Khaen

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A Laotian khene bamboo mouth organ: multiple bamboo pipes of varying length bound in two rows through a narrow wooden windchest. Bild: KI generiert.
A Laotian khene bamboo mouth organ: multiple bamboo pipes of varying length bound in two rows through a narrow wooden windchest. Bild: KI generiert.

Zusammenfassung

Der Khaen, auch Khene oder Khen geschrieben, ist eine Mundorgel aus Laos und der Isan-Region Nordostthailands, bei der Atemluft mehrere Bambuspfeifen mit freischwingenden Metallzungen zum Klingen bringt. Die Pfeifen stecken in zwei Reihen durch einen schmalen Windkasten aus Hartholz, den die spielende Person mit beiden Händen umschließt. Jede Pfeife trägt ein Fingerloch: Erst wenn der Finger dieses Loch schließt, kann die zugehörige Zunge schwingen und ein Ton erklingt. Der Khaen gilt als Nationalinstrument von Laos und begleitet dort wie im benachbarten Isan die gesungene Erzähltradition Mor Lam. 2017 nahm die UNESCO die Khaen-Musik des laotischen Volkes in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf.

Der Khaen, auch Khene oder Khen geschrieben, ist eine Mundorgel aus Laos und der Isan-Region Nordostthailands, bei der Atemluft mehrere Bambuspfeifen mit freischwingenden Metallzungen zum Klingen bringt. Die Pfeifen stecken in zwei Reihen durch einen schmalen Windkasten aus Hartholz, den die spielende Person mit beiden Händen umschließt. Jede Pfeife trägt ein Fingerloch: Erst wenn der Finger dieses Loch schließt, kann die zugehörige Zunge schwingen und ein Ton erklingt. Der Khaen gilt als Nationalinstrument von Laos und begleitet dort wie im benachbarten Isan die gesungene Erzähltradition Mor Lam. 2017 nahm die UNESCO die Khaen-Musik des laotischen Volkes in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf.

16Pfeifen, häufigste Bauform
2Pfeifenreihen im Windkasten
2017UNESCO-Kulturerbe
LaosNationalinstrument

Wie erzeugt der Khaen seinen Ton?

Der Khaen erzeugt seinen Ton über eine freischwingende Metallzunge in jeder einzelnen Pfeife. Am unteren Ende jeder Pfeife, dort wo sie im Windkasten sitzt, sitzt eine hauchdünne Zunge aus Bronze oder einer Kupfer-Silber-Legierung in einem passgenauen Schlitz. Strömt Luft durch diesen Schlitz, schlägt die Zunge gegen ihren Rahmen und gerät ins Schwingen; genau diese Schwingung erzeugt den Ton der Pfeife. Ob eine Pfeife klingt, entscheidet aber nicht allein der Luftstrom, sondern das Fingerloch an ihrer Außenseite: Bleibt es offen, entweicht die Luft dort, bevor sie genug Druck auf die Zunge aufbaut, und die Pfeife schweigt. Erst wenn ein Finger das Loch schließt, staut sich die Luft, treibt die Zunge an und der Ton setzt ein. Die symmetrische Zunge des Khaen schwingt beim Einatmen genauso wie beim Ausatmen und liefert dadurch einen fast ununterbrochenen Klang; die Mundharmonika braucht dafür zwei getrennte, asymmetrische Zungen je Kanal, eine für den Blas- und eine für den Ziehton.

Am Khaen schaltet das Fingerloch den Ton ein, nicht aus. Erst wenn ein Finger das Loch schließt, staut sich die Luft vor der Metallzunge und die Pfeife klingt; bei offenem Loch entweicht die Luft ungenutzt und die Pfeife bleibt stumm.

Wie ist der Khaen aufgebaut?

Zwei parallele Reihen von Bambuspfeifen unterschiedlicher Länge durchqueren einen tailliert geschnitzten Windkasten aus Hartholz, den die Lao Tao nennen. Bienenwachs dichtet jede Pfeife an ihrer Durchtrittsstelle luftdicht ab, damit beim Spielen keine Luft am Windkasten vorbei entweicht. In der Mitte des Windkastens sitzt ein Mundstück, durch das die spielende Person Luft ein- und ausbläst. Je länger eine Pfeife, desto tiefer der Ton, den ihre Zunge erzeugt; die kürzesten Pfeifen liegen außen, die längsten in der Mitte der beiden Reihen.

MerkmalKhaen
FamilieAerophon, Mundorgel mit freischwingenden Zungen
HerkunftLaos, Isan-Region Nordostthailands
Pfeifenzahl12 bis 18, je nach Bauform; 16 am häufigsten
Material der PfeifenBambus
Material der ZungenBronze oder Kupfer-Silber-Legierung
WindkastenHartholz, laotisch Tao
AbdichtungBienenwachs
StatusNationalinstrument von Laos, UNESCO-Kulturerbe seit 2017

Welche Bauformen des Khaen gibt es?

Die Bauformen des Khaen tragen laotische Zahlwörter, die die Anzahl der Pfeifenpaare je Reihe benennen. Der Khaen Hok besitzt sechs Pfeifenpaare und damit zwölf Pfeifen insgesamt, der Khaen Jet sieben Paare und vierzehn Pfeifen. Am weitesten verbreitet ist der Khaen Paet mit acht Paaren und sechzehn Pfeifen; er gilt als Standardbauform für Mor-Lam-Musik. Der Khaen Gao erreicht mit neun Paaren achtzehn Pfeifen und damit den größten Tonumfang der gebräuchlichen Bauformen. Kleinere Ausführungen mit wenigen Pfeifen dienen vor allem dem Erlernen des Instruments, größere Bauformen erweitern die spielbaren Tonarten.

12 Khaen Hok 6 Paare 14 Khaen Jet 7 Paare 16 Khaen Paet 8 Paare 18 Khaen Gao 9 Paare
Die Bauformen des Khaen unterscheiden sich in der Zahl der Pfeifenpaare je Reihe, vom Khaen Hok mit zwölf bis zum Khaen Gao mit achtzehn Pfeifen.

Wie spielt man den Khaen?

Die spielende Person hält den Khaen schräg vor dem Körper, während beide Hände den Windkasten von den Seiten umschließen und die Finger die Löcher der einzelnen Pfeifen erreichen. Weil die Zungen unabhängig von der Luftrichtung schwingen, entsteht beim Ein- und Ausatmen ein durchgehender Klang ohne Pausen zwischen den Atemzügen. Schließt die spielende Person mehrere Löcher gleichzeitig, klingen die zugehörigen Pfeifen zusammen und ergeben einen Akkord; einzelne Pfeifen bleiben dabei oft dauerhaft geschlossen und liefern einen liegenden Grundton, während die übrigen Finger die Melodie greifen. Diese Kombination aus Dauerton und wechselnden Melodiestimmen trägt den charakteristischen Klang des Khaen und lässt ihn wie ein kleines, tragbares Harmonium wirken.

Was unterscheidet den Khaen vom Sheng und vom Lusheng?

Der Khaen teilt sein Klangprinzip mit dem chinesischen Sheng und dem Lusheng der Miao und Dong: Alle drei sind Mundorgeln mit freischwingenden Zungen und Fingerlöchern, die den Ton erst durch Schließen freigeben. Der sichtbarste Unterschied liegt in der Form des Windkastens: Der Sheng bündelt seine Pfeifen kreisförmig um eine runde Windkammer, während der Khaen seine Pfeifen in zwei flachen, parallelen Reihen durch einen länglichen Windkasten führt. Der Lusheng trägt meist nur wenige, dafür deutlich längere Pfeifen und nutzt eine Windkammer aus Holz oder einem ausgehöhlten Kürbis. Auch der chinesische Bawu nutzt eine freischwingende Metallzunge, besitzt aber nur eine einzige Pfeife mit Grifflöchern wie eine Querflöte und zählt deshalb nicht zu den Mundorgeln im engeren Sinn.

Welche Musik prägt den Khaen?

Der Khaen begleitet in Laos und im benachbarten Isan vor allem den Mor Lam, eine gesungene Erzähltradition, bei der eine Sängerin oder ein Sänger in langen, melismatischen Linien über einem Bordunklang des Khaen improvisiert. Ursprünglich trug Mor Lam Geschichten, buddhistische Erzählungen und Neuigkeiten von Dorf zu Dorf, heute tritt die Form auch bei Festen und auf Bühnen auf. Wegen seiner Bedeutung für Familie und Dorfgemeinschaft nahm die UNESCO die Khaen-Musik des laotischen Volkes 2017 in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf. Der Sheng, dessen Freireed-Prinzip der Khaen teilt, gelangte im 18. Jahrhundert nach Europa und lieferte dort einen Anstoß für die Entwicklung von Mundharmonika, Akkordeon und Harmonium im 19. Jahrhundert.

Häufige Fragen zum Khaen

Wie viele Pfeifen hat ein Khaen?

Ein Khaen hat je nach Bauform zwischen zwölf und achtzehn Pfeifen. Die kleine Ausführung Khaen Hok trägt zwölf Pfeifen, der verbreitete Khaen Paet sechzehn und der Khaen Gao achtzehn Pfeifen in zwei parallelen Reihen.

Woher kommt der Khaen?

Der Khaen stammt aus Laos und der Isan-Region Nordostthailands und gilt als Nationalinstrument von Laos. 2017 nahm die UNESCO die Khaen-Musik des laotischen Volkes in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf.

Warum klingt eine Khaen-Pfeife erst bei geschlossenem Loch?

Eine Khaen-Pfeife klingt erst, wenn der Finger ihr Loch schließt, weil sonst die eingeblasene Luft am Loch entweicht, statt an der Metallzunge im Pfeifeninneren Druck aufzubauen. Erst der Stau vor der geschlossenen Öffnung bringt die Zunge zum Schwingen und erzeugt den Ton.

Ist der Khaen mit dem Sheng verwandt?

Der Khaen ist dem chinesischen Sheng über das gemeinsame Klangprinzip verwandt: Beide sind Mundorgeln mit freischwingenden Metallzungen, deren Fingerlöcher den Ton ein- und ausschalten. Sie unterscheiden sich vor allem in der Form des Windkastens, rund beim Sheng und länglich mit zwei Pfeifenreihen beim Khaen.

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