Die sprechende Trommel ist ein Membranophon aus Westafrika, eine sanduhrförmige, zweifellige Trommel mit variabler Tonhöhe, die bei den Yoruba (Nigeria) Dùndún, bei den Hausa Kalangu und bei den Wolof (Senegal) Tama oder Gangan genannt wird. Ihren Namen verdankt sie der Fähigkeit, durch gezieltes Verändern der Fellspannung während des Spiels die Tonhöhen- und Rhythmusmuster gesprochener, oft tonaler Sprachen nachzuahmen, wodurch geübte Spieler tatsächlich sprachähnliche Botschaften trommeln können.
Wie klingt die sprechende Trommel?
Der Klang der sprechenden Trommel ist außergewöhnlich wandelbar: Durch das Zusammenspiel aus Schlag und Druck auf die Spannschnüre gleitet die Tonhöhe während eines einzelnen Schlags nach oben oder unten, was der Trommel ihren charakteristischen, fast vokalen "sprechenden" Klang verleiht. Je nach Spannung reicht das Klangspektrum von tiefen, grollenden Tönen bis zu hohen, scharfen Akzenten.
Woraus besteht die sprechende Trommel?
Der Korpus der sprechenden Trommel wird aus einem Stück Holz zu einer charakteristischen Sanduhrform geschnitzt, schmal in der Taille, mit zwei nach außen geweiteten Enden. Beide Öffnungen sind mit Ziegenfell bespannt, das über geflochtene Lederschnüre miteinander verbunden ist: Diese Spannschnüre verlaufen längs über die schmale Taille des Korpus und verbinden die beiden Felle direkt miteinander, ein System aus Metallstäben und Schlüsseln, wie es mitunter beschrieben wird, existiert bei diesem Instrument nicht.
Genau dieses Schnursystem macht die Trommel überhaupt erst "sprechend": Da beide Felle über dieselben Schnüre verbunden sind, verändert Druck auf die Schnüre unmittelbar die Spannung und damit die Tonhöhe beider Felle gleichzeitig.
Wie spielt man die sprechende Trommel?
Die sprechende Trommel wird unter dem Arm getragen, mit der Taille der Sanduhrform zwischen Oberarm und Rippen. Mit einem einzigen, gebogenen Schlagstock schlägt der Spieler auf eines der beiden Felle, während er gleichzeitig mit dem Arm die Spannschnüre zusammendrückt oder entspannt, dieser Armdruck verändert die Tonhöhe während des Klingens und erzeugt die charakteristischen gleitenden, sprachimitierenden Tonfolgen.
Diese Technik unterscheidet sich grundlegend von zweihändigem Trommelspiel wie bei Djembe oder Darbuka: Es kommt weder ein Kalebassen-Resonator noch eine zweihändige Fingertechnik zum Einsatz, sondern ausschließlich die Kombination aus einhändigem Stockschlag und Armdruck auf die Schnüre.
In vielen westafrikanischen Kulturen erfordert das Spiel jahrelanges Training, da erfahrene Trommler tatsächlich Wörter, Sprichwörter und Grußformeln der jeweiligen Tonsprache, etwa Yoruba, nachbilden können. Historisch diente die sprechende Trommel deshalb auch der Kommunikation über weite Entfernungen und der Verkündigung von Botschaften an Königshöfen.
Typische Musikstile mit der sprechenden Trommel
In Nigeria ist die Dùndún zentrales Instrument der Juju-Musik, die traditionelle Yoruba-Rhythmen mit E-Gitarren und modernen Bandinstrumenten verbindet, maßgeblich geprägt von King Sunny Adé und seinen African Beats. Auch in Fela Kutis Afrobeat spielt die sprechende Trommel eine tragende rhythmische Rolle. Im Senegal ist die verwandte Tama fester Bestandteil des Mbalax, des von Youssou N'Dour populär gemachten Musikstils.
Bekannte Lieder mit der sprechenden Trommel
1. Album "Juju Music" (1982) von King Sunny Adé & His African Beats: Das international erfolgreichste Album der Juju-Musik, in dem interlockende Dùndún-Rhythmen den Klang maßgeblich prägen. 2. Fela Kutis Afrobeat-Aufnahmen der 1970er Jahre, in denen die sprechende Trommel regelmäßig als rhythmisches und kommunikatives Element eingesetzt wird. 3. Youssou N'Dour & Super Étoile de Dakar: Ihr charakteristischer Mbalax-Sound wird maßgeblich vom Tama-Spiel des langjährigen Bandmitglieds Assane Thiam getragen.




