Bawu

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Bild: Venus Angel / Shutterstock.com
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Zusammenfassung

Der Bawu ist ein chinesisches Blasinstrument aus Bambus, dessen Ton nicht an einer Kante wie bei der Flöte, sondern an einer freischwingenden Metallzunge am Kopfende entsteht, nach demselben Prinzip wie bei der Mundharmonika oder dem Akkordeon. Er stammt aus der Provinz Yunnan im Südwesten Chinas, wo ihn ethnische Minderheiten wie die Yi, Dai und Hani spielen. Der Klang ist weich und erinnert an eine Klarinette, weil die Zunge frei schwingt statt wie ein Rohrblatt gegen eine Öffnung zu schlagen. Je nach Bauform hält man den Bawu quer wie eine Querflöte oder gerade wie eine Blockflöte, die Tonerzeugung an der Zunge bleibt dabei gleich. Heute gehört er zum festen Bestand chinesischer Volksmusikensembles und ist gelegentlich in Filmmusik zu hören.

Der Bawu ist ein chinesisches Blasinstrument aus Bambus, dessen Ton nicht an einer Kante wie bei der Flöte, sondern an einer freischwingenden Metallzunge am Kopfende entsteht. Dieses Prinzip teilt der Bawu mit der Mundharmonika und dem Akkordeon, nicht mit der Klarinette oder der Oboe. Er stammt aus der Provinz Yunnan im Südwesten Chinas, wo ihn ethnische Minderheiten wie die Yi, Dai und Hani seit Generationen spielen. Je nach Bauform hält man ihn quer wie eine Querflöte oder gerade wie eine Blockflöte, während die Tonerzeugung an der Zunge in beiden Fällen gleich bleibt.

8Tonlöcher
1freischwingende Zunge
BambusMaterial des Rohrs
YunnanUrsprungsregion

Wie erzeugt der Bawu seinen Ton?

Der Bawu erzeugt seinen Ton an einer einzelnen Metallzunge, die frei in einem schmalen Schlitz am Kopfende des Bambusrohrs schwingt. Der Spieler bläst Luft über diese Zunge, sie gerät ins Schwingen und setzt die Luftsäule im Rohr in Bewegung. Das unterscheidet den Bawu grundlegend von einer Klarinette: Deren Rohrblatt schlägt bei jedem Schwingungszyklus gegen die Mundstücköffnung und unterbricht den Luftstrom vollständig, ein durchschlagendes Rohrblatt. Die Zunge des Bawu berührt ihren Rahmen dagegen nie, sie schwingt frei darin hin und her und drosselt den Luftstrom nur periodisch, ohne ihn ganz zu stoppen. Genau dieses Prinzip der freien Zunge nutzen auch die Mundharmonika und das Akkordeon, weshalb Fachleute alle drei Instrumente zu den Freireed-Instrumenten zählen. Auch der chinesische Sheng und der laotische Khene arbeiten mit freien Zungen, bündeln dafür aber mehrere Bambuspfeifen zu einer Mundorgel, statt wie der Bawu ein einzelnes Blasrohr zu nutzen. Die frühesten Bawu trugen eine aus Bambus geschnittene Zunge. Weil eine solche Zunge sich schnell abnutzte, gingen Spieler dazu über, sie durch eine dünne, dreieckig ausgeschnittene Zunge aus Messing oder Kupfer zu ersetzen, die länger hält und einen volleren Ton liefert.

Woraus besteht der Bawu?

Der Bawu besteht aus einem zylindrischen Bambusrohr, das an seinem oberen Ende durch einen natürlichen Knoten verschlossen ist. Nahe diesem Knoten sitzt die Metallzunge in einem schmalen Schlitz, direkt darüber liegt die Blasöffnung. Auf der dem Schlitz gegenüberliegenden Rohrseite befinden sich acht Tonlöcher, sieben auf der Vorderseite und ein Daumenloch auf der Rückseite. Der Spieler verkürzt die klingende Luftsäule, indem er ein Loch nach dem anderen öffnet, und hebt damit die Tonhöhe schrittweise an. Je nach Länge und Durchmesser des Bambusrohrs baut man Bawu in unterschiedlichen Lagen, von hoch klingenden Sopran- bis zu tief klingenden Bassmodellen. Eine einheitliche Norm für Maße gibt es nicht, jede Werkstatt legt Länge und Bohrung nach der gewünschten Stimmlage selbst fest.

MerkmalBawu
FamilieFreireed-Blasinstrument, freischwingende Zunge
MaterialBambusrohr, Zunge aus Messing oder Kupfer
Tonerzeugungfreischwingende Metallzunge am Kopfende, kein Rohrblatt
Tonlöcher8, davon 7 vorne und 1 Daumenloch hinten
Haltungquer wie eine Querflöte oder gerade wie eine Blockflöte, je nach Bauform
StimmlagenSopran, Alt und Bass, ohne feste Normmaße
Klangcharakterweich, klarinettenartig
HerkunftsregionProvinz Yunnan, Südwestchina

Quer oder gerade: Wie hält man den Bawu?

Der Bawu kommt in zwei Haltungen vor, quer gehalten wie eine Querflöte oder aufrecht gehalten wie eine Blockflöte. Die quer gehaltene Bauform ist die bekanntere und wird meist gemeint, wenn allgemein vom Bawu die Rede ist. In beiden Fällen liegt der Mund an derselben Stelle am Kopfende, dort, wo die Zunge sitzt, und der Ton entsteht in beiden Fällen an der Zunge selbst. Das unterscheidet den Bawu von einer echten Querflöte, bei der der Spieler einen Luftstrom mit den Lippen formt und über eine Kante am Mundloch richtet, wo der Strom sich bricht und zu schwingen beginnt. Beim Bawu übernimmt die Zunge diese Aufgabe vollständig, die Lippen formen keinen Luftstrom gegen eine Kante. Die Griffweise mit acht Löchern ähnelt der einer Querflöte oder Blockflöte, nur die Tonerzeugung dahinter unterscheidet sich.

Flöte Luftstrom bricht sich an der Kante Klarinette Rohrblatt schlägt gegen die Öffnung, Strom stoppt kurz Bawu Zunge schwingt frei im Schlitz, ohne ihn zu berühren Nur beim Bawu, der Mundharmonika und dem Akkordeon schwingt die Zunge frei, ohne den Luftstrom je ganz zu stoppen
Flöte, Klarinette und Bawu erzeugen ihren Ton auf drei unterschiedlichen Wegen: an einer Kante, an einem durchschlagenden Rohrblatt oder an einer freischwingenden Zunge.

Woher stammt der Bawu?

Der Bawu stammt aus der Provinz Yunnan im Südwesten Chinas und ist eng mit den dort ansässigen Volksgruppen der Yi, Dai, Hani und Miao verbunden, die ihn seit langer Zeit in ihrer Volksmusik einsetzen. Schriftliche Belege reichen mindestens bis in die Qing-Dynastie zurück, die 1644 begann, in der mündlich weitergegebenen Praxis der Minderheiten dürfte das Instrument älter sein. Für die Musikwelt außerhalb Yunnans wurde der Bawu erst im 20. Jahrhundert wichtig: 1956 stellte der Musiker Shi Gong vom Gesang- und Tanzensemble Yunnans in Peking das erste eigens für Bawu komponierte Solostück vor. Der Auftritt löste bei Fachpublikum und Instrumentenbauern Interesse aus, in der Folge entstanden weitere Solowerke, und Musikhochschulen nahmen den Bawu in ihren Unterricht auf.

Welche Musik prägt den Bawu heute?

Der Bawu gehört heute zum festen Bestand chinesischer Volksmusikensembles und wird an Konservatorien als eigenständiges Instrument unterrichtet, mit einem eigenen Repertoire an Solostücken und Bearbeitungen. Wegen seines weichen, klarinettenartigen Timbres taucht er zudem in Filmmusik auf: Im Soundtrack zu "Crouching Tiger, Hidden Dragon" (2000) unterlegte Komponist Tan Dun die Szenen der Figur Jade Fox mit dem dunklen, klagenden Klang des Bawu. Vereinzelt setzen auch Musiker außerhalb Chinas das Instrument ein, wenn sie gezielt seinen charakteristischen Klang suchen.

Häufige Fragen zum Bawu

Hat der Bawu ein Rohrblatt?

Nein, der Bawu hat kein Rohrblatt. Sein Ton entsteht an einer einzelnen Metallzunge, die frei in einem Schlitz am Kopfende des Bambusrohrs schwingt, ohne dabei ihren Rahmen zu berühren. Ein Rohrblatt wie bei Klarinette oder Oboe schlägt dagegen bei jedem Schwingungszyklus gegen eine Öffnung und unterbricht den Luftstrom kurz vollständig. Nach diesem Prinzip der freien Zunge arbeiten auch die Mundharmonika und das Akkordeon.

Wird der Bawu quer oder gerade gehalten?

Der Bawu wird je nach Bauform entweder quer wie eine Querflöte oder aufrecht wie eine Blockflöte gehalten. Die quer gehaltene Bauform ist die bekanntere. In beiden Fällen liegt der Mund am Kopfende des Rohrs an derselben Stelle, an der die Metallzunge sitzt, und der Ton entsteht unabhängig von der Haltung immer an dieser Zunge, nicht durch das Anblasen einer Kante wie bei einer echten Flöte.

Woher stammt der Bawu?

Der Bawu stammt aus der Provinz Yunnan im Südwesten Chinas und ist traditionell mit den dort lebenden Volksgruppen der Yi, Dai, Hani und Miao verbunden. Schriftliche Belege reichen mindestens bis in die 1644 begonnene Qing-Dynastie zurück. Erst 1956 wurde der Bawu mit einem eigens für ihn komponierten Solostück auch außerhalb Yunnans bekannt und fand danach Eingang in Konservatorien und chinesische Volksmusikensembles.

Was unterscheidet den Bawu vom Hulusi?

Der Bawu besteht aus einem einzigen Bambusrohr mit einer freischwingenden Zunge, während der verwandte Hulusi zusätzlich einen Kürbis als Windkammer besitzt, an den neben dem Spielrohr meist ein oder zwei stumme Bordunrohre angesetzt sind. Beide Instrumente nutzen dieselbe freischwingende Metallzunge zur Tonerzeugung, unterscheiden sich aber deutlich im Aufbau und im Klangbild, weil die Bordunrohre des Hulusi einen liegenden Grundton mitklingen lassen, den der Bawu nicht kennt.

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