Fünf Orchesterstücken op. 16 von 1909 und in Igor Strawinskys Die Flut von 1962.
Wer hat die Kontrabass-Klarinette erfunden?
Einen einzelnen Erfinder der Kontrabass-Klarinette gibt es nicht: Mehrere Instrumentenbauer versuchten sich im 19. Jahrhundert unabhängig voneinander an einer sehr tiefen Klarinette, darunter der Goldschmied Dumas 1808, der Göttinger Instrumentenbauer Johann Heinrich Gottlieb Streitwolf 1829 und Adolphe Sax 1851. Eine praktikable, dauerhaft gebaute Form entstand erst im 20. Jahrhundert, zunächst bei Fontaine-Besson und Buffet-Crampon, dann bei Leblanc.




