Die Mundharmonika ist ein Blasinstrument mit durchschlagenden Zungen. Jeder Kanal trägt zwei davon, eine für den Blaston und eine für den Ziehton, deshalb liefert dieselbe Öffnung zwei Tonhöhen. Daraus folgen Stimmung und Spielweise.
Wie erzeugt die Mundharmonika ihren Ton?
Den Ton erzeugt eine durchschlagende Zunge. Ein Niet hält den Metallstreifen an einem Ende fest, das freie Ende schwingt durch einen passgenauen Schlitz der Stimmplatte. Der Luftstrom drückt die Zunge hindurch, sie federt zurück und unterbricht den Strom periodisch.
Die beiden Zungen eines Kanals sitzen auf getrennten Stimmplatten, die obere in der Kanalkammer, die untere außen. Beim Blasen spricht die obere an, beim Ziehen die untere; die jeweils andere presst der Luftstrom gegen ihren Schlitz.
Dasselbe Prinzip arbeitet im Akkordeon und in der Konzertina, nur liefert dort ein Balg die Luft. Mit der steirischen Harmonika teilt die Mundharmonika die Wechseltönigkeit: Auch dort klingt auf Zug ein anderer Ton als auf Druck.
Welche Bauarten der Mundharmonika gibt es?
Die diatonische Richter-Mundharmonika, auch Blues Harp genannt, hat zehn Kanäle und steht in einer einzigen Tonart.
Die chromatische Mundharmonika trägt seitlich einen Schieber. Drückt der Spieler ihn ein, lenkt er die Luft auf eine zweite Kanalreihe einen Halbton höher und erreicht so alle zwölf Halbtöne.
Tremolo- und Oktavmundharmonika belegen jeden Ton mit zwei Zungen. Bei der Tremolomundharmonika stehen sie leicht gegeneinander verstimmt und erzeugen eine Schwebung, bei der Oktavmundharmonika eine Oktave auseinander und klingen voller.
Wie ist die diatonische Mundharmonika gestimmt?
Die diatonische Mundharmonika folgt der Richter-Belegung. Auf einer C-Harp ergeben die Blastöne über alle zehn Kanäle den C-Dur-Dreiklang C, E und G, die Ziehtöne lauten D, G, H, D, F, A, H, D, F und A.
Dadurch steht die Dur-Tonleiter in der mittleren Oktave, den Kanälen 4 bis 7, vollständig. In der unteren Oktave fehlen F und A, denn die Belegung opfert sie zwei Akkorden: Bläst der Spieler mehrere Kanäle zugleich, klingt C-Dur, zieht er, klingt G-Dur. Beide Töne muss er aus Kanal 2 und 3 nach unten ziehen, weshalb das Bending im Blues Grundtechnik ist.
Wie funktionieren Bending und Overblow auf der Mundharmonika?
Beim Bending senkt der Spieler die Tonhöhe, indem er Ansatz und Mundraum verändert. Er zieht den Zungenrücken zurück, der Resonanzraum im Mund wächst und seine Frequenz sinkt. Daraufhin schwingen beide Zungen des Kanals gemeinsam, die höher gestimmte gibt Tonhöhe ab, und der Ton gleitet stufenlos nach unten, auf Kanal 3 um bis zu drei Halbtöne.
Biegen kann der Spieler nur die höher gestimmte Zunge: in den Kanälen 1 bis 6 die Ziehzunge, ab Kanal 7 die Blaszunge.
Der Overblow arbeitet umgekehrt: Der Spieler drosselt die Blaszunge, bis sie verstummt, und bringt die Ziehzunge desselben Kanals gegen die Luftrichtung zum Klingen. Sie schwingt dann oberhalb ihrer Stimmung, meist eine kleine Terz über dem Blaston, und liefert die fehlenden Halbtöne.
Warum spielt man die Mundharmonika in der zweiten Position?
In der zweiten Position tragen die Ziehtöne die Melodie, und nur diese biegt der Spieler in der unteren Oktave. Diese Spielweise heißt Cross Harp: Der Musiker nimmt eine C-Harp und spielt darauf in G, eine Quinte höher. Wer in A spielen will, greift zur D-Harp.
Das liegt an der Richter-Belegung: Der Grundton G liegt auf Kanal 2 im Ziehen und auf Kanal 3 im Blasen, die Ziehtöne der Kanäle 2, 3 und 4 ergeben G-Dur.
Auf der Zugseite liegen zugleich die Blue Notes: die kleine Septime F unverändert auf Kanal 5, die kleine Terz B als Halbton-Bending des Ziehtons auf Kanal 3, die verminderte Quinte Des ebenso auf Kanal 4.
Häufige Fragen zur Mundharmonika
Wie viele Töne hat eine Mundharmonika?
Eine diatonische Mundharmonika mit zehn Kanälen trägt zwanzig Zungen. Zwei klingen gleich, der Ziehton auf Kanal 2 und der Blaston auf Kanal 3, deshalb bleiben ohne Bending neunzehn Tonhöhen über knapp drei Oktaven.
Welche Mundharmonika eignet sich für Anfänger?
Für Anfänger eignet sich eine diatonische Richter-Mundharmonika in C, weil die meisten Lehrwerke dieses Instrument voraussetzen. Eine chromatische Mundharmonika lohnt sich erst bei notierten Melodien in wechselnden Tonarten.
Was unterscheidet die Mundharmonika vom Akkordeon?
Die Mundharmonika und das Akkordeon erzeugen ihren Ton beide über durchschlagende Zungen. Sie unterscheiden sich in der Luftquelle: Bei der Mundharmonika liefert der Atem die Luft, beim Akkordeon ein Balg.



