Die Bassklarinette ist ein Holzblasinstrument aus der Klarinettenfamilie, das mit demselben Einfachrohrblatt wie die Klarinette gespielt wird, aber deutlich tiefer klingt. Sie steht meist in B und klingt eine None tiefer als notiert, während die B-Klarinette nur einen Ganzton unter der Notation liegt. Ein gebogener Metallhals führt zum Mundstück, und ein nach oben gerichteter Metallschallbecher schließt das Instrument nach unten ab; beide Biegungen verkürzen die Baulänge auf ein noch spielbares Maß. Größere Tonlöcher und ein entsprechend kräftigeres Klappenwerk unterscheiden sie äußerlich von der Standardklarinette. Seit dem 19. Jahrhundert gehört sie zur festen Ausstattung des Sinfonieorchesters.
Wie ist die Bassklarinette aufgebaut?
Der Korpus der Bassklarinette besteht aus Grenadillholz oder aus Kunststoff und fällt deutlich länger aus als der einer B-Klarinette. Am oberen Ende ersetzt ein gebogener Metallhals, der S-Bogen oder umgangssprachlich auch Krücke genannt, die kurze Birne der Standardklarinette und führt das Mundstück mit dem Einfachrohrblatt in eine spielbare Höhe. Am unteren Ende folgt statt eines geraden Schallbechers ein weit nach oben gebogener Metallbecher, der den Klang nach vorn statt nach unten abstrahlt. Beide Biegungen lösen dasselbe Problem: Gerade gebaut würde das lange Rohr weit über die Reichweite der Arme hinausragen. Die Tonlöcher der Bassklarinette fallen wegen der weiteren Bohrung größer aus als bei der B-Klarinette, weshalb ein Teil der Klappen über verlängerte Hebel bedient wird, damit auch kurze Finger sie erreichen. Da das Instrument zu schwer für die Hände allein ist, stützt ein Sitzstachel oder ein Nackengurt es zusätzlich ab.
| Merkmal | Bassklarinette |
|---|---|
| Familie | Holzblasinstrument mit Einfachrohrblatt |
| Stimmung | B, seltener A |
| Transposition | klingt eine None tiefer als notiert |
| Tonumfang | kurze Bauform bis tief Es, lange Bauform bis tief C |
| Bauform | gebogener Metallhals (S-Bogen), weit aufwärts gerichteter Metallschallbecher |
| Griffsystem | Böhm-System, Grifftabelle nahe der B-Klarinette |
| Werkstoffe | Grenadillholz oder ABS-Kunststoff, Hals und Becher aus Metall |
| Verwandte Instrumente | Altklarinette in Es, Kontrabass-Klarinette zwei Oktaven unter der B-Klarinette |
Wie tief klingt die Bassklarinette im Vergleich zur Klarinette?
Eine B-Bassklarinette klingt eine None tiefer als notiert. Die Standardklarinette in B liegt dagegen nur einen Ganzton unter ihrer Notation. Weil eine None eine Oktave plus einen Ganzton misst, erklingt die Bassklarinette bei identischem Notentext genau eine Oktave tiefer als die B-Klarinette, obwohl beide Instrumente in derselben Tonart transponieren. Ein geschriebenes c erklingt auf der B-Klarinette als b, auf der Bassklarinette als das b eine Oktave darunter.
Die Bassklarinette transponiert eine None, nicht eine Oktave. Die Verwechslung entsteht leicht, weil ihr Klang gegenüber der B-Klarinette tatsächlich eine Oktave tiefer liegt. Diese Oktave ergibt sich aber daraus, dass die B-Klarinette selbst schon einen Ganzton unter der Notation klingt, nicht daraus, dass die Bassklarinette nur eine Oktave transponiert.
Innerhalb der Klarinettenfamilie schließt die Bassklarinette nach unten an die Altklarinette an, die eine große Sexte statt einer None tiefer klingt. Nach unten folgt ihr die Kontrabass-Klarinette, die als B-Instrument zwei Oktaven unter der B-Klarinette liegt.
Welchen Tonumfang hat die Bassklarinette?
Kurz gebaute Bassklarinetten reichen nach unten bis zum tief notierten Es, lange Bauformen bis zum tief notierten C, eine kleine Terz weiter. Die Erweiterung bis C verlangt zusätzliche Klappen und einen längeren Becher und findet sich vor allem an Instrumenten für Orchester und Musikschule auf höherem Niveau. Einsteigermodelle bleiben meist bei der kürzeren Bauform bis Es, weil die zusätzlichen Klappen Gewicht, Länge und Anschaffungskosten erhöhen.
Woher stammt die Bassklarinette?
Erste Bauversuche einer tiefen Klarinette reichen ins 18. Jahrhundert zurück und nahmen zunächst fagottähnliche Formen an, weil sich ein so langes Rohr auf diese Weise leichter mit den Armen erreichen ließ. Der Instrumentenbauer Georg Heinrich Streitwolf aus Göttingen baute 1828 ein solches fagottförmiges Modell mit neunzehn Klappen. Die heute übliche Form mit weiter Bohrung, durchgehendem Klappenwerk statt offener Tonlöcher, gebogenem Metallhals und aufwärts gerichtetem Schallbecher entwickelte der belgische Instrumentenbauer Adolphe Sax um 1830 und ließ sie 1838 in Belgien patentieren. Diese Bauform setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gegenüber den älteren, fagottähnlichen Modellen durch und bildet bis heute die Grundlage der modernen Bassklarinette.
Welche Musik prägt die Bassklarinette?
Im Sinfonieorchester gehört die Bassklarinette seit dem 19. Jahrhundert zur festen Bläserbesetzung größerer Werke. Richard Wagner setzte sie in der Orchesterbesetzung seines Rheingold ein, Richard Strauss führte sie in Elektra neben zwei Bassetthörnern für dunkle, dramatische Klangfarben. Im Jazz blieb das Instrument lange die Ausnahme, bis der Multi-Instrumentalist Eric Dolphy es in den frühen 1960er-Jahren als eigenständiges Soloinstrument etablierte. Sein 1964 erschienenes Album Out to Lunch! gilt bis heute als Referenzaufnahme für die Bassklarinette im Jazz.
Häufige Fragen zur Bassklarinette
In welcher Stimmung steht eine Bassklarinette?
Eine Bassklarinette steht im Regelfall in B und klingt eine None tiefer als notiert. Zum Vergleich: Die B-Klarinette klingt nur einen Ganzton unter ihrer Notation. Weil eine None eine Oktave plus einen Ganzton misst, liegt der Klang der Bassklarinette genau eine Oktave unter dem der B-Klarinette.
Wer hat die Bassklarinette erfunden?
Die heute übliche Form der Bassklarinette entwickelte der belgische Instrumentenbauer Adolphe Sax um 1830; er ließ sie 1838 in Belgien patentieren. Frühere, meist fagottähnliche Bauversuche reichen ins 18. Jahrhundert zurück, etwa das Modell von Georg Heinrich Streitwolf aus dem Jahr 1828 mit neunzehn Klappen.
Wie tief reicht der Tonumfang einer Bassklarinette?
Der Tonumfang einer Bassklarinette reicht bei der kurzen Bauform bis zum tief notierten Es und bei der langen Bauform bis zum tief notierten C, eine kleine Terz weiter. Die längere Bauform mit tiefem C verlangt zusätzliche Klappen und einen längeren Becher und findet sich vor allem bei Instrumenten für Orchester und fortgeschrittene Musikschüler.
Welche Rolle spielt die Bassklarinette im Jazz?
Im Jazz gilt die Bassklarinette als Ausnahmeinstrument, das der Multi-Instrumentalist Eric Dolphy in den frühen 1960er-Jahren als eigenständiges Soloinstrument etablierte. Sein Album Out to Lunch! von 1964 zeigt das Instrument in einer für die damalige Zeit ungewöhnlichen Solorolle und gilt bis heute als Referenzaufnahme.




