Piccolo-Oboe

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Bild: vivasis / Shutterstock.com
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Zusammenfassung

Die Piccolo-Oboe (auch Piccoloboe, Oboe musette oder Sopranino-Oboe genannt) ist ein Aerophon mit Doppelrohrblatt und das kleinste, höchstklingende Mitglied der Oboenfamilie. Sie entstand im späten 19. Jahrhundert in der französisch-italienischen Doppelrohrblatt-Bautradition, ein frühes bekanntes Exemplar baute die Pariser Werkstatt Martin Frères um 1883, und wurde vor allem im frühen 20. Jahrhundert in europäischen und amerikanischen Militär- und Marschkapellen eingesetzt.

Die Piccolo-Oboe (auch Piccoloboe, Oboe musette oder Sopranino-Oboe genannt) ist ein Aerophon mit Doppelrohrblatt und das kleinste, höchstklingende Mitglied der Oboenfamilie. Sie entstand im späten 19. Jahrhundert in der französisch-italienischen Doppelrohrblatt-Bautradition, ein frühes bekanntes Exemplar baute die Pariser Werkstatt Martin Frères um 1883, und wurde vor allem im frühen 20. Jahrhundert in europäischen und amerikanischen Militär- und Marschkapellen eingesetzt. Wie die Es-Klarinette ist sie ein transponierendes Instrument, das je nach Bauform in F oder Es klingt. In deutschsprachigen Quellen wird sie manchmal auch schlicht als Oboe musette oder Piccoloboe bezeichnet, um sie von der Piccoloflöte begrifflich klar abzugrenzen, mit der sie außer der hohen Tonlage nichts gemein hat: Die eine ist ein Holzblasinstrument mit Doppelrohrblatt, die andere eine Querflöte ohne jedes Rohrblatt.

Wie klingt die Piccolo-Oboe?

Der Klang der Piccolo-Oboe ist hell, scharf und durchdringend, noch schneidender und höher als der einer regulären Oboe, mit derselben charakteristischen, leicht näselnden Doppelrohrblatt-Klangfarbe. Diese Durchsetzungskraft war der eigentliche Zweck des Instruments: In Marschkapellen im Freien sollte die Piccolo-Oboe eine hohe, klar hörbare Stimme über dem Gesamtklang der Kapelle liefern, ähnlich der Funktion einer Piccoloflöte im sinfonischen Blasorchester. Weil das Rohrblatt proportional zur Instrumentengröße ebenfalls sehr klein ausfällt, klingt die Piccolo-Oboe insgesamt konzentrierter und obertonreicher als die normale Oboe, was ihr eine fast durchdringend-nasale Präsenz verleiht, die in einer großen Marschformation auch über Trommeln und Blechbläser hinweg hörbar bleibt.

Woraus besteht die Piccolo-Oboe?

Wie jede Oboe besteht die Piccolo-Oboe aus einem geraden, konisch gebohrten Korpus aus gedrechseltem Holz (meist Grenadill), zusammengesetzt aus mehreren Teilstücken, sie wird also nicht gebogen oder verdreht gefertigt. Der Ton entsteht nicht über ein starres Mundstück, sondern über ein doppeltes Rohrblatt aus Pfahlrohr (Arundo donax), das der Spieler unmittelbar mit den Lippen in Schwingung versetzt; ein separates, festes Mundstück wie bei Klarinette oder Saxofon besitzt die Oboenfamilie grundsätzlich nicht.

Tonhöhe und Griffweise werden über ein System aus Metallklappen gesteuert, die Grifflöcher entlang des Korpus öffnen und schließen, Ventile, wie sie bei Blechblasinstrumenten üblich sind, kommen bei der Oboenfamilie nicht zum Einsatz. Moderne Instrumente werden unter anderem von den französischen Werkstätten F. Lorée (Stimmung in F) und Marigaux (Stimmung in Es) sowie der italienischen Werkstatt Fratelli Patricola (Stimmung in Es) gebaut. Wegen der geringen Größe des Instruments fällt auch das Rohrblatt entsprechend schmaler und kürzer aus als bei einer regulären Oboe, was die Ansprache empfindlicher macht und die Herstellung passender Rohrblätter zu einer eigenen Spezialdisziplin werden lässt.

Wie spielt man die Piccolo-Oboe?

Die Spieltechnik der Piccolo-Oboe entspricht im Kern der einer normalen Oboe, verlangt wegen der geringeren Größe und höheren Lage aber eine noch feinere Ansatz- und Atemkontrolle. Der Ton wird durch die Spannung der Lippen um das Doppelrohrblatt (Ansatz) sowie durch einen kontrollierten, gleichmäßigen Luftstrom aus dem Zwerchfell erzeugt; ein Vibrato entsteht durch feine, rhythmische Schwankungen des Atemdrucks aus dem Zwerchfell, nicht durch Fingerbewegungen an den Klappen.

Da das Instrument transponiert, je nach Bauform klingt es eine kleine Terz oder eine reine Quarte höher als notiert -, müssen Spieler zusätzlich zur eigentlichen Oboentechnik lernen, mit dieser Transposition umzugehen, ähnlich wie Klarinettisten beim Wechsel zwischen verschiedenen Klarinettenstimmungen. In der Praxis spielen die meisten Piccolo-Oboisten das Instrument nicht durchgehend, sondern wechseln innerhalb eines Programms gezielt zwischen normaler Oboe und Piccolo-Oboe, je nachdem, welche Klangfarbe eine Passage verlangt.

Typische Musikstile mit der Piccolo-Oboe

Historisch ist die Piccolo-Oboe vor allem mit der französischen und italienischen Militär- und Marschmusiktradition des frühen 20. Jahrhunderts verbunden, wo sie in Blaskapellen eine hohe, durchdringende Stimme lieferte. Ein eigenständiges Orchester- oder Solorepertoire ist dagegen sehr klein geblieben; das Instrument gilt bis heute als Rarität, die nur von spezialisierten Oboistinnen und Oboisten zusätzlich zu ihrem Hauptinstrument gespielt wird.

Vereinzelt griffen Komponisten der Neuen Musik im 20. Jahrhundert die besondere Klangfarbe der Piccolo-Oboe für zeitgenössische Werke auf, meist im Rahmen größerer Familien-Besetzungen für einen einzelnen Oboisten mit mehreren Oboentypen. Anders als etwa die Piccoloflöte im sinfonischen Repertoire hat die Piccolo-Oboe nie einen festen Stammplatz im klassischen Orchester erobert und blieb ein Spezialinstrument für gezielt eingesetzte Klangfarben.

Bekannte Lieder mit der Piccolo-Oboe

  1. Bruno Maderna: "Solo" für Oboeninstrumente (1971), eines der wenigen Werke der Neuen Musik, das die Piccolo-Oboe explizit als Teil einer Instrumentenfamilie für einen einzelnen Oboisten vorschreibt.
  2. Bruno Maderna: Oboenkonzert Nr. 2, enthält ebenfalls Passagen für Piccolo-Oboe innerhalb der erweiterten Oboenfamilie.
  3. Paolo Renosto: "Ar-Loth" (1967), ein weiteres zeitgenössisches italienisches Werk, das die hohe Klangfarbe des Instruments nutzt.
  4. Die europäische Militär- und Marschkapellentradition des frühen 20. Jahrhunderts, insbesondere in Frankreich und Italien, in der die Piccolo-Oboe ihre eigentliche historische Rolle als hohe Melodiestimme hatte.
  5. Werkstätten wie F. Lorée, Marigaux und Fratelli Patricola, die bis heute Piccolo-Oboen vor allem für dieses spezialisierte Marsch- und Neue-Musik-Repertoire bauen; frühe erhaltene Instrumente von Werkstätten wie Denis aîné-Noblet aus dem 19. Jahrhundert dokumentieren zudem die Entwicklungsgeschichte der Oboe musette hin zur heutigen Piccolo-Oboe.

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