Schlitztrommel

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A slit drum: a solid hollowed wooden log with long lengthwise slits cutting tongues of differing thickness. Bild: KI generiert.
A slit drum: a solid hollowed wooden log with long lengthwise slits cutting tongues of differing thickness. Bild: KI generiert.

Zusammenfassung

Die Schlitztrommel ist ein Idiophon: ein einzelner, ausgehöhlter Holzkörper ohne gespanntes Fell, dessen Klang allein aus dem schwingenden Holz selbst entsteht. Ein oder zwei Schlitze an der Oberseite trennen im Inneren zwei oder mehr Holzzungen unterschiedlicher Dicke und Länge ab, jede mit einer eigenen Tonhöhe. Gebaut und gespielt wurde sie unabhängig voneinander in Afrika, in Ozeanien, in Mesoamerika und in Ostasien, was sie zu einer der am weitesten verbreiteten Bauformen unter den Idiophonen macht. In mehreren afrikanischen Kulturen diente sie neben der Musik auch als Signalinstrument, mit dem sich Nachrichten über größere Entfernungen weitergeben ließen.

Die Schlitztrommel ist ein Idiophon: ein einzelner, ausgehöhlter Holzkörper ohne gespanntes Fell, dessen Klang allein aus dem schwingenden Holz selbst entsteht. Ein oder zwei Schlitze an der Oberseite trennen im Inneren zwei oder mehr Holzzungen unterschiedlicher Dicke und Länge ab, jede mit einer eigenen Tonhöhe. Gebaut und gespielt wurde sie unabhängig voneinander in Afrika, in Ozeanien, in Mesoamerika und in Ostasien, was sie zu einer der am weitesten verbreiteten Bauformen unter den Idiophonen macht. In mehreren afrikanischen Kulturen diente sie neben der Musik auch als Signalinstrument, mit dem sich Nachrichten über größere Entfernungen weitergeben ließen.

IdiophonInstrumentenfamilie
2typische Tonhöhen je Trommel
keinFell oder Membran
4Kontinente mit eigenständiger Bauform

Was ist eine Schlitztrommel?

Eine Schlitztrommel ist trotz ihres Namens keine Trommel im engeren Sinn, sondern ein Idiophon: Der Ton entsteht durch das schwingende Material des Instruments selbst, nicht durch ein gespanntes Fell. Die Instrumentenkunde trennt sie deshalb klar von Membranophonen wie der sprechenden Trommel Westafrikas, deren Klang über zwei gespannte Ziegenfelle entsteht. Der Korpus der Schlitztrommel besteht aus einem einzigen Stück Holz, meist einem ausgehöhlten Baumstamm, seltener einem massiven Holzkasten. Ihren Namen verdankt sie dem charakteristischen Schlitz an der Oberseite, durch den das Innere ausgehöhlt wird und durch den zugleich die klingenden Zungen entstehen.

Wie ist eine Schlitztrommel aufgebaut?

Ein einziger Schlitz in Längsrichtung oder zwei Schlitze in H-Form trennen auf der Oberseite des Holzkörpers zwei oder mehr Zungen vom übrigen Material ab; jede Zunge bleibt dabei nur an ihren Enden mit dem umgebenden Holz verbunden. Dicke und Länge dieser Zungen bestimmen die Tonhöhe: In den meisten Bauformen macht vor allem die Dicke den Unterschied, bei anderen zusätzlich die Länge. Eine dickere oder kürzere Zunge schwingt schneller und klingt höher, eine dünnere oder längere Zunge schwingt langsamer und klingt tiefer. Die meisten Schlitztrommeln erzeugen auf diese Weise zwei unterschiedliche Töne, größere Instrumente mit mehreren Schlitzen entsprechend mehr. Durch den Schlitz wird zugleich der Innenraum des Stamms ausgehöhlt, wodurch der Korpus als Resonanzraum wirkt und den Klang verstärkt.

MerkmalSchlitztrommel
FamilieIdiophon, kein Fell oder Membran
Korpusein einzelnes Stück Holz, meist ein ausgehöhlter Baumstamm
Schlitzformein Längsschlitz oder zwei Schlitze in H-Form
Tonhöhenmeist zwei, abhängig von Dicke und Länge der Zungen
AnschlagSchlägel oder Stöcke, meist mit Gummi oder Leder umwickelt
VerbreitungAfrika, Ozeanien, Mesoamerika, Ostasien
Korpus: ein Stück Holz, von oben gesehen dickere Zunge, höherer Ton dünnere Zunge, tieferer Ton
Der H-förmige Schlitz trennt zwei gleich lange Holzzungen ab: Die dickere Zunge oben klingt höher, die dünnere Zunge unten klingt tiefer.

Welche regionalen Bauformen der Schlitztrommel gibt es?

Aztekische und weitere mesoamerikanische Kulturen bauten die Teponaztli, einen liegenden Holzkörper mit H-förmigem Doppelschlitz und zwei gleich langen, aber unterschiedlich dicken Zungen, die meist im Abstand einer Terz oder Quart zueinander klingen. Gespielt wurde sie mit gummibespannten Schlägeln oder den Enden von Hirschgeweihen bei religiösen und zeremoniellen Anlässen, oft trug der Korpus geschnitzte Tier- oder Menschenfiguren. Bei den Maya erfüllte die ähnlich gebaute Tunkul dieselbe Funktion; in Yucatán wird sie bis heute bei kirchlichen Festen gespielt.

Auf der vanuatuischen Insel Ambrym schnitzen Handwerker aus Brotfruchtbaumstämmen mehrere Meter hohe, stehende Schlitztrommeln mit Ahnengesichtern, dort atingting kon genannt. Auf der Nachbarinsel Malekula tragen vergleichbare Trommeln andere, je nach Sprache wechselnde Namen; die Landessprache Bislama fasst alle Bauformen unter dem Sammelbegriff tamtam zusammen. In chinesischen buddhistischen Tempeln kommt dagegen der kleinere, fischförmig geschnitzte Holzfisch (Muyu) zum Einsatz, ein Schlitzidiophon mit nur einem Schlitz und einer einzigen Tonhöhe, das beim gemeinsamen Rezitieren von Sutren den Rhythmus vorgibt; ein verwandtes Instrument heißt in Korea Moktak.

Wie diente die Schlitztrommel als Signalinstrument?

In Teilen Afrikas reichte die Nutzung der Schlitztrommel über die Musik hinaus. An Flussläufen oder in Tälern aufgestellt, trug ihr Klang über größere Entfernungen als die menschliche Stimme. Bei den Igbo in Nigeria riefen große, fest installierte Ekwe-Trommeln die Dorfgemeinschaft mit jeweils eigenen, festgelegten Rhythmusfolgen zu Versammlungen zusammen oder kündigten Feuer, Diebstahl oder Überschwemmung an, ein Signalcode mit fest zugeordneter Bedeutung für einzelne Ereignisse.

Weiter ging die Nutzung bei den Lokele in der Demokratischen Republik Kongo: Ihre zweitönige Lokole-Trommel gibt die Tonhöhenfolge ihrer eigenen, tonalen Sprache wieder, in der jede Silbe einen hohen oder tiefen Ton trägt. Weil viele Wörter dieselbe Tonfolge teilen und deshalb über die Trommel allein nicht eindeutig sind, griffen die Spieler auf feste, bekannte Redewendungen zurück statt auf frei formulierte Sätze. Das oft als "Trommelsprache" bezeichnete Verfahren ist deshalb eher ein begrenztes, aber wirkungsvolles Signalvokabular als eine vollständige Sprache; nach vorliegenden Berichten trugen die Signale mehrere Kilometer weit.

Wie spielt man eine Schlitztrommel?

Gespielt wird die Schlitztrommel mit ein oder zwei Schlägeln oder Stöcken, deren Kopf häufig mit Gummi oder Leder umwickelt ist, um das Holz zu schonen und den Ton abzudämpfen. Die Schläge treffen die Zungen jeweils nahe am Schlitz, wo die Schwingung am stärksten ausschlägt. Weil die Zungen unterschiedlich klingen, lassen sich schon mit einer einzigen Schlitztrommel einfache Zweiton-Muster spielen; größere Bauformen mit mehreren Schlitzen erlauben entsprechend mehr Töne. In Ensembles übernimmt die Schlitztrommel häufig den Grundrhythmus, während andere Instrumente wie das westafrikanische Stabspiel Balafon Melodie und Verzierung ergänzen. Anders als der metallene Gong besteht die Schlitztrommel vollständig aus Holz, auch wenn beide Instrumente zu den Idiophonen zählen.

Häufige Fragen zur Schlitztrommel

Ist die Schlitztrommel eine echte Trommel?

Nein, die Schlitztrommel ist keine echte Trommel im engeren Sinn, sondern ein Idiophon. Anders als bei einer Trommel mit gespanntem Fell entsteht ihr Klang ausschließlich durch das schwingende Holz des Korpus selbst, das keine Membran bedeckt.

Wie entstehen die unterschiedlichen Töne der Schlitztrommel?

Die unterschiedlichen Töne der Schlitztrommel entstehen durch Holzzungen, die der Schlitz an der Oberseite vom übrigen Korpus abtrennt. Eine dickere oder kürzere Zunge klingt höher, eine dünnere oder längere Zunge tiefer, weil sie langsamer schwingt.

Was ist die Teponaztli?

Die Teponaztli ist die Schlitztrommel aztekischer und weiterer mesoamerikanischer Kulturen: ein liegender Holzkörper mit H-förmigem Doppelschlitz und zwei gleich langen, aber unterschiedlich dicken Zungen. Bei den Maya erfüllte die ähnlich gebaute Tunkul dieselbe Funktion; in Yucatán wird sie bis heute bei kirchlichen Festen gespielt.

Konnte man mit der Schlitztrommel wirklich Nachrichten übermitteln?

Ja, allerdings nur eingeschränkt. Die Lokele in der Demokratischen Republik Kongo trommelten mit ihrer zweitönigen Lokole-Trommel die Tonhöhenfolge ihrer tonalen Sprache nach und übertrugen so Nachrichten über mehrere Kilometer. Weil einzelne Wörter dieselbe Tonfolge teilen, griffen die Spieler dabei auf feste, bekannte Redewendungen zurück statt auf frei komponierte Sätze.

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